Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Hartz4 und richtig viel Spaß!

Freitag, 30. Januar 2015, 16:49 Uhr

Hallo!

Aber hallo! Ich habe lange kein tolles Roulettesystem mehr gesehen…

Es ist doch erstaunlich, dass jede dieser Betrugsnummern aus der Spam nach längerer Pause wiederkommt, wenn die Spammer glauben, dass wieder viele junge und naive Opfer nachgewachsen sind. Heute: Affilate-Geld von Online-“Casinos“ einsammeln, indem man Menschen mit mathematischem Analphabetismus weismacht, sie könnten dort durch einfache Systeme dauerhaft Geld gewinnen. Frei nach dem Motto: Die Welt ist doch reif, man kann doch jeden Scheiß verkaufen.

Hartz4 und richtig viel Spaß, ein Wiederspruch? Falls auch Du wissen willst, wie man ohne festen Arbeitsplatz an Geld kommt, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, dann bist Du bei uns genau richtig. Hier angucken und staunen, sowas geniales hast Du noch nie gesehen! Reinhardt erklärt auf wie es geht!

So so, er „erklärt auf“, und zwar „wie es geht“, der Reinhardt. Man braucht nichts zu können und kommt an Geld, und es ist auch keine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit, sondern irgendein betrügerischer Bullshit, so dass man ganz nebenbei auch noch einen kleinen Sozialbetrug machen kann.

Ich habe jetzt nicht direkt auf den Link geklickt, weil dieser wie bei Spammern üblich um eine eindeutige ID „angereichert“ wurde, sondern bin schön über die Zwischenablage gegangen und habe die ID vorm Absenden geändert. Schon die Titelgrafik der gnadenlos doofen Seite hat mir dann ganz schnell klar gemacht, wie man nach Meinung dieses Spammers „Geld verdienen“ soll:

Detail eines Screenshots der betrügerischen Website

Bingo! Im Spielcasino! Aber nicht in einem Casino, wo Kugeln in den Roulettekessel geworfen werden, sondern in einem windigen und in der BRD illegalen Internet-Zockladen, der für seine Betreiber beliebige Manipulationen des Spielgeschehens in unentdeckbarer Weise ermöglicht. Denn die tolle Methode dieser schwarzen Null mit Spamskript – es handelt sich dabei übrigens um das Martingale-System – „funktioniert nicht überall“, sondern nur in den „Casinos“, bei denen dieser Platitüdenbaron auch ein paar Affiliate-Groschen kassiert, wenn man sich dort über den Link von seiner unfreiwillig lustigen Website anmeldet. Deshalb kann man sich auf der tollen Beschreibung auch schön bequem zu den „Casinos“ durchklicken.

Detail aus der betrügerischen Website: Ein gespiegelter Laptop, der in seinem Display den Setzplan eines Internet-Casinos zeigt Ach ja, die lustige Website. Die dafür verwendete Domain wurde von einem „Chinesen“ namens „Zhu Bing“ mit seiner Firma „Bing Zhu“ registriert, dessen chinesische Anschrift leider in Google Maps unbekannt ist. Dafür hat er aber eine anonym einzurichtende und kostenlose Mailadresse bei Hotmail – vermutlich hat er so viel Erfolg beim Roulettespielen, dass er die paar Euro zwanzig für den eigenen Mailserver lieber spart. Für echte Genießer habe ich einen Screenshot des dümmlichen Werkes zu Flickr hochgeladen. Zu den lustigen Details dort gehört übrigens der nebenan abgebildete Klapprechner, der aus nicht näher nachvollziehbaren Gründen gespiegelt wurde, wie man leicht beim Blick auf die Tastatur erkennt. Aber wer wird sich denn schon noch die Tasten anschauen, wenns so schönes Zocken auf dem Bildschirm gibt?! :D

Nach Genuss dieser gnadenlos dummen Darbietung kann der Bullshit mal mit früheren Versionen der gleichen Nummer verglichen werden, etwa mit dem Roulettesystem von Nadine, oder mit dem von Malte Wagner, oder mit dem von Rudolf Richter, oder mit dem von Gerhard Frommel, oder mit dem von Ben Liez, oder mit dem hier sehr ausführlich gewürdigten Affilate-Unfug von Moritz Ahlborg – die ausgedachten Namen ändern sich ständig, der unter diesen Namen behauptete Unsinn bleibt über die Jahre erstaunlich gleich.

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Dem Spammer ist es völlig egal, ob gewonnen oder verloren wird. Er hat nichts davon. Er bekommt sein Geld vom „Casino“, wenn er einen neuen Kunden gemacht hat, der da Geld einzahlt. Dieses Geld wird vom „Casino“ über die Verluste der Spieler wieder reingeholt. Geld soll ja dieses Ding sein, von dem man nicht so viel hat, wenn man von Hartz 4 leben muss… aber hey, was interessiert sich dieses Schloch von Spammer dafür, ob Leute was zu beißen haben.

Liebsten Gruß
Reinhardt Seigel

Ach, und auf der Website heißt dieser „Reinhardt Seigel“ dann auf einmal „Reinhard Siegel“ – vermutlich hat er es noch nicht gelernt, seinen Namen richtig zu schreiben. :mrgreen:

Reinhardt Seigel ist aus unzähligen Auftritten im deutschen Fernsehen bekannt und zeigt wie man auch mit Hartz4 mehr Mittel zur Verfügung hat, um gut zu leben. Falls Du jedoch kein Interesse hast, dann bitte hier raufgehen.

So so, aus dem „deutschen Fernsehen“ bekannt… sogar nach „unzähligen Auftritten“ dermaßen bekannt, dass man Reinhardt Seigel gar nicht mit einer Suchmaschine findet. Und auch Reinhard Siegel scheint niemals eine Spur seiner riesigen Bekanntheit „aus dem deutschen Fernsehen“ im Internet hinterlassen zu haben. Aber das ist ja kein Wunder, denn er ist ja schließlich nicht aus dem Internet bekannt. Außer vielleicht aus der täglichen Spam.

Möge er kein einziges Opfer für die inzwischen müde Masche mehr finden.

Diese Spam aus dem Beklopptenbrutschrank des Internet ist ein Zustecksel meines Lesers R.R.F.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

5 Kommentare für Hartz4 und richtig viel Spaß!

  1. […] nicht mehr rich­tig viel Spaß mit Hartz IV? Und kein Frisch­geld mehr? Ganz ohne Ver­arsch­ung vom […]

  2. […] ist und vom Em­pfän­ger be­klickt wur­de. Dort er­klärt dir Reinhard(t) Siegel… ähm… Uwe Brombach… […]

  3. […] es mich ermüdet, das immer trotzdem wieder aufs Neue zu formulieren, verweise ich hier auf meinen sehr Text vom 30. Januar 2015, der erklärt, wie die Spammer Geld verdi…. Der Text, mit dem die Spammer jetzt vorgehen, hat sich in den letzten beinahe zwei Jahren nicht […]

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