Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Bitte, gib mir Geld!

Montag, 23. April 2007

Im Moment ist ein Großteil der automatisch erstellten Kommentarspam in Blogs ähnlich gebaut. Als „persönliche Daten“ zu einem Kommentar werden ein Phantasiename, eine nicht existierende Homepage und eine nicht existierende Mailadresse eingetragen. Dann folgt als „Kommentar“ ein einzelner Satz oder eine kurze Aussage, die wahrscheinlich nach einem Zufallsverfahren aus anderen Quellen im Internet entnommen wird. Dieser immer gleiche Strunz wird gefolgt von etlichen Links auf die angebotenen Beglückungsideen, wobei es den dummen Spam-Skripten ziemlich gleichgültig ist, wenn sie dabei eine Link-Syntax verwenden, die das Blogsystem gar nicht unterstützt.

Aber manchmal entsteht bei diesem mechanischen Vorgang auch unfreiwillig ein bisschen Wahrheit, so wie in diesem aktuellen Fall:

Give ME Money Please

„Give Me Money Please“ – Bitte, gib mir Geld! In diesen Worten ist trefflich zusammengefasst, was jeder Spammer von den Menschen will. Nur aus diesem einen Grunde, um ein paar unerfahrene Deppen abzuzocken spammt so ein krimineller Dumpfmeister ja auch.

Metal Parts

Montag, 23. April 2007

Da schaue ich zum Ende eines müden, aber erfreulich warmen Tages aus dem Leben eines Mitgliedes der deutschen Unterschicht mal wieder in mein virtuelles Postfach, und was finde ich da? Eine Mail mit dem wenig verheißungsvollen Betreff „Metal Parts“, die mich so anredet, wie es niemand täte, der meinem Elend und meiner Bettelei gegenüber stünde:

Dear Mr. General Manager

Good morning

Das ist ja schon einmal ein guter Brüller für eine Spam. Und überhaupt ist diese Spam mal etwas anderes, da man gar nicht so leicht merkt, worauf die Absender hinaus wollen. Sehr stilsicher wird dargelegt, was eine (mutmaßlich nicht existierende oder hier missbrauchte) Firma aus der Volksrepublik China so alles leistet:

Pingcheng Precision strives to Metal Parts machined components and assemblies located in China Guangdong province. Pingcheng Precision has maintained a commitment to state-of-the-art manufacturing technology, demonstrated a collective talent for creative problem solving in engineering, incorporated the most stringent quality assurance measures .Pingcheng‘ most valuable assets are the trained, experienced, motivated craftsmen who take pride in the quality products they produce. All employees adhere to an aggressive continuous improvement program that affects every aspect of our business. This commitment is what generates our industry defining performance standards.

Eine kleine Schwäche im Genitiv und eine gewisse, recht unschöne Holprigkeit im Stil, aber gemessen am Standard anderer Betrügereien durchaus gelungen. Vor allem, weil die später angegebene Mailadresse mit der Absenderadresse übereinstimmt und auf eine Homepage in der gleichen Domain verwiesen wird. Wer ein bisschen doof ist, kann wirklich daran glauben.

Wer nicht ganz so doof ist, findet es natürlich völlig absurd, dass hier ein namentlich Unbekannter aus einer unter Spammern gehandelten Liste mit Mailadressen mit den Worten „Sehr geehrter Herr Generaldirektor“ geehrt wird. Es ist ja auch gar nicht so einfach, jemanden anzusprechen, über den man gar nichts weiß. Doch dass die fernöstliche Neigung zur Höflichkeit gleich solche Wege gehen muss… :mrgreen:

Wer immer noch keine Einschläge merkt: Führungskräfte werden nicht mit einer Spam gesucht. Auch nicht in China. Punkt.

Ich erspare allen Lesern mal das vollständige Zitat dieser Spam und lasse den nächsten Absatz aus, wo von der Ehrung des Kunden, der zuvörderst wichtigen Qualität der Produkte, der ernsthaften wissenschaftlichen und technischen Erkundung, der fortschreitenden Verbesserung aller Bereiche des Unternehmens und so weiter geblaht wird – und zwar in einem Englisch, das auch einem Zweitsprachler wie mir noch so richtig weh tun kann. Es ist fast unmöglich, die gleichzeitige Blähwut und Unbeholfenheit des Ausdrucks zutreffend ins Deutsche zu übertragen, zumal man wirklich Probleme mit dem inhaltlichen Verständnis bekommt.

