Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „Flüchtlinge“

HOW ARE YOU?

Sonntag, 16. Dezember 2018

Och, es geht so. Nur, wenn ich in meine Spam schaue, wird mir immer ein bisschen übel. Zum Beispiel, wenn so ein schäbiger Vorschussbetrüger auf das Elend von Kriegsflüchtlingen aufspringt, um seinen Betrug voranzutreiben.

Von: Daniel Parenti <jranjesports@yahoo.com>
Antwort an: Daniel Parenti <postinglinnk@hotmail.com>

Kenne ich nicht.

Nicht an die Absenderadresse antworten! Alle weitere Kommunikation soll über eine kostenlos und anonym eingerichtete Mailadresse bei Microsofts Freemail-Dienst laufen.

My name is Daniel Parenti.

Schön für dich. Und, was habe ich damit zu tun?

I am a Citizen of United States Of America (USA).

Schön für dich. Und, was habe ich damit zu tun?

I was born on 16th Septemberr, 1960.

Schön für dich. Und, was habe ich damit zu tun?

Wenn damals doch nur dein Vater gegen einen Zug masturbiert hätte! Du wärst heute noch unterwegs… :D

Here is my international passport.

Wo ist dein Pass? (Nein, die Spam hatte keinen Anhang.)

I have prostate cancer disease and the doctor says that i have just little days to live in this world before i die.

Schön für die Welt. Denn jedesmal, wenn ein Spammer und Vorschussbetrüger stirbt, wird das Internet und die Luft ein bisschen sauberer. Schade nur, dass es genau so „wahr“ wie dein angeblicher Name, dein angebliches Geburtsdatum und deine angebliche Staatsbürgerschaft ist.

I want you to inherit my wealth, my millions of dollars, but you must assure me that you will use my wealth to help the Syrian refugees suffering in Europe.

Aha, du kennst nicht einmal meinen Namen, aber willst mir ein paar Milliönchen vererben, damit ich damit ein paar geflüchteten Syrern helfe. Einfach nur, weil ich so eine schöne Mailadresse habe.

United Nation Refugee Agency (UNHCR) said that the number of Syrian refugees in Europe has exceeded five million. You must promise me that you will use 70% of my wealth to help the Syrian refugees suffering in various refugee camps in Europe:
http://www.unhcr.org/europe-emergency.html

Alles, was ich dafür tun muss, ist dir etwas zu versprechen. Dafür darf ich dann auch fast ein Drittel von deinem Zaster behalten.

Take the remaining 30% of my wealth for yourself.

Wir kennen das ja alle. Die Bankgebühren sind so gigantisch, da mag der freundliche Spammer nicht an das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen spenden (gern auch mit entsprechender Auflage) und eine einfache Überweisung ausfüllen oder einen Scheck versenden. Stattdessen gibt er das Geld lieber einem völlig Unbekannten mit schöner Mailadresse und glaubt einem Versprechen. Das reduziert die sonst anfallenden Gebühren auf dreißig Prozent… :mrgreen:

I dash you the remaining 30% of my wealth if i get assurance and honest promise that you will follow all my instructions.

Immerhin, da es „Millionen“ sind (Plural), handelt es sich bei der milden Gabe für mich um mindestens 600.000 Dollar. Und das alles dafür, dass ich versichere und echt jetzt mal ganz ehrlich verspreche, irgendwelchen bis jetzt noch nicht genannten Anweisungen zu folgen. Aber erstmal…

Write down your telephone number and your address before i give you more details.

…muss ich dem Spammer sagen, wer ich überhaupt bin. :D

I am tired now and want to sleep now.

Komm, leg dich sterben, Spammer!

I will read your reply after i wake up from sleep.

Möge dir ein langer Schlaf gewährt werden, aus dem du niemals mehr aufwachst!

Regard,
Daniel Parenti

Dein dich genießender
Nachtwächter

Es ist wichtig, Sie dieses lesen

Sonntag, 20. September 2015

Von: Wafa Al Halabi <gxxxxrd (punkt) rxxxxing (at) t (strich) online (punkt) de>

[Die eingetragene Mailadresse ist von mir unkenntlich gemacht…]

Wenn man schon einen Absender fälscht, könnte man es ja auch mal gut machen, damit…

Grüße aus Syrien

…er wenigstens so ähnlich wie „aus Syrien“ aussieht. Obwohl spätestens beim Anblick der Antwortadresse…

Antwort an: wafaalhalabisyria (at) gmail (punkt) com

…auffällt, dass der Absender nicht plausibel ist. Aber immerhin, der Spammer hat sich mal von einem Achtjährigen erklären lassen, wozu dieser Reply-to-Header in einer Mail gut ist – so „vertiefte“ Kenntnisse hat nicht jeder von diesen schmierigen Betrügern.

Offenbar hat er seine „vertieften“ Kenntnisse gegen seine mutmaßlich schon vorher verkrüppelte Fähigkeit zur Empathie ausgetauscht, wie der folgende Text zur Einleitung eines Vorschussbetruges belegt:

Ich bin ein Kommandeur in der syrischen National Army Kampf gegen die gefürchtete ISIS. Jetzt ist mein Land ist völlig zerstört und so vieles Flüchtlinge Gießen aus dem Land jede Sekunde auf der Suche nach Überleben und besseres Leben.

Ich habe unter meinem Gewahrsam 16.500.000$, die ich von einem Rohöl Deal gemacht hier in Syrien, aber wie Sie vielleicht wissen, dieses Geld ist wertlos, in diesem Krieg Dornzone. Ich brauche deine Hilfe für diesen Fonds über Amsterdam nach Europa zu ziehen. Bitte wieder zu mir für weitere Details über Ihre Erlaubnis,

Col. Wafa Al Halabi Adel

Vorschussbetrüger, du widerst mich an!

Ich weiß, dieser Brief wird Ihnen überraschen

Mittwoch, 9. September 2015

Nein, ich bin nicht davon überrascht, Spam zu empfangen.

Absender: Col Wafa Al Halafi <Gexxxxg (strich) Noxxxl (at) t (strich) online (punkt) de>

[Ich habe die gefälschte Absenderadresse teilweise unkenntlich gemacht.]

Bwahahahaha!

Spammer, wenn du schon einen Absender fälschst, dann mach es doch halbwegs überzeugend! Oder schreib doch deine kostenlos und anonym eingerichtete Antwortadresse bei Google Mail als Absender rein…

Antwortadresse: wafaalhalabiadelsyria (at) gmail (punkt) com

…um dir solche Peinlichkeiten zu ersparen. Denn dass die Mail über eine dynamisch zugewiesene IP-Adresse bei der Deutschen Telekom und damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über einen mit Schadsoftware „übernommenen“ Computer einer Privatperson aus der BRD versendet wurde, das kann ja nur jemand bemerken, der einen Blick in die Mailheader wirft.

Oder sagst du dir etwa: „Wozu denn das, meine Mail ist doch auch nicht so überzeugend, was soll also die Mühe“? Wenn man deine ziemlich menschenverachtende Spam zur Einleitung eines Vorschussbetruges liest, könnte man das beinahe glauben:

Ich weiß, diese Meldung wird Ihnen überraschen [sic!], aber haben Sie bitte einen menschlichen Gefühle [sic!] und hör mir zu [sic!]. Ich bin ein syrischer Oberst dessen Familie als auch in einer großen Gefahr [sic!]. Ich brauche deine Hilfe auf einer Transaktion, dass beide Seiten ergeben gute Interesse [sic!]. Während Incharge von Aleppo [sic!] Ich machte eine Rohöl Deal im Wert von 16,2 Millionen Dollar, die ich wünschte, nach Europa zu bewegen, so dass ich ein besseres Leben mit meiner Familie haben, wenn ich und meine Familie kommen als Flüchtlinge [sic!].

Ich brauche deine Hilfe, um das zu tun. Wenn Sie interessiert sind I [sic!] gibt Ihnen dann weitere Informationen zu erhalten, wie es bereits gut geplant ist.

Col Wafa Al Halabi

Klar, einer mit so einem fetten Batzen Dollarscheinen kommt auch gerade als Flüchtling hierher! :mrgreen:

Ich bin von der täglichen Intelligenzverachtung, Kälte und Dummheit in meinem ganz normalen Spameingang ja schon etwas abgehärtet, aber du, Spammer mit deiner beschissenen Vorschussbetrugsnummer, die parasitär auf das Elend der vielen Menschen aufsetzt, die zurzeit auf der Flucht sind; ja, genau dich meine ich Spammer: Du ekelst mich an!

Es ist schon etwas schade, dass solche Gestalten wie du garantiert nicht im Mittelmeer sterben, sondern irgendwo das Geld ihrer naiven Opfer im nächsten Bordell verbraten – denn einen wie dich würde eh höchstens seine Mutter vermissen.

Weia, war der widerlich!

Sir/Madam

Freitag, 1. Mai 2015

Ja, eines von beiden wird schon meistens stimmen. Ansonsten ist es weder ein Ersatz für einen aussagekräftigen Betreff noch für eine persönliche Anrede.

Diese alles in allem recht lieblos verfasste Spam zur Einleitung eines Vorschussbetruges tut sich einmal mehr dadurch hervor, dass sie Bezug auf aktuelle Nachrichten über fürchterliche Ereignisse nimmt:

Good tidings to you, I am Mrs. Muyassar Ahmadi of Syrian nationality and mother of two kids, at the present time here in the camp for Syrian refugees Turkey. He was killed by terrorist attack in Syria. I need your assistance to receive Seven Million Three Hundred Thousand Euro with a bank in Turkey, which was my late husband deposit. I belief you know of the untold sorrow the scourge of war have
brought to the Syrian people and I beg you to find it in your heart to help us receive the fund and also towards moving out from here to reaffirm hope of survival to my poor kids. I will provide you with more information after I hear
from you. Muyassar.

Eine Frau aus dem Flüchtlingslager mit zwei Kindern, die irgendwo weit weg ein paar Millionen Euro liegen hat – und die einzige Idee, die ihr kommt, um Hilfe zu finden, ist irgendwelche völlig unbekannten Leute anzumailen und diese in einer unverschlüsselten, offen wie eine Postkarte durchs Internet beförderten E-Mail anzuflehen, ihr doch bitte zu helfen, das Geld für die armen armen und so kleinen Kinder flüssig zu machen. Bitte an eine kostenlos und anonym eingerichtete Mailadresse bei Googles Maildienst antworten (diese steht im Reply-To-Header, man kann also auf „Antworten“ klicken), denn mit diesem ganzen Zaster war es der Familie wohl auch niemals möglich, sich irgendwo ein kleines virtuelles Serverchen hosten zu lassen, das wenigstens für etwas Vertraulichkeit sorgt. Diese… wenn man es sehr teuer macht… dreißig Euro im Monat kann man doch einsparen, wer braucht schon Geschäftsgeheimnisse?!

Wie immer: Sehr sehr überzeugend. :D

Und wie immer: Kalt, menschenverachtend und widerwärtig!

Da braucht man gar nicht mehr in den Mailheader zu schauen und erwartungsgemäß festzustellen, dass diese Spam nicht etwa aus einem türkischen oder syrischen Internetcafé kommt, sondern (in meinem Exemplar) von einer IP-Adresse aus den Vereinigten Staaten versendet wurde. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen mit Schadsoftware gekaperten und in ein Botnetz eingefügten Computer anderer Leute – schließlich tragen diese Halunken nicht so gern Handschellen. Und nein, obwohl die (gefälschte) Absenderadresse in der Domain gmail (punkt) com liegt: Die IP-Adresse gehört nicht zu Google und die Spam hat niemals auch nur einen Server von Google gesehen…

Wenn die hier versuchte Nummer mit den aktuellen Flüchtlingskatastrophen für die Spammer „erfolgreich“ sein sollte, gehe ich davon aus, ähnliches demnächst auch in deutscher Sprache zu lesen. Deshalb: Vorsicht! Vor allem, wenn Menschen irgendwelche Unbekannten um Hilfe bitten, größere Geldbeträge (oder Wertsachen aller Art) zu transferieren und dafür verlockend große Gegenleistungen anbieten. Niemand, der noch bei Troste ist, würde so etwas einem völlig Unbekannten anvertrauen, von dem er nur eine Mailadresse und sonst gar nichts kennt! Und niemand, der für neunundneunzig Eurocent kritischen Verstand hat, sollte auf die Idee kommen, auf eine derartige Geschichte hin auch nur ein paar Euro als Vorleistung vollständig anonym über Western Union oder MoneyGram ins Unbekannte zu beamen. Dieses Geld kommt nicht Flüchtlingen zugute, sondern dem lokalen Autohändler, dem Kokaindealer und dem lokalen Bordell irgendwo in dieser Welt, wo eine widerliche, menschenverachtende Bande von Betrügern sitzt.