Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „Zynismus“

It is my new monster pick in the morning!

Donnerstag, 5. September 2013

Dass die idiotische Börsenmanipulationsspam noch einmal wiederkommt, gehört zu den Dingen, die ich kaum noch für möglich gehalten habe. Wie immer werden irgendwelche windigen und leicht manipulierbaren Pfennigpapiere empfohlen; beim Kursanstieg durch die Idioten, die nach so einer hirnlosen Spam Aktien kaufen, machen die Spammer dann ihr „Geschäftchen“. Aber wenn ich lese…

Do you want to cash in on armed conflicts? It`s the very time to do it. As soon as the US takes military action against Syria, oil prices will rise as well as Monarchy Resources (M O-N K) share price!!! Begin earning $$$ on Thursday, Sep 05, grab M O-N K shares!

…dass die Spammer diesmal auf Leute zielen, die Geld einstecken wollen, weil woanders Menschen im feldgrauen Hemd für die Interessen der Herrschenden und Besitzenden ihres Staates verrecken, dann kommen mir die Spammer gegenüber dieser Zielgruppe fast schon moralisch überlegen vor.

Lange nicht mehr so etwas zynisches und menschenverachtendes im Postfach gehabt.

Amok kaufen?

Donnerstag, 18. Februar 2010

Wie unpassend, kalt und zynisch die mechanische Vergällung von Websites durch eingeblendete und automatisch ausgewählte Werbung sein kann, zeigt sich leider am deutlichsten dann, wenn es unerträglich ist. Dieses tolle Ad…

Amok Techno Shuffle Shop

…habe ich präsentiert bekommen, als ich mich über den so genannten „Amoklauf“ (seit wann nennt man eigentlich jeden Mord einen „Amok“) in Ludwigshafen informieren wollte.

Dear Friend,

Freitag, 8. Januar 2010

Ja, der Betreff endet wirklich mit einem Komma.

Dear Friend,

Ich habe ganz viele Freunde, denn ich rede ein paar Millionen Empfänger dieser Drecksmail als Freund an.

It is understandable that you might be a little bit apprehensive because you do not know me, Please forgive this unusual manner to contact you, but this particular letter/email is of exceptional and very private nature, […]

Und mein Anliegen ist sowas von außergewöhnlich und so wahrhaft privat, dass ich es gleich über anonyme Massenmail mit gefälschtem Absender einem riesigen Kreis mir persönlich unbekannter Personen mitteilen muss.

[…] as by virtue of my vantage position in Bank of China Hong Kong i have a lucrative business proposal of mutual interest to share with you. There is no way for me to know whether you will be properly understood, but it is my duty to write and reach out to you, TRUSTING that you will give this proposal a positive consideration.

Ich bin nämlich ein Banker im fernen Hongkong, und als solcher kenne ich gar keine möglichen Partner für das „Geschäft“, das ich machen will. Deshalb schreibe ich diese ganzen Millionen Menschen an.

May almighty God be with you. […]

Und ansonsten: Frömmigkeit zieht immer. Gut, dass Gott keine Feuer mehr vom Himmel regnen lässt, sonst würde ich mich das nicht trauen.

[…] I got your contact through my search in the internet of your country housing registration chamber and Please, keep this proposal to yourself alone. […]

Wer auf die Frömmigkeit reinfällt, der ist glaubensbereit genug und glaubt sogar, dass seine Adresse so richtig toll recherchiert wurde und dass es sich um eine ganz private und vertrauliche Angelegenheit handelt. Und er fragt sich nicht einen Moment, warum so etwas denn nicht mit einer persönlichen Ansprache – also etwas persönlicherem als diesem stümperhaften „Dear Friend“ – daher kommt. Und wer sich keine Fragen stellt…

[…] I am from Hong Kong . I speak Chinese, Cantonese and English languages. I have a special Language Translation machine which i am using to translate my message to German language and this is because of the privacy/urgent of this proposal.

…der glaubt auch den Rest. Der glaubt sogar, dass diese englische Mail in Wirklichkeit in Deutsch ist, nur, weil ich das in dieser Mail schreibe. Wer ein bisschen ungläubiger ist, der sieht einfach nur das recht undeutsche, aber total treffende Wort FAIL vor seinen Augen auftauchen. Aber mit soviel Grundfunktion im Hirn wäre man eh ein schlechtes Opfer.

I am Mr He Guangbei and I am 55years old and happily married with grown-up children, and i am the Vice Chairman and Chief Executive of Bank of China Hong Kong in charge of the International Treasury Department. […]

Aber ein ganz großes Tier bin ich, und…

[…] I will need you to assist me in executing a business project from our bank worth US$30.5 Million. These funds were deposited with our bank by a customer of our bank who is a national {citizen} of your country, who unfortunately died in the December 2004 in Asia Tsunami disaster.

…trotzdem kenne ich keinen, mit dem ich mal eben so ein „Geschäft“ machen könnte und wende mich deshalb an einen völlig unbekannten Menschen. Außerdem möchte ich drei Extrapunkte für den Zynismus einstreichen, dass ich für meinen total verkackten Vorschussbetrug eine schreckliche Naturkatastrophe mit vielen Toten als Hintergrund für die windige Geschichte erkoren habe. Wer schon vergessen hat, wie damals asiatische Küsten zu tödlichen Fallen wurden…

For more on this natural disaster click on these links:-

http://www.globalsecurity.org/eye/andaman-us.htm
http://news.bbc.co.uk/cbbcnews/hi/newsid_4530000/newsid_4537600/4537601.stm
http://www.smh.com.au/news/Asia-Tsunami/Tsunami-survivors-face-disease-starvation/2004/12/28/1103996558253.html

…kriegt auch gleich noch ein paar Links auf große Nachrichtenseiten. Das hat zwar nichts mit meiner Geschichte zu tun, aber vielleicht wird ja jemand in seiner Bestürzung nach dem Klick so unvernünftig, dass er gar nichts mehr merkt und ernsthaft glaubt, dass hier noch ganz viel Geld von jemanden rumliegt, der bei dieser Katastrophe verreckt ist.

The deceased account has been declared dormant since 2005 and these funds will be confiscated/declared unserviceable and turned over to the Hong Kong government if the deceased business associates or next-of-kin did not claim this money; since all efforts to trace any living relative of the deceased proved abortive, i have decided that i will have you claim this money as the deceased business associate/or next-of-kin, since you are from the same country and perhaps have some similarities in certain areas. Everything concerning this transaction shall be LEGALLY done without hitch, as i was the deceased account Officer and all the relevant documents of this deposit were kept under my care.

Und es wäre doch echt schrecklich, wenn dieser Mensch nicht nur so schrecklich gestorben wäre, sondern sein Geld auch noch an den Staat fallen würde. Die ganzen schönen Millionen! Wer gläubig und zynisch ist, der wird da doch total gern zum Leichenfledderer, oder? Es soll ja auch nicht für Gotteslohn sein, sondern…

Please endeavour to observe utmost discretion in all matters concerning this issue, as i hope that you are a sincere, honest and matured person and above all TRUSTWORTHY. Once the funds have been successfully transferred into your account, we shall share it in a ratio of 35% for you, 55% for me and my associates in the bank and the reminder 10% will be use as part of our obligation to support Charity Organization in any country of your choice. You are going to carried out this mission which I proposed to make sure that the money gets to the Charity Organization. It is important to let you know that we always support Charitable Organization and it is a personal affair.

…für ein bisschen Anteil an der ganzen Kniste, immerhin mehr als zehneinhalb Millionen Dollar. Ja, ich sage wirklich, dass ich dieses ganze Geld einem völlig unbekannten Menschen in die Hand drücken will, und ich schäme mich nicht einmal, gleich im nächsten Satz deutlich einzuräumen…

I will prefer you reach me on my private email address below: (hegbochk (at) yahoo.com.hk) and finally after that I shall furnish you with more information about this operation.

…dass ich mit gefälschtem Absender schreibe. Deshalb sollte man auch nicht auf Antworten klicken, wenn man meinen dummdreisten Schrottbrief beantworten will, denn dann kommt die Antwort nicht bei mir an.

I am counting on your anticipated co-operation for a successful and hitch free business transaction between us, which will be mutually beneficial to both of us, for a start oblige me these information below:-

Ich verlasse mich darauf, dass unter den paar Millionen Empfängern dieses üblen, zynischen Betrugsversuches eine Handvoll Leute sind, die dermaßen dumm sind, dass sie mir glauben. Mit denen werde ich zusammen mit meinen Komplizen einen lebhaften Kontakt aufbauen, und natürlich erzählen wir, dass es doch ein paar kleine Probleme gibt, um an das ganze nicht vorhandene Geld zu kommen. Die Lösung der Probleme erfordert immer wieder ein paar finanzielle Vorleistungen unseres Opfers, mal hier eine Beglaubigung, dort ein Formular, und auch mal eine kleine Bestechung und noch eine kleine Formalie. Es fängt klein an, aber wenn wir mit so einem Deppen durch sind, denn haben wir dem ein paar tausend Euro abgenommen, und mit diesem Geld finanzieren wir unseren verfeinerten Lebensstil. Und dafür machen wir da ja. Wer mir bis hierher geglaubt hat, der wundert sich auch nicht weiter darüber, dass ich, obwohl ich ja ein extrafetter Banker bin, niemals Geld über eine Bankverbindung haben will, sondern immer schön alles schön anonym und bar über Western Union, damit mich auch nicht diese nervigen Polizeibeamten besuchen und ich in so ein Gefängnis komme. Na ja, und selbst habe ich trotz meines fetten Jobs auch nie einen Cent Geldes übrig, dass ich mal ein bisschen was auslegen könnte, bis die nichtexistenten Millionen freigeräumt sind.

Und um zu testen, du als Opfer auch wirklich doof genug für diesen alten Betrug bist, hier noch einmal meine Offenbarung, dass ich trotz meiner angeblich so tollen Recherche gar nichts über den Empfänger dieser Mail weiß und ihn nach wirklich allem fragen muss:

1. Your Full name(s):-
2. Current contact address:-
3. Your present Occupation: -
4. Your age:-
5. Contact phone numbers (Office and Mobile (cell):-
6. A copy of your International Passport OR Drivers License:-

Immerhin frage ich nicht nach der Mailadresse, denn ich weiß, dass meine Opfer – anders als ich – nicht mit gefälschtem Absender schreiben.

Please if you are not interested, delete this email and do not hurt me because I am putting my career and the life of my family at stake with this venture. Although nothing ventured is nothing gained, as it is said, the taste of the pudding is in the eating, do give this proposal SERIOUS AND POSSITIVE CONSIDERATION.

Das ist echt total ernsthaft *prust!* und ganz geheim und für mich total gefährlich, und wenn du zu den Millionen von Leuten gehörst, die diesen Schrottbrief von mir bekommen haben und nicht darauf reinfällst, denn lösch ihn bitte einfach. Komm ja nicht auf die Idee, darüber zu bloggen oder irgendetwas anderes damit zu machen, was meine Opfer warnen könnte, dadurch wäre nämlich nichts für mich gewonnen. Stattdessen…

Your earliest response to this letter will be highly appreciated.

…antworte lieber ganz schnell und lass dich von mir so richtig ausnehmen. Denn davon lebe ich.

Kind regards,
Mr He Guangbei (Vice Chairman and Chief Executive Director)
Bank of China ( Hong Kong ) Limited
Email:- hegbochk (at) yahoo.com.hk

Mit freundlichen Grüßen
Dein Vorschussbetrugsspammer
(Nur echt mit fremdländischen Namen, toll klingenden Titeln und einer Mailadresse, die nicht der Absenderadresse der Mail entspricht, aber dafür kostenlos und anonym bei einem Freemailer eingerichtet wurde.)

Frankensteins Badesommer

Samstag, 4. Juli 2009

Werte Macher der „Freizeitwoche“, ihr hättet es fast geschafft, dass ich diesen „Artikel“ mit seinen stümperhaften Bildbearbeitungen falsch zuordne, als ich ihn bei einer dieser herzkalten Frauen aufgeschlagen herumliegen sah; bei einer dieser Frauen, die sich am Leiden anderer Menschen ergötzen, die alles interessant finden, was aus dem sich über Jahrhunderte erstreckenden Inzucht-Experiment namens „europäischer Adel“ hervorgeht und sich von euch in den Schlankheitswahn treiben lassen:

Ganz schön bunt - Das wird ein toller Badesommer

Fotos: HerstellerAllerdings hat ein Blick in die kleinen Buchstaben, die sich etwas schamvoll neben den bunten, großen Buchstaben versteckt haben, schnell klar gemacht, wie hier die Verhältnisse wirklich liegen.

Es handelt sich hier also nicht etwa um eure eigene redaktionelle Arbeit, sondern um einen „Artikel“, den ihr offenbar auf Wunsch und mutmaßlich auch auf Bezahlung eines Herstellers von Badebekleidung in eurem „redaktionellen“ Teil unterbringt. (Ja, ich weiß, eine solche „Bezahlung“ kann auch durchaus etwas indirekter sein.) Dies natürlich, ohne da so ein klares Wort wie „Anzeige“ darüber zu setzen oder die Leserinnen auf eine andere Weise darüber in Kenntnis zu setzen, dass es sich hier um reine Reklame handelt. Der nur anpreisende und werbende Charakter des recht textarmen „Artikels“ ist derart offensichtlich, dass er nicht zu übersehen ist. Das an sich ist schon übel genug, aber es ist leider zu gewöhnlich geworden – und übrigens einer der vielen Gründe dafür, dass ich den gesamten Auswurf der Journaille meinem Dasein nicht mehr hinzufüge.

Eine kleine Abschweifung

Dass da am Artikel keine Bestellkarte dranhängt, ändert nichts am Reklamecharakter – und ich würde eine recht hohe Wette darauf halten, dass jene Leserinnen, die für die Aussicht auf ein bisschen gewinnbares Kleingeld oder kitschduseligen Reisen an euren nicht sehr rätselhaften Preisrätseln teilnehmen und dabei ihre Anschrift, ihre Telefonnummer und ihre Mailadresse an euch verraten, schon sehr bald mindestens einen Katalog im Briefkasten finden werden, dessen Angebote ihnen zum Teil auf der Stelle vertraut vorkommen – und gleich hinterher einen freundlichen und sehr professionell geführten Anruf kriegen, der noch einmal ein bisschen „nachhakt“. Das Einverständnis eurer gewinnsüchtig gemachten Leserinnen zur werblichen Nutzung ihrer persönlichen Daten holen sich die Macher der „Freizeitwoche“ ja auf relativ einfache Weise ein:

Rätsel-Coupon Nr. 25/09

Wie, das Kleingedruckte über den persönlichen Daten kann man kaum lesen? Stimmt, das kann man kaum lesen, auch im Druck ist es schon ein bisschen schwierig – deshalb der entscheidende Ausschnitt noch einmal etwas größer:

Ja, ich bin damit einverstanden, dass die Bauer Media Group mich bis auf Widerruf per Telefon oder E-Mail über interessante Angebote zu Medienprodukten informiert. Mit meiner vorstehenden Einverständniserklärung verpflichte ich die Bauer Media Group auf die Einhaltung der Grenzen dieser Zustimmung und auf den Datenschutz.

Immer noch nicht so einfach, sowohl von der Schriftgröße also auch vom Inhalt her.

Fangen wir einmal mit dem Inhalt an.

Dieser beginnt nämlich mit einem hübschen kleinen Quadrat, das erfolgreich den Eindruck erwecken kann, als müsse frau es ankreuzen, um ihre Zustimmung zu geben. Aber da ist vom Ankreuzen gar nicht die Rede, und der mit dem fröhlichen Wörtchen „Ja“ beginnende Text da gilt auch ohne irgendein Kreuzchen als Willenserklärung. Ja, wirklich, wer mit diesem Text nicht einverstanden ist und am Gewinnspiel teilnehmen will, der muss da nicht irgendein Kreuzchen weglassen, sondern den Text deutlich durchstreichen.

Ich möchte wetten, dass hier weniger als ein Promille der eingehenden Rätsellösungen einen durchgestrichenen Text aufweisen, weil die meisten oberflächlichen Leserinnen angesichts dieser Präsentation glauben, dass es hinreicht, in diesem vorstehenden Quadrat kein Kreuz zu setzen. Und ich würde sagen, dass sich hier der Verdacht geradezu aufdrängt, dass dieses Quadrat da nur gesetzt wurde, um in solcher Weise missverstanden zu werden. Andere Erklärungen sind zumindest ein bisschen schwierig an den Haaren herbeizuziehen. Was meiner Meinung nach von einem solchem Verhalten gegenüber den Leserinnen zu halten ist, sage ich hier allerdings nicht, weil ich glaube, dass frau durchaus noch selbst denken kann – und wenn nicht, denn wird es höchste Zeit, das zu üben. ;-)

Das Zustellen eines Kataloges oder anderer werbender „Medien“ durch die gewöhnliche Hauspost ist im Übrigenn keineswegs illegal, auch wenn man dazu niemals seine ausdrückliche Zustimmung gegeben hat. Wer mir das nicht glaubt, der gehe einfach zu seinem überquellenden Briefkasten, der jeden Tag aufs Neue mit Werbemüll zugestopft wird – und jeder dieser dummen Ausflüsse der Einwegkommunikation lässt eine klare und gerichtsfeste Identifikation des Absenders zu. Allein diese Tatsache zeigt die Legalität dieses Vorgehens.

Ob die „Bauer Media Group“ auch gleich als Dienstleistung für gewerbliche Kunden die Reklame verschickt, weiß ich nicht, und ich habe auch keine Lust, das zu recherchieren – aber dass ihre Tätigkeiten weit über das Herstellen von billigen Heftchen für billige Frauen hinausgehen, dürfte schon an Hand der Firmierung und der ausgebufften, kleinen Tricks klar sein.

Was diese sehr leicht versehentlich zu gebende „Einverständniserklärung“ also wirklich bedeutet, das ist ein Freibrief für die „Bauer Media Group“, die Empfängerinnen der zugestellten Werbung durch professionell geführte Telefonanrufe und Werbe-Mails (die in so einem Fall übrigens, so lästig sie auch werden mögen, keine Spam sind) „nachzubearbeiten“, um die Wirksamkeit der Reklame noch ein bisschen zu erhöhen – und der Bezug dieser „Erklärung“ auf „Medienprodukte“ ist derart allgemein gehalten, dass sich beinahe alles darunter verstehen lässt – vom Reklame-Katalog bis zum ständigen gemailten Hinweis auf gewerbliche Websites. Wer glaubt, dass ein in solchem Freibriefe eingeräumtes Recht nicht von der „Bauer Media Group“ genutzt wird, der muss sich grenzenlose Naivität vorwerfen lassen. Der zweite Satz dieses Textes ist übrigens keineswegs eine Einschränkung, die von der Absenderin des „Coupons“ gegeben wird, sondern diese Einschränkung wird von den gegenwärtig gültigen Gesetzen in der BR Deutschland erzwungen – es handelt sich hier also um eine nichts sagende Nebelgranate, die ebenfalls vom wahren Charakter dieser Erklärung ablenken soll, und auch das offenbart einen Blick in den Charakter der Menschen, die auf diese Weise vorgehen, um andere Menschen ein bisschen zu überrumpeln.

