Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Kategoriearchiv „Social Web“

Würselen

Freitag, 31. August 2018

Twitter hat nach wie vor ein inhärentes und weitgehend unbehandeltes Spamproblem. Der folgende Screenshot gibt einen Einblick darin, was gefunden wird, wenn man auf Twitter nach dem Ortsnamen „Würselen“, der Heimat des Ex-Kanzlerkandidaten der SPD, Martin Schulz, sucht:

Mit Ausnahme eines Berichtes über Martin Schulz (SPD) handelt es sich ausschließlich um klar erkennbare Spam für wenig empfehlenswerte Erotik- und Pornografie-Anbieter

Ich will es mal so sagen: Eine Begriffsdichte wie „sexcam flittchen sexkontakte gratis sex forum hamburg sexy ab“ wäre von jeder billigen Spamfilter-Heuristik für E-Mail aus den Neunziger Jahren sicher als Spam erkannt worden. Heute ist es erst recht möglich, derartigen Sondermüll auszufiltern und gegen Accounts vorzugehen, die anderen Menschen derartigen Sondermüll ins Leben spülen wollen.

Twitter ist sein inhärentes Spamproblem scheinbar gleichgültig. Denn sonst würde etwas Wirksames gegen Spam unternommen.

Vielleicht sind beim börsennotierten Unternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell¹ namens „Twitter“ sogar die „spamgenerierten Nutzerzahlen“ erwünscht; vielleicht wäre von der regelmäßig presseerklärten Nutzerzahl nur noch die Hälfte (oder gar noch weniger) übrig, wenn eindeutige Spammer einfach weggemacht würden.

Ja, vielleicht ist die gesamte „wirtschaftliche Bedeutung“ von Twitter einschließlich der zahl- und geldgewordenen Hoffnung des Börsenkurses eine Illusion, die durch eine vorsätzliche Duldung von Spam und somit durch eine implizite Einladung für Spammer entsteht.

Ich halte diese im „Vielleicht“ stehende Möglichkeit keineswegs für absurd. Das „Geschäftsmodell“ Twitter wäre dann nichts weiter als ein Ergebnis der Spam auf einer Plattform, die ein gutes Umfeld für Spammer schafft.

Statt einer entschiedenen Vorgehensweise gegen asoziale, grenzkriminelle Spammer gibt es bei Twitter nebulöse, offenbar politsch motivierte Shadowbans und eine über Spammelde-Listen konzertierte Spammelde-Wegbeißunkultur unter Twitternutzern, von der ich selbst auch schon mehrfach betroffen war. Vermutlich, weil ich so ein böser „Nazi“ bin.

Warum fühlende Menschen mit einem ganz gewöhnlichen Leben oft kein Interesse an diesem Twitter haben, ist für mich jedenfalls kein Geheimnis.

Der Screenshot ist ein Zustecksel meines Lesers B.G. Danke!

Gruß auch an Martin Schulz (SPD), der voller korrupter Solidarität einen anderen, wegen seiner Korruption verurteilten korrupten Politiker im Gefängnis besucht hat! Weitere Grüße ans IOC und an die FIFA!

¹Die Vergällung menschlicher Kommunikation durch Reklame ist kein seriöses Geschäftsmodell.

Twitter geht aktiv gegen Spam vor

Sonntag, 29. Juli 2018

Angeblich soll dieses Twitter ja aktiv gegen Spam vorgehen und ordentlich durchlöschen – leider werden dabei aber sehr häufig ganz normale Mitteilungen ganz normaler Nutzer gelöscht und die Accounts ganz normaler Menschen gesperrt.

Unterdessen kommt so etwas wie der folgende Tweet…

http://xxxxxxxz.space/video/zltf8775g1jo.html … ammade fastna Schlamm fält Même lustgrotte verhaftet glanz frères fingering порно beautiful licking witcher porn parody hottest deepthroat russian matures movies naked 16

…völlig ungehindert durch die Spamfilter. Angesichts der besonderen „inhaltlichen“ Qualität gibt es zumindest mir schon ein bisschen zu denken, warum ein derartiger „Text“ nicht automatisch als Spam erkannt werden kann. Das hätte nämlich jede billige Spamfilter-Heuristik aus den Neunziger Jahren hinbekommen.

Vermutlich ist hier ein weiteres Mal diese künstliche Intelligenz¹ am Arbeiten, von der jetzt alle reden und die alles noch viel besser macht, als es schon lange gut ist, darunter natürlich auch die Spamerkennung. Die ist jetzt „intelligent“. Über den IQ reden wir besser nicht. :mrgreen:

Twitter spricht immer wieder einmal in seinem kältesten PResseerklärungston davon, dass es sich bei einer Accountsperre um eine fehlerhafte Spamerkennung gehandelt habe, wenn eine solche Accountsperre besonders willkürlich erscheint und größere Aufmerksamkeit erfährt. Mit Verlaub: Ich glaube Twitter kein einziges verdammtes Wort, wenn ich sehe, was für eine Spam problemlos auf Twitter läuft.

Und nein, das ist nicht die einzige Spam, die ich dort heute gesehen habe…

¹Das ist so eine Art kollektiver Wahnsinn in der Datenverarbeitung, der alle zehn bis fünfzehn Jahre mal wieder hochkommt, um dann nach ein paar Jahren wieder sang- und klanglos zu verschwinden. Und nein, die Varianten der Zehner Jahre sind nicht die ersten. Allerdings waren noch niemals so viele Nutzer eines Computers derart technisch ungebildet und inkompetent wie zurzeit.

@AtcharaArad, der Followerexperte

Samstag, 23. Juni 2018

Spammer's Hall of Shame

In die „Hall of Shame“ kommen nur die ganz Harten. Die mit dem Zwitscherdurchfall. Die, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder kotzen soll. Die richtigen Spezialexperten an der Social-Media-Front, die bei ihrem Geldmachwillen keine Gefangenen nehmen. Wenn du hier landen willst, Spammer, denn musst du dir schon Mühe bei deiner Müllproduktion geben…

Der Twitternutzer mit dem Handle @AtcharaArad hat eine ganz besondere Form der spammigen Twitternutzung. Er folgt nicht einfach irgendwelchen Leuten und hofft darauf, dass diese halbmechanisch zurückfolgen. Er wendet sich stattdessen an Menschen, die bestimmten Hashtags folgen, indem er zufällig ausgewählte Hashtags – Musikgenres, größere Städte, Ereignisse, Sportarten etc. – völlig kontextlos an seine tollen Spamfiepser anhängt, damit diese etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie ohne diese trickreiche Idee bekämen… das wäre nämlich gar keine Aufmerksamkeit. Und es wäre doch wirklich nicht gut für sein Geschäft, wenn sie gar keine Aufmerksamkeit bekämen. Und deshalb werden eben Hashtags vollgespammt. Auch, wenn es sich dabei um eine Vorgehensweise handelt, bei der Darmwinde vergleichsweise intelligent wirken.

Mir ist dieser intellektuell völlig unbewaffnete Social-Media-Nutzer, der selbst für Hartz IV noch unterqualifiziert wäre, heute begegnet, als ich einen kurzen Blick in das Hashtag #Hannover warf, um einen schnellen Eindruck davon zu bekommen, was gerade so in der unterschätzten Stadt los ist. Sehr viele Twitter-Nutzer werden das gelegentlich machen. Dabei rollte auch der folgende Kommunikationsversuch von @AtcharaArad an mir vorbei:

Tweet von @AtcharaArad, 23. Juni 2018, 13:51 Uhr: 99 Ways To Get More FREE Twitter Followers | #house #hannover #like4like #oof #work http://bit.ly/2MijTPu

„Seltsam“, dachte ich mir, „ich habe noch nie dafür bezahlt, dass mir jemand auf Twitter folgt“. Natürlich sind Follower kostenlos. Außer bei denen, die sich Follower kaufen, um in ihrem Profil mit großen Zahlen einen Eindruck der Wichtigkeit zu erwecken und die sich mutmaßlich auch bei der Masturbation selbst einen Orgasmus vorspielen, aber das sind beinahe nur Journalisten, Politiker, Werber, Hochstapler und vergleichbares Geschmeiß. Unter richtigen Menschen geht es eben so, dass man sich entweder irgendwie interessant findet oder eben nicht.

