Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Monatsarchiv für September 2007

Ein Teller Buchstabensuppe, bitte!

Freitag, 21. September 2007

Und heute eine besonders schmackhafte Börsenspam, dargereicht als ein versalzener Teller Buchstabensuppe, der versucht hat, durch den Spamfilter zu triefen – dieser Anblick steht bei mir durchaus im Verdacht, dass er Krebs erregen könnte:

Ru.mor N e,w,s.:

Oncolo*g y M+e*d_. I.n_c . (*OTC: ONC_O) a C‘ancer T*re*atment S*olu tions Gr+oup is s a*i-d to h.a‘v'e experienc e_d o*v,e‘r a 1+000% inc*rea se in reven+ue’s f.o-r t_h*e fi+scal 3*r-d qua,rter e‘nding J u+l,y‘, 2,0.0*7 compa re‘d w+i.t‘h t,h*e pr‘ior y‘e,a-r wh ile fi-scal f*ourth qu arter res ults f o*r 2 0,0*7 a‘r'e on

trac_k to exce ed t.h_i.s yea.r▓s thir*d qu‘arter result*s.

O,N C.O addit ion‘ally p lans to i-ncr.ease servi ce off- erings whi ch a.r*e curr+en.tly underw‘a_y.

D-on▓t w‘a.i_t f*o+r t‘h.e n.e-w_s to c-o‘m e o+u.t a+n‘d l‘o’s-e t h_e o+pportu‘nity to g e_t in fr_ont of the gener al inves,_ting publi+c. Oncolo+g*y M,e,d is in a mult‘ibilli‘on do-llar in+du_stry w+h+e*r.e t,h*e*y a+r,e g aining marke.t sh*are rapidl_y.

C,a+l*l y*o.u-r bro_ker n-o.w f-o r O-N C_O .

Wer würde bei einem derartig „seriös“ dargebotenen Tipp nicht sofort Aktien der US Oncology Inc. kaufen? Es geht dabei ja schließlich nur um so ein bisschen Geld. :mrgreen:

Freie Myspace-Hintergründe

Freitag, 21. September 2007

Auf dieses Angebot eines Kommentarspammers haben wir doch alle nur gewartet. Endlich können wir alle schöne dunkle MySpace-Profile erstellen, in denen sich jeder Text in den Regionen der Unlesbarkeit verkrümelt.

free gothic myspace backgrounds and layouts…

Wer allerdings den zugehörigen Link angeklickt hätte, der hätte eine nüchterne weiße Seite gesehen. Mit einem schwarzen Text, der wie ein typischer 404-Fehler (Datei nicht gefunden) aussieht.  Das ist aber gar keine 404-Seite, das sieht nur so aus. In dieser Seite ist ein eingebetteter Frame, der Benutzern eines älteren Internet-Explorer fröhlich und in aller Stille Schadsoftware unterjubeln wollte. So wird zwar das MySpace-Profil nicht zu einem Gothic, aber der eigene Rechner zu einem Zombie in den Diensten von irgendwelchen Verbrechern. 🙁

Ich kann gar nicht genug vor einem Klick in eine Spam warnen.

(Natürlich hat es diese Kommentarspam nicht durch die Filter geschafft. Und das ist gut so.)

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

Donnerstag, 20. September 2007

…was diese vorgebliche „Georgina Langley“ mit „ihrer“ gefälschten Absenderadresse mir mit der folgenden Nachricht mitteilen will:

Ti)ck[eeer F!D

(Das ist wirr-klich der ganze Text…)

Aber so viel ist klar. Hier tickt nicht nur der Spammer nicht richtig, sein Spamskript scheint auch so ein paar Probleme zu haben. Leider hält das den Stümper nicht davon ab, seine ersten Gehversuche in der Programmierung auf das arglose Internet und auf vieler Menschen Postfächer loszulassen. Oder ist das eine neue Form des Marketings, die an die steigende Beliebtheit eines Zeitvertreibs wie Rätsellösen anknüpfen will?

Wer weiß, was ich hier kaufen kann, bitte in die Kommentare!

Ich tippe auf einen laut tickenden, sehr nervigen Wecker. :mrgreen:

Spamisch! In HTML!

Mittwoch, 19. September 2007

Werter Spam-Verbrecher spanischer Sprache,

nicht nur, dass du wissen solltest, dass de-Domains in der Regel zu deutschsprachigen Empfängern gehören, auch deine Aufforderung…

Este email se ha creado con formato HTML. Si usted no puede visualizarlo correctamente, copie la URL siguiente en su navegador de Internet, o haga clic sobre ella:

http://www.fosfenismo.info/Mailings/index99.html

…dass ich doch wenigstens deine Drecksseite ansurfen soll, wenn ich schon keine HTML-Mails darstellen lasse, zeugt von Renitenz und Aufdringlichkeit, du Nervenarsch. Zumal ich keinen Wert darauf lege, deine Mittel zur Verbesserung der zerebralen Leistungsfähigkeit, die du in deiner Mail in stümperhaftem, aber bildreichem HTML anbietest, auch nur ausprobieren zu wollen.

Dass du ein richtiges Arschloch bist, wird beim Blick in dein HTML sichtbar. Tatsächlich sind einige deiner Bilder über ein CGI-Skript ausgeliefert und teilen dir dabei praktischerweise mit, dass die Mailadresse existiert und gelesen wird. Ich sage ja schon immer, dass man auf HTML-Mail verzichten kann und sollte, da sie in der Regel nur missbraucht wird, aber du lieferst mir mit deiner fehlgeleiteten Kreativität und deinen Spionageversuchen ein besonders gutes Argument, du gieriges Gesäuge, du.

Geh dahin, wo der Pfeffer wächst.

So, und nun noch ein paar Worte für die Menschen, denen das alles sehr spanisch vorkommt. Es handelte sich um eine HTML-Mail, in der jede Menge Bilder eingebettet wurden. Alle diese Bilder sollten aus dem Internet nachgeladen werden. Einige dieser Bilder waren jedoch keine direkt eingebetteten Bilddateien, sondern wurden über ein Skript ausgeliefert, dass nicht nur den Namen des Bildes als Parameter bekam, sondern auch die Mailadresse, unter der ich diese Spam empfangen habe. Der Spammer (oder besser: die kriminelle Bande, die diese Spams versendet) würde also schon erfahren, dass seine Spam angekommen ist, wenn ich sie nur anschaue. Damit hat er eine „Erfolg versprechende“ Mailadresse für weitere Attacken auf mein Postfach und mein Nervensystem gefunden.

Was man dagegen tun kann? Ganz einfach: Keine HTML-Mails anschauen. Die meisten richtigen Mailclients bieten die Möglichkeit, dieses völlig unnötige Feature abzustellen. Man kann es ruhig als Regel betrachtet, dass jemand, der seine Mails als HTML-Mails verfasst, nichts mitzuteilen hat – jede richtige Mitteilung passt auch in ein einfaches Textformat.

Diese einfache Maßnahme ist ein wirksames Mittel gegen den hier angewendeten Trick zur Überprüfung einer Mailadresse durch einen Spammer.

Usually muddy…

Dienstag, 18. September 2007

…, also „gewöhnlich dreckig“, das war der Text, der diese Grafik begleitet hat, damit sie besser durch den Spamfilter kommt. Und in der Tat, der Text passt zum Layout der Grafik:

Die übliche Pillenkauferei…

Irgendwann werden diese Grafiken so unlesbar sein, dass selbst so ein strunzdummer Konsument, der kauft, was ihm von illegaler und asozialer Spam angeboten wird keine Chance mehr hat, zu den verbrecherischen Apothekern mit ihren gefälschten Pillen zu kommen.

The Nederland’s Staatsloterij

Montag, 17. September 2007

Ein Hinweis vorab: Die staatliche Lotterie der Niederlanden hat mit dieser Mail nichts zu tun, sondern ist selbst zum Opfer eines Spammers geworden, da ihr Ansehen durch den Missbrauch der Bezeichnung für kriminelle Aktivität besudelt wird. Das ist dem Spammer aber genauso egal, wie ihm andere Folgen seines Handelns egal sind, er kennt nur seine asozialen und kriminellen Betrugsnummern.

Da schaut man trüben Auges in seinen virtuellen Müllkasten Briefkasten und erwartet, dass er vor Werbemüll überquillt, und was ist? Welch Freude, ich bin schon wieder Millionär geworden…

Ref No: UT771008-07
Serial Number: 8LE02208
The Nederland’s Staatsloterij
Postbus 3334, 5902RH
Venlo-Nederland
https://www.staatsloterij.nl <https://www.staatsloterij.nl/>

Klar, so eine millionenfach versende Spam, die ihren Empfängern sagt, dass sie nun Millionen gewonnen hätten, die wirkt gleich viel glaubwürdiger, wenn sie einen Briefkopf voller seltsamer Angaben hat. Nur der eigentliche Briefkopf einer Mail, der Header, der kratzt diesen Eindruck gleich wieder an. Eine gefälschte Absenderadresse zerstört die Wirkung der kryptischen Zeilen voller Referenz- und Serien-Nummern auf der Stelle, mag da auch eine noch so seriös wirkende Postanschrift in den schönen Niederlanden stehen.

Immerhin, der Text ist nicht niederländisch. Ich kann ja verstehen, dass Niederländer nicht so gern „Het Duits“ von sich geben, seit sie einst binnen dreier Tage von der Wehrmacht überrannt wurden. Vor allem, weil die Wehrmacht beim Rückzug auch noch ein paar Deiche gesprengt hat – ein übler, feiger Mordanschlag war das! Aber warum schicken die dann überhaupt die folgende Mitteilung an eine Mailadresse in der de-Domain, obwohl der Empfänger garantiert nie ein Los gekauft hat:

Dear Sir/Madam,

We are pleased to inform you of the result of our Nederland’s Staatsloterij Internet Program that was conducted and release today the 17th day of September 2007. Your electronic mail address which we attach to the program Ref No: UT771008-07 and Serial Number: 8LE02208 has been selected among the lucky recipient to collect an approved payment of 1,000,000:00 euros only (One Million Euro Only) each, being the beneficiary of this email address. You are hereby advice to contact our payment processing/finance firm on the below stated details.

Klar doch, Spammer! Kannst die Empfänger deiner Mail nicht mal mit Namen ansprechen und musst dich ins „Sehr geehrte Damen und Herren“ flüchten, aber willst ihnen weismachen, dass sie einfach so eine Million Euronen gewonnen haben. Weil sie die richtige Mailadresse haben. Irgendeinen Einsatz muss man dafür ja auch nicht zahlen, diese Lotterie finanziert sich bestimmt über das EMail-Porto. Ach, das gibt es (noch) nicht. Na, denn eben irgendwie anders. Und verschenkt Millionen von Euros an Millionen von „glücklichen“ Empfängern. Und muss dabei die Absenderadresse fälschen.

Wer sich diesen Bären aufbinden lässt, ist schon ganz schön blöd. Da helfen auch diese seriös wirkenden Angaben von Telefonnummern nicht:

Dr. P. Brook
Gilmac Financial Services
Weeps-The Netherlands.
Tel: +31-634-254755
Fax: +31-847-118266
Email: [… entfernt]@gmail.com
Email: [… entfernt]@aim.com

Schon klar, ein Finanzdienstleister, der mit der niederländischen Staatslotterie zusammen arbeitet, hat nicht etwa eine eigene Domain für seine Mailadressen. Sondern einfach nur kostenlose Mailadressen bei Google Mail und AOL. So etwas wie „richtige“ Mailadressen für Mitarbeiter kann man sich dort, wo man wöchentlich Millionenbeträge bewegt, offenbar nicht leisten. Man spart eben, wo man kann.

Zum Beispiel auch bei der Intelligenz des Spammers. :mrgreen:

Empfänger mit Sparsamkeit in der Eigenintelligenz kriegen dafür noch die Gelegenheit, einen kleinen Datenstriptease vor verbrecherischen Spammern zu machen:

We expect you to provide them with details of the information below for the processing of your winning documents.

1). Full Names:………………
2). Residential Address: ……..
3). Occupation:………………
4). Sex:…………………….
5). Phone/Fax Numbers:………..
6). Country of Resident:………
7). Nationality: …………….
8). Reference Number:…………
9). Serial Number:……………
10). Amount Won:……………..
11). Email Address:…………..
12). A scan or Fax Copy of any Valid Proof of your Identification like International Passport or Driver’s License:…………….

Wer würde da nicht gleich seinen Ausweis oder Führerschein einscannen, um an die versprochene Million zu kommen. Ist wirklich eine tolle Idee. Neben dem üblichen Vorschussbetrug kommt man noch an verifizierte Daten von leichtgläubigen Deppen, die sich gewiss gut verkaufen lassen. Oder für eine weitere Abzocknummer benutzen lassen. Wie steht es doch so schön als Inschrift auf dem Grabstein von Kurt Schwitters: „Man weiß ja nie…“

Dafür erfährt man noch etwas über die Funktionsweise der „Lotterie“, die Menschen so unverhofft zu Geld kommen lässt:

All participants where selected through a computer ballot system drawn from over 20,000 company and 30,000,000 individual email addresses and names from all over the world drawn from Europe, Asia, Australia, New Zealand, Middle East, Africa, North and South America. Do note also that every email addresses that were used on this program were gotten without the knowledge of each recipient. Be informed here that all winnings must be claimed not later than the 1st Day of October 2007 and that anybody under the age of 18yrs is not eligible to apply for a claim of this amount. Congratulations from our management as we expect you to make good use of your funds. Do note also that every email addresses that were used on this program were gotten without the knowledge of each recipient.

Verstehe. Alles, was man für die Teilnahme braucht, ist eine Mailadresse. Wie sich die Lotterie finanziert, wird hier aber leider nicht erklärt. Wahrscheinlich drucken die einfach Geld, das sie an irgendwelche Internet-User verschenken.

Dafür kann ich gern erklären, wie diese „Lotterie“ funktioniert. Wer seinen „Anspruch“ anmelden will, muss leider noch so ein paar leidige Formalien erledigen. Und dafür muss man eben etwas Geld hergeben. Für den Notar, für diese Behörde, für jene Bearbeitung. Ist nicht viel. Nur so ein paar hundert bis tausend Euronen. Wird auch immer mehr, von dreistem Grabsch zu dreistem Grabsch. Die Million sieht man natürlich nie. Und das Geld verschwindet einfach auf den Konten von Verbrechern.

Sincerely Yours,
Freida Groot
Sweepstakes Coordinator.
Email: nlstaatsloterij@gmail.com

Man beachte: Diese „niederländische Staatslotterie“ hat nicht etwa Mailadressen innerhalb ihrer eigenen Domain, sondern verwendet eine kostenlose Google-Mailadresse. Die natürlich nicht mit der Absenderadresse der Mail übereinstimmt, sonst würde man vielleicht noch ein bisschen geneigt sein, solche Mail für echt zu halten. Nein, diese windigen Gangster wollen gar keinen Webspace anmieten, dabei müssten sie nämlich ihre Identität offenbaren, was gewiss auf das Interesse der Polizei stoßen würde. Lieber schön anonym bleiben und darauf hoffen, dass es unter den Empfängern dieser Mail genügend strunzdumme Deppen gibt, die gar nichts mehr merken, wenn man ihnen nur ein bisschen Reichtum verspricht.

Und nicht nur das, die haben auch noch das Urheberrecht für ihre Spam:

Copyright © 2001-2007 Nederland’s Staatsloterij.

Ihr könnt mich ja gern verklagen, ihr kriminellen Betrüger. Auch die folgende Einschränkung meiner Rechte an der Spam, die ich von euch gerade erhalten habe…

Note: In accordance with the Nederland’s Staatsloterij policy and regulations, this message is dispatched directly to the recipient only. If you are not the rightful owner of this email address or feel that you have received this message by error, we advice you destroy this copy as you are not authorized to read, print, retain or disseminate any part of it for any reason.

…geht mir einfach nur am Arsch vorbei. Das seht ihr ja schon daran, dass ich diesen Text einfach blogge und hoffe, dass das manchem Menschen den Verlust einiger hundert bis tausend Euro erspart.

Active O2 Fitness Water

Montag, 17. September 2007

Und heute als fröhliches Wort zum trüben Montag eine kleine, nicht nur flüssige, sondern völlig überflüssige Beglückungsidee aus der legalen Spam. Dieser Scan stammt aus einer Postwurf-Werbung des Edeka-Marktes Wucherpfennig, die als kleine Vermüllung des sonnigen Wochenendes über die wehrlosen Briefkästen der hannöverschen Südstadt ging:

Active O2 Fitness Water - ohne Kohlensäure, ohne Kalorien, mit Sportlock-Verschluss

Das klingt ja für den abgestumpften Konsumtrottel hippen Sportsfreund von heute zunächst ganz normal, deshalb noch ein paar Erläuterungen, die helfen mögen, das vorliegende Werk aufzuschließen:

  1. Als Freund der niederdeutschen Sprache freut man sich doch sehr darüber, dass in der Reklame endlich wieder Produkte op platt angeboten werden. In der Tat, auch ich pflege im Alltage eher „dat water“ te seggen, als dass ich korrekterweise „Das Wasser“ verwenden würde. Dieser Beitrag zur Erhaltung der Vielfalt der deutschen Sprache ist auf ganzer Linie begrüßenswert.
  2. Aber die Verwendung van de nederdüütsche spraak im Angebote macht keineswegs den Bindestrich entbehrlich, auch bei plattester Betrachtung steht in „Fitness Water“ immer noch ein Deppenleerzeichen. Hier wird also nicht nur sprachliche Vielfalt gefördert, hier will man auch gegen die unverständliche Einfalt der deutschen Rechtschreibung vorgehen. Ein stiller Protest gegen die Unvollkommenheit der letzten Rechtschreibreform hat sich in diese Zeilen eingeschlichen, der gewiss vielen Zeitgenossen aus der Seele spricht.
  3. Es fällt auf, dass dieses Angebot bei seinem Spiel mit Anklängen und Begriffen jeden Bereich der Bildung in Frage stellt. Es handelt sich nur scheinbar um eine Anpreisung für ein Getränk; in Wirklichkeit ist es formvollendete Kunst. Ganz offenbar ist es eine moderne Spielart des Dadaismus. Hier wird eine jedem Menschen vertraute Form mit inhaltsleeren Aussagen gefüllt, um das den abgegriffenen Konventionen des Ausdrucks verhaftete Hirn nach Kräften auszukitzeln. In diesem Zusammenhang ist die eine Idee als sehr gelungen zu bezeichen, dass Menschen den Sauerstoff nicht mehr über die Lungen, sondern über den Magen aufnehmen. Wozu sonst sollten sie mit Sauerstoff angereichertes Wasser benötigen?
  4. In der detailierten Beschreibung des scheinbaren Angebotes im Rahmen dieses Kunstwerkes an unerwarteter Stelle wird keine Gelegenheit ausgelassen, Erwartungen des Lesers aufzubauen und mit gezielten Sinnlosigkeiten ins Leere laufen zu lassen. Die Angabe „Ohne Kohlensäure“ entspricht durchaus noch dem genretypischen Ausdruck der Anpreisung eines zur trinkenden Konsumption vorgesehenen Wassers. Die direkt folgende Angabe „Ohne Kalorien“ sichert hingegen die selbstverständlichste Eigenschaft eines Wassers zu und führt auf diese Weise mit minimal gehaltenen Mitteln zu einer angenehmen Verwirrung beim Rezipienten.
  5. Als geradezu genial erweist sich die künstlerische Wortbildung „mit Sportlock-Verschluss“. Zunächst ist festzuhalten, dass hier nicht auf den Bindestrich verzichtet wurde, dass mit dem sparsamen Ausdurcksmittel der korrekten Schreibung wirksam der Eindruck eines gültigen deutschen Wortes erweckt wird. Aber dieses Wort erweist sich schon beim zweiten Blick als genialer Unfug. Soll „Sportlock“ denn den unsportlichen Sesselfurzer zum Sporte locken? Um gleich als Verschluss dieses Tor zu neuer Körperlichkeit wieder zu verschließen? Eine Kaskade wirrer Assoziationen wird von diesem beziehungsreichen Einfall eines talentierten dadaistischen Dichters losgetreten, die Vorstellung des aufgeschlossenen Lesers kommt gar nicht zur Ruhe. Im großen Zusammenhang dieses Werkes verwundert auch die seltsame Vorstellung eines Magens nicht mehr, der nach Luft schnappt. Es gibt eben doch noch wahrhaft Kreative unter den Werbern!
  6. Kurz vor dem Ende dieses unfassbaren Werkes in der so fassbaren Welt der Angebotsliste eines Supermarktes findet sich eine völlig absurde Aufstellung von Zahlen: „1 Ltr. = 1.32″. Hier ist auch ein Liter nicht mehr ein Liter, er wird übrigens auch nicht durch ein kleines „l“ abgekürzt, hier ist ein Liter einer wirren Ziffernkombination gleich. Im ersten Moment glaubt man hier zu lesen, dass ein Liter gleich eins komma drei zwei sei – nur, um zu entdecken, dass es sich gar nicht um ein Komma handelt, sondern um einen Punkt. Ein Punkt sollte eigentlich in einer Zahl die Tausender-Gruppen trennen, es scheint also am Ende der unvollständig geschriebenen Zahl eine Null zu stehen, die in dieser Umsetzung fehlt. Ein Liter ist demnach eintausend dreihundertzwanzig ohne Null – eine sinnfreie Aussageform, die auch nicht durch die Angabe einer Maßeinheit neben der bedeutungsfreien Ziffernfolge entwertet wird.
  7. Selbst der Abschluss in diesem dadaistischen Stakkato ist noch für eine Überraschung gut, obwohl er scheinbar nur die Aufgabe hat, den situativen Kontext der Anpreisung eines Getränkes herzustellen. Hier wird mit inflationär verwendeten Bindestrichen ein künstlich langes Wort gebildet, um nicht den Geist mit einer klaren Ausdrucksform wie „PET-Flasche zu 0,75 Ltr.“ in die triste Realität zurückzuführen. In der Ausführung des Abschlusses im vorliegenden Werk werden zwar gegenüber der gewöhnlichen sprachlichen Form zwei Buchstaben eingespart, dieses geht jedoch auf Kosten zweier Bindestriche. Der Künstler will uns damit sagen, dass Sparen verbindet, dass es auch solches zu verbinden vermag, was sonst nur wenig Verbundenheit spürt. Das ist ein interessanter Standpunkt zu den Warteschlangen vor den Kassen in Billigmärkten, die von den meisten Menschen doch eher als störend empfunden werden. Auch erhält die Abschlussformel in dieser besonderen Ausführung etwas von Länge, erinnert an die Segensformel der Liturgie, mit der die Menschen nach einer Predigt entlassen werden. Ein Hauch von Erlösung durch Kauf schleicht sich in die Assoziationen, ein wahrlich gelungener Abschluss einer textuellen Symphonie!

Was für ein Werk! Und vor allem: Was für ein Getränk muss das sein, das mit solchem Werk beworben wird! :mrgreen:

Sparen sie $1529,10

Sonntag, 16. September 2007

Ja, dieses tolle Angebot zum Sparen macht mir die Spam mit selbstverständlich gefälschtem Absender, die heute mit dem Betreff „Creative Suite 3 Save: US $ 1529.1″ in meinem virtuellen Mülleimer Postfach angekommen ist:

adobe suite 3 Our price: US $ 269.90
http://www.shere5.cn

Nun, diese 270 Dollar kann ich auch noch sparen. Dafür brauche ich mir die überteuerte Software nur mit Hilfe eines geeigneten Filesharing-Programmes zu besorgen, das ist unschlagbar billig, nämlich kostenlos. Es wäre eine sehr sparsame Variante, die den großen „Vorteil“ hat, dass sie genau so wenig legal wie dieses kriminelle Angebot zum Kauf einer Raubkopie ist. :mrgreen: