Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „BRD“

Alfred AlfredFinance

Samstag, 16. November 2019

So nannte sich der Kommentarspam-Banker, Spamdeutschsprecher und ergebene spirituelle Schüler von Alfred E. Neumann mit seiner IP-Adresse aus Deutschland, der den folgenden Kommentar zur Einleitung eines Vorschussbetruges hier auf Unser täglich Spam veröffentlichen wollte, damit aber am Spamfilter scheiterte:

Dies ist ein professioneller privater Darlehensgeber, der für die Ausgabe von Darlehen mit einem niedrigen Zinssatz von 3% registriert ist. Arbeitet mit einem Expertenteam als Mitarbeiter zusammen [sic!] und vergibt am selben Tag Genehmigungsdarlehen [sic!]. Alle Arten von Darlehen wie Notfalldarlehen, Hartgelddarlehen [Bekommt man die in Münzrollen ausgezahlt?], Schuldenkonsolidierungsdarlehen, Auto-, Fahrzeug-, LKW-Darlehen, Geschäftsdarlehen, Finanzierung / Finanzierung [sic!], Hypothekendarlehen, Studentendarlehen, Landwirtschaftsdarlehen, Darlehen für den Bau, Projektfinanzierung, Darlehen für den Start ein Projekt und vieles mehr. Nehmen Sie Kontakt auf (rodfinancing@gmail.com) WhatsApp: +1469351xxxx

Website: https://rodfinancing3.wixsite.com/rodfinancing

Alfred E. NeumannHabe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich es erschreckend finde, dass diese Art Kommentarspam immer noch so eine Pest ist? Es ist ja nicht so, dass hier jeder Vorschussbetrüger von Darlehens-Kommentator zu einem Blogposting wird, denn sonst hätte ich jeden verdammten Tag mindestens fünf davon, einer blöder als der andere. Warum ich das erschreckend finde? Na, weil es diese Kommentarspam gar nicht gäbe, wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die einen solchen offensichtlichen Spamkommentar in einem Blog, Kommentarbereich oder Forum finden und dann damit anfangen, „ein Darlehen zu beantragen“, über möglichst anonymisierende Kommunikationskanäle wie Freemailer-Adressen und WanzApp, versteht sich. Es lohnt sich für die Trickbetrüger sogar, deutsche Seiten in „deutscher“ Sprache zuzumüllen und über einen VPN-Anbieter den Eindruck zu erwecken, der Kommentar käme aus Deutschland, um Geoblocking zur Spamabwehr auszutricksen¹. Wenn es sich nicht lohnen würde, machten sie sich diese Mühe nicht. Das sind Spammer. Wenn die sich Mühe geben wollten, könnten sie auch gleich arbeiten gehen. Die machen nur das Nötigste, damit ihr kriminelles Spamgeschäft läuft.

Wir schreiben das Jahr 2019. Das Internet ist – nach seinem etwas schwierigen Start in einer jenseits der Auto- und Kriegswaffenindustrie ziemlich technikfeindlichen, bildungsverachtenden und intellektuell rückständigen Bundesrepublik Deutschland – seit mindestens anderthalb Jahrzehnten mitten in der Gesellschaft angekommen und für die Mehrzahl der Menschen längst Bestandteil des Alltags. Und es gibt immer noch Menschen in Deutschland, die auf so einen plumpen Betrugsversuch reinfallen. Ein Betrug, bei dem man nicht viel Lebenserfahrung benötigt, um sehr skeptisch gegenüber dem angeblichen Angebot zu werden. Und es gibt genug von diesen Leuten, dass sich eine gewisse Mühe für die Betrüger lohnt. Das ist traurig. 👎