Nachdem ich das gesehen habe, wollte ich wissen, was da so mit offener Spammethodik in meine Aufmerksamkeit gedrückt werden sollte:

$ lynx -mime_header http://bit.ly/2MijTPu | grep ^Location
Location: http://sellmesomething.co.uk/99-ways-to-get-more-free-twitter-followers/
$ _

Hmm… sell me something… es gibt doch tatsächlich Domains, die jedes Interesse im Keim ersticken können. Kein Wunder, dass diese Matschbirne da lieber mit einem URL-Kürzer verbirgt, wo es hingeht. Die schnell aufgeblasene Seite sieht so aus – und ja, das Bild mit dem Buchtitel ist wirklich so unscharf und artefaktreich, wie es im Screenshot aussieht:

Screenshot der durch Twitter-Spam verlinkten Website

Der Link geht zu Amazon, natürlich mit einer Affiliate-ID, damit der Spammer an jedem so angeleierten Buchkauf verdient. Denn davon und von vergleichbaren Spamgeschäften scheint er leben zu wollen.

Da stellt sich ja nur noch eine einzige Frage: Ob sich diese Lallbacke von Spammer wohl selbst das Buch gekauft hat, um daraus zu lernen, wie man sich rasendschnell eine kostenlose Armee von Twitter-Followern holt, schön aus der richtigen Zielgruppe und natürlich auch relevant, ohne einen Penny dafür auszugeben? Gleich mal einen Blick ins Profil werfen:

@AtcharaArad -- Tweets: 3246, Folge ich: 3, Follower: 7

😳 Ohne weitere Worte. :mrgreen:

Spam.tamagothi.de Team – This is crazy Instagram madness

Mittwoch, 6. Juni 2018

Nein Spammer,

Piktogramm eines Megafons mit der Aufschrift SPAMes ist der ganz normale Spamwahnsinn im täglichen Mülleingang. Danke übrigens, dass du deine asoziale Spam an die einzige Mailadresse aus dem Impressum gesendet hast, die man hier ohne weitere Umstände mit einem Harvester einsammeln und direkt verwenden kann, denn das belegt, dass du ein Spammer bist, der mit Spamwerkzeugen vorgeht. Und wenn das nicht zum schnellen Erfolg führt, den du dann im Bordell verprassen kannst, dann spammst du eben aufdringlich – deinen intellektuell nullwertigen Sondermüll mit „Erreiche die Massen über Instagram und mach gute Geschäfte, aber ich selbst probiere es lieber mit E-Mail-Spam, um gute Geschäfte zu machen“ hatte ich ja schon letzte Woche.

Na, ob du diese Woche wohl wenigstens etwas anderes hast, wenn es schon nichts intelligentes wird?

Mal schauen:

Hello, Spam.tamagothi.de Team

Nein, ich bin immer noch kein Team.

One of the biggest complaints entrepreneurs have about Instagram marketing is the difficulty of calculating its return on investment (ROI). So, how much will you earn from fake followers and likes? Nothing; absolutely nothing.

Eines der größten Probleme vieler Leute, die „Marketing“ machen, ist ihre unglaubliche Dummheit und ihre meist offen rausgerotzte Verachtung der Intelligenz derjenigen Menschen, denen sie mit dem „Marketing“ etwas andrehen wollen, damit diese Verachteten ihnen ihr Gehalt bezahlen.

Die Verachtung der Intelligenz des Rezipienten wird meist offen ausgelebt (jeder kann das anhand beliebiger Reklame überprüfen – im Moment ist Junkfood zum Beispiel „sportlich“, weil eine Fußball-WM bevorsteht), die Dummheit wird mit allerhand Bullshit-Zahlen und lustigen fremdsprachlichen Begriffen und Aküwörtern überspielt, die den Anschein erwecken sollen, dass es irgendwelche Erfolge gibt. Wer Lust dazu hat, kann alle aufgeführten Bullshit-Zahlen in seinen Taschenrechner eingeben und addieren. Da kommt dann eine Zahl heraus. Und die bedeutet nichts. Wer irgendwelchen Tinnef verkauft und dumm genug ist, sich von halbseidenen Reklameheinis das Gehirnchen weichlabern zu lassen, hält diese Summe irgendwann für wichtiger als den Umsatz mit seinem Tinnef.

Mirror, mirror on the wall, who has the best engagement of them all?
What…?

Spieglein, Spieglein an der Wand, wessen Hirn klebt dünn am Schädelrand?

Yes, engagement! This is where the money is! The Instagram algorithm boosts the posts that gain more likes and comments.

Unser Spammer weiß genau, wie die Algorithmen von Insta-Gram funktionieren, und deshalb weiß er auch, wo das Geld ist. Und das Geld misst man in Herzchen und Sprechblasen, nicht in Verkäufen und Umsatz.

Early engagement is particularly important, because a flurry of early activity indicates to the Instagram algorithm that a post is worth bumping to the top of other users’ feeds, which leads to even more engagement.

Damit das so richtig „überzeugend“ klingt, schreibt er dafür ziemlich viele Wörter…

Then, in order to get on the Explore page or the Top Posts of a hashtag, you must generate a ton of engagement (likes and comments) as quickly as possible.

…die so gar nichts damit zu tun haben, „where the money is“. Was er dabei verschweigt…

Engagement (the likes, comments, and interactions you have) with your followers and potential audience doesn’t just happen. You have to put engagement strategies in place to make it happen.

…ist die einfache Tatsache, dass ein Klick auf ein Piktogramm mit einem Herzchen unter einem Foto den meisten Menschen viel leichter fällt als das Ausgeben ihres meist nur begrenzt vorhandenen Geldes für den auf dem Foto abgelichteten Tinnef. Ganz im Gegenteil, sagt er, es ist sehr wichtig, dass viel auf das kleine Piktogramm geklickt wird, und dafür müssen Strategien entwickelt werden. Ärgerlicherweise kann man die von Skripten und Klickviechern zusammengeklickten Herzchen noch nicht auf ein Bankkonto überweisen. Aber immerhin, zum Ausgleich wird auch keine Umsatzsteuer dafür fällig. :mrgreen:

River Team is here for you!
We are ready to work on your behalf 24/7 and increase the engagement on your Instagram account instantly! Your work will then be much more effective!

Und das Angebot dieses Spammers besteht darin, dass er irgendwie – vermutlich vierundzwanzig Stunden täglich sieben Tage die Woche durch Spam, Spam und Spam – dafür sorgt, dass viel mehr herzgeklickt wird. Dafür will er von den Empfängern seiner Spam Geld bekommen.

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Man braucht immer noch keine Kreditkarte, um auf einen Link zu klicken. Das ist doch schön! Und schon in Kürze sieht man, dass Bullshit-Zahlen größer werden, und dann darf man für die Bullshit-Zahlen bezahlen und sich einbilden, dass man einen Vorteil davon hat. 😀

Allerdümmste Marketing-Esoterik verflechtet sich mit der Spam. Da wächst zusammen, was schon immer zusammengehörte!

All best,
Asia

Asia Zukowska
Co-founder, River by Colibri IO
180 Sansome Street, CA 94104, San Francisco
getriver.com asia@getriver.com unsubscribe

Mit Grüßen von einem Spammer, der lieber für Aufmerksamkeit durch seine dumme E-Mail-Spam sorgt, weil er selbst nicht an seine eigene Instagram-Nummer zu glauben scheint. Denn sein Instagram-Profil verlinkt er ja nicht in seiner Spam. Wer weiß, vielleicht hat er ja gar keins. 😀

Das immerhin, das kann ich gut verstehen. Warum sollte man auch so viel Zeit und Mühe in etwas investieren, was gar nicht funktioniert? :mrgreen:

Matt der Spammer

Samstag, 12. Mai 2018

Auch im Fediverse (in diesem Fall: im Diaspora-Netzwerk) gibt es Followspam. Hier als ein Beispiel die Kurzbiografie eines meiner heutigen Neufollower, der übrigens zurzeit nur irgendwelche Leute in seine Aspekte aufnimmt, aber zumindest öffentlich sichtbar nichts postet:

Bio: www.sеху.maXXXese.ru <<<— Sеа оf ??lоvе сrаzy sех dеsirеs yоu саtсh hеrе.

Was ich jeden Tag in die Timeline gespült bekäme, wenn ich diesem geistlosen Pfosten folgte, will ich gar nicht mehr kennenlernen.

Zum Glück ist derartige Followspam – sehr viele Menschen folgen quasi automatisch und völlig unbesehen jedem zurück, der ihnen folgt, und deshalb wird es gemacht – im Diaspora-Netzwerk noch sehr selten und nicht wie bei Twitter eine nahezu tägliche und ausgesprochen nervige Erfahrung.

Aber das liegt nicht daran, dass diese Spam im Diaspora-Netzwerk schwieriger wäre, sondern daran, dass es dort für die Geschäftsideen eines stinkenden Spammers einfach „nicht genug Masse“ gibt. Ganz im Gegenteil, die Spam wäre dort sogar einfacher, weil es keine zentrale Spambekämpfungsinstanz wie bei den Social-Media-Unternehmungen gibt.

Deshalb meine eindringlich-satirische Bitte an alle Menschen, die noch nicht im Fediverse sind: Bleibt bitte bei Shitter, Fecesbook und Co., kommt nicht ins Fediverse! Dass ihr überwacht, verdatet, datennackt gemacht und vermarktet werdet, stört euch eh nicht, sonst wärt ihr ja schon gar nicht mehr bei Shitter, Fecesbook und Co.! Raider heißt jetzt Twix und sonst ändert sich nix, denn „Cambridge Analytica“ hat seine Firmierung flugs geändert. Der nächste so genannte „Datenskandal“ – das ist das journalistische Blendwort, das auch in Zukunft immer benutzt werden wird, wenn das Geschäftsmodell von börsennotierten Unternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell mal so richtig lichtehell offensichtlich wird, dass man es nicht mehr ignorieren kann – kommt ganz sicher, aber ist euch ja egal. Also bleibt dort! Da sind ja auch viel mehr Leute, und da ist ja auch viel mehr los, guckemal oh so ein niedliches Kätzchen! Denn spätestens, wenn ich jeden verdammten Tag dreißig Notifications bekomme, weil mir solche Enthirnungsreste wie der spammende Matt mit seiner nur über bescheuerte Spam zu vermarktenden Porno- oder Datingbetrugssite folgen, wird mir auch die Lust am im Moment noch sehr erfreulichen Fediverse vergehen.

Danke! 😉

Focus! Focus Online!

Dienstag, 10. April 2018

Bearbeitung des Focus-Logos. Die Weltkugel ist mit dem Twitter-Logo (das blaue Vöglein) ersetzt worden. Darunter steht: 'Spam, Spam, Spam statt Fakten, Fakten, Fakten!'.

Hey, Focus Online!

Ich habe jetzt einige Zeit darüber nachgedacht, wie man das nennen kann, aber es ist für mich immer noch unmöglich, für eure Twitter-Nutzung ein anderes Wort als Spam zu finden. So sieht es etwa für Twitter-Nutzer aus, die dem Hashtag #Hannover folgen:

FOCUS Online Auto: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico; FOCUS Online Digital: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico; FOCUS Finanzen: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico; FOCUS Gesundheit: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico; FOCUS Unterhaltung: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico; FOCUS Panorama: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico; FOCUS Online Politik: Lasst Chico leben! #Hannover #Chico

Und nein, das war nicht alles, da kommt noch mehr. Mit gleichem Text, gleichen Hashtags und Link auf gleichem Artikel.

Da diese tagesaktuelle Geschichte vermutlich schon in einigen Tagen wieder im Strom der neueren Neuigkeiten vergessen sein wird, hier nur ein kurzer Hinweis: Chico ist ein (mutmaßlich von seinen Besitzern jahrelang nicht artgerecht gehaltener) Hund, der seine beiden Halter aus Hannover in der Wohnung totgebissen hat. Das ist nicht „Auto“, das ist nicht „Digital“, das ist nicht „Finanzen“, das ist nur in einem sehr makaberen Sinne des Wortes „Gesundheit“, das ist nur in einem sehr zynischen Sinne des Wortes „Panorama“ und es ist auch nicht „Politik“, „Reisen“ oder „Wissen“ oder eine der vielen anderen vorgeblichen Ressortbezeichnungen, deren vorgeblich eigens für dieses spezielle Ressort eingerichteter Twitter-Kanal hier geflutet wird. In der Tat, es ist #Hannover. Unter diesem viel von Menschen aus Hannover gefolgten Hashtag erscheint dann die ganze Pracht der spammigen Social-Media-Arbeit aus der Focus-Online-Redaktion.

Wie gesagt, ich weiß nicht, welche schönen Wörter die PR-Heinis von „Focus Online“ für diese spezielle, nur beim Hinschauen wie Spam aussehende Twitter-Nutzung verwenden. Vielleicht nennen sie es ja „Dem Twitter-Nutzer deutlich machen, was wir von ihm und seiner Intelligenz halten“. Ich nenne es jedenfalls Spam.

Und journalistischen Produkten, deren Redaktion – ich getraue mich nicht, diesem gewiss sehr sorgfälig erwogenen Urteil zu widersprechen – selbst zu der Einsicht gelangt ist, dass sie ihr contentindustrielles Werbeplatzvermarktungsgeschäft nur noch mit derartiger Spam voranbringen können, wünsche ich von ganzem Herzen eine schnelle Bekanntschaft mit dem Insolvenzverwalter. Was geistige, ethische und journalistische Werte betrifft, ist der Zustand der Insolvenz ja schon längst erreicht, was leider nicht so sehr am Weitermachen hindert wie die Zahlungsunfähigkeit in Geldwerten.

Meint euer eure Spam „genießender“
Nachtwächter

Dating-Followspam auf Twitter

Mittwoch, 14. März 2018

Oh, so viele neue Twitter-Follower? Mal schauen. 😯

Da sind aber wieder entzückende Frauen dabei. Zum Beispiel eine gewisse „Esther Gilbert“. Die versteht zwar nicht die Sprache, in der ich gelegentlich Twitter nutze, aber ist doch immerhin eine hübsche, lebensfroh posierende Frau, die auch immer wieder leckere Fotos postet. Was braucht man da noch Worte?

Screenshot des Twitterprofiles von Esther Gilbert @cglong81, das als spammiger Köder zu irgendeiner Datingklitsche dient

Was diese „Esther“ allerdings davon hat, mir zu folgen, der ich solche Bildchen nicht habe, bleibt offen. Vielleicht will sie ja Deutsch lernen. Dafür bin ich allerdings aus vielerlei Gründen keine so gute Wahl. 😉

Und noch ein Beispiel von heute (es sind noch ein paar mehr): „Erica Wainwright“ twittert ebenfalls nicht auf Deutsch (retweetet aber manchmal sehr wahllos, und dann ist auch etwas Deutsches dabei), guckt einfach nur entzückend in die Kamera und weiß, wie man die Massen der Brüste keck nach vorne streckt:

Screenshot des Twitterprofiles von Erica Wainwright @kekuopex, das als spammiger Köder zu irgendeiner Datingklitsche dient

Auch „Erica“ ist eher etwas wahllos in ihrer Follow-Auswahl. Die würde wohl jedem folgen. Das liegt daran, dass der Follow automatisiert mit einem dummen, spammigen Skriptchen gemacht wird und nur einen Zweck hat: Dass man zurückfolge und sich die spammige Seuche in die Timeline hole und dass man irgendwann mal auf einen der Spamlinks klicke.

Ich könnte jetzt noch weitere Screenshots bringen, aber die grundsätzliche Vorgehensweise der Spam ist hoffentlich an diesen beiden Beispielen deutlich genug geworden.

Sowohl im Profil der Twitterspammer als auch immer wieder mal in einem der Beiträge wird dann die Website in der Domain datewith (strich) me1 (punkt) com verlinkt (oft indirekt, über Weiterleiter oder URL-Kürzer, immer auf verschiedene Weise, um automatisierte Spamfilterung bei Twitter zu erschweren), die den unmissverständlichen Titel „Fick noch heute Frauen aus deiner Umgebung“ hat und folgendermaßen aussieht:

Screenshot der Dating-Seite. -- Diese ist KEINE Dating-Site! WARNUNG! Du wirst auf Frauen treffen, die du kennst. Bitte verhalte dich verantwortungsvoll. [Ok!]

Und das hier ist keine Pfeife! 😉

Wie üblich bei den Dating-Betrügern gibt es nur Frauen. Was diese Frauen wohl mit den Männern angestellt haben, dass die alle geflohen sind? :mrgreen:

Nach dem Beantworten dreier Fragen bekommt man die folgende direkte visuelle Stimulation, die ein bisschen so tut, als sei sie „Tinder“, die aber natürlich nichts mit „Tinder“ zu tun hat (der schwarze Balken ist von mir, um wenigstens etwas Jugendschutz zu simulieren; darunter befindet sich ein Mund und ein erigierter Penis):

Screenshot der betrügrischen Website, die neben explizit pornografischen Darstellungen die Marke Tinder missbraucht

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass keine dieser Seiten ein Impressum hat? Und keine Nutzungsbedingungen? Und keine Datenschutzerklärung? Oder dass die Domain datewith (strich) me1 (punkt) com von einem Zeitgenossen aus angeblich Brasilien betrieben wird…

$ whois -H datewith-me1.com | grep WHOIS
   Registrar WHOIS Server: whois.PublicDomainRegistry.com
$ whois -h whois.PublicDomainRegistry.com datewith-me1.com | grep ^Registrant | sed 7q
Registrant Name: Miloslawa
Registrant Organization: 
Registrant Street: Av. Getulio Vargas, 657 - Centro   
Registrant City: Manaus
Registrant State/Province: Amapá
Registrant Postal Code: 69020-010
Registrant Country: BR
$ _

…dessen Name ziemlich russisch klingt und der übrigens für seine Domainregistrierung auch eine anonym und kostenlos einzurichtende Mailadresse beim russischen Freemailer mail (punkt) ru angegeben hat.

