Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „Windows“

Bewerbung via Arbeitsagentur – Eva Richter

Sonntag, 15. September 2019

WARNUNG: Gefährliche Schadsoftware! ⚠️

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe mich auf die von Ihnen bei der Arbeitsagentur angebotene Stelle.

Das von Ihnen beschriebene Tätigkeitsfeld entspricht in besonderem Maße meinen beruflichen Perspektiven. Meine Bewerbungsunterlagen finden Sie im Anhang.

Über eine Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Eva Richter

Erst einmal einen schönen Montagmorgen an alle Leser¹! ☕

Bitte zurzeit irgendwelche E-Mail-Bewerbungen nur mit der Kneifzange anfassen und auf gar keinen Fall unvorsichtig einen Mailanhang öffnen, denn es sind einmal mehr angebliche „Bewerbungen“ mit zerstörerischem Schadsoftware-Anhang unterwegs. Es handelt sich um einen Erpressungstrojaner. Die Daten auf dem PC werden allerdings nicht verschlüsselt, sondern gelöscht – es halt also keinen Sinn, das geforderte Lösegeld zu bezahlen. Wenn es keine Datensicherung gab, sind die Daten weg und kommen niemals wieder. Das ist übrigens der Grund, weshalb man Datensicherungen macht. Damit Daten nicht einfach weg sein können.

Als Anhang wird eine Datei mit dem Namen „Eva Richter Bewerbung und Lebenslauf.pdf.exe“ angehängt

Wir schreiben bald das Jahr 2020. Und ich bin darüber erschrocken und ja, sogar leicht wütend, dass man immer noch eine Datei .pdf.exe nennen kann, und dass diese Datei nicht vom Antivirus-Schlangenöl – oder noch besser: vom Betrübssystem – sofort als Schadsoftware erkannt wird.

Welchen legitimen Grund sollte ein Mensch haben, andere Menschen (zum Beispiel Empfänger einer E-Mail) über den Typ einer Datei zu täuschen? Es gibt dafür keinen Grund.

Solche Dateien sind praktisch immer Schadsoftware. Wer es schon nicht vermeiden kann, per E-Mail zugestellte Dateien zu öffnen – zum Beispiel Mitarbeiter einer Personalabteilung, eines Kundendienstes oder die allermeisten Kaufleute in einer Zivilisation mit Internet – möge sich bitte mindestens sein Microsoft Windows so konfigurieren, dass die Dateinamenserweiterung im Explorer immer angezeigt wird, damit der kriminelle Überrumpelungsversuch sofort sichtbar wird. Das kostet kein Geld und wirkt sofort. 😉

Es ist auch nicht schwierig und erfordert nur wenige Klicks: Im Explorer-Menü unter „Extras“ das Menü „Ordneroptionen“ auswählen, im Dialogfenster unter „Ansicht“ das Häkchen vor „Erweiterungen bei bekannten Dateitypen ausblenden“ entfernen. 🖱️

Es ist gar nicht so kompliziert, wie es in einer verbalen Beschreibung vielleicht klingt. Vor allem nicht, wenn man es nicht mehr suchen muss. Außerdem seid ihr die Menschen, die mir ständig erzählen, dass Windows im Gegensatz zu meinem bevorzugten Betrübssystem so einfach zu bedienen sei… 🙃