Zu schade, dass es kein Gehirn im Appstore gibt. 🧠

Dieser Darlehens-Kommentarspammer hat allerdings seine Mühe erhöht, und das ist der eigentliche Grund, weshalb ich einen Text dazu schreibe. Er hat offenbar festgestellt, dass Spamkommentare mit einer WanzApp-Nummer und einer Freemailer-Mailadresse nicht mehr so überzeugend wirken wie noch vor fünf Jahren. Und da hat er sich gesagt, dass er vielleicht doch einmal eine Website dazu machen sollte, damit er wenigstens ein bisschen wie eine Bank aussieht. Aber so richtig viel Aufwand wollte er dann doch nicht haben, und HTML und CSS zu lernen, hirnt ja doch ein bisschen, und deshalb hat er sich nach einem Anbieter umgeschaut, bei dem er sich seine Wegwerf-Website einfach zusammenklicken kann. Ist ja nicht so schlimm, wenn die nicht ganz so toll wird. 🖱️

Ich wills mal so sagen: Ich habe Wix immer als eine… ähm… nicht ganz so vorteilhafte Marke für den deutschen Sprachraum empfunden. Der deutlich mitschwingende Anklang an das vulgäre Wort für die Masturbation wirkt aber angesichts solcher Meisterleistungen des Hirnverzichts schon wieder sehr passend:

Screenshot der Website des Trickbetrügers, mit Einblendung 'Diese Website wurde mit dem Homepage-Baukasten von WIX.com erstellt. Erstellen sie ihre Website noch heute. [Gleich loslegen]'.

Schon schade, dass dieses „Bankhaus“ kein Geld für eine richtige Website hat. Vermutlich hat es zu viel Geld verliehen, ohne auf Bonität zu achten. 🤣

¹Ich verwende hier übrigens kein Geoblocking, weil ich im Zeitalter des allgegenwärtigen Trackings Leser über Tor und über VPN nicht behindern will. Aber angesichts der Spamflut aus Nigeria und Benin, ergänzt um den regelmäßigen Spamtsunami aus Indien kann ich jeden Menschen und jedes Unternehmen verstehen, wenn er oder es sich für das scheinbar nebenwirkungsfreie und wirksame Geoblocking entscheidet. Niemand will zur Litfasssäule für diese Halunken werden.

Quelle des Bildes von Alfred E. Neumann: Wikimedia Commons, das Bild ist gemeinfrei.

Schleichwerbung für Nestlé in Social-Media-Kanälen der Bundesregierung

Donnerstag, 6. Juni 2019

Mittlerweile scheint man auch bei der Bundesregierung Schleichwerbezeit buchen zu können, wie der folgende Tweet über den verifizierten, offiziellen Twitter-Kanal des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zeigt:

Weniger #Zucker, Fette und #Salz in Fertigprodukten – dafür setzt sich BMin @JuliaKloeckner mit der #Reduktion|s- und #Innovationsstrategie ein. Dass dies geht, zeigt @NestleGermany, die die Strategie unterstützen. Sie haben 10% der Inhalte reduziert; weitere 5% sollen folgen.

Zum Tweet gehört auch ein kurzes Nestlé-Reklamevideo mit Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) (unter diesem Link gibt es auch eine Download-Möglichkeit):

Das eigentliche Video ist von mir nicht geschnitten worden, ich habe nur ein paar Texttafeln dazu gesetzt, um den Kontext eindeutig zu machen.

Meine Fragen zu diesem Vorgang:

  1. Wie viel Geld muss man bezahlen, um auf offiziellen Kanälen der Bundesregierung derartige Schleichwerbung zu machen und auf welches Konto muss man dieses Geld überweisen?
  2. Ist es möglich, die Kosten für eine derartige Schleichwerbung von der Steuer abzusetzen?
  3. Wie viel Geld kostet es zusätzlich, zur Schleichwerbung einen lächelnden Bundesminister oder eine lächelnde Bundesministerin zu bekommen, und welche Bundesminister oder Bundesministerinnen stehen dafür zur Verfügung? Bekommt man bei entsprechender Zahlung auch die Bundeskanzlerin oder den im öffentlichen Ansehen und damit in der Reklamewirkung ungleich höher stehenden, werten Herrn Bundespräsidenten? Gibt es irgendwo eine Angebots- und Preisliste? Ich habe auf der Website der Bundesregierung mithilfe der Suchfunktion keine Preislisten finden können, was ich übrigens schon wettbewerbsrechtlich für etwas fragwürdig halte.
  4. Gibt es inhaltliche Grenzen für diese Form der Schleichwerbung, die nicht mit einer Erhöhung des Preises aufgehoben werden können? Geht zum Beispiel auch Werbung für giftige Substanzen und/oder legale Rauschmittel?
  5. Auf Grundlage welcher gesetzlichen Regelung ist es für die Bundesregierung zulässig, eine solche Reklame nicht als „Werbung“ kennzeichnen zu müssen?
  6. Gibt es schon vor der nächsten Wahl ein wirksames und legales Mittel gegen den sehr aufdringlichen Bananengeschmack, den ich seit ein paar Stunden im Mund habe?

Mit zwar formal höflichem, aber nicht aufrichtigen Dank an die gegenwärtige Bundesregierung für die Nichtbeantwortung solcher Fragen.

Nachtrag 17:20 Uhr – Jetzt ist es bundesministeriell offiziell, ich verbreite diese Hate Speech (Dauerhaft archivierte Version des Artikels auf der Website eines Presseverlegers):

Klöckner verteidigte das Video und bezeichnete die Kritiker als „Hatespeaker“

Damit wird auch endlich mal klar, was von diesen Politikspammern bei der immer wieder höchst populistisch eingeforderten Bekämpfung von „Hate Speech“ beseitigt werden soll: Kritik an der gegenwärtigen politischen Gestaltung der Bundesrepublik Deutschland und den dafür verantwortlichen Personen.

Ein Adblocker-Verbot liegt in der Luft

Dienstag, 30. Mai 2017

Hier geht es nicht um eine Spam, sondern um aktuelle Bundespolitik.

Zunächst ein kurzes Zitat:

Eine zuverlässige Methode zum Schutz vor Malvertising ist die Verwendung sogenannter Ad-Blocker, also Software, die die Anzeige von über Drittserver auf Webseiten eingebundener Werbung im Browser unterbindet. Allerdings prüft die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern derzeit ein gesetzliches Verbot genau dieser Art von Software

Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE vom 16. Mai 2017 (Der Link geht auf ein PDF in der Website des Deutschen Bundestages, zu Archivzwecken und gegen die Verrottung wichtiger Quellenlinks gibt es hier auch eine lokale Kopie)

Von mir einen herzlichen Dank an die Bundestagsfraktion der Linkspartei für diese kleine Anfrage angesichts eines von der CDU-SPD-CSU-Regierung erwogenen und in Zusammenarbeit mit den Landesregierungen ernsthaft überprüften Verbotes von Adblockern in der BRD! Gut, dass es noch ein bisschen Opposition gibt, so klein, schwach und unbeachtet sie auch geworden sein mag.

großes kotzenden SmileyWo sie über diesen – kurz nach einem „erfolgreichen“ und verheerenden Erpressungstrojaner (gegenwärtiger politischer Neusprech: Cyberangriff) unter dem Gesichtspunkt der Computersicherheit für viele Menschen und Unternehmungen sicherlich sehr interessanten – politischen Vorgang gar nichts erfahren werden? Richtig, aus einer reklamefinanzierten Presse, deren wesentlicher Geschäftszweck (Kerngeschäft) der Transport von Reklame ist, so dass die vorgeblichen „Inhalte“ nur dazu da sind, um Aufmerksamkeit für die mittransportierte Werbung zu erzielen. Die vorgeblichen „Inhalte“ auf Pressewebsites sind also nur so etwas ähnliches wie der Wurm am Angelhaken, der ja auch nicht zur Verbesserung der Ernährungslage von Fischen angebracht wird. Dass die Fische über die wirkliche Bedeutung des Wurmes aufgeklärt würden, ist ausgeschlossen. Und deshalb werden sie in diesem Punkt in der gesamten Presse auf systematisches Schweigen und auf gezielte Fehlinformationen stoßen.