Die hübschen und lebensfrohen Frauenbilder bei irgendwelchen Twitter-Spammern – sicherlich allesamt von „irgendwo aus dem Internet“ mitgenommen¹ – führen tief in den Sumpf der Organisierten Kriminalität, und wo schon „normale“ Dating-Anbieter äußerst unseriös sind und mit grenzkrimineller Methodik vorgehen, da sieht es bei dem spambeworbenen Dating-Anbietern richtig gruselig aus.

Aber nicht nur die Marke „Tinder“ wird hier von Dating-Betrügern missbraucht, aus der Marke des bekannten Pronografie-Protales „PornHub“ wird im nächsten Schritt auch noch „BumsHub“ in der Domain bumshub (punkt) de – und außerdem fängt so langsam der Datenstriptease an, zunächst scheinbar harmlos mit einer Mailadresse:

Screenshot der spambeworbenen Dating-Website

Es gibt zwar mal wieder kein Impressum, keine Nutzungsbedingungen und keine Datenschutzerklärung auf der spamverlinkten Registrierungsseite, aber dafür liegt schon eine „Sexanfrage“ bereit, bevor man sich auch nur registriert hat. Und dank einiger Zeilen Javascript werden aus dieser „Sexanfrage“ im Laufe der Zeit immer mehr. Das kennen wir ja alle noch aus den ständig wachsenden Jackpots früherer Betrugscasinos. Diese Frauen, die alle Männer vertrieben haben, müssen es aber wirklich sehr nötig haben… :mrgreen:

In den folgenden Schritten werden noch ein paar Daten mehr abgefragt, die zum Teil sehr weit in die Privat- und Intimsphäre hineinreichen – und diese Daten gehen an Leute, deren Website mit Spammethodik beworben wird.

Bitte nicht darauf hereinfallen!

Und nein, „BumsHub“ ist nicht der einzige Anbieter, bei dem diese Spammer Affiliate-Geld kassieren wollen – bei einem zweiten Versuch bin ich bei „SexBadoo“ gelandet:

Screenshot der spambeworbenen Dating-Site SexBadoo

Hier bekommt man zwar nicht schon während der Registrierung ein Postfach voller „Sexanfragen“, aber dafür wird man von einem Skript angechattet, noch während man sich unter der Peitsche einer wegtickenden Uhr registriert – das ist doch schon eine gute Vorbereitung auf das, was einem als zahlender Benutzer dieser spambeworbenen Dating-Website erwarten wird: Teure Gespräche mit billigen Skripten. Wohlvertraute Abzocke seit vielen, vielen Jahren.

Überflüssig zu erwähnen, dass auch auf dieser Registrierungsseite weder Platz für ein Impressum noch für Nutzungsbedingungen noch für eine Erklärung zum Datenschutz war. Was kann da schon passieren? Es geht ja nur um die Intimsphäre, und aufmerksam wird man über Twitter-Followspam gemacht.

¹Wer wirklich einen Grund benötigt, sehr sparsam mit persönlichen Fotos im Internet umzugehen: Der Missbrauchsmöglichkeiten durch Dating-Spammer sind ein sehr guter Grund.

Ein kleiner Rückblick und eine schlechte Nachricht…

Freitag, 23. Februar 2018

Das Twitter-Logo, das blaue Vöglein, mit Kackhäufchen darunterEs ist eine schlechte Nachricht: Ich glaube, Twitter hat inzwischen vor der Spam kapituliert. Der Damm ist gebrochen. Nichts kann die Fluten noch aufhalten. Sie werden alles mit sich reißen. (Am Ende sogar jegliche Geschäftsidee von Twitter.) 🙁

Im September vorigen Jahres habe ich die Hashtag-Spam für den spamgetriebenen mutmaßlichen Dating-Betrüger unter der Domain www (punkt) kiss69 (punkt) me genauer beschrieben und darauf hingewiesen, dass es für Twitter gar nicht leicht ist, die schnell skriptgesteuert eingerichteten Spamkanäle zuverlässig zu erkennen und zu löschen. Dies verband ich mit der Aufforderung, sie bei jeder Gelegenheit an Twitter als Spammer zu melden.

Der Spamcharakter dieser Nutzung ist klar erkennbar. Es werden systematisch aus zehn- bis hunderttausenden von Kanälen Hashtags mit einer softerotischen Reklame für eine fragwürdige Website geflutet. Die für diese Spamreklame verwendeten Fotos machen den Eindruck, aus dem gesamten Web zusammengeklaubt worden zu sein¹, und die Sammlung der Spammer scheint recht groß zu sein. Es sind viele derartige Kanäle, die jeder für sich mit relativ geringer Frequenz posten und damit „unter dem Radar“ von Twitters Spamerkennungsmöglichkeiten bleiben. Und dass jedes Posting mit einem Foto angereichert wird, ist auch nicht so ungewöhnlich, dass es auf Seiten Twitters auffallen müsste, sondern eine häufige, legitime und von Twitter erwünschte Nutzungsform. Anstelle eines leicht zu erkennenden und zu filternden Links gibt es somit eine im Bild grafisch als Text dargestellte Domain zum Abtippen. So etwas lässt sich ungleich schwieriger mit einer Software erkennen, als man einen Link im Text erkennen und auf Grundlage einer täglich gepflegten Blacklist behandeln könnte.

Und Twitter hat auch nach über einem Vierteljahr dieser Form der Spam immer noch keine Heuristiken, um die Spam sicher automatisiert zu behandeln. Hier ist nur ein Beispiel für einige Handvoll vergleichbarer Profile, die ich eben gerade als Spam gemeldet habe, was mich übrigens fast eine Viertelstunde meiner beschränkten Lebenszeit gekostet hat:

Screenshot eines spammigen Twitter-Profiles, das Werbung für den mutmaßlichen Dating-Betrug unter www (punkt) kiss69 (punkt) me macht

Twitter scheint nicht einmal einen Versuch zu machen, entsprechende Heuristiken zu entwickeln. (Es wäre zum Beispiel relativ einfach, das abgedunkelte Rechteck in der Bildmitte automatisch zu erkennen.) So wie heute habe ich die gleiche, dumme Masche seit Monaten jeden Tag vielfach gemeldet, und ich kann mir kaum vorstellen, dass ich der einzige Mensch bin, der bei Twitter die Spam als Spam meldet. Diese Form der Spam ist keine Kleinigkeit, sondern eine Pest. Jeder Twitter-Nutzer, der einem Hashtag folgt, wird irgendwann einmal von einem dieser Spamfiepser belästigt werden. „Irgendwann einmal“ meint hier: Bis zu vierzig Mal binnen zweier Stunden (das ist mir schon passiert). Die Spammer kennen nur wenig Zurückhaltung in den Wörtern, die sie als Hashtag vollspammen – man merkt allerdings, dass hier mit dummer Software und wahllosen Listen vorgegangen wird, dass das Verfahren also durchaus noch verbesserungsfähig wäre. Aber es gibt in der Spam selbst neben der Verwendung von Hashtags keine Interaktionen, die für Twitter leicht zu erkennen wären, zum Beispiel keine sinnlos verteilten Follows, um sich eine Zuhörerschaft für die Spam aufzubauen.

Dass Twitter scheinbar geneigt ist, diese Spam einfach kampflos hinzunehmen, ist ein ganz schlechtes Zeichen. Dann wird es bald sehr viel mehr von dieser Spam geben. Sie ist ja insofern „erfolgreich“, als dass sie nicht bekämpft wird. Das Hashtag-System – jetzt schon ein häufig von dummen Gestalten mit Aufmerksamkeitserzwingungsabsicht missbrauchter Teil Twitters, wie jeder bei Sportübertragungen, Wahlen und beliebten Fernsehshows mit Leichtigkeit beobachten kann – wird spätestens dann vollständig unbrauchbar werden, wenn es nur noch zur Bekanntschaft mit allerlei Datingbetrügern, Roulettemeistern, Pimmelpillenapothekern, Reichwerdexperten, Trickbetrügern und vergleichbarem Geschmeiß führt.

Was aber von Twitter übrigbleiben wird, wenn es nicht mehr eine brauchbare Plattform des schnellen Informationsflusses ist? Ich habe da keine gute Prognose… 🙁

¹Wer noch einen Grund braucht, niemals ein persönliches, eventuell missbrauchbares Foto von sich irgendwo im Internet zu veröffentlichen, hat hier hoffentlich einen!