Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Mein lieber Freund,

Sonntag, 4. Dezember 2016, 16:12 Uhr

Oh, wie schön. Ein Betreff, der auf Komma endet. Man sieht doch immer wieder einmal etwas Neues, nur schön oder intelligent ist es meist nicht. Halbwegs normale Menschen sagen im Betreff grob, um was es überhaupt geht. Das können Spammer natürlich nicht machen, denn sonst kriegt ja fast jeder sofort Zuckungen im Löschfinger und sieht die tolle Spam gar nicht mehr. Und so entstehen derartige Betreffzeilen…

Mein lieber Freund,

…die dann noch einmal als Anrede in der Spam wiederholt werden, weil sie halt wiederholt werden. Einschließlich Komma.

„Lieber Freund“ wäre zwar ein unüblicher, aber durchaus hübscher Name. Allerdings ist es nicht meiner. Der Absender kennt mich nicht. Das macht aber nichts, denn dafür erzählt er wenigstens, wer er selbst sein will:

Ich moechte mich erstmals gerne vorstellen. Mein Name ist Herr Ortega Navas die persoenliche Investment Berater und Vermoegensverwalterin meines verstorbenen Mandanten, der ihre familienname tragt. Er war als privater Geschaeftsmann im internationalen Bereich taetig. Im Jahr 2008 starb mein Mandant an einen schweren Herzinfarkt. Mein Mandant war ledig und kinderlos.

Er ist ein Mann mit einem Namen, der Vermögensverwalterin ist und einen Kunden hatte, der zwar keinen in der Spam genannten Namen hat, aber dafür genau den gleichen Nachnamen wie ich, der ich „Lieber Freund“ genannt werde. Vermutlich hat der Kunde – nenne ich ihn mal, um einen allzu unpersönlichen Tonfall zu vermeiden, Mario Schwerdtfeger – einen Haufen Zaster gehabt, denn er brauchte ja einen Investment Berater mit Deppen Leer Zeichen und jemanden, der den ganzen Zaster für ihn verwaltet, weil er selbst mit der Aufgabe der Kontoführung völlig überfordert war. Die Frage, ob sich das Geld nur angesammelt hat, weil Mario aufs Heiraten und Kinderkriegen verzichtet hat, wird nicht beantwortet.

Und leider hatte Mario einen schweren Herzinfarkt und ist jetzt tot. Hätte es nicht ein mittelmäßiger Herzinfarkt sein können?

Er hinterliess ein Vermoegen im Wert von 10.500.000 (Zehn Millionen fuenfhunderttausend Euro), das sich in einer Bank in Spanien befindet. Die Bank liess mir zukommen, dass ich einen Erbberechtigen, Beguenstigten vorstellen muss.

Dafür, dass Mario so viel Zaster hatte und so wenig Frauen und Kinder, hat er allerdings einen bemerkenswert geringen Betrag zu vererben. Nur rd. 10 Megaeuro. Vermutlich hat er das ganze Geld für völlig inkompetente Investment Berater und Vermögensverwalter ausgegeben, wenn er schon auf Frau und Kinder verzichtete.

Nach mehreren Recherchen erhielt ich keine weiteren hilfreichen Informationen, über die Verwandten meines verstorbenen Mandanten. Aus diesem Grund schrieb ich Sie an, da Sie den gleichen Nachnamen haben. Ich benoetige Ihre Zustimmung und Ihre Kooperation um Sie als den Beguenstigten vorzustellen. Alle meine Bemuehungen Verwandte meines verstorbenen Mandanten zu finden, waren erfolglos. Infolgedessen wuerde ich vorschlagen das Vermoegen aufzuteilen, Sie erhalten 45% Prozent des Anteils und 45% Prozent wuerde mir dann zustehen. 10% Prozent werden an Gemeinnützige Organisationen gespendet.

Und einer dieser völlig inkompetenten Geldverbrenner will sich jetzt auch noch die Erbschaft dieses Restgeldes unterm Nagel reißen, indem er Elias Schwerdtfeger als einen erbberechtigten Verwandten von Mario Schwerdtfeger vorstellt. Angesichts der Tatsache, dass der, die oder das windige Herr Verwalterin Ortega Navas dafür alle möglichen Dokumente fälschen muss, um die Verwandtschaft nachzuweisen, fragt man sich unwillkürlich, warum dann der Nachname eines Komplizen in diesem Betrug unbedingt echt sein muss – ein richtiger Betrüger wüsste ganz sicher, wo man preiswert an ein falsches amtliches Ausweisdokument mit gewünschten Einträgen kommt; für so etwas gibt es in gewissen Winkeln des Internet regelrechte Marktplätze. Aber diese Frage stellt sich nur für jemanden mit Gehirn. Und jemand mit Gehirn ist nicht die Zielgruppe dieses Spammers, denn jemand mit Gehirn würde ja auch nicht nach und nach tausende bis zehntausende von Euro als „Vorleistung“ anonymisiert über Western Union durch die Welt senden, weil jemand aus der Anonymität in einer Spam mit Millionen winkt.

Diese „Vorleistungen“ werden übrigens von der kleinen Betrügerbande zur lokalen Wirtschaftsförderung verwendet, indem sie diese ins Bordell und zum Kokaindealer tragen. So ein Lebensstil ist ganz schön teuer.

Alle notwendigen Dokumente beinhalten sinngemaess auch das Ursprungszeugnis, um demnach Fragen von der zustaendigen Bank zu vermeiden. Die beantragten Dokumente, die Sie fuer das Verfahren benoetigen, sind legal und beglaubigt. Das Vermoegen enthaelt kein kriminellen Ursprung. Das Verfahren wird einwandfrei ohne Komplikationen erfolgen, die Geldueberweisung wird rechts gemaess abgeschlossen. Alles was ich von Ihnen benoetige ist Ihr Vertrauen und eine gute Zusammenarbeit.

Wofür der Idiot von Vorschussbetrüger ein Ursprungszeugnis brauchen will, um mit betrügerisch ergaunertem Erbschein Geld abzuheben, ist vermutlich das Geheimnis einer Übersetzungssoftware. Eine falsche Identität anzunehmen, um sich am Geld irgendwelcher Verstorbener zu bedienen, ist in der bizarren Kopfwelt der Texte dieses Spammers „legal“. Und auch sonst sind keine Probleme zu erwarten (werden aber trotzdem aufkommen, damit noch ein paar Tausender für Bestechungen benötigt werden, die als „Vorleistung“ zu bezahlen sind). Was kann da schon schiefgehen?!

Kontaktieren Sie mich bitte unter der privaten Fax: 00 34 917 692 xxx, oder meine private E-Mail info (at) navaschambers (punkt) es Die geplante Transaktion wird durch legale Rechtsmitteln fuer Ihren rechtlichen Schutz gefuehrt. Bitte senden Sie mir auch mit Ihrem direkten Telefonnummer fuer einfache Kommunikation

Bitte diese Mail nicht durch einen Klick auf Antworten beantworten, denn der Absender dieser Mail ist natürlich gefälscht. Das ist der ideale Einstieg in eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grussen
Dipl.finanzfachanwalt
Abogado Ortega Navas

Hui, und Anwalt ist der Spammer auch noch! Mit Diplom! :mrgreen:

Diese Spam aus dem täglichen Irrenhaus des Posteingangs ist ein Zustecksel meines Lesers B.G. – Danke!

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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