Die dumme und sogar technisch unsinnige, aber dennoch bis heute aufrecht erhaltene Entscheidung Microsofts aus den Neunziger Jahren, dem Anwender standardmäßig nicht den vollständigen Dateinamen anzuzeigen, sondern ausgerechnet den Teil des Dateinamens vor ihm zu verbergen, der darüber entscheidet, was Windows bei einem Doppelklick mit dieser Datei macht, dürfte die am häufigsten kriminell missbrauchte Fehlentscheidung in der gesamten Windows-Geschichte sein. Diese unfassbar dumme und unverständliche Entscheidung Microsofts ermöglicht die Zustellung von .pdf.exe-Dateien, die dem Anwender dann als .pdf angezeigt werden und denen vom Verbrecher zusätzlich das Piktogramm einer PDF-Datei (oder eines JPEG-Bildes oder eines anderen „harmlosen“ Dateitypen) gegeben werden kann, um die Täuschung vollkommen zu machen. Wer darauf reinfällt und klickt, führt Software von Kriminellen aus. Und das ist inzwischen schon mehrere Millionen Male geschehen, mit teilweise erheblichen Folgeschäden. Zum Beispiel bei der Deutschen Bahn.

Microsoft ist das egal. An der dummen Entscheidung aus den Neunziger Jahren hält Microsoft weiter fest. Vielen Dank, dass sie sich für Microsoft-Produkte entschieden haben! Bleiben sie uns treu! 😧

Microsoft für so eine dumme Entscheidung zu verfluchen oder zu verspotten, mag erleichtern, ist aber nicht zielführend. (Stattdessen lieber ein Betrübssystem verwenden, das nicht von Microsoft ist – und hoffen, dass auch in den nächsten zehn Jahren alle kriminellen Angriffe vor allem gegen Microsoft Windows gerichtet sind!)

Die eben beschriebene Einstellung, die jeder mit einfachen Anwenderkenntnissen vornehmen kann, hilft hingegen zuverlässig, so einen kriminellen Versuch überhaupt erkennen und behandeln zu können. Machen sie diese Einstellung am besten gleich jetzt! Es dauert höchstens zwei Minuten, selbst, wenn sie ungeübt sind. Und es kann ihnen eine Menge Geld und Ärger ersparen.

¹Ja, heute ist noch Sonntag, ich weiß. Und Sonntags wird hier sehr viel weniger gelesen als in der Woche.

Microsoft verteilt Schadsoftware in Windows-Apps

Montag, 3. Juni 2019

Hier geht es nicht um eine Spam, sondern um „normale“ und leider immer noch legale Werbung und eine aktuelle Meldung auf Heise Online.

Microsoft, bislang vor allem durch Desktop-Spam in Microsoft Windows sehr unangenehm aufgefallen, verteilt inzwischen Schadsoftware in Apps für Windows 10, die von Microsoft digital signiert wurden und von Microsoft über den Microsoft Store verteilt werden:

Wer unter Windows 10 Apps aus dem Microsoft Store verwendet, muss derzeit vermehrt mit schädlichen Werbeeinblendungen – so genanntem Malvertising – aus dem Kontext dieser Anwendungen rechnen […] Bei der Datei, die unter anderem unter den Bezeichnungen ReimageRepair.exe, reimagerepair.exe und ALWINNER.exe an den Scandienst übermitelt wurde, handelt es sich offensichtlich um Schadcode. Derzeit wird er noch nicht von vielen Virenscannern erkannt – übrigens auch nicht vom Windows Defender […] Erwähnt werden (unter anderem auch in den Kommentaren unterhalb der Sicherheitshinweise und in Leserzuschriften an heise Security) die Apps MSN Weather/Wetter, News und Money, die Microsoft Solitaire Collection sowie Microsoft Mahjong

Bitte den vollständigen Artikel bei Heise Online lesen, ich habe hier sehr stark gekürzt.

In der Überschrift habe ich geschrieben, dass Microsoft Schadsoftware verteilt. Um die werten Damen und Herren Juristen im Brote Microsofts ein wenig zu besänftigen, muss ich dazu ergänzend leider anmerken, dass Microsoft sich vermutlich in den nächsten Tagen in seiner Stellungnahme auf einen sehr anderen Standpunkt stellen wird und vielmedial verstärkt davon sprechen wird, dass Werbenetzwerke, deren Werbungen von Microsoft in die Apps eingebaut wurden, diese Schadsoftware auslieferten. Ich halte das – Achtung! Meinungsäußerung! – für eine unglaublich faule und geradezu intelligenzverachtende Ausrede angesichts der Tatsache, dass…

  1. …Microsoft das Betriebssystem kontrolliert,
  2. …Microsoft die Programmierung von Microsoft-Anwendungen kontrolliert,
  3. …Microsoft den Microsoft Store kontrolliert, und schließlich, dass
  4. …Microsoft die Werbepartner auswählt und kontrolliert.