Und nach diesem fürchterlich langem und inhaltsleerem Blah kommen die Absender denn endlich zur Sache:

We are look forward to build long term business relationship, if you are interested, please contacted us. Thank you

Best regards

Jack Zhou

Die spammen also Millionen von Leuten wahllos mit einer halbverstandenen Kollektion des Bullshit-Bingos der Wirtschaftssprache zu, um sie als „General Manager“ anzusprechen und ihnen langfristige Geschäftsbeziehungen anzubieten. Damit die Empfänger dann Kontakt aufnehmen können, sind auch diverse Möglichkeiten angeboten: eine Anschrift in China, eine Telefonnummer, eine Faxnummer, eine Mailadresse und natürlich noch eine Website.

Wer an solchen Geschäften interessiert ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Wahrscheinlich hätte jemand, der darauf hereinfällt, im vor einigen hundert Jahren auch heiliges Stroh aus der heiligen Krippe gekauft und große Wunder davon erwartet. :mrgreen:

Am Ende ist man doch immer der Betrogene. Im Reliquienhandel und in irgendwelchen Spamgeschäften.

Unlesbare Pennystock-Spam

Samstag, 21. April 2007

Wirklich kaum noch zu lesen, dieser Anlagetipp…

Immer, wenn ich so einen „Anlagetipp“ in mein Postfach kriege, den ich kaum lesen kann – die Dinger sind im Moment eine Plage – frage ich mich, was eigentlich die „Zielgruppe“ dieser Spam sein soll. Die kontrastarme und unscharfe Schrift auf pastellbuntem Hintergrund ist doch bestenfalls für Aliens lesbar.

Aber die Spammer müssen wohl glauben, dass es da draußen Leute gibt, die mit großer Anstrengung diesen Text zu lesen und zu verstehen versuchen. Und die sich dann darüber freuen, dass sie einen richtigen „Insider-Tipp“ für den gewinnträchtigen Casinokapitalismus erhalten haben. Empfänger, die den in völlig ungenießbarer Form dargereichten Text auch noch für so seriös halten, dass sie sich darauf hin irgendwelche Pennystocks kaufen. Ein gutes Geschäft wäre das für die Spammer, die sicherlich von den auf diese Weise angestoßenen Kursanstiegen profitieren werden – sie scheinen also auch noch zu glauben, dass es eine nennenswerte Anzahl von Menschen unter den Empfängern gibt, die sich über so etwas gar keine Gedanken machen und trotzdem wie die Besengten an der Börse zocken. Kurz: Diese Spammer müssen davon ausgehen, dass ein nennenswerter Teil der Menschheit aus hirnlosen Idioten besteht.

Und das Schlimmste daran: Diese Spammer scheinen recht zu haben. Wenn es sich gar nicht lohnen würde, solche Spams zu verschicken; wenn ein sehr großer Anteil der Empfänger den unlesbaren Pixelhaufen nach einem kurzen Blick einfach löschen würde, ohne sich groß darum zu kümmern – ja, denn gäbe es diese Spams gar nicht mehr. Offenbar gibt es ganz schrecklich viele von diesen hirnlosen Idioten, und jemand wie ich muss sich deswegen jeden Tag mit hirnloser und idiotischer Spam abfinden.

Nachtrag – Wer diesen Strunz noch niemals bekommen hat und mir nicht glaubt: Das hier eingefügte Bild ist übrigens in recht hoher Qualität, die Grafik in den Spam-Mails sieht wirklich so aus und ist wirklich so „gut“ lesbar. Das ist keine Satire, das ist die tägliche Realsatire der Spam. Leider vergeht einem schnell das Lachen darüber, weil dieser Schrott wirklich eine lästige Plage ist, die viel Platz im virtuellen Postfach belegt.

Splogs, die Sammelblogs

Samstag, 21. April 2007

Ich sollte mich wirklich nicht über Splogger aufregen, fülle ich doch selbst dieses Blog mit anderer Menschen, nämlich der Spammer, Werk. Und da ich die Postings in meinem RSS-Feed fröhlich mit einem Hinweis auf die Quelle versehe und der Mutter aller Splogger gar nicht erst einen korrekten Feed ausliefere, können sie mir alle mal den Buckel runterrutschen.

Aber dennoch ists einer kurzen Erwähnung wert, was sich da gerade in den Spamfiltern verfängt. Diese ganzen Pingbacks und Trackbacks von irgendwelchen Blogs, die einfach ein paar Worte aus einem anderen Blog zitieren und mit einer anständigen Portion Werbung würzen. Wenn die Pingbacks und Trackbacks „durchkommen“, führen sie zu einer Rückverlinkung des Inhaltsdiebes und verbessern damit sein Ranking in den Suchmaschinen – da so ein Splogger auch mal gern hunderte bis tausende von Blogs für seine Werbeabsichten missbraucht, kann er im schlimmsten Fall eher gefunden werden als das originale Posting. Der Stil der Splogger ist inzwischen etwas kultivierter geworden, es werden nicht mehr ganze Artikel übernommen, aber der Stil zeigt auch immer noch genau genug, was für einen Charakter so ein Spammer hat.