Vielleicht ist jetzt etwas klarer, worin ein zusätzliches Geschäftsmodell einer „Zeitschrift“ bestehen könnte, die wegen ihres günstigen Preises kaum kostendeckend sein kann.

Ende der Abschweifung

Dennoch, das alles ist hier gar nicht mein Thema. Obwohl versteckt dargebotene und auf diese Weise die Kritik der Leserin überrumpelnde Werbung einen Charakter aufweist, der schon recht nahe bei einer vorsätzlichen Irreführung der Leserin steht. Offenbar vertraut ihr, die Macher der „Freizeitwoche“ und anderer leser(innen)verachtender Periodika, darauf, dass eure Leserinnen schon genügend vom Selbsthass zerfressen oder total verdummt sind, um so etwas einfach über sich ergehen zu lassen und dafür auch noch 80 Cent herzugeben. Und ihr würdet wohl alles dafür tun, dass das auch in Zukunft so bleibt, denn diese Dummheit ist euer Geschäft.

Nein, mein Thema ist die himmelschreiende Stümperhaftigkeit der Bearbeitung der in diesem „Artikel“ gezeigten Werbefotos – wenn ich eine Zeitschrift herausgeben würde, denn würde ich mich sogar weigern, so einen Schrott ganzseitig und unübersehbar zu drucken, um wenigstens ein bisschen guten Ruf zu behalten.

Wir wissen natürlich alle – oder wir sollten doch wenigstens alle wissen, vor allem sollten es alle Frauen wissen – dass die Frauen auf diesen Werbefotos so etwas ähnliches wie Frankensteins Monster in virtueller Form sind; dass sie in Photoshop so aus zerschnippelten Einzelteilen verschiedener Frauen zusammengesetzt wurden, bis sich das Idealbild der schlanken, sportlichen, ewig jugendlichen Frau der Werber ergibt, an dem sich alle Frauen dieser Welt messen sollen, auf dass sie dabei unglücklich und voller Selbstzweifel werden. Denn unglückliche Menschen sind nun einmal bessere Konsumenten, mit glücklichen Menschen ist neben dem Alltagsbedarf und ihren echten, intrinsisch entstandenen Wünschen kein gutes Geschäft zu machen. Die psychischen Erkrankungen, die beim ständigen Messen an einem surrealen Maß gerade bei den jüngeren Frauen wie von allein entstehen, sie werden von den Werbern gern in Kauf genommen, solange sich das Geschäft nur lohnt. Es ist eben ein verantwortungsloses und asoziales Mordsgeschäft, das die Werber da betreiben!

Das ist aber nichts Neues.

Neu ist hingegen, was die Werber neuerdings für Stümper mit Photoshop pfuschen lassen. Hier nur die augenfälligsten Stümpereien, die mir fast auf der Stelle den Magen umdrehten. Wer regelmäßig die mit Bildern überflutete Journaille aufschlägt, der weiß wahrscheinlich schon nach ein paar Wochen gar nicht mehr, was die Proportionen eines gewöhnlichen menschlichen Körpers sind.

Also, anonyme Werber und Herausgeber der „Freizeitwoche“, schaut euch das noch einmal gründlich an!

Offenbar weiß euer toller „Grafiker“ nicht, dass man verschiedene Hautfarben irgendwie ein bisschen korrigieren sollte, wenn man schon eine andere Mittelhand und andere Finger an das posierende Modell dransetzt, damit es besser auf die strandhafte Sitzfläche passt:

Frankensteins Hand in der Freizeitwoche, Beispiel 1

Oder soll ich mir vorstellen, dass hier nur der Blindenhund eures „Grafikers“ ein bisschen gejault hat. Die völlig unnatürliche Haltung der drangekleisterten Finger könnte man sich ja gerade noch gefallen lassen, auch das kleine Proportionsproblem gehört zu den täglichen Stümpereien, an die sich jeder Reklamebetrachter gewöhnt hat, ohne dass er sie deswegen schon erträglich findet – aber die weißen Fingerchen nach der deutlich sichtbaren Schnittkante sind eine unentschuldbare Stümperei.

Und da hat sich euer „Grafiker“ dann wohl gesagt, wenn es einmal schon unentschuldbar ist, denn kommt es auf ein zweites Mal auch nicht mehr an:

Frankensteins Hand in der Freizeitwoche, Beispiel 2

Immerhin hat der Blindenhund beim zweiten Mal wohl so laut und schmerzvoll gejault, dass der „Grafiker“ wenigstens versucht hat, die Schnittkante mit dem Verwischen-Werkzeug von Photoshop ein bisschen zu verbergen – so dass man beim Anblick dieser einen drangeklebten Hand an Frankensteins Photoshop-Monster noch denken könnte, dass die zugehörige Frau sich immer mit Handschuhen in die Sonne oder ins Solarium packt. :mrgreen:

Aber nicht nur Hände werden fröhlich drangeflickt bei dieser Leichenfledderei an lebenden Models, auch Köpfchen wechseln das Körperchen, wobei…

Dr. Frankenstein verpflanzt in der Freizeit-Woche auch mal einen Kopf

…hier die Farbe des Restkörpers zwar ganz gut getroffen wurde, aber die Größe des Kopfes nicht so recht passen will. Im Ergebnis sieht der Hals fast so angeschwollen aus, wie meiner anschwillt, wenn ich so etwas sehe. Na ja, Hauptsache, ihr habt das Kleidungsstück auf eine Frau mit ordentlich Holz vor der Hütte montiert, einen angemessen großen Kopf benötigt eine solche Frau bei solchen Titten doch gar nicht mehr – jedenfalls nicht nach Meinung der Reklameheinis, die sich hier als virtuelle Schüler Frankensteins betätigen.

Bei solchen Schwerpunkten nimmt man andere Dinge denn schon etwas leichter, zum Beispiel mal wieder die Hand der gleichen Frau:

Dr. Frankenstein in der Freizeitwoche näht auch total verkrüppelte Hände an hübsche Körper...

Immerhin hat man hier als unvoreingenommener Betrachter eine gute Hypothese für die abweichende Hautfarbe, denn dieses Model scheint wirklich immer Handschuhe zu tragen. Und das täte ich auch, wenn mir einmal eine Dampfwalze über die Hand gefahren wäre. :mrgreen:

Sehr apart zu der deformierten Hand auch…

Frankensteins Photoshop-Monster in der Freizeitwoche: Bauchknick auf der rechten Seite

…der tiefe, vom rechten Unterarm allerdings verdeckte Bauchknick nur auf der rechten Seite des ziemlich mitgenommenen Körpers. Was Wunder, dass sich bei solchen Anblicken Frauen mit einem ganz normalen und gesunden Körper immer wieder schlecht und unangemessen fühlen und ihrerseits gern zu den anderen unter Dr. Frankensteins modernen Schülern gehen, zu den plastischen Chirurgen.

Wer hingegen – sei es als Frau, sei es als Mann – seine geistige und körperliche Gesundheit behalten möchte, der macht einen ganz großen Bogen um alle Schüler Frankensteins, sowohl jene in der Klinik als auch jene in den von Zynismus beherrschten Büros der Werbefirmen.

Quelle der Scans: Freizeitwoche 25/2009 vom 10. Juni 2009. Ich hätte gern einen Link auf eurer Journalismus-Surrogat gesetzt, aber da ihr nirgends in diesem mir vorliegenden Heft eine Internet-Adresse angegeben habt, scheint ihr auch kein Interesse an eine Verlinkung zu haben, und das respektiere ich nur zu gern. Wer für diese nicht als Anzeige gekennzeichnete Anzeige bezahlt hat und verantwortlich ist, geht aus dem Text nicht völlig hervor.

Ein fröhlicher Gruß an Claudia!