Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


RE: Arbeitsgesuch

Freitag, 20. Juli 2007, 12:17 Uhr

Die russische Phishing- und Geldwäsche-Mafia muss wirklich händeringend nach Deppen suchen, die sich um die gefährliche Arbeit bei der ganzen Wertschöpfung kümmern. Jetzt kriegt man schon eine „Antwort“ auf ein „Arbeitsgesuch“ von der Solar International Ltd. mit dem Betreff „Wir suchen Verstärkung für unser Team“, in der man aufgefordert wird, sich zu bewerben. Und das ganz, ohne da auch nur hingeschrieben zu haben. Na, dafür ist die Anrede aber auch erwartungsgemäß persönlich:

Sehr geehte Damen und Herren,

Klar, wenn man keinen Namen kennt, muss man eben unpersönlich und formell schreiben. Und natürlich ist der Absender der Mail wieder einmal gefälscht, worauf abschließend auch deutlich hingewiesen wird:

Diese Email wurde von einem unserer Email Roboter erstellt. Antworten Sie bitte nicht an folgende Email mit der Option „an Absender antworten“, senden Sie keine Emails an die Absenderadresse, da Ihre Email automatisch geloscht wird. Unsere Email ist weiter oben angegeben.

Klar doch, so etwas ist im geschäftlichen Verkehr völlig normal. Da gibt man eben keinen gültigen Absender an. Die gesamte Mail ist aber ansonsten recht hübsch formuliert und wenn es die russischen Spammer geschafft hätten, auch noch Umlaute zu verwenden, statt solche Fehler zu erzeugen…

  • Gro?handel
  • Qualitat
  • Verbesserungsproze?
  • Wertschatzung
  • verfugbaren
  • regelma?ig

…, denn könnte vielleicht sogar ein schlauerer Dummkopf darauf reinfallen. Der gesamte Text der Mail ist bereits bei wortfilter.de nachzulesen, weshalb ich hier auf die erosiv kommentierten Zitate einmal verzichte. Übrigens kommt die Mail als Multipart-Message in HTML und reinem Text an, und beim Text finden sich die Umlaute als HTML-Entitäten codiert, während sie im HTML-Teil verstümmelt wurden. Da hat wieder jemand das verwendete Spamskript nicht richtig verstanden. Gier macht eben blind und dumm.

Dabei wird hier – anders als in anderen plumpen Versuchen der Verbrecher – kein so genannter „Zahlungs-Manager“ gesucht, sondern diesmal ein so genannter „Mitarbeiter / -in in Teilzeit, Vertrieb Innendienst (First Level Support)“. Aber dennoch wirkt die Aufgabenbeschreibung für diesen Job sehr vertraut:

Ihre Aufgaben:
- Verwaltung und Weiterleitung der Kundengelder
- Weiterleitung von Privatkunden-Gelder an unsere Vertriebspartner
- Auftragsannahme

Klar, wer da mitarbeitet, soll auf seinem Konto Geld empfangen und es bar an seine Arbeitgeber aus der russischen Phishung- und Geldwäsche-Mafia weiterleiten. Und da bekommt man – wohlgemerkt: für einen Job, der mit einer asozialen und kriminellen Spam millionenfach angeboten wurde – denn ein Gehalt von bis zu 4000 Euro im Monat, ohne dass man irgendeine andere Qualifikation bräuchte als ein eigenes Bankkonto, einen Telefonanschluss, die Fähigkeit, eine Mail zu schreiben und den dümmlichen Willen, Geld abzuheben, um es bar an einen russischen Briefkasten weiterzuleiten, damit die großen Betrüger weiterhin anonym bleiben und der Strafverfolgung entgehen. Wer glaubt, dass es sich hier um eine legale Arbeit handeln könnte, dem ist nicht mehr zu helfen. Und wer glaubt, dass er sich hinterher vor Gericht, wenn er sich wegen seiner Beteiligung an einer Geldwäsche oder vielleicht sogar wegen einer Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten muss, mit seinem gewiss vortrefflich formulierten „Arbeitsvertrag“ rausreden kann, der hat sich geschnitten. Es wird teuer, weil das Geld an die Opfer der diversen Betrugsmaschen zurückgezahlt werden muss, und es kann auch schnell im Knast enden.

Also: Gar nicht erst darüber nachdenken, sondern ab in den virtuellen Orkus mit diesem Schrott.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

Ein Kommentar für RE: Arbeitsgesuch

  1. […] der so genannten “Solar International Ltd.” aus der Ukraine offenbar immer noch nicht die technischen Probleme in den Griff bekommen, aber dafür hat man jetzt einen hübschen Workaround gefunden: Man […]

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