Ich hätte natürlich gern die aktuellsten Beispiele verlinkt, um einmal zu demonstrieren, was ich meine. Allerdings sind diese Blogs oft außerordentlich kurzlebig und schon nach wenigen Tagen wieder verschwunden. Ob da nun am Rande der Texte anderer Menschen für „clothes“, „credits“ oder „movie rentals“ geworben wurde, stets ereilt diese Websites das gleiche Schicksal des spurlosen Verpuffens. Das könnte auch daran liegen, dass einige der dort angebotenen Geschäfte nicht so ganz koscher sind – welcher Hoster hat schon Lust, sich als Komplize eines Kriminellen verantworten zu müssen?

Für alle Blogleser ergibt sich daraus eine Reihe von Folgerungen:

  1. Wer einen kommerziell motivierten Link in einem Blogkommentar folgt und dort feil gebotenen Waren und Dienstleistungen erwirbt, unterstützt einen wenig kreativen Kriminellen, der wie ein Vampir von der Kreativität anderer Menschen lebt, um damit seine Geschäfte zu machen.
  2. Diese Geschäfte werden in der Regel nicht legal sein. Schon die Werbung mit Spam ist – auch dort, wo sie noch nicht als kriminell gilt – ein Zeichen von Halbwelt und Nähe zu verbrecherischen Strukturen.
  3. Wer sich trotzdem auf solche Geschäfte einlässt, darf sich nicht darüber wundern, wenn er den Schaden hat. Wenn ich davon höre, kommt mein Spott noch dazu.

Generell gilt übrigens, dass die Pest des Internet, die Spam, genau dann verschwinden wird, wenn niemand mehr so doof ist, darauf anzuspringen und irgendwelchen Kriminellen sein Geld zu geben.

Gaga Titten Spam

Freitag, 20. April 2007

Gaga Titten Kommentarspam

(URL im Screenshot von mir unkenntlich gemacht)

Was die Kommentarspammer sich doch immer „einfallen“ lassen, um doch noch durch die immer besseren Spamfilter zu flutschen. Hier haben wir ein echtes Beispiel von postmodernem Spam-Dadaismus vorliegen, bei dem ein paar Links mit eindeutigen Texten in vergammeltem Zeichensalat platziert wurden.

Das drängt doch zu einer Antwort.

Spam Hass Posting: Ergywm sploß auf Kommentarspam. Grmott linkt auf geisteskranke Werbung. Mmrrm gzywitt prohdell ohne Sexy Lady Spam. Warant gnyff fogel ohne wirksame Verhütung. Sparren nit om seks, besser billig tanken. Gritz fonka blurb blurb merkeln sie noch was, Skriglig Spämmer bring dich um!

Amok-Spam

Donnerstag, 19. April 2007

Amok scheint eine ganz große Mode geworden zu sein, da müssen doch auch unbedingt die Spammer auf den Zug aufspringen, der gegen eine Wand fährt. Das sagte sich auch der hier zitierte Zeitgenosse, der sich selbst im Absender „Web-Nachrichten Deutschlands“ nennt und seiner Mail den tristen Betreff „In Muenchen ist Trauer angekuendigt“ gab.

Klar, dass der auch eine „Nachricht“ anzubieten hat, und die klingt so:

Innerhalb von einer Stunde beging ein Asiater 6 brutale Morde und verschwand in der unbestimmten Richtung.

Dafür, dass das die „Web-Nachrichten Deutschlands“ sein wollen, liegen aber erhebliche Probleme mit der deutschen Grammatik vor. Das ist ja ein richtig kranklyrischer Stil, der hier mutmaßlich von einem Übelsetzungsprogramm ausgespuckt wurde. Der Asiater verschwand in der unbestimmten Richtung. :lol:

Und es geht in diesem Stil weiter:

Der Moerder schlich sich in ein Wohnhaus ein und schlachtete all seine Bewohner inklusive 2 kleiner zehnjaehrigen Maedchen, die heimgegangen sind. Ermordet waren auch alle Haustiere. Die Polizei ist schockiert und macht nun alles Moegliche, um diesen Taeter so schnell wie moeglich finden zu koennen. Dank einiger Passanten gibt es nun eine kurze Beschreibung des Verbrechers. Es wurde eine Belohnung angekuendigt, wenn jemand etwas zu diesem Fall mitteilen kann. Naeheres dazu sowie ein Roboterbild unter [URL von mir entfernt]

