Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


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Neues Authentifizierungsverfahren

Freitag, 19. Mai 2017

Keine Panik! Diese Mail kommt nicht von Amazon. Auch, wenn sie ein Amazon-Logo enthält. Jedes Kind kann eine derartige Grafik von „irgendwo aus dem Web“ mitnehmen und in eine HTML-formatierte Spam verbasteln.

Von: "Amazon.de" <service@amazon.co.uk>

Natürlich ist auch der Absender gefälscht. Wie der Spammer auf die Idee kommt, dass deutsche Kunden vom Support des britischen Amazon angeschrieben werden könnten, weiß ich nicht. Vielleicht macht Amazon das ja wirklich so. Das wäre zwar ein bisschen dumm, weil Amazon dann auf einer Mailadresse Schriftverkehr in vielen verschiedenen Sprachen bekäme, der erst einmal sortiert werden muss, und es wäre auch aus Kundensicht ein wenig verwirrend, aber was weiß ich, wie Amazon seinen Laden organisiert. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass der Spammer hier ein bisschen dumm ist. ;)

Logo: amazon.de
Guten Tag Tobias Rodde,

Ich will es mal so sagen: Der Empfänger hieß anders. Völlig anders. Woher der Spammer den Namen genommen hat, bleibt unklar. Ich halte es aber für möglich, dass etliche Empfänger dieser Phishing-Spam mit ihrem richtigen Namen angesprochen werden. Vermutlich ist dem Spammer beim Zusammenführen und Bereinigen seiner Datenbank die Zuordnung von Namen und Mailadressen ein bisschen durcheinandergeraten. Wenn er in den nächsten Tagen einen aufgeweckten Achtjährigen gefunden hat, der es für ihn richtig macht, wird dieses kleine Problemchen sicherlich beseitigt sein.

Aber ob dann der folgende Absatz eine gute Kundenansprache ist?

Diese E-Mail legt eine Reihe von Mindestanforderungen im Bereich der Sicherheit von Internetzahlungen fest. Die EBA-Leitlinien basieren auf den Vorschriften der Richtlinie 2007/64/EG2 („Zahlungsdiensterichtlinie“, „PSD“) über die Informationspflichten für Zahlungsdienste sowie die Pflichten von Zahlungsdienstleistern bei der Erbringung von Zahlungsdiensten . Überdies schreibt Artikel 10 Absatz 4 der PSD vor, dass Zahlungsinstitute über eine solide Unternehmenssteuerung sowie angemessene interne Kontrollmechanismen verfügen müssen.

Aha, und was hat der Kunde damit zu tun? Richtig: Nichts hat der Kunde damit zu tun, denn es betrifft ihn gar nicht. Weshalb steht es dann in der Spam? Richtig: Dieses von irgendwo abgeschriebene bürokratisch-juristische Geschwafel ohne jegliche Bedeutung für einen Kunden einer Internetklitsche hat genau eine Funktion. Es soll den Empfänger beeindrucken und einschüchtern.

Vielleicht freut sich der Amazon-Kunde ja auch darüber, dass sich Amazon (angeblich) im Mai des Jahres 2017 einmal dazu bequemt hat, sich um die Umsetzung einer EU-Richtlinie vom 11. November 2007 zu bemühen. Nein, diese literarisch ungenießbare EU-Juristenprosa braucht niemand zu lesen, aber auf der ersten Seite steht das Datum, und im Gegensatz zum dummen, asozialen und kriminellen Spammer, der hier ebenfalls in einer HTML-formatierten Spam darauf Bezug nimmt, gebe ich gern die Quellen an. Erfreulicherweise gibt es ja inzwischen so ein Internet, und natürlich sind die Veröffentlichungen des Amtsblattes der Europäischen Union auch dort verfügbar. ;)

Für Online-Zahlungen bedeutet dies, dass verpflichtend eine neue, sicherere Methode zur Kundenauthentifizierung eingeführt werden muss. Um die Sicherheit Ihrer Kundendaten zu gewährleisten ist ein Abgleich der hinterlegten Informationen obligatorisch.

Und, was hat der Kunde mit der Implementation einer neuen Methode zur Kundenauthentifizierung zu tun? Richtig: Nichts. Das ist eine Angelegenheit für Programmierer, und im Idealfall merkt der Kunde gar nichts davon.

Aber dem Spammer geht es mit seinem wirren Geschwurbel um etwas anderes, nämlich einen „Abgleich der hinterlegten Informationen“. Denn dem Opfer dieses Phishings soll glauben gemacht werden, dass es aus irgendeinem Grund (wissenschon, dummes EU-Recht) erforderlich sein soll, lauter Daten, die bei Amazon längst bekannt sind, noch einmal auf einer angeblichen Website von Amazon einzugeben. Natürlich gehen diese Daten nicht zu Amazon, sondern direkt zu gewerbsmäßigen Betrügern, was im Falle des Amazon-Logins sowie eventueller Kreditkarten- und Bankdaten sehr unangenehm für das Opfer dieses Phishings werden kann. Denn die Kriminalpolizei schläft nicht und wird schnell vor der Türe stehen, wenn sie dem Gelde zu den Verbrechern folgen will.

Übrigens: Es ist immer und ausnahmslos Unsinn, wenn man längst bekannte Daten wegen irgendeines Bullshits noch einmal eingeben soll. Diesen Unsinn kann man nur in Phishing-Spams lesen.

Bitte achten sie während des Authentifizierungsverfahrens auf mögliche Fehleingaben, sollten wir eine Abweichung zu den bei uns hinterlegten Daten feststellen, ist eine Sperrung Ihres Accounts unvermeidlich.

Das heißt zu gut Deutsch: „Wenn sie so doof sind, alle ihre bei Amazon bekannten Daten noch einmal einzugegeben, weil sie in einer Spam darum gebeten wurden, dann machen sie das wenigstens korrekt, damit unser Betrugsgeschäft reibungsloser läuft“. :mrgreen:

Konto bestätigen

Der Link geht auf eine Adresse, die über den URL-Kürzer bit.ly maskiert wurde, um Spamfiltern die Abfrage von Blacklists zu erschweren. Das richtige Amazon würde niemals mit einem solchen „Trick“ arbeiten.

Will ich doch mal nachschauen, wo die Reise hingeht:

$ lynx -mime_header "http://bit.ly/2qxUl9u" | grep "^Location"
Location: http://tinyurl.com/mvezu75
$ _

Aha, es geht von einem URL-Kürzer auf den nächsten URL-Kürzer. Der kürzt dann zwar nicht mehr, aber es soll ja auch die Spamfilterung erschwert und nicht wirklich gekürzt werden. Für solche Umleitungsorgien habe ich mir zum Glück mal ein kleines Skript¹ gemacht, weil sie eine Zeitlang in der Binäre-Optionen-Spam mit großer Penetranz genutzt wurden.

$ location-cascade "http://bit.ly/2qxUl9u"
301	http://bit.ly/2qxUl9u
301	http://tinyurl.com/mvezu75
301	http://judenurl.com/slowdownmonkey83
302	https://de-kundencenter-authentifizierung.com/wer/macht/parra/
Found	/795722/DEJApbOkS90MF8q/5VPeQwAXmqEjx6b/427610010560/oOkLqQjKN3YtwWp/sEN42eBULqQaMJF/
$ _

Oh, es geht in eine tolle, lange Domain, die von DE, Kundencenter und Authentifizierung faselt, aber nichts mit Amazon zu tun hat. Wer hat denn diese Domain registriert? Hui, ein whois offenbart, dass da bei der Registrierung richtige Adressdaten aus Dortmund angegeben wurden, mutmaßlich die Anschrift eines Menschen, dessen Identität von Kriminellen missbraucht wird und der jetzt mehrere Jahre seines Lebens Ärger mit dieser ganzen kriminellen Scheiße haben wird². Deshalb ist man immer sehr sparsam mit seinen persönlichen Daten und gibt diese niemals leichtfertig irgendwo an. Das mag in einer Zeit, in der überall erwartet wird, dass man naiv und unvorsichtig mit Daten umgeht, antiquiert wirken, aber wenn leichtgemachter gewerbsmäßiger Betrug auf Kosten des eigenen Lebens die neue Modernität ist, sollte niemand ein Problem damit haben, ein bisschen antiquiert zu sein. Natürlich kann man dann auch viele Angebote im gegenwärtigen Internet nicht nutzen, die erwarten, dass – oft ohne sachlichen oder technischen Grund – weit in die Privatsphäre hineinragende Daten eingegeben werden. Insbesondere rate ich strikt davon ab, das Geburtsdatum anzugeben. Es ist niemals erforderlich.

So, jetzt noch der Blick auf die Website… oh! Da gibt es jetzt noch eine Weiterleitung:

Screenshot einer Seite bei sedoparking.com, auf die jetzt weitergeleitet wird. -- de-kundencenter-authentifizierung.com -- Sie sind der Domain-Eigentümer und möchten wissen, wieso diese Domain anders als die anderen geparkten Domains aussieht? INFOS HIER...

Da hat wohl schon jemand den Stecker vom Server gezogen. Danke! ;)

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Amazon-Team

„Mein Amazon-Team“ ist das nur in einem sehr skurrilen Sinn des Wortes.

Mit dieser Servicemitteilung informieren wir Sie ?ber wichtige ?nderungen bez?glich Ihres Amazon Kontos.
Copyright © 1998-2017 Amazon.com. Alle Rechte vorbehalten.

Immer wieder das Gleiche bei den dummen Spammern. Sie haben ihre eigentliche Botschaft rübergebracht und sind sogar leidlich fehlerfrei durch die deutsche Sprache gestolpert, und am Ende der Nachricht sind die Gedanken schon wieder im Bordell und die Konzentration lässt nach. Und dann klappt es auf einmal auch mit den Umlauten nicht mehr…

Denn wenn sich der Spammer Mühe geben wollte, könnte er ja auch gleich arbeiten gehen.

Diese Spam ist ein Zustecksel meines Lesers M.S., der etwas vom „dümmsten aller Spammer“ dazu schrieb.

¹Nein, ich gewinne dafür keine Schönheitspreise. Aber es hat mir schon viel Handarbeit erspart, und ich hatte bis jetzt kein Bedürfnis, es besser zu machen.

²Ganz sicher wurden die Daten für etliche „Geschäfte“ benutzt. Warum ich die (leider leicht ermittelbare) Anschrift hier nicht auch noch zitiere, sollte jedem Leser klar sein: Da ist eine arme Seele wahrlich genug gestraft!

Hi

Donnerstag, 16. Januar 2014

Aha, ein Qualitätsbetreff, der auf eine Qualitätsspam hindeutet…

Hallo,

Ich habe keine Ahnung, wer du bist, denn ich kenne dich nicht.

Hier eine kleine Erinnerung. Du hattest dich vor einiger Zeit in unserem E-Mail-Verteiler zum Thema „Geld Verdienen“ angemeldet.

Ich habe einen E-Mail-Verteiler zum Thema „Geld verdienen“, bei dem du dich anmeldest, ohne dich anzumelden, damit ich dich erinnern kann, dass du dich angemeldet hast.

Hier eine sehr coole Sache, die du dir unbedingt ansehen solltest. Und zwar gibt es jetzt eine Software, die du einfach auf deinem PC installierst und die dann vollautomatisch Geld verdient. Du musst abolut nichts machen, außer die Software zu installieren und dann verdienst du ca 30 EURO im Monat, komplett vollautomatisch.

Und weißt du schon das tollhausmäßig tollste: Ich als krimineller Spammer biete dir an, dass du dir Software von kriminellen Spammern auf deinem Computer installieren sollst. Warum du das tun solltest? Tja, weil du dann Geld kriegst. Großes Spammerehrenwort.

Um diese Software herunterzuladen, klicke einfach auf folgenden Link und installiere die Software: *Hier Klicken*

Dass der Text „Hier klicken“ in einer reinen Textmail ziemlich bescheuert aussieht, gehört aber zu den Dingen, die ich noch nicht verstehe. Du musst verstehen, ich biete dir nur Software an, die für Nichtstun Geld aus dem Nichts erzeugt, mit so kompliziertem Frickelkram wie einer E-Mail oder dem von mir verwendeten Spamskript kenne ich mich aber nicht aus. Ich habe dann nur irgendwann, als die ersten zehn Millionen Spams völlig erfolglos waren, gemerkt, dass man da gar nicht drauf klicken kann, und dann habe ich da halt noch etwas druntergesetzt:

Mehr Infos zu der Software findest du *hier*
<http://tinyurl.com/nytxp24>

Und schon haben die Deppen wieder geklickt! So einfach geht das! Komm, klick auch du!

Wenn du weiterhin mit Online-Kasinos Geld verdienen willst – und das nehme ich an, da du dich ja bei uns angemeldet hast, so lade dir unsere neueste Software *hier herunter*

Beim zweiten Link habe ich das noch nicht gemerkt. Kommt aber noch. Bis dahin zeige ich dir wenigstens, wie irre seriös ich bin, indem ich dir erzähle, dass man in unkontrollierten Internet-Zockhöllen bei vom Betreiber beliebig und unentdeckbar manipulierbaren Glücksspielen „Geld verdienen“ kann.

Wir haben diese Software so verändert, dass du nach einer Einzahlung ab 20 EUR mit einem positiven Erwartungswert spielst und permantent Geld verdienst. Wie as alles nochmal funktioniert findest du *hier*
<http://tinyurl.com/cba962t>

Um diesen Eindruck von Seriosität zu vervollständigen, gebe ich keine direkten Links an, sondern verwende einen URL-Kürzungsdienst. Und wenn diese Version nicht mehr durch die Spamfilter kommt, nehme ich den nächsten Kürzungsdienst. Gut, dass es so viele davon gibt.

Erfahrene Spamgenießer kennen meine tolle Seite schon seit vielen Jahren, obwohl ich regelmäßig damit auf andere Server ziehen muss:

Screenshot der betrügerischen Website

Im April 2011 hieß ich allerdings mit gleichem Foto noch Gerhard Frommel und nicht Dipl.-Math. M. Mueller wie heute. Damals wie heute geht es mir in der Hauptsache darum, windigen Internet-Zockhöllen ein paar Leute zuzutreiben und dafür die Affiliate-Gelder zu kassieren. Und damals wie heute mache ich das, indem ich jeden nur denkbaren Kanal mit meinem verlogenen Müll zuspamme.

Wenn du Fragen hast, antworte einfach auf diese eMail.

Bitte teil mir mit, dass die Spam ankommt, ich mache nämlich auch Adresshandel.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Dein Martin

Ich wünsche mir, dass es auch weiterhin viele Dumme gibt
Dein Gerhard Malte Moritz Martin

PS: Wenn du diese eMail bekommen hast, obwohl du dich nicht angemeldet hast, so antworte bitte einfach auf diese eMail um die Mails abzubestellen und du wirst keine weitere Mail mehr von mir bekommen.

PS: Ich will dich auch echt nicht zuspammen. Ganz großes Spammerehrenwort. Sag mir bitte, dass die Spam ankommt!

Fwd: Information

Montag, 22. April 2013

Es geht doch nichts über einen Betreff, der schon beim Überfliegen klar macht, um was es in der Mail geht. Na ja, Spammer mögen dieses einfache Konzept der Kommunikation weniger gern, weil ihr Rotz sonst gar nicht mehr gelesen würde.

Guten Morgen,

Ich weiß zwar nicht, wer sie sind…

Wenn Sie Geld brauchen aus welchen Gründen auch immer können wir Ihnen von 2 000 bis zu 100 000 Euro anbieten unter:

…aber das hindert mich nicht daran, einfach Unbekannten eine riesige Menge Geld anzubieten. Egal, wofür die es brauchen. Warum das egal ist? Na, weil sie das Geld eh nicht bekommen.

http://tinyurl.com/bwrhegq

Meine tolle Website verstecke ich lieber hinter einem URL-Kürzer. Nicht, weil das jetzt kürzer ist als dieses www (punkt) ckredit (punkt) net, wohin der Link führt, sondern weil ich genau weiß, dass eine Erwähnung meiner hochfragwürdigen Betrugssite sonst in wenigen Minuten durch keinen Spamfilter dieser Welt mehr durchkäme. Und das wäre doch schade. Also jetzt: Schade für mich. Denn auf meiner tollen Seite kannst du einen kompletten Datenstriptease ablegen. Wer die Daten kriegt? Laut Impressum eine obskure Internacional Web LTD. [Boah, was für eine tolle Firmierung!] in BZ – Central Amerika, aber so richtig ohne jede weitere Adressangabe. Einer Klitsche aus Belize, die behauptet, einen „Schweizer Sofort Kredit“ anzubieten, und von der du ansonsten gar nichts weißst, kann du doch ruhig alles anvertrauen. Vor allem, wenn diese Klitsche ein Angebot hat, das nur durch Spam bekannt wird. Das sind so richtig ehrenhafte Ehrenleute, darauf mein ganz großes Spammerehrenwort, geschworen beim gefälschten Absender!

Also keine Angst vor Identitätsmissbrauch oder halbseidenen Geschäftspraktiken. Komm, du bist neugierig! Da kannst du zu einer Katze im Sack doch nicht „Nein“ sagen. Schon gar nicht, wenn die Katze einfach so mit einer Spam kommt. Miau.

Die Domain wurde übrigens am 21. April 2013 um 0:36 Uhr UTC eingerichtet, und diese Spam wurde nur 16 Minuten später versendet. Als ganz großer Wohltäter weiß ich genau, dass schnelles Handeln angesagt ist, wenn man Menschen von ihrem Geld befreien will (für eventuelle Vorleistungen) und eine ordentliche Datensammlung zum Verkaufen aufbauen will. Natürlich weiß ich auch, dass man seine Registrierungsdaten lieber über WhoisGuard anonymisiert, obwohl das für einen geschäftlichen Webauftritt mehr als nur ein bisschen seltsam wirkt. Wer so schlau ist, diese öffentlichen Informationen einzusehen, ist eh zu schlau, um auf eine Spam reinzufallen.

Aber immerhin, ich biete dir auch an, dich aus meinem niemals abonnierten „Newsletter“ auszutragen. Alles, was du dafür tun musst, ist…

E-Mail aus Newsletter austragen http://tinyurl.com/bwrhegq

…genau auf den gleichen Link zu klicken, der dir die ganz großen und extragünstigen Darlehen für jedermann anbietet. Schweizer Darlehen. Aus Belize.

Diese Spam wurde mir von meinem Leser F. F. zugesendet

Vorname Nachname, Mitteilung zu Ihrem Kunden-Konto!

Freitag, 19. April 2013

Anstelle von „Vorname Nachname“ steht der Name des Empfängers. Die Mail mit dem gefälschten Absender hilfe (at) paypal (strich) community (punkt) com kommt natürlich nicht von PayPal. PayPal versendet solche Mails nicht:

PalPal Konfliktlösung -- Guten Tag , Ihr Konto wurde vorübergehend limitiert! Bearbeitungsnummer: PP-8500401 Weitere Informationen finden Sie hier -- Jetzt lesen -- Bei Fragen steht Ihnen unser Kundenservice von Mo.-Fr. 8.30 bis 19.00 Uhr und Sa.-So. 9.00 bis 19.30 Uhr unter der Telefonnummer 0180 500 66 27 zur Verfügung (für Anrufe aus dem Festnetz fallen maximal 14 Cent/Min. an, aus Mobilfunknetzen sind es maximal 42 Cent/Min.)

Im Original stand nach der Anrede „Hallo“ noch der Vorname und der Nachname.

Der Link liegt auf dem etwas peinlichen Schloss und dem Schild mit der Beschriftung „Jetzt lesen“. Er ist über den URL-Kürzer tinyurl (punkt) com maskiert und führt auf eine „liebevoll“ nachgemachte PayPal-Login-Seite in der Domain sslpp (strich) hilfe (punkt) konflikte (strich) kunden (punkt) com:

Screenshot der Phishing-Seite

Dass das nicht die Website von PayPal ist, brauche ich hoffentlich nicht weiter zu erwähnen, und dass die dort angegebenen Anmelde- und Kreditkartendaten direkt in die Hände der organisierten Internet-Kriminalität gehen, sollte auch weniger intellektuell begabten Mitmenschen einleuchten. Wer nur einen einzigen Blick in die Adressleiste seines Browsers wirft, sieht sofort, dass es nicht PayPal ist.

PayPal versendet übrigens niemals E-Mails mit der Aufforderung, irgendwelche Bullshit-Verifizierungen zu machen. PayPal kennt die angegebenen Daten bereits. Die einzigen, die den PayPal-Login, die Postanschrift, das Geburtsdatum, die Bankverbindung und die Kreditkartendaten nicht kennen, sind die Verbrecher, die Identitäten missbrauchen wollen und mit dem Geld anderer Leute ihre „Geschäfte“ machen wollen. Wer auf diese Phishing-Nummern hereinfällt, darf sich nicht nur über sein geplündertes Konto und den folgenden Schriftverkehr mit seiner Bank ärgern, sondern auch über allerhand hässliche Briefe mit Rechnungen und Mahnungen (die bestellten Waren gehen an ebenfalls gephishte Packstation-Accounts) und über jede Menge neuer Bekannter bei Polizeien, Staatsanwaltschaften und Untersuchungsgerichten, die wegen gewerbsmäßigen Betruges ermitteln. In der Folge gibt es zwei bis drei Jahre hässlichen Schriftverkehr, vielleicht die eine oder andere Hausdurchsuchung, Schufa-Einträge, gegen die man vorgehen muss und dergleichen unangenehmes Zeug mehr.

Diese Phishing-Spam ist gut gelungen und durch die Erwähnung des Namens zusätzlich gefährlich. Sie hat allerdings immer noch deutliche Schwächen, die es jedem möglich machen, die Spam zu erkennen:

  1. Vorname und Nachname stehen im Betreff
    Es ist objektiv sinnlos, den Empfänger einer E-Mail an seine persönliche Mailadresse im Betreff namentlich anzusprechen. Der Empfänger weiß, dass er gemeint ist, weil die Mail in seinem Postfach liegt. Niemand würde das tun.
  2. Der Betreff ist „komisch“
    Ein Zahlungsdienstleister wie PayPal macht also „Mitteilung zu Ihrem Kunden-Konto“? Nicht zum PayPal-Konto? Das „müffelt“ ein wenig. Unternehmen würden darauf achten, dass ihre Kommunikation unmissverständlich ist. Vor allem in Kontexten, in denen es um Geld geht.
  3. Guten Tag Vorname Nachname
    So etwas wie „Herr“ oder „Frau“ vor dem Namen fehlt. Kein Unternehmen würde seine Kunden so ansprechen.
  4. Der Absender
    Wie peinlich ist das? Einen Absender fälschen, aber dann nicht einmal einen mit einer Adresse @paypal (punkt) com nehmen. Wenn man schon den Absender fälscht… :mrgreen:
  5. tinyurl (punkt) com stinkt
    PayPal hat es niemals nötig, einen Link auf die eigene Website mit einem URL-Kürzungsdienst zu verschleiern. Kein Unternehmen, das seine Kunden anmailt, hat das nötig. Nur Spammer haben es nötig, um sich mit diesem „Trick“ an den Spamfiltern vorbeizumogeln. Wo der Link hinführt, sieht man übrigens in seiner Mailsoftware, indem man auf die Statusleiste schaut, wenn der Mauszeiger über dem Link ist. Wenn da in so einem Fall nicht die Website des Unternehmens steht, ist es immer Phishing.
  6. Die Bearbeitungsnummer ist überflüssig
    Zum Hinweis „Ihr Konto wurde limitiert“ (als ob es das nicht immer irgendwie wäre) gibt es keinerlei Begründung oder auch nur eine Andeutung der Gründe. Weitere Informationen soll man nach einem angeblichen Login erhalten. Die Angabe einer kryptischen Bearbeitungsnummer ist in diesem Kontext für den Empfänger der Mail sinnlos; der gesamte Vorgang könnte und würde direkt auf der Website dargestellt werden. Diese sinnlose Nummer dient also nur zur psychologischen Einschüchterung (du kommst nicht an dein Geld und du bist damit jetzt für uns nur noch eine Nummer). Jedes Unternehmen würde so etwas im Umgang mit seinen Kunden hoffentlich vermeiden. Phishing-Spammer wissen hingegen ganz genau, dass ein bisschen Angst viel Verstand ausschaltet und so unvernünftiges Verhalten fördert, und sie nutzen dieses Wissen.
  7. Mailadresse
    Im speziellen Fall dieser Mail haben die Spammer eine Adresse angemailt, die gegenüber PayPal gar nicht verwendet wurde. Wer es sich angewöhnt, für jeden „wichtigen“ Dienst eine eigene, ansonsten völlig unbenutzte Mailadresse zu verwenden, hat sich gegen dieses Phishing erfolgreich geschützt. Der Aufwand für diesen Schutz, der einem schnell einige Jahre juristischen Ärger für einen unbedachten Moment der Unvorsicht ersparen kann, liegt im Bereich weniger Minuten pro eingerichteter Mailadresse und ist damit sehr empfehlenswert. Übrigens kann man diese Phishing-Mail auch bekommen, wenn man gar kein PayPal-Kunde ist.
  8. Der Begriff „Konfliktlösung“ ist seltsam
    Welches Unternehmen würde in seiner Kommunikation mit dem Kunden (also nicht intern) einen derartigen Begriff für eine seiner Stellen benutzen? Dieses Wort macht einen recht unvorteilhaften Eindruck eines konfliktträchtigen Daseins als Kunde. Die in die Mail eingebettete, externe Grafik mit diesem Begriff kommt übrigens nicht aus der PayPal-Website, sondern sie wird vom anonym nutzbaren Freehoster image (strich) upload (punkt) de eingebunden. Zurzeit kann sie dort noch betrachtet werden. Meine Abuse-Mail ist schon draußen, und ich hoffe, dass diese Grafik schnell verschwindet. Ich habe in meiner Mail übrigens darum gebeten, die Grafik nicht einfach zu löschen, sondern sie durch eine auffällige Grafik mit einem deutlichen Hinweis auf das Phishing zu ersetzen, um den Schaden durch diese Mails zu beschränken. Dieses Vorgehen werde ich in Zukunft jedem Imagehoster nahelegen, dessen Dienst von solchen Verbrechern missbraucht wird, und ich empfehle das anderen zur Nachahmung. Aber es wäre vermutlich schon viel gewonnen, wenn öfter einmal mit einer Mail auf den Missbrauch anonym nutzbarer Dienste im Web hingewiesen würde…
  9. „Genießer“ merken es in jedem Fall
    Wer sich die Mailheader anschaut, bemerkt, dass diese Mail nicht von PayPal kommt. Stattdessen wird im Header die Domain hausrattreff (punkt) de verwendet.

Doch trotz dieser Schwächen: Phishing wird besser. Arglose und unerfahrene Menschen können auf diese Spam hereinfallen. Die namentliche Ansprache macht die Spam gefährlich. Die Spammer scheinen inzwischen eine Zuordnung von Mailadressen zu Namen aus vielen Quellen zusammengestellt zu haben. Derartige Datenbanken sind unter Kriminellen im Umlauf und werden benutzt.

Es wäre an den Geschäftstreibenden im Internet, die Situation zu verbessern. Die konsequente Verwendung digital signierter Mails in der Kommunikation und die Aufklärung der Kunden über Zweck und Nutzung digitaler Signaturen würde den Phishern schon nach kurzer Zeit das Wasser abgraben und einen kriminellen Sumpf mit monströsen Umsätzen vollständig trockenlegen. Warum PayPal nicht digital signiert? Warum es niemand tut? Ich habe darauf nur eine Antwort: Weil die „Sicherheit“ vor allem ein Wort der Werbeabteilungen ist, und nicht etwa ein Streben im Sinne der Kunden. Mittelbar ist jeder Geschäftstreibende, der seine Mail nicht digital signiert, an der Seuche des Phishings und an den Schäden bei seinen von Verbrechern übertölpelten Kunden mitschuldig.

Diese Spam wurde mir von meinem Leser Cassiel zugesendet.