Wenn aus dieser kurz dargelegten vollumfänglichen Kontrollfülle heraus – die übrigens vor noch gar nicht so langer Zeit den Anwendern auch als Maßnahme zur Verbesserung der Sicherheit von Microsoft Windows schmackhaft gemacht wurde – keine ebenso vollumfängliche Verantwortung (und hoffentlich: Haftbarkeit) für das resultiert, was von kriminellen Dritten mit Schadsoftware an Schäden angerichtet wurde, dann kann man sich meiner Meinung nach (wohlgemerkt: als juristischer Laie) für die Zukunft jegliche Rechtsnorm sparen und das Faustrecht einführen. Denn dann würde ein „der Baseballschläger in meiner Hand bewegte sich immer wieder auf den blutenden Kopf dieses Typen, bis der Typ nicht mehr zuckte, dieser Baseballschläger und sein Hersteller ist am Totschlag schuld“ zur gültigen Verteidigung werden.

Und auf Grundlage dieser Erwägung bleibe ich dabei: Hier wird Schadsoftware von Microsoft ausgeliefert. Niemand anders ist dafür verantwortlich.

Und ja: Auch in Zukunft gibt es – schon unter dem Aspekt der Privatsphäre, aber erst recht unter dem Aspekt der Computersicherheit – keine Alternative dazu, jegliche Form von internetbasierter Reklame irgendwelcher Werbenetzwerke zu blockieren. Adblocker sind und bleiben eine elementare und unverzichtbare Software zur Herstellung von Computersicherheit. Wer sich nicht selbst elementar gegen die Nutzung des Internet-Werbetransportes durch Kriminelle verteidigt, wird gnadenlos attackiert. Neuerdings im Zweifelsfall sogar von Microsoft.

Immer wieder übel: Microsofts Desktop-Spam

Samstag, 7. Januar 2017

Microsoft setzt seinen einmal eingeschlagenen Weg des Marketings von Microsoft-Produkten durch überrumpelnde, nutzerverachtende und in der Methodik von Kriminellen abgeschaute Desktop-Spam fort und beglückt Anwender der aktuellen Version von Microsoft Windows mit dem folgenden Hinweis (Foto von einer englischen Version von Windows 10):

Firefox is draining your battery faster. Switch to Microsoft Edge for up to 75% more browsing time.

Der damit kundgegebenen Auffasung Microsofts, dass sich der Microsoft-Webbrowser „Edge“ ohne Spammethodik im Marketing nicht unter die Leute bringen lässt, wage ich nicht zu widersprechen. Eine Empfehlung ist das meiner Meinung nach nicht, und zwar weder für Microsoft Windows noch für den Microsoft-Browser „Edge“. Wenn dieses Vorgehen auf Akzeptanz trifft oder gar erfolgreich ist, können sich Anwender von Microsoft Windows schon einmal darauf einstellen, dass derartige Spam-Hintertüren im Betriebssystem demnächst von Microsoft für Werbezwecke vermarktet werden.

Neu und super! Microsofts Sicherheits-Update-Spam!

Donnerstag, 10. März 2016

Wichtiger Hinweis: Dieses Posting ist inhaltlich falsch, weil der Artikel auf Heise Online inhaltlich falsch war, wie dort inzwischen zu lesen ist:

UPDATE: In einer vorigen Version der Meldung haben wir an dieser Stelle geschrieben, dass sich die neue Werbefunktion durch das im Bild gezeigte Overlay zu erkennen gibt. Diese Aussage war falsch. Das Overlay ist ein Werbebanner der MSN-Startseite und tritt auch mit anderen Webbrowsern sowie unabhängig vom Windows Update KB3139929 auf. Vielen Dank an unsere Leser für die Hinweise.