Ich hätte mir so gern das „Roboterbild“ angeschaut, aber leider ist die kostenlose Website auf geocities genau so spurlos verschwunden wie der mordrennende „Asiater“. Im Gegensatz zu dieser metzenelnden Fantasiegestalt eines Spammers hat es die kleine Website mit dem „Roboterbild“ aber gewiss einmal gegeben, bevor sie von geocities entfernt wurde, weil man nicht von einem kriminellen Spammer missbrauchen lassen wollte. Sonst hätte ich bestimmt noch ein paar Worte über dieses tolle „Roboterbild“ geschrieben, das gewiss entweder für den Computer oder für den Geldbeutel sehr ungesund geworden wäre.

Seien Sie bitte vorsichtig! Danke fuer ihre Aufmerksamkeit

Und wenn sie dem Amok-Spammer begegnen: Einfach draufhalten, je eher so einer gestoppt wird, desto besser! :mrgreen:

Resolution Center

Mittwoch, 18. April 2007

Als wenn es nicht genug PayPal-Phishing gäbe, ist heute noch ein besonders hilfloser Versuch mit dem Betreff „Resolution Center“ in meinem Postfach eingetrudelt:

Please visit the resolution center located here

https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_login-run_res

to verify your identity and avoid the blocking of your account

Die gefakte PayPal-Seite eines PhishersÜberflüssig zu erwähnen, dass es sich hier um eine HTML-Mail handelt und dass der Link nicht etwa zu der angegebenen URL, sondern auf den Server funlux.be führt. Von dort aus wird auf eine Seite auf dem Server 24.244.134.6 (nur mit IP-Adresse, die sich gewiss häufiger ändern wird) umgeleitet, wo man eine flott gespiegelte PayPal-Seite zu Gesicht bekommt. Ein Screenshot des Phishing-Versuches ist auf der linken Seite zu sehen, mit einem Klick sieht man den Betrug in seiner ganzen Pracht.

Wer hier seine Daten eingibt, hat verloren. Zunächst hat er den Verstand verloren, weil er überhaupt auf die Idee gekommen ist, auf eine derart dürftige Mail hin wie ein dressierter Hund auf einen Link zu klicken und die dargestellte Seite auch noch für echt zu halten. Und als nächstes wird er jede Menge Geld verlieren, wenn irgendwelche Kriminellen sein Konto plündern.

Hier kann man den Phishern Bankdaten gebenWie billig dieser Beschiss durchgeführt ist, zeigt sich jedem, der auf dieser angeblichen „PayPal-Seite“ ein paar Links klickt – alle Links führen wieder auf die Startseite. Die einzige Bedienungsmöglichkeit besteht in der Eingabe der Mailadresse und des Passwortes. Wer diese Phishing-Spam erhalten hat, sollte sich – genau wie ich – in aller Ruhe den Spaß machen, ein paar Phantasie-Mailadressen und -(S)passwörter einzugeben, um den Verbrechern das Leben etwas zu erschweren. Man erhält denn eine Möglichkeit zur „Bestätigung seiner Identität“, die so aussieht wie das Bildchen auf der linken Seite dieses Absatzes. (Für volle Größe einfach darauf klicken.) Dass die Identität mit Passwort und Mailadresse preisgegeben wurde, reicht diesen besonders gierigen Verbrechern nämlich noch nicht, sie wollen darüber hinaus auch noch die Daten der Kreditkarte einschließlich einer PIN haben.

Es scheinen jeden Tag ein paar Unerfahrene aufzustehen, die erst noch ihr Lehrgeld zahlen müssen. Nur deshalb „lohnt“ sich diese Art Verbrechen so sehr. Ich hoffe, dass einige Leser dieser Beschreibung etwas vorsichtiger werden. Es ist schon viel gewonnen, wenn jeder Mensch jeder Mail misstraut und nicht leichtfertig auf einen Link klickt, vor allem, wenn es um Geld geht. Dass man die Internet-Adressen einer Bank oder eines anderen wichtigen Dienstes immer von Hand eingibt, bewahrt einem vor den meisten plumpen Angriffen. (Aber noch nicht vor wirklich ausgefeilten Attacken.)

Gästebuch

Dienstag, 17. April 2007

Was ein Spammer von der Möglichkeit des Feedbacks in einem ungeschützten Gästebuch hält, kann man hier bei der Konditorei Kreipe anschauen. Auf dass auch wirklich jeder menschliche Austausch mit sinnloser und dummer Werbung vergällt werde.

Appetit auf die gewiss leckeren Erzeugnisse der Bäckerei macht es jedenfalls nicht. :mrgreen: