Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Facebook & Instagram – das magische Duo fuer massiven Umsatzzuwachs

Dienstag, 20. Februar 2018, 14:54 Uhr

Spammer's Hall of Shame -- WELCOME -- FACEBOOK & INSTAGRAM -- DAS MAGISCHE DUO -- more money more profit

In die „Hall of Shame“ kommen nur die ganz Harten. Die, bei denen sich der mutige Einsatz von Technik und das Streben nach gestalterischer Exzellenz mit unfassbarer Hilflosigkeit in der Ausführung paart. Die, bei denen die Worte erst einmal Luft holen müssen, ehe sie das Gesehene beschreiben können. Wenn du hier landen willst, Spammer, denn musst du schon eine weite Strecke auf dem Weg zum Hirntod hinter dich gebracht haben…

Das muss die Pest des heutigen Tages sein! Es ist das erste Mal in den über zehn Jahren, die ich schon Unser täglich Spam mache, dass eine Spam so dermaßen mies, unterzeugend und lächerlich ist, dass sie mir binnen zehn Minuten gleich von mehreren Lesern „zugesteckt“ wird. :shock:

Von: [Namensteil wechselt]@sunrise.co.ua
Antwort an: info@das-magische-duo.com

Natürlich ist der Absender gefälscht. Es ist ja Spam. Und natürlich wird die Domain der Antwortadresse…

$ whois das-magische-duo.com | grep WHOIS
   Registrar WHOIS Server: whois.namecheap.com
$ whois -h whois.namecheap.com das-magische-duo.com | grep ^Registrant | sed 5q
Registrant Name: WhoisGuard Protected
Registrant Organization: WhoisGuard, Inc.
Registrant Street: P.O. Box 0823-03411 
Registrant City: Panama
Registrant State/Province: Panama
$ _

…über einen bei Phishern, Betrügern, Abzockcasinos, Reichwerdexperten, Roulettemeistern, Pimmelpillenapothekern, Datingfleischhändlern und sonstigen gemeingefährlichen Betrügern sehr beliebten Dienstleister aus dem sonnigen Panama völlig anonym betrieben. Es ist ja Spam. Und die ist illegal, da lässt man sich also lieber nicht erwischen. Das ganze schöne ergaunerte Geld nützt ja auch nichts, wenn man es nicht ins Bordell tragen kann, weil einem diese lästigen Gitter im Knast abhalten.

Nachdem man seine Anonymität gesichert hat, braucht man als angehender Spammer nur noch einen Köder. Der kann ruhig ein bisschen doof sein, er muss ja den naiven Menschen aus der Zielgruppe „leicht zu beeindruckende, unvorsichtige Zeitgenossen ohne angemessene Vorsicht bei der Lektüre ihrer E-Mail“ schmecken, und nicht dem Absender, der die Intelligenz seiner Mitmenschen offen verachtet. Und natürlich muss dieser Köder auch durch die üblichen Spamfilter hindruchkommen, so dass man in seiner Wortwahl ein bisschen eingeschränkt ist.

Diese Spam zum Beispiel enthält gar nicht erst einen Text. Es ist ein hochkünstliches Kunstwerk der höheren Spamkunst, bei dem ein paar KiB Text in eine große, „ansprechend“ gestaltete Grafik gefummelt wurden. Das ist zwar dumm, weil es blinde und körperbehinderte Leser ausschließt, aber die hält der Spammer für eine derartig klitzekleine Minderheit, dass er gern darauf verzichtet.

Natürlich ist es auch technisch unsinnig, Text in eine Grafik zu verpacken. Als E-Mail spezifiziert wurde, dachte noch niemand an den möglichen Versand von Binärdateien (wie etwa Bilder), so dass die E-Mail-Protokolle bis zum heutigen Text für Textdateien gedacht sind. Um ein Bild zu transportieren, muss es für den E-Mail-Versand Base64-codiert werden, was die übertragene (und im Regelfall auf dem Mailserver gespeicherte) Dateigröße um rd. 35 Prozent „aufbläht“. Das „Werk“ in der vorliegenden Spam hat zum Beispiel eine Dateigröße von 276,3 KiB, die durch das notwendige Encoding zu über 370 KiB sinnloser, spammiger Stopfmasse für das Mailpostfach aufgepustet wurden. Natürlich ist das dem Spammer egal, es geht ja nicht vom Datenvolumen seines Volumentarifes ab, sondern verursacht Kosten bei den Empfängern, die ja heutzutage relativ häufig ihre E-Mail auf dem Handy lesen. Und wo sinnlose Kosten sich mit dem Ärger über Spam kombinieren, da kann die Freude nur grenzenlos sein.

Freude? Ja, Freude. Freude über ein Kunstwerk, wie es der Genießer des Posteinganges nur selten zu Gesicht bekommt; Freude über sinnlosen Text und tollhausmäßige Ideen zur grafischen und textlichen Gestaltung des „Angebotes“, sich für nur noch 587 Euro ein Profil bei Facebook und Instagram einrichten zu lassen, wobei sicherlich eine vergleichbare „Könnerschaft“ an den Tag gelegt werden wird wie in dieser Spam. Natürlich gibt es noch eine Menge Geschenke dazu, die dem Spammer auch nichts kosten: Videos und Dokumente, die er sich irgendwo runtergeladen hat.

Nein, ich habe keine Lust, diesen ganzen, wegen seines engen Schriftschnittes wenig OCR-geeigneten Text von Hand abzutippen. Dieser Vollpfosten spammt ja nicht zum ersten Mal, und im März 2013 hat er noch eine HTML-formatierte Spam mit viel richtigen Text versendet. Seitdem hat sich nur wenig verändert, sogar der Mondpreis von nur noch 587 Euro für etwas an sich Kostenloses ist in den beinahe fünf Jahren identisch geblieben. Wer gern kommentierten Text lesen möchte, freue sich an der hier ebenfalls dokumentierten, älteren Version der gleichen Abzockmasche für Dumme und Naive.

Jetzt aber das „Neue“, nämlich die besondere grafische Könnerschaft in der heutigen Gestaltung (für eine Ansicht in Originalgröße das Bild einfach anklicken):

Das Bild aus der Spam

Es fällt schwer, hierzu etwas zu schreiben.

Soll man mit der Titelgrafik beginnen, die an das fabelhafte Las Vegas erinnern soll, als handele es sich nicht um einen sicheren Umsatzbringer, sondern um ein für den Teilnehmer chancenarmes Glücksspiel? Soll man darüber schreiben, wie man sich angesichts der schnell ausgewählten Symbolbilder beömmelt…

Detail aus der Spam

…bei denen irgendwelche fotogenen Grinsepüppchen in überhaupt nicht übertriebener Geste demonstrativ irgendwelche Dinge in der Hand halten, so dass man vor lauter Lachen beinahe den kleinen Verschreiber „Video Packet“ übersieht? Soll man sehen, wie der zu Recht völlig unbekannte „Künstler“, der für dieses Kunstwerk verantwortlich ist, an mehreren Stellen einen Rollbalken in der Grafik zeigt, so dass man an diesem Ergebnis sieht, dass er einfach ein vorliegendes, fertiges Dokument durchscrollte, mehrfach Screenshots des sichtbaren Fensterausschnittes machte und diese dann in einer Bildbearbeitung zusammensetzte? Soll man sich fragen, wie „sorgsam“ und „kompetent“ ein derartiger „Künstler“ der Extraspezialklasse wohl vorgehen wird, wenn er für nur noch 587 Euro eine Profilseite für eine Unternehmung gestaltet? Soll man darauf hinweisen, was für lustige Formulierungen mit diesen gestalterischen Ideengut eine aufregend-schmierige Einheit bilden…

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…bei der man nur das Bedürfnis bekommt, sie schnell wieder von den Augen abzuwischen. :shock:

Nein, ich schreibe dazu gar nichts weiter. Hirnrissig dargebrachte Abzock-Ideen widerlegt man immer noch am besten, wenn man sie in ihrem Vortrag einfach gewähren lässt. Die Hall of Shame für besonders schlechte Spam ist allerdings um ein beachtliches Exponat reicher geworden.

Danke an die vielen Leser, die mir in den letzten Stunden diesen Bullshit zugesteckt haben, denn ich blieb leider davon verschont…

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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