Der Text bleibt hier aus Archivgründen erhalten. Letztlich ist es erfreulich, dass Microsoft sich doch nicht der hier beschriebenen niederträchtigen Methoden bedient und dass die – für Windows-Nutzer essentiellen Sicherheits-Updates – nicht als Transportmittel für Reklame missbraucht werden. Ja, das ist etwas, was es hier viel zu selten gibt: Eine gute Nachricht.

Ich bitte Microsoft um Entschuldigung für den rauen Tonfall. Zu meiner Rechtfertigung habe ich nur anzumerken, dass sich ein solcher Tonfall an dieser Stelle nie wirklich gegen Menschen und Unternehmen richtet, sondern gegen ein höchst asoziales Verhalten von Menschen und Unternehmen; eben gegen Spam.

Ab hier beginnt mein ursprüngliches Posting

Nachbearbeitete Version des Microsoft-Logos mit dem Text 'Microspam'.

Microsoft versucht sein aktuelles Betriebssystem Windows 10 mit einer „innovativen“ Methode zu vermarkten: Klandestin mit einem Sicherheits-Update ausgelieferte Massenreklame, die im Internet Explorer sichtbar wird.

Der mit diesem „Marketing“ von Microsoft ausgedrückten Selbsteinschätzung, dass das (bereits aus vielerlei anderen Gründen in Verruf geratene) aktuelle Microsoft-Betriebssystem von so „überragender Qualität“ ist, dass es mit weniger spammigen Methoden nicht mehr vermarktet werden kann, mag ich beim besten Willen nicht widersprechen. Tatsächlich frage ich mich, was wohl die nächste Episode in derartig grenzkrimineller und spamartiger Reklame sein könnte: Den Desktop überlagernde Werbebanner, die man vor jeder Arbeitssitzung erst einmal wegklicken muss, vielleicht?

Wer noch ein Restgefühl für seine eigene Würde hat, wird in dieser spamartigen Reklamemethode jedenfalls nur eine Empfehlung sehen, auf Windows 10 und nach Möglichkeit generell auf Microsoft-Produkte zu verzichten.

Spam stinkt!

Fast geschenkt: Windows 7, Windows 8.1 und Windows 10

Montag, 23. November 2015

Wie, die Pirate Bay mailt mir? :mrgreen:

Guten Tag Elias ,

Ja, der bin ich.

durch einen neuen Großeinkauf können wir Ihnen wie folgt anbieten:

Sichern Sie sich Windows 10 Professional für nur 79.00 Euro:

http://www.win-lizenzen.co/[ID entfernt]/?bid=26

Sichern Sie sich Windows 8.1 Professional für nur 49,90 Euro:

http://www.win-lizenzen.co/[ID entfernt]/?bid=27

Sichern Sie sich Windows 7 Professional für nur 39,90 Euro:

http://www.win-lizenzen.co/[ID entfernt]/?bid=25

Genau, ich kaufe meine Software immer beim kriminellen und asozialen Spammer, denn die ist genau so illegal wie der kostenlose illegale Bezug aus der Piratenbucht – nur, dass ich mir in der Piratenbucht mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit eine aktuelle Kollektion frischer Schadsoftware einfange, weil sich so etwas dort schnell in warnenden Kommentaren niederschlägt, während ich bei solchen kriminellen Spamgeschäften nur der Zusicherung eines Anbieters glauben kann, der ein krimineller und asozialer Spammer ist.

