Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „writeme.com“

Von Mr. Authur Phillips.

Montag, 20. Januar 2020

Wer der Absender ist, steht im Mailheader. Schreib mal lieber in den Betreff rein, um was es in deiner Mail geht.

Von: Authur Philip Whyte <Authur.Philip@yahoo.com>
Antwort an: wh.aut.phillip@writeme.com

Der Absender ist gefälscht. 🤥

Der Spammer ist aus irgendeinem Grund zur Auffassung gekommen, dass der Freemailer von Yahoo noch etwas mehr Ansehen hat als der von ihm für die Kommunikation benutzte. Immerhin ist es mal keine Google-Mail-Adresse, die sonst bei diesen Spams Standard geworden ist.

Empfänger dieses Mülls sollen glauben, dass jemand, der mit gefälschtem Absender schreibt, im Rest seiner Spam die Wahrheit von sich gibt. Dafür muss man schon ein bisschen dumm sein. Aber so ein Spammer kann sich darauf verlassen, dass es immer genug Dummheit für sein Geschäft gibt. Der Intelligenzquotient ist so definiert, dass dem Durchschnittswert in den Tests ein IQ von hundert zugewiesen wird und dass die Standardabweichung bei genau fünfzehn Punkten liegt. Das heißt, das rd. 0,3 % der Weltbevölkerung einen IQ haben, der unter sechzig liegt. Ich befürchte, einige von diesen intellektuell herausgeforderten Menschen haben sogar ein Abitur nachgeworfen bekommen und fallen in der wirtschaftlich nützlichen und deshalb politisch seit Jahrzehnten gezielt geförderten allgemeinen Totalverblödung kaum weiter auf. Das so genannte „Dschungelcamp“ ist eine Erfolgssendung im Fernsehen. Es geht bergab. Steigen sie ein, die Richtung stimmt! 🧟

Ich bin Mr. Whyte Philip, Direktor fur internationale Investitionen bei der Natwest Bank in London, Grobbritannien.

„Grobbritannien“ hat er geschrieben. Ein tolles Wort! 🤣

Ich frage mich ja immer, wie es zu solchen Fehlern kommt. 🔎

Der Text ist sicherlich von einem anderen Text zur Einleitung eines Vorschussbetruges übernommen. Dort stand vermutlich „Großbritannien“. Dann wurde dieser Text vermutlich ausgedruckt, später wieder eingescannt und mit einer OCR von einem Computer interpretiert – aber in einem Sprachraum, in dem deutsche Sonderzeichen so unüblich sind, dass das Wort als „GroBbritannien“ interpretiert wurde. Und hinterher hat eine Rechtschreibkorrektur das große „B“ mitten im Wort wieder klein gemacht. Und nichts davon hat dem Spammer gezeigt, dass hier ein Fehler passiert ist. Weil der Spammer zwar in deutscher Sprache spammt, aber diese Sprache gar nicht richtig kann.

Ich melde mich bezuglich eines verstorbenen Kunden, der im Urlaub in Indonesien am 25. Dezember 2004 verstorben ist. Ich war sein personlicher Anlageberater und fur alle seine Transaktionen mit der Natwest Bank verantwortlich.

Schön, dass der verstorbene Kunde verstorben ist – am Weihnachtstag vor 5.504 Tagen, dem Weihnachtsmanne direkt in die Arme. Aber ich bin kein Bestatter. Zumal der verstorbene Kunde wohl auch nicht mehr allzu frisch riechen wird. Außer, er lebt noch. 🧛

Vor seinem Tod hat mein Kunde ein Guthaben von 19.570.000,00 Britischen Pfund auf seinem Anlagekonto bei unserer Bank hinterlegt, und wie Sie wissen, wurde bei der Aktivierung des Kontos kein nдchster Verwandter erwahnt in der Lage zu kommen, um die Kaution zu verlangen.

Nein, ich weiß natürlich nichts über die Verwandtschaft irgendwelcher verstorbener Kunden. Woher auch? Ich bin doch nicht mit denen verwandt.

Übrigens befinden wir uns mittlerweile in den Zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts. Die erste Version von Unicode wurde vor beinahe dreißig Jahren spezifiziert. Und trotzdem haben Spammer aus russischen Trickbetrügerbanden immer noch Probleme, Umlaute so zu codieren, dass sie beim Empfänger auch wie Umlaute und nicht wie kyrillische Buchstaben aussehen. Das liegt daran, dass die Spammer die kyrillische Codepage als Encoding für ihre Spam angeben, statt einfach Unicode anzugeben und zu verwenden. Diese „Kleinigkeit“ gibt von zwei Dingen einen vortrefflichen Eindruck: Davon, wie alt die Skripten und Textfragmente sind, die immer noch für Spam und Betrügereien benutzt werden; und davon, wie wenig Mühe sich diese Spammer geben. Aber wenn sie sich Mühe geben wollten, könnten sie auch gleich arbeiten gehen. 🤫

Und außerdem sind den Betrügern die Dummen, die auf solche Spams reinfallen, die Mühe gar nicht wert. Ein Köder muss ja dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. 🎣

Angesichts des oben Gesagten und als sein Anlageverwalter seit Jahren weib ich, was erforderlich ist, um Sie als nachsten Angehorigen zu prдsentieren, der es uns ermoglicht, die Kaution zu beantragen. Aus diesem Grund frage ich Sie offiziell, ob Sie eine Partnerschaft eingehen mцchten mit mir diesen Einzahlungsanspruch zu erhalten, weil absolut niemand fьr diese Einzahlung kommt.

Ich kann persцnlich garantieren, dass dies schnell und risikofrei vonstatten geht, und ich bin bereit, mit Ihnen in diesen Bedingungen eine Partnerschaft einzugehen. 60/40, meine 60 und Sie erhalten 40 fьr Ihre Partnerschaft.

Einmal die übliche Geschichte. Ein Banker, der kein Geld für einen Dolmetscher hat, will sich mit einem völlig Unbekannten zusammen eine Erbschaft unterm Nagel reißen. Das ist völlig problemlos. Ganz dickes Spammerehrenwort. Das Vertrauen zu diesem völlig Unbekannten hat er, weil der völlig Unbekannte so eine schöne Mailadresse hat. Und natürlich ist die Frage, ob man Komplize bei einem Betrug werden möchte, voll „offiziell“. Die computergenerierte Übersetzung, die daran erinnert, wie mies Google Translate noch vor zehn Jahren war (es ist inzwischen deutlich besser), ist dabei immer wieder einmal unfreiwillig komisch. 🤡

Bitte melden Sie sich mit Ihrer Bestatigungsnachricht unter meiner privaten E-Mail-Adresse (wh.aut.phil1@gmx.com) bei mir. Geben Sie auch Ihren vollstдndigen Namen, Ihre Anschrift und Ihre direkten Telefonnummern an.

Oh, es gibt inzwischen indirekte Telefonnummern? ☎️

Bitte auf gar keinen Fall in der Mailsoftware auf „Antworten“ klicken, um die Spam zu beantworten, denn dann kommt sie nicht an. Die Frage, wozu der Hirnstummel von Spammer dann eine Antwortadresse in seinen Spams angibt, kann natürlich nur spekulativ beantwortet werden, aber ich gehe davon aus, dass dieser spammende Durchfalltrinker das Skript, das er verwendet, gar nicht versteht und auch gar keine Lust hat, es zu verstehen. Er hat nicht die geringste Ahnung von E-Mail oder von Programmierung, das hirnt alles viel zu sehr, er will einfach nur spammen und ein paar Idioten finden, denen er eine Vorleistung nach der anderen aus der Tasche quasseln kann, wenn sie erstmal an die Millionen aus dem Posteingang glauben. 💶

Und genau so sieht die „Qualität“ seiner offen intelligenzverachtenden und außerordentlich dummen Spam auch aus. 💩

Vielen Dank fьr Ihr Verstandnis und ich werde es sehr begruЯen, wenn dieser Inhalt dieser Transaktion vertraulich behandelt wird.

Danke für nichts, und diese unverschlüsselte und nicht digital signierte E-Mail, die offen wie eine Postkarte im Internet befördert wird und überall auf dem Weg gelesen oder verändert werden könnte, ist ein ganz geheimes Geheimgeheimnis, voll vertraulich, schweigt besser drüber! 🤐

Freundliche GrьЯe
Mr. Whyte Philip
wh.aut.phil1@gmx.com

Freundlich wie eine Ohrfeige
Der Vorschussbetrugsspammer
Nicht auf „Antworten“ klicken, um zu antworten! 😫

Die Abuse-Mail ist natürlich schon draußen. Ich bin guter Dinge, dass die Mailadresse stillgelegt wird. Über die 1&1 Mail & Media GmbH weiß ich zwar nicht viel Gutes zu sagen, aber die sind immer noch deutlich besser als Google, wenn es darum geht, keine Biotope für Kriminelle entstehen zu lassen.

Vermittlungsagentur Online 24 stellt neue Stellenausschreibungen vor.

Dienstag, 12. April 2016

Oh, einen tollen Namen hat diese „Vermittlungsagentur“. Ob sie wohl auch tolle Jobs hat?

Sehr geehrte/r Vorname Nachname,

Die mir vorliegende Spam¹ hat eine namentliche Ansprache mit korrektem Vornamen und Nachnamen. Das macht solche Spams ungleich gefährlicher als unpersönliche formulierte Standardware.

unsere Gesellschaft ist ein weltweit agierendes Finanzunternehmen […]

Wir kennen alle das „Finanzunternehmen“, das mit dem knüppeldummen Namen Online 24 firmiert, oder? Das ist ein ganz großes! :mrgreen:

[…] und wir suchen ab sofort motivierte und ehrliche Arbeitskollegen zur Stärkung unseres Teams in der EU.

Und dieses „Finanzunternehmen“ hat „Jobs“ zu vergeben, aber findet die Leute für diese „Jobs“ nur über illegale und asoziale Spam. Dabei handelt es sich…

Der Verdienst beträgt ca. 3700 € monatlich bei ca. 6 Stunden Arbeit pro Woche.

…um recht gut bezahlte „Jobs“, die darüber hinaus den Vorteil haben…

Der Mitarbeiter hat keine Ausgaben und muss keine besonderen Fähigkeiten mitbringen. Auch Berufstätige sind für diese Arbeit geeignet.

…dass man sie nebenbei machen kann und gar nichts dafür können muss. (Ich nehme mal vorweg: Man muss etwas haben, nämlich ein Konto und eine Meldeanschrift in der EU.) Und, was macht man da?

Ihre Aufgabe ist die Steueroptimierung.

Ach, es geht nur um so etwas Triviales wie das Steuerrecht, das kann ja wirklich jeder. :mrgreen:

Der Auftrag ist Eu-weit angeordnet und derzeit unbesetzt.

Ich dachte, es ist ein „Job“, aber jetzt ist es ein „Auftrag“. Und zwar ein unbesetzter, der auch schnell wieder unbesetzt sein wird, weil man für das, was man tut, ganz schnell „sitzt“:

Sie bekommen das Geld im Voraus, direkt auf Ihr Bankkonto überwiesen, und müssen für unsere Kunden Bitcoins erwerben, wofür Sie eine Provision von 20 Prozent pro Auftrag erhalten.

Denn man ist ein Konto. Ein teures Konto mit Transaktionsgebühren von zwanzig Prozent, das sich für Online 24 aber trotzdem zu lohnen scheint. Auf dieses Konto überweisen andere Leute Geld (aus betrügerischen Geschäften und dergleichen), davon kauft man dann Bitcoin und die übergibt man in einem technischen und anonymen Verfahren an die Verbrecher. Wenn die Kriminalpolizei bei ihrer ungleich anspruchsvolleren Arbeit, gewerbsmäßigen Betrug aufzuklären, dem Gelde folgt, wird sie ganz schnell an die Türe klopfen. Der Staatsanwalt nennt das, was man da machen soll, „Geldwäsche“, „Betrug“ und „Verstoß gegen das Kreditwesenkontrollgesetz“, und der Richter wird – wenn man nicht gerade geschäftsunfähig schwachsinnig ist – angesichts dieses „Jobs“ kaum von Arglosigkeit ausgehen, so dass die Vorstrafe eine sichere Wette ist. Und damit (und mit einer durchaus möglichen Haftstrafe) ist es nicht genug, denn danach kommt die zivilrechtliche Haftung für den angerichteten Schaden, die schnell zu sechsstelligen Kosten führen kann… denn die Leute von Online 24 brauchen ganz viel Geld für ihr hochpreisiges Bordell und für ihren verfeinerten Lebensstil.

Sie sollten Eigenverantwortung zu Ihren Stärken zählen und anfängliche Computer Kenntnisse besitzen. Unproblematischer Umgang mit Internet sowie telefonische Erreichbarkeit sollten für Sie auch kein Problem sein.

Tolle Fähigkeiten, die man dafür braucht: Man muss wissen, wie man den Computer anschaltet, wie man eine E-Mail empfängt, und man muss eine Telefonnummer haben.

Ihre Kurzbewerbung:

Falls Sie interessiert sind, wollen wir Sie kennenlernen, dazu mailen Sie uns Ihre Bewerbung an: anselm (punkt) rohrmus (punkt) Christenson (at) writeme (punkt) com

Bitte nicht an die Absenderadresse antworten. Die ist gefälscht.

Ihre persönlichen Daten behandeln wir natürlich vertraulich.

Ganz großes Spammerehrenwort von jemanden, der mit gefälschtem Absender mailt und der so viel Betrugsgeschäfte macht, dass es sich für ihn lohnt, naive Menschen als Geldwäscher zu beschäftigen. Der wird doch niemals mit Daten etwas Schlimmes anfangen. :mrgreen:

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Weiss Vermittlungsagentur

Und wie die sich freuen. Die Polizei ist ja nicht untätig und schnappt die Leute immer wieder weg. Wer darauf reinfällt und diesen „Job“ macht, hat aber deutlich weniger Grund, sich zu freuen.

Wer diese Spam empfangen hat, wer Interesse an diesem Job hat und mir nicht glaubt, was ich hier schreibe, weil ich nur so ein dahergelaufener Blogger bin – warum sollte man mir auch glauben? – gehe bitte vor einer eventuellen Bewerbung mit dieser Spam zur nächsten Polizeidienststelle und frage mal einen Polizeibeamten, was er von diesem „Job“ hält. Das kostet nichts und spart viel Ärger.

¹Diese durch die namentliche Ansprache recht gefährliche Spam ist ein Zustecksel meines Lesers S.W.