Aber sprechen sie deshalb bitte niemals von einer „Lügenpresse“, denn das ist nach Meinung ebendieser Lügenpresse pfui und nazi! Das passende Wort ist Reklame-, Scheichwerbe- und Lobbyistenpresse! Einen intelligenzverachtenden Euphemismus zur Beschreibung des Unterschiedes denken sie sich bitte selbst aus, wenn den Qualitätsjournalisten kein eigener einfällt.

Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Menschen aus der Bundesrepublik Deutschland gegen ein drohendes gesetzliches Verbot von Adblockern stellen, welches zurzeit in den Dunkelkammern des Berliner Reichstages klandestin und lobbyistisch vorbereitet wird. Es handelt sich auch weiterhin bei wirksamen Adblockern um eine unverzichtbare Sicherheitssoftware, die einen Angriff auf Computer über den Webbrowser an der Wurzel verhindert und damit wesentlich wirksamer als ein so genanntes „Antivirus-Programm“ ist. Eine Kriminalisierung dieser Sicherheitssoftware durch ein gesetzliches Verbot wird in erster Linie der Organisierten Kriminalität im Internet (gegenwärtiger politischer Neusprech: Cyberkriminalität) nützen.

Den Presseverlegern aus der Bundesrepublik Deutschland lege ich nahe, dass sie sich so schnell wie möglich ein seriöses Geschäftsmodell im Internet suchen, statt der Organisierten Kriminalität zuzuarbeiten. Das Geschäft mit der Werbung im Web in seiner heutigen Form wird sowieso zwangsläufig zusammenbrechen. Und ansonsten rufe ich ihnen zu: Wenn es euch im freien Internet nicht gefällt, geht doch einfach nach drüben! :mrgreen:

Zwei technische Hinweise

Mittwoch, 16. März 2011

Keine Spam, sondern zwei kleine, technische Hinweise an die Leser:

Tschüss Akismet – Wegen der rechtlichen Unsicherheiten bei der Nutzung des Akismet-Plugins in der Bundesrepublik Deutschland und wegen der absehbaren Abmahnwellen habe ich Akismet aus diesem Blog entfernt. Das heißt aber nicht, dass es hier keinen Spamschutz mehr gäbe, ich verwende nun Antispam Bee, ein kleines Plugin, dass kein Datenschutz-Problem verursacht und zurzeit recht gut funktioniert. Was ich davon halte, dass einerseits bestimmte Organisationen der Contentindustrie für das quasi-industrielle Verfassen von Abmahnbriefen ohne besondere Probleme und ohne juristische Kontrolle IP-Adressen von den Zugangsprovidern erhalten können, während andererseits ein Websitebetreiber, der sein Projekt vor krimineller Spam schützen muss (es gibt eine Linkhaftung in der BRD), bei der Übermittlung einer IP-Adresse an einen Anti-Spam-Dienstleister ein unkalkulierbares juristisches Risiko eingeht, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht in den Worten äußern, die mir auf der Zunge liegen. Nur so viel sei gesagt: Dieser (politisch offenbar gewünschte) Zustand ist nicht geeignet, um das Vertrauen in einen Rechtsstaat mit für allen gleichen Gesetzen zu fördern.

Gib mir Spam – Unser täglich Spam ist um ein interessantes Experiment erweitert worden. Wer immer schon einmal wissen wollte, was passiert, wenn man eine Mailadresse im Internet veröffentlicht, kann das hier verfolgen. Die Mails, die an die geradezu einladend veröffentlichte Adresse gammelfleisch@tamagothi.de gehen, werden automatisch zu einem Dienstleister für Wegwerfadressen weitergeleitet und stehen in einem IFRAME zur öffentlichen Ansicht. Der „Erfolg“ dieser Veröffentlichung einer Mailadresse wird sich schon in wenigen Wochen zeigen, und ich hoffe, dass dieser Einblick in den alltäglichen Wahnsinn, der sich in nur zwei Tagen ansammelt, jedem zur Vorsicht im Umgang mit seinen persönlichen Daten im Internet mahnt. Überflüssig zu erwähnen, dass es sich ausschließlich um kriminelle Angebote handelt und dass der „Genuss“ dieser Gammelfleisch-Ernte auf vollkommen eigene Gefahr erfolgt. Guten Appetit!