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Trojanische Tastatur-App auf HTC-Smartphones

Montag, 17. Juli 2017

Hier geht es nicht um eine Spam, sondern um einen Hinweis auf einen Golem-Artikel zu den neuesten Bemühungen der (leider) legal Reklametreibenden, die bestehende Allgegenwart der Werbung noch weiter auszubauen – wenn es auch ein bisschen halbseiden bis kriminell wird:

Android:
Tastatur des HTC 10 zeigt Werbung an

Gemeint ist hier die werksseitig vorinstallierte Tastatur-App eines Android-Handys, die personalisierte (also auf der Grundlage von Tracking und Überwachung ausgewählte) Reklame einblendet. Das sieht dann so aus (diesen Screenshot habe ich von Reddit mitgenommen):

Screenshot eines Handys mit der Keyboard-App, die Werbung einblendet

Meiner Meinung nach ist dieses Bild einer mit werkseitig installierter Schadsoftware – ja, eine Adware ist eine Schadsoftware – vergällten Systemanwendung für Smartphone-Kernfunktionalität ein treffliches Symbolbild für die ekelerregende Unkultur, die sich in den letzten Jahren zusammen mit den so genannten „Smartphones“ breitmachen konnte, ohne dass ihr ein nennenswerter Widerstand entgegengesetzt würde. Wer sich persönliche Computer andrehen lässt, auf denen werkseitig für den Benutzer uninstallierbare – oder genauer: nur unter Verlust der Gewährleistung für das Gerät und nur mit hohem Aufwand deinstallierbare – Trojaner installiert wurden, gehört zu den Menschen, an denen die menschliche Würde verschwendet ist.

Die Werbung wird natürlich in Abhängigkeit von Eingaben eingeblendet, die auf der Tastatur gemacht werden – es handelt sich hier also nicht nur um eine Adware, sondern um einen Keylogger, der jede Eingabe an einen anonym bleibenden Dritten sendet. Ich wünsche allen Nutzern viel Vergnügen dabei, mit einem derartigen Gerät Online-Banking zu betreiben oder irgendetwas zu bezahlen! Selbst, wenn die mutmaßlich mit HTC kooperierenden Werber mit ihrer Tastaturtrojaner-Idee niemals auf die Idee kommen sollten, die so eingesammelten Daten für kriminelle Zwecke zu missbrauchen oder an irgendwelche Dritte zu verkaufen, ist die Beschädigung der Privatsphäre durch Weitergabe sämtlicher Kommunikationsinhalte und Websuchen an eine Klitsche, die Geschäfte mit Schadsoftware macht, erheblich genug, um sich diese Unverschämtheit auf gar keinen Fall widerstandslos bieten zu lassen. Die Frage, ob nicht schon vor der sichtbaren Werbeeinblendung Tastatureingaben (also Passwörter, IM, Mail, Websuchen) überwacht wurden, lässt sich leider nicht klären, aber ich würde bis zum überzeugenden Beleg des Gegenteiles – und dieser besteht nicht in einer Presseerklärung – davon ausgehen.

Natürlich gibt es alternative Tastatur-Apps, die man sich schnell installieren kann. Aber wer nach einer derartig arschlochhaft vorangetriebenen Sauerei noch das geringste Vertrauen in eine offensichtlich mit Schadsoftware-Programmierern zusammenarbeitende Unternehmung wie HTC hat, zeigt damit nur, dass er nicht zu den Hellsten gehört. Meiner bescheidenen Meinung nach – ich bin wohlgemerkt kein Jurist – handelt es sich hier um einen dermaßen großen, jede Nutzung beeinträchtigenden Produktmangel, dass nur noch eine Reaktion angemessen ist: Die Rückgabe des mit uninstallierbarer Schadsoftware verseuchten Smartphones und die Rückforderung des Kaufpreises. Dieses selbstverständlich vorbehaltlich einer Strafanzeige wegen des Ausspähens von Daten und darauffolgender zivilrechtlicher Forderungen wegen eventuell angerichteter Schäden.

Denn mit Leuten und Unternehmungen, die mit so viel krimineller Energie zum Schaden ihrer eigenen Kunden beim Vorantreiben ihrer halbseidenen Geschäftsideen vorgehen, ist kein friedliches Miteinander mehr möglich. Hier sind sich illegale Spam, direkt von der organisierten Internetkriminalität (bullshitdeutsch: Cybercrime) abgeschaute Vorgehensweisen und leider legale Reklame ganz nahe gekommen, so dass eine Unterscheidung nicht mehr möglich ist. :(

Nachträge, 21:35 Uhr