Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „Commerzbank“

„Gesponsortes Posting“ der Commerzbank

Freitag, 29. November 2019

Abt.: Verstörendes aus der Wahnwelt der Werbeheinis

Nach so viel intellektueller Magerkost der täglichen Spam ist einmal mehr die Zeit für richtige Werbung gekommen, für ein Kunstwerk richtiger und gewiss gut bezahlter Werber, die mit großartiger Bildsprache und eindrücklichen Metaphern aus Menschen Kunden machen und die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Wie viele richtige Kunstwerke ist auch dieses Werk eines mit gutem Recht eher unbekannten deutschen Meisters leicht verstörend und kitzelt bei der Betrachtung im Gehirne. Es handelt sich um den folgenden gesponsorten Post (also eine bezahlte Reklame) der Commerzbank auf Instagram.

Willkommen auf der Toilette der Commerzbank:

Screenshot von Instagram auf einem Smartphone. Post der Commerzbank (gesponsort), also bezahlte Reklame. Das Bild ist ein Klopapierhalter an einer gekachelten Wand. Auf dem Klopapierhalter goldenes Klopapier. Dies ist überlagert mit dem Text: In wenigen Minuten neues Konto eröffnet und 100€ gemacht. #derbeCommerz

Die Bildsprache könnte elementarer und eindrücklicher kaum sein. Eine gekachelte Wand, makellos und glatt und weiß und kalt. Doch die Fugen sind dunkel, beinahe schwarz, und obzwar die Kacheln glatt sind, reflektieren sie das geizig einfallende Licht doch nur diffus. Dies ist aber auch kein Ort des Lichtes. Es ist ein Ort kotiger Ursubstanz, den man aufsucht, um einen gebieterischen Druck zu beenden und so erleichtert das aus sich Herausgedrückte mit einem Schwall aufwändig aufbereiteten Trinkwassers in die schmierig-dunkle Unterwelt der Kanalisation zu spülen, ohne dabei einen Gedanken an jene dunkle Welt aufkommen zu lassen, so dass man sich wieder unbeschwert seinem zivilisierten Dasein zuwenden kann.

An der Wand ein Klopapierhalter aus Metall, der von seiner Gestaltung her nicht einmal den Eindruck erweckt, als könne man die hohle Papprolle mit dem saugfähigen Papier zur Reinigung der fäzenverschmierten perianalen Regionen leicht auswechseln, wenn das Papier verbraucht ist. Die Rolle mit der Bratzpappe dort scheint für die Ewigkeit eingespannt zu sein, und ist nur doch dafür da, sich den Arsch abzuwischen. Sie muss sich aus sich selbst heraus permanent erneuern, ein Wunder an unerwartetem Ort. Es ist ein gülden in die exkrementielle Welt hineingleißendes Klopapier, in merkwürdigem Kontrast zu seinem Wegwerfcharakter und zu seiner intendierten Nutzungsform stehend. Ein im kalten Bilde nicht aufscheinender Mensch, der auf dem Klo sitzt, kann sich den Arsch mit Gold abwischen, das Gold in die Schüssel werfen und zusammen mit seiner Scheiße im Minaturwasserfall des Spülkastens aus seinem Blick und aus seinem Bewusstsein reißen lassen.

Fürwahr, ein trefflich Bild eines Bankhauses, in dem sich die Commerzbank nach gründlicher, langer Erwägung dermaßen gut getroffen sah, dass sie es für ihre Reklame verwendete!

Aber auch ein fürwahr verstörendes Bild, das die Frage aufkommen lässt, ob der Künstler vergessen hat, seine Medikamente einzunehmen, oder ob er die bunten Pillen schon seit langer Zeit nicht mehr schluckt. Eine Chiffre aus einer von jeder Vernunft emanzipierten geistigen Welt, die den Betrachter froh darüber werden lässt, dass sie bei aller Nähe des Handydisplays doch fern von ihm bleibt.

Wie jedes großartige Werk wirft auch dieses Werk Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Wer soll die Zielgruppe dieser Reklame sein? Sind es Menschen, die auf dem Klo sitzend mit ihrem Smartphone schnell ein neues Bankkonto eröffnen, weil sie das Gold – als Metapher all dessen, was ihnen Wert ist – und ihre Scheiße in einer mechanischen Geste gemeinsam wegspülen und bequem aus ihrem Blickfeld schaffen wollen? Wer ist auf die Idee gekommen, dass dies eine gute Reklame sei? Arbeitet die Titanic-Redaktion jetzt auch für die Commerzbank? Ist es vielleicht gar nicht das Klo eines Kunden, sondern eines Bankmanagers, der fest mit dem nächsten Bankenrettungspaket der Bundesrepublik Deutschland rechnen kann, während über eine Million Menschen in diesem Staat wohnungslos und zehn Prozent der Bevölkerung dauerhaft verarmt sind? Kommt daher diese Leichtigkeit der Wertevernichtung und Verschwendung, die obszön und geisteskrank anmutet?

Und vor allem: Wer sind wohl diese 509 Menschen, denen das gefällt?

Screenshot via @benediktg5@twitter.com

Mitteilung

Freitag, 28. Juni 2013

Gefälschte Absenderadresse dieses hingestümperten Versuchs ohne besondere Überzeugungskraft ist noreply (at) commerz (punkt) de – tja, Spammer, wenn du schon einen Absender fälschst, dann könntest du doch eigentlich auch gleich die richtige Domain der Commerzbank nehmen. Ach, solche Gedanken hast du dir nicht gemacht, weil es dir zu mühsam war, sich Gedanken zu machen? Ich verstehe. Das merkt man deiner Phishingmail aber auch an…

Sehr geehrter Kunde,

Hallo Kunde, deinen Namen kennen wir nicht.

Wir möchten Sie darüber informieren, dass Ihr Konto von einem nicht autorisierten Computer zugegriffen wurde.

Wir unterschieden hier zwischen autorisierten und nicht-autorisierten Computern. Da müssen sie schon aufpassen, an was für einem Rechner sie sich einloggen, um ihre Fernkontoführung machen. Wenn der nicht autorisiert ist, schrillen bei uns alle Alarmglocken – ihre Anmeldedaten sind uns hingegen egal

Bitte besuchen Sie uns bestätigen, dass Sie der Inhaber des Kontos sind.

https://www.commerzbank.de/

Also seien sie bitte so doof und geben noch einmal sämtliche Daten ein, die bei der Commerzbank schon längst bekannt sind. Wundern sie sich nicht darüber, dass dabei in der Adresszeile ihres Browser nichts von „Commerzbanking“ steht, sondern mdsideas (punkt) com und geben sie ihre PIN und ihre gesamten Kreditkartendaten auf einer „liebevoll“ nachgemachten Commerzbank-Site ein. Wir plündern dann ihr Konto und lassen es uns richtig gut gehen!

Danke

Ihre Phisher mit der miesen Masche.

Wer darauf reingefallen ist, obwohl das wegen der miesen Machart der Spam schwierig ist, sollte sich sofort mit seiner Bank in Verbindung setzen – bei der Gelegenheit könnte man auch mal fragen, warum eigentlich kein Wort der Warnung über die laufende Phishing-Masche auf der Startseite der Commerzbank-Homepage steht und ob man das als Zeichen interpretieren soll, dass es der Commerzbank gleichgültig ist, wenn ihre Kunden betrogen werden. Immerhin muss ich der Commerzbank zugute halten, dass sie eine Grundaufklärung über Phishing auf ihrer Website leistet, was leider nicht der Regelfall ist.

Mitteilung !

Montag, 25. Februar 2013

Diese Mail, die behauptet, von einem Absender namens „Commerz Bank“ zu kommen (ganz so, als wüsste die Commerzbank nicht mehr, wie sich ihre eigene Firmierung schreibt), ist nur echt mit einem Splenk vor dem Ausrufezeichen! Die gefälschte Absenderadresse ist infos (at) commerz (punkt) de. Diese Mail ist scheinbar ohne Inhalt, denn sie enthält nur eine extern eingebettete JPEG-Grafik [in Originalgröße betrachten]:

Sehr geehrter Kunde, Wir möchten Sie darüber informieren, dass Ihr Konto von einem nicht autorisierten Computer zugegriffen wurde. Bitte besuchen Sie uns bestätigen, dass Sie der Inhaber des Kontos sind. https (doppelpunkt) (doppelslash) www (punkt) commerzbanking (punkt) de (slash)

Der in 53,8 KiB transportierte Text ist so lächerlich wie die meisten Phishing-Texte.