Die für den mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit illegalen Softwarehandel verwendete Domain win (strich) lizenzen (punkt) co wurde übrigens erst gestern registriert. Und natürlich wurde sie über einen bei Spammern sehr beliebten Dienstleister aus dem sonnigen Panama vollständig anonym registriert. Wer sich von solchem Pack seine Betriebssysteme liefern lässt und dann auch noch Geld dafür bezahlt, braucht sich über die Folgen nicht zu wundern.

Sie lesen richtig, das beliebte Windows 7 ist bei uns noch lieferbar, Microsoft verspricht Updates bis ins Jahr 2020. Das neue Windows 10 ist auch ab sofort erhältlich.

Klar, „bei euch“ ist Windows 7 noch lieferbar! Und hey, es gibt ja noch Updates. Allerdings nur die nötigsten… denn auch Microsoft hat aus völlig nachvollziehbaren Gründen keine „Lust“, mehrere Versionen seiner Betriebssysteme gleichzeitig zu pflegen und möchte lieber den Leuten sein Windows 10 aufdrücken. Dabei schreckt Microsoft nicht einmal vor der Platzierung von Reklame auf dem Desktop zurück und liefert diese Reklame zu allem Überfluss auch noch in grenzkrimineller Weise als „wichtiges Systemupdate“ aus. Wer daran keinen Gefallen findet: Es gibt auch Betriebssysteme, die nicht von Microsoft gemacht werden. Zu allem Überfluss kosten diese auch kein Geld und sind im Moment dabei sogar sicherer vor der Schadsoftware der Internet-Kriminellen. (Ich schreibe in diesem Moment diesen Blogeintrag auf einem solchen Betriebssystem, während im Hintergrund Radio Swiss Classic gestreamt wird, und mir fehlt nichts – einige von mir benötigte Windows-Anwendungen lasse ich in einer virtuellen Maschine unter einem Windows laufen, das gar kein Internet von mir bekommt und damit auch bei veraltetem Versionsstand halbwegs sicher ist.) Wer hingegen bei Windows bleiben will, wird auch in Zukunft die Beglückungsideen Microsofts irgendwann über sich ergehen lassen müssen – und kann nur hoffen, niemals so eine unbedienbare, üble Scheiße wie Windows 8 quasi aufgezwungen zu bekommen.

Es handelt sich um einen Restposten: Wenn weg, dann weg!

Und wenn weg, dann kopiert ihr euch einfach kurz ein Neues – denn genau das ist das Schöne an digitalen Daten: Es kann niemals einen Mangel daran geben.

Für Ihre Rückfragen stehen wir selbstverständlich zur Verfügung.

Die Antworten werden sicherlich voll ehrlich und kompetent sein! Großes Spammerehrenwort!

Herzliche Grüße, Ihr Software Team

Mit herzi herzi Grüßchen von der Bullshit-Firmierung eines Spammers.

Sie verwenden Linux?
http://www.win-lizenzen.co/abm/[ID entfernt]/

Und selbst, wer gar nicht zur Zielgruppe dieser Lobotomieopfer gehört, soll fröhlich den Spammern mitteilen, dass die Spam ankommt, gelesen wird und sogar beklickt wird. Da müsste man aber ganz schön doof sein…

Microsoft Windows Update

Dienstag, 25. September 2012

Die Mails haben den (gefälschten) Absender privacy (at) microsoft (punkt) com, aber sie stammen natürlich nicht von Microsoft. Das fällt übrigens schon beim flüchtigen Lesen auf, ohne dass man eigens einen Blick in die Mailheader werfen müsste, denn die holprig-unbeholfene Ausdrucksweise und die Kleinschreibung des Microsoft-Produktes „windows“ klingen nicht überzeugend nach dem behaupteten Absender. Einmal ganz davon abgesehen, dass Microsoft – wenn man dort überhaupt derartige Mail schriebe – für deutsche Empfänger gewiss einen ins Deutsche übersetzten Text verwendet hätte.

Und vermutlich hätte Microsoft keine Menschen wie mich angeschrieben, die gar kein Betriebssystem von Microsoft verwenden…

Dear Windows User,
It has come to our attention that your Microsoft windows Installation records are out of date. Every Windows installation has to be tied to an email account for daily update. [sic! Wie konnte man nur die ganze Zeit arbeiten, ohne seine Windows-Installation an ein E-Mail-Konto zu binden?]

This requires you to verify the Email Account. Failure to verify your records will result in account suspension. Click on the Verify button below and enter your login information on the following page to confirm your records.

VERIFY

Thank you,

Microsoft Windows Team.

Natürlich führt der Link unter „VERIFY“ nicht zu Microsoft, sondern zu einer schnell hingepfuschten Website mit einem Windows-Logo und der Behauptung:

Your computer is out of date [sic!], and risk is very high. To update your windows installation records, you are required to choose your email address below.

Anders als der etwas kränkelnd formulierte Text vermuten lässt, befindet sich darunter keine Auswahlliste mit sämtlichen Mailadressen im Internet. Darunter befinden sich vielmehr die Logos verschiedener populärer Freemailer sowie ein weiteres Bild „Other emails“. Wenn man auf eines dieses Logos klickt, erhält man die Gelegenheit, seine Mailadresse und das Passwort seines Mailaccounts einzugeben und mit dem Button „Sign in“ direkt an die Kriminellen zu übertragen. Diese werden sich gewiss sehr darüber freuen, dass sie viele neue Mailaccounts für betrügerische Geschäfte und für den Spamversand zur Verfügung haben. Deshalb machen sie diese Phishing-Nummer ja auch. Wenn es sich um einen Account bei GMail, AOL, Yahoo oder Windows Live handelt, bekommen sie auch gleich noch die Adressbücher der Kontakte und ganze Userprofile zur beliebigen Manipulation geliefert. Und wehe, das gleiche Passwort wird auch auf anderen Websites (Facebook, Twitter, LinkedIn, etc.) verwendet.

Wer darauf hereingefallen ist, sollte sofort sein Passwort ändern und alle seine Kontakte aus dem Adressbuch darüber unterrichten, dass sein Mailaccount gehackt wurde (man muss ja nicht gleich zugeben, dass man in akuter Panik auf eine plumpe Phishing-Masche hereingefallen ist) und dass deshalb eventuelle Mails der letzten Stunden mit äußerster Vorsicht zu behandeln sind.

Ein Internet-Betrug ist nämlich viel überzeugender, wenn das Opfer glaubt, den Absender einer Mail persönlich zu kennen. Da wird viel schneller in eine Mail geklickt, ein Anhang geöffnet oder ein „Gefallen“ getan – so etwas wie: „Ich bin in der Klemme. Kannst du mir schnell 300 Euro über Western Union zukommen lassen, ich geb dir das Geld nächste Woche zurück“.

Grundsätzliches

Jeder, der ein Mailpasswort haben will, ist ausgesprochen fragwürdig. Ein Passwort ist eine Sicherheitsmaßnahme, die nur dadurch Wirkung entfaltet, dass das Passwort auch geheim bleibt. Es gibt keinerlei Internetdienst, der auf die Kenntnis von Mailpasswörtern angewiesen ist – mit Ausnahme eines Mailservers.

Das gleiche gilt übrigens auch für andere Passwörter. Solche Versuche, an ein Passwort zu gelangen, sind in beinahe allen Fällen das Treiben von Kriminellen.

Deshalb: Niemals darauf hereinfallen!

Wenn ein Absender, bei dem eine derartige Frage ausnahmsweise einmal legitim erscheint (zum Beispiel ein Provider oder sonstiger Dienstleister, der im Falle eines akuten technischen Problemes Support leistet) eine derartige Frage in einer nicht digital signierten Mail stellt, ist ebenfalls äußerste Vorsicht angesagt. Die Absenderadresse einer Mail kann ohne großen Aufwand beliebig gefälscht werden. Der Verzicht auf eine digitale Signatur in einer derartig heiklen Angelegenheit deutet übrigens – wenn sich eine solche Anfrage bei telefonischer Rückfrage als authentisch erweisen sollte – auf schwere professionelle Mängel hin, die genug Grund sind, so schnell wie möglich einen anderen Dienstleister zu suchen.

Der beste Schutz vor Internet-Kriminalität ist ein funktionierendes und stets aufmerksames Gehirn, dass bei der Benutzung des Computers mitläuft – und eine Haltung, sich nicht von jeder alarmierend formulierten Mail in eine Panik versetzen zu lassen, die die Vernunft dämpft und damit den Verbrechern entgegenkommt.

Your credit card is blocked

Mittwoch, 21. September 2011

Das ist die massive Spamflut des heutigen Tages, ich habe gar keine Lust mehr, das zu zählen. Ach, das macht ja auch der Rechner für mich, wenn ich das will…

$ grep '^Subject.*blocked$' spam | wc -l
     109

…aber ob ich das wirklich wollte. Ich schätze mal, dass dieser virtuelle Kothaufen auch in viele andere Postfächer gemacht wurde.

Dear Customer,
Your credit card is locked!
With your credit card was removed $ 087,2 [sic!]

Possibly illegal transaction! [sic!]

More detailed information in the attached file.

Immediately contact your bank .
Best regards, MASTER CARD CUSTOMER SERVICES.

Schon die Anrede „Sehr geehrter Kunde“ sollte klar machen, dass man hier keine Mail seines Kreditkartenunternehmens vor sich hat, sondern eine relativ schlecht gemachte Spam. Der Betrag ändert sich von Mail zu Mail, im Beispiel habe ich einen besonders missglückten Betrag mit führender Null und einer Nachkommastelle rausgepickt.

Schnellerklärung

Der Anhang ist ein ZIP-Archiv. Der Datei ist in jeder Spam anders, hat jedoch eine andere Gemeinsamkeit. Darin ist nämlich eine Datei mit einem ganz besonders lustigen Dateinamen, die so tut, als hätte sie die Dateinamenserweiterung .docwas aber nicht stimmt. In Wirklichkeit hat hier jemand mit ein paar Steuersequenzen herumgespielt, um diesen falschen Eindruck zu erwecken, und es handelt sich um eine ausführbare Datei für Microsoft Windows und nicht um ein Dokument für Microsoft Word. Was von einem Programm zu halten ist, das einem so hinterhältig untergejubelt wird, muss ich wohl nicht vertiefen – es dürfte eine aktuelle Kollektion von Schadsoftware installieren.

Deshalb: Nicht drauf klicken! Löschen! Und generell niemals auf den Virenscanner vertrauen, wenn eine dermaßen leicht als Spam erkennbare Mail die Aufmerksamkeit erzwingen will.

Etwas technischer: Wie haben die das gemacht?

Ich gehe davon aus, dass dieser durchaus intelligente Hack in den kommenden Wochen häufiger versucht werden wird. Deshalb hier eine kurze Beschreibung, was da geschieht:

  1. Der Dateiname endet mit der Zeichenfolge cod.exe.
  2. Vor diesen Zeichen befinden sich (im Dateinamen) die Unicode-Zeichen U+202B und U+202E.
  3. Diese steuern, ob der Text von links nach rechts (wie lateinische Schrift) oder von rechts nach links (wie arabische Schrift) gelesen wird und überschreiben die Einstellung für die angezeigte Sprache.
  4. Moderne Betriebssysteme können Unicode in Dateinamen korrekt interpretieren (so dass beliebige Namen in beliebigen Sprachen und Alphabeten möglich sind) und zeigen den Namen genau so an, wie es von diesen selbst unsichtbaren Steuerzeichen gefordert wird.
  5. Im Ergebnis wird cod ans Ende der Zeile gestellt und die Zeichenfolge wird umgekehrt, so dass der Dateiname auf exe.doc zu enden scheint, was bei oberflächlicher Betrachtung wie ein Dokument für Microsoft Word aussieht.

Ich weiß, das war immer noch etwas zu schnell, aber ich kann hier nicht das ganze Unicode-System erklären. (Auch deshalb, weil ich es nicht im vollen Umfang verstehe.)

Der irreführende Dateiname ist also möglich, weil bei der Darstellung des Dateinamens auch Unicode-Sequenzen interpretiert werden, die im Zusammenhang eines Dateinamens im Allgemeinen nicht sinnvoll sind. Diese Funktionalität wird vermutlich mit den Standardbibliotheken der grafischen Oberfläche „mitgeliefert“, der Dateiname erhält keine weitere Filterung durch den verwendeten Dateimanager. Dieses Problem ist nicht auf Windows beschränkt, ich konnte die irreführende Anzeige mit dem Thunar-Dateimanager der XFCE-Desktop-Umgebung unter Debian GNU/Linux reproduzieren. (Dort ist Gtk+ für die graphische Darstellung zuständig.) Unter Linux ist das Problem nur deshalb kleiner, weil Dateinamenserweiterungen keine so bedeutende Rolle spielen. Ob auch MacOS darauf „hereinfällt“, kann ich mangels Mac leider nicht entscheiden. Es ist ein ziemlich allgemeines Problem. Die Flexibilität moderner Betriebssysteme, die beinahe jede lebende (und manche tote) Sprache dieser Welt überall ermöglichen, kommt den kriminellen Spammern entgegen, die erfolgreich einen falschen Eindruck erwecken können. Allgemeine Abhilfe ist schwierig, es gibt gewiss noch weitere Eigenschaften von Unicode, die sich in vergleichbarer Weise ausbeuten lassen.

Der hier kurz beschriebene Trick wird wohl morgen (oder im schlimmsten Fall: übermorgen) von den meisten Virenscannern erkannt werden. Dafür hat er heute vermutlich schon einen gewaltigen Schaden angerichtet.

Für normale Menschen kann ich immer nur mit der Beharrlichkeit einer mechanisch betriebenen Gebetsmühle den immer gleichen Hinweis wiederholen: Niemals in einer Spam herumklicken! Auch dann nicht, wenn der Anhang einer Spam relativ harmlos aussieht, etwa wie eine Textdatei, ein PDF, ein Bild. Die „Kreativität“ der organisiert Kriminellen, wenn es darum geht, anderen Menschen bösartige Software unterzujubeln, sie ist schier unerschöpflich. Virenscanner und so genannte „Personal Firewalls“ sind niemals ein ausreichender Schutz. Die Sicherheit des eigenen Computers beginnt mit dem Menschen, der vorm Computer sitzt.

Und generell sollte äußerste Vorsicht bei Mailanhängen gelten, die nicht vorher verabredet waren. Wer etwas mitzuteilen hat, kann es in der Regel in der Mail schreiben und muss dafür kein Dokument anhängen.

Noch ein Hinweis

Ich habe bei einer sehr kurzen Recherche gefunden, dass dieser Trick bereits im Mai dieses Jahres als eine mögliche Schwachstelle erörtert wurde. Vier Monate sind im Bezug auf eine ausbeutbare Schwachstelle in der Internet-Kommunikation eine kleine Ewigkeit. Wenn dieses Problem bei Microsoft bekannt war, und wenn nichts in Hinsicht auf dieses Problem unternommen wurde, dann sind die Menschen, die sich auf Microsoft verlassen haben, wieder einmal verlassen gewesen. Im Ergebnis hat das organisierte Verbrechen im Internet vermutlich wieder einige zehntausende Bots für äußerst unerfreuliche Tätigkeiten zur Verfügung.