Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Ohne Betreff

Samstag, 27. Juli 2019, 15:26 Uhr

Überraschungseier sind ja immer noch sehr beliebt, und deshalb scheinen manche Spammer zu glauben, dass Mails ohne Betreff so neugierig machen, dass sie sofort geöffnet und gelesen werden. 🐣

Von: Thomas James <niissp@ssp.pi.gov.br>
Antwort an: Thomas James <jtthomas007@yahoo.com>

Natürlich ist der Absender gefälscht. Es ist ja eine Spam. Jede weitere Kommunikation soll über eine kostenlos und anonym eingerichtete Mailadresse bei Yahoos Freemail-Angebot laufen – unverschlüsselt und offen wie mit Postkarten, versteht sich.

Liebste Geliebte,

Selten nur wurde mein Name so gut getroffen. 👏

Und nun legt ein angeblicher Portugiese mit dem äußerst portugiesisch klingenden Namen „Thomas James“ seine Geschichte zur Einleitung eines Vorschussbetruges dar. Ich mag diesen erschütternden Vortrag in bestem Spamdeutsch nicht unterbrechen und gebe lediglich Anmerkungen [in eckigen Klammern]. Die sinnlosen Absätze sind aus dem Original.

Ich bin Thomas James. Ein portugiesischer Staatsbürger. Ich habe mich im Internet umgesehen und Ihre E-Mail gesehen [Meine E-Mail ist aber auch eine hübsche! 😎]

echt, ich habe mit Speiseröhrenkrebs diagnostiziert worden. Es hat alle Formen der medizinischen Behandlung verunreinigt [sic!], und im Moment habe ich nur

Noch ein paar Monate. Ich bin sehr reich, war aber nie großzügig; Ich habe den größten Teil meines Vermögens meiner unmittelbaren Familie gegeben

Mitglieder[sic!].
Ich habe beschlossen, Almosen an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Ich kann das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst machen [Der arme Thomas ist so krank, dass er zwar noch spammen kann, aber keinen Scheck mehr unterschrieben kriegt]. Ich habe einmal gefragt

Mitglieder meiner Familie, die Wohltätigkeitsorganisationen etwas Geld geben wollten, lehnten es ab und behielten das Geld [So viel Zaster, aber nicht das Geld für einen zuverlässigen Treuhänder übrig!]. Ich habe eine riesige Kaution in bar

von sechs Millionen Dollar bei einer Sicherheitsfirma in Amerika [sic!]. Ich möchte, dass Sie mir helfen, diese Kaution einzuziehen und zu versenden [sic!]

Wohltätigkeitsorganisationen. Sie nehmen 20% dieser Mittel für Ihre Hilfe auf [Selbst das abzockerischste Bankhaus hätte da preisgünstigere Gebühren! Aber der Spammer war ja nie großzügig…].
Ich möchte Sie bitten, den Eingang dieser E-Mail so schnell wie möglich zu bestätigen und mit absoluter Vertraulichkeit und Sorgfalt zu behandeln

Aufrichtigkeit. [🤥]
Thomas James

Aha, der sterbende Thomas will mir also 1,2 Megadollar dafür geben, dass ich für ihn Geld abhole und ausgebe. Warum mir? Na, ist doch klar: Weil ich so eine schöne Mailadresse habe, die er im Internet gefunden hat. Deshalb nennt er mich auch „Liebste Geliebte“. Er ist sehr reich, der Thomas, aber einen Dolmetscher, der wirklich Deutsch kann, kann er sich nicht leisten. Stattdessen gibt er sein Geld lieber an irgendwelche Sicherheitsfirmen „in Amerika“, die offenbar Banknoten in Geldspeichern aufbewahren, damit es „bar“ bleibt. Auf der Bank hätte es ihm wenigstens ein bisschen Zins gebracht, statt nur Kosten zu verursachen.

Alles voller aufrichtigster Aufrichtigkeit! 🤦

Genau so aufrichtig wie der gefälschte Absender der Spam. 🤣

Ich glaube ja, dass auf diese hirnverdorrte Geschichte und diese schnell und ohne lästige gedankliche Tätigkeit hingerotzte Präsentation der ältesten Trickbetrugsmasche des Internetzeitalters niemand mehr reinfallen kann, auch nicht der Dümmste und erspare mir deshalb allzu tiefe Anmerkungen. Nur soviel: Es gibt weder Thomas noch die sechs Millionen. Wer darauf reinfällt, wird am Telefon weichgelabert, bis man das Hirnchen auslöffeln kann und dann dazu gebracht, eine Vorleistung nach der anderen zu bezahlen. Nicht mit Schecks, Kreditkarten, SEPA-Überweisungen, sondern völlig anonymisierend über Western Union und Konsorten.

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