Sehr geehrter Kunde,

Wie üblich hat der Spammer keine verdammte Ahnung, wie seine Leser heißen. Kein Unternehmen, dass auch nur ein bisschen Wert auf seine Kunden legt, würde zu einer so unpersönlichen Ansprache gegenüber namentlich bekannten Menschen greifen.

Wir möchten Sie darüber informieren, dass Ihr Konto von einem nicht autorisierten Computer zugegriffen wurde.

Diese Computer aber auch immer… :mrgreen:

Bitte besuchen Sie uns bestätigen, dass Sie der Inhaber des Kontos sind.

https://www.commerzbanking.de/

Wie jetzt, ich denke, ich bin „Sehr geehrter Kunde“? Und da soll ich noch bestätigen, dass ich das bin?! Na ja, wenn die Spammer und Phisher sich mit ihren Texten ein bisschen Mühe geben würden, könnten sie ja auch gleich arbeiten gehen…

Diese tolle Grafik ist verlinkt mit http (doppelpunkt) (doppelslash) mail (punkt) aronfeld (punkt) com (slash) commerz (slash), was nicht gerade die Website der Commerzbank ist. Dort kann man eine „liebevoll“ nachgemachte Website der Commerzbank genießen, auf der man sich „einloggen“ kann…

Screenshot der betrügerischen Phishing-Site, Login

…was natürlich in Wirklichkeit bedeutet, dass man seine Zugangsdaten an Kriminelle übermittelt. In einem zweiten Schritt „kann“ man dann seine Kreditkartendaten an Kriminelle geben:

Screenshot der betrügerischen Phishing-Site, Eingabe der Kreditkartendaten

Mit diesen Daten können die Verbrecher eine Menge betrügerischer „Geschäfte“ auf Kosten anderer Leute machen, um auch weiterhin ein hübsches Leben ohne diese ganze lästige Mühe führen zu können. Danach – ich habe mal flugs ein paar Daten aus dem Fake Name Generator übertragen, damit die Phisher ein bisschen mehr Schrott in ihren gesammelten Daten haben – geht es weiter zur echten Website der Commerzbank, auf der man zwar jede Menge Reklame für die Commerzbank lesen kann, aber kein Wort über die laufende Phishing-Masche. Da die Website der Commerzbank vorsätzlich so gestaltet ist, dass man über die Suchfunktion gefundene Informationen zum Thema Phishing nicht bequem verlinken kann (Gruß von den gedankenlosen Schwachköpfen, die dort das Web machen), habe ich keine Lust, einen Link auf den gut versteckten Text innerhalb der Commerzbank-Website zu setzen und sage es kurz mit eigenen Worten: Niemals wird irgendeine Bank in einer E-Mail dazu auffordern, Konten zu bestätigen, indem Daten eingegeben werden, die der Bank längst bekannt sind. Das wäre ja auch objektiv schwachsinnig. Wenn das Konto von Kriminellen missbraucht werden konnte, haben die Kriminellen bereits die Daten.

Wer trotzdem alarmiert von der Mail war, die ja immerhin einen kriminellen Angriff auf das eigene Konto zu behandeln vorgab; wer deshalb kurz gedankenlos war und darauf reingefallen ist, sollte unbedingt und sofort Kontakt zur Commerzbank aufnehmen, um die Karte sperren zu lassen und das weitere Vorgehen in dieser Sache abzusprechen.

Wer dabei noch einen Gruß von mir mit loswerden möchte, kann ja mal anmerken, dass es nicht stimmt, dass über JavaScript realisierte Links in Websites irgendwie besser sind als das einfache, gute, alte HTML und dass das Verstecken relevanter Informationen über typische Betrugsnummern im Internet vor allem der organisierten Internet-Kriminalität nützt und damit den Kunden der Commerzbank schadet. Denn der gegenüber der Commerzbank angerichtete Schaden ist etwas, wofür alle Kunden der Commerzbank ein kleines bisschen in Haftung genommen werden – über allgemeine Gebühren, geringere Einlagenzinsen, höhere Darlehenszinsen und so weiter. Das allein kann man auch durchaus zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, ob man wirklich dazu bereit ist, weiter für eine Gedankenlosigkeit zu bezahlen, die vor allem ein paar Leuten nützt, die außer ihrer Mutter wohl niemand vermissen würde, wenn es sie nicht gäbe.