Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Hinein geschneit bist du in mein Leben und ich wusste es konnte nur eine geben

Mittwoch, 2. Juli 2014

Schadsoftwarewarnung

Hui, da hat sich aber ein Spammer so richtig die Brust aufgerissen, um die Art von Kälte zu verbreiten, in der er gedeihen kann:

Hinein geschneit bist du in mein Leben und ich wusste es konnte nur eine geben, du nur du ganz allein bist mein wahrer Sonnenschein.

G. Theisen

Der Rest ist ein Anhang. Es handelt sich um ein ZIP-Archiv mit dem lyrischen Namen 9122.zip, in welchem ein einziges Dokument für Microsoft Word liegt. Diese Datei nicht öffnen, es handelt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um ein Dokument, das Schadsoftware in Form eines Makros enthält! Diese sehr aktuelle Schadsoftware wird zurzeit von keinem Antivirus-Programm erkannt. (Hier ein Screenshot der Ausgabe von VirusTotal zu Archivzwecken.)

Es lohnt sich übrigens auch nicht, dieses Dokument zu öffnen, denn es ist ausgesprochen inhaltsleer und befriedigt keine Neugierde. Ein schnelles file guignol579.doc im Terminal führt zu folgender Ausgabe¹:

guignol579.doc: Composite Document File V2 Document, Little Endian, Os: Windows, Version 6.1, Code page: 1251, Author: I|R1R3MDT;pj?MB5, Template: Normal.dotm, Last Saved By: I|R1R3MDT;pj?MB5, Revision Number: 1, Name of Creating Application: Microsoft Office Word, Total Editing Time: 04:00, Create Time/Date: Tue Jul 1 17:56:00 2014, Last Saved Time/Date: Tue Jul 1 18:00:00 2014, Number of Pages: 1, Number of Words: 0, Number of Characters: 0, Security: 0

Eine Seite, keine Wörter, keine Buchstaben. Erstellt in vier Minuten. Von einem Autor, der mal kurz in seinen Teller Buchstabensuppe geschaut hat, bevor er einen Namen für seine Word-Registrierung eingibt. Da hat ein Verbrecher nur ganz schnell das Makro mit dem aktuellen Schadcode ins neu geöffente Dokument kopiert und gespeichert. Warum sollte er sich auch noch Mühe geben, wenigstens den Anschein eines echten Dokumentes zu erwecken? Wenns geöffnet wurde, hat er doch schon gewonnen…

Schlangenölwarnung

Übrigens ist das bereits meine zweite Spam mit einem leeren Word-Dokument als Anhang, die erste habe ich vor zwei Wochen empfangen. Es scheint den Herstellern von Antivirus-Programmen nicht in den Sinn gekommen zu sein, eine einfache Regel der Marke „Ein ZIP-Archiv, in dem ein bearbeitetes, aber leeres Office-Dokument liegt, ist gefährlich“ zu formulieren. Warum sollten sie auch?! Sie haben ja auch jahrelang keine Regeln für die sehr primitiven Dateinamenstricks der Marke .pdf.exe formuliert, und das war viel einfacher. Oder anders gesagt: Den Herstellern von Antivirus-Schlangenöl scheint Computersicherheit egal zu sein. Der Rest ist Reklame ist Lüge, immer wieder wiederholt in einem riesigen medialen Apparat, der Reklamelügen auf jedem nur denkbaren Kanal wieder und wieder wiederholt, bis es auch der Letzte noch glaubt.

Antivirusprogramme sind Schlangenöl. Und wenn man sich darauf verlässt, dass sie funktionieren, sind sie ein sehr gefährliches Schlangenöl – zum Beispiel im Fall dieser Spam.

Wer sich vor der Kriminalität im Internet schützen will, holt sich kein Schlangenöl, sondern ein Betriebssystem, mit dem er sicherer unterwegs ist. Und. Wer sich vor der Kriminalität im Internet schützen will, lernt, Spam selbst zu erkennen – das Gehirn ist der beste Spamfilter überhaupt – und zu löschen und seine Internet-Software so restriktiv wie möglich zu konfigurieren.

²An sich bestimmt file nur den Typ einer Datei, aber zu typischen Datei- und Dokumentformaten werden oft weitere Angaben gemacht.

Grüße aus dem Ötztal

Mittwoch, 2. Juli 2014

Tja, Spammer, ist schon kacke, wenn man HTML-Entitäten im Betreff hat. Und dumm, wenn mans nicht einfach mal testet, bevor man sein Strunzskript auf ein wehrloses Internet loslässt. Du bist halt ein Idiot. Da hilft auch nicht mehr deine mit von irgendwelchen Webservern eingebetteten Grafiken verzierte, HTML-formatierte Mail, zumal die auch ein bisschen doof geraten ist.

01.07.2014

Stimmt, dieses Datum hatten wir gestern. Die E-Mail wurde allerdings heute, am 2. Juli um 11:37 Uhr versendet, was ja auch jedes Mailprogramm so anzeigt. Ich möchte beinahe denken, diese sichtbare Verzögerung kommt daher, dass der Absender gerade keine passende E-Mail-Briefmarke zur Hand hatte und erstmal eine erwerben musste. :mrgreen:

Anzahlungsbestätigung

Tja, für eine Betreffzeile hätte sich ja eigentlich der Betreff der E-Mail geeignet, statt da irgendwelche Grüße aus dem Ötztal falsch kodiert reinzuschreiben.

Sehr geehrte, […]

Bwahahaha! 😀

[…] gerne bestätigen wir den Erhalt der Anzahlung in der

Höhe von 300,00 ˆ

für Ihren Aufenthalt vom ( Anreise ) 02.08.2014 bis (Abreise) 06.08.2014.

Aha, der Euro ist kaputt, und statt „€“ schreiben wir jetzt einen accent circonflex ohne Buchstaben drunter – da glaubt man doch sofort, eine geschäftliche Mail zu lesen! Nun ja, in der französischen Sprache dient die Auszeichnung eines Vokals mit dem „Dächchen“ häufig zur Kennzeichung eines weggefallenen „s“, und in dieser Spam kennzeichnet sie das wegen Dachschadens weggefallene Hirn des Spammers.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen gute Anreise.

Mit freundlichen Grüßen

Astrid

Und wer immer noch nicht gemerkt hat, dass es sich hier um die mies gemachte Spam eines kriminellen Halbaffen handelt und sich fragt, was das alles soll, der findet irgendwann auch den Anhang. Der ist – natürlich – ein ZIP-Archiv, in dem eine einzige Datei liegt, deren Dateiname auf .pdf.exe endet. Wie üblich handelt es sich um aktuelle Schadsoftware, die von etlichen Antivirus-Schlangenölen noch nicht als Schadsoftware erkannt wird. Wer das ZIP entpackt und unter Microsoft Windows einen Doppelklick auf die Datei macht, hat also hinterher einen Computer anderer Leute auf dem Schreibtisch stehen – und diesen Leuten sollte man etwas anderes geben, Handschellen zum Beispiel. Zum Glück ist diese Spam so schlecht, dass wohl kaum jemand darauf reinfallen wird…

Telearbeit mit einer freien Zeitplan

Sonntag, 29. Juni 2014

Oh, in Spam-Qualitätsdeutsch. Da freue ich mich schon drauf…

Den gleichen Müll gibt es auch mit anderen Betreffzeilen, zum Beispiel „Starten Sie Ihre Karriere mit unserem Unternehmen!“ oder „Kundenberater“. Der Text ist – bis auf die verwendete Adresse zum Beantworten – identisch.

Wir begrüssen Sie und möchten ihnen die Zusammenarbeit mit unserem Team anzubieten und erzählen über unsere Arbeitsbedingungen.

Ich kenne zwar nicht einmal deinen Namen, aber ich begrüße dich. Mit doppeltem „s“, weil dieser „ß“-Kringel immer so schwierig ist. Dass es eine HTML-Entität ß gibt, die ich in meiner HTML-formatierten Spam verwenden könnte, habe ich noch nicht gelernt. Stattdessen will ich dir viele Lügen darüber erzählen, wie das so ist, wenn du für mich arbeitest. Zum Beispiel…

Erstens sollen Sie keine Beitrage einrichten um bei uns zu arbeiten.

…brauchst du mir gar kein Geld zu geben, um für mich zu arbeiten.

Aber mehr habe ich über meine Arbeitsbedingungsen auch nicht zu sagen. :mrgreen:

Das ist eine gute Gelegenheit für die Rentner, Frauen im Schwangerschaftsurlaub, oder für diejenigen, die von den Stressen, der Hektik und der Konkurrenz loskommen möchten, oder für diejenigen, die eine Möglichkeit suchen, Teilzeit zu arbeiten und zusätzliches Geld zu verdienen.
Sie können ihre Arbeitszeit von 2 bis 8 Uhr variieren.

Ansonsten nehme ich jeden. Was du tun sollst, sage ich dir erstmal nicht, weil sonst bei jedem Menschen mit etwas Resthirn im Kopfe alle Alarmglocken angehen. Wer hat schon Lust, sich wegen meiner kriminellen Geschäfte vor Gericht verantworten zu müssen und hinterher zivilrechtlich zu haften?! Siehste.

Falls du noch Zweifel daran hattest: Meine Zeitangabe, die klingt, als solltest du in der Nacht arbeiten, macht vollständig klar, dass ich überhaupt kein Deutsch kann und mich völlig auf automatische Übersetzungen verlasse. Alles, was ich brauche, ist eine Anschrift und ein Konto in Deutschland, und genau das ist dein Job.

Ihr Gehalt beträgt 3000 Euro und Bonus.( Es hängt von den Arbeitsstunden ab)

Den Bonus kannst du dann dafür verwenden, dir bei meinem anderen Geschäftsauftritt die „Bonuspillen“ zukommen zu lassen. :mrgreen:

Wir arbeiten von Montag bis Freitag von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

Und ich Dummerchen dachte schon, du arbeitest von 02:00 bis 08:00 Uhr. So wie einer, der vom Arbeiten nur noch träumt, weil er in Wirklichkeit von mies gemachter Spam und Betrug lebt.

Für weitere Information schreiben Sie bitte uns per E-MAil:
Moreabout (at) jobscout24de (punkt) com

Der Absender dieser Mail ist gefälscht. Bitte auf gar keinen Fall die Mail durch einen Klick auf die Schaltfläche „Antworten“ beantworten! Die schwierige Kunst, wie man einen mailto:-Link in eine HTML-formatierte Mail reinfummelt, hat mir noch kein dahergelaufener Achtjähriger beigebracht, deshalb musst du das über die Zwischenablage machen. Und diese schwere magische Kunst, einen Reply-to-Header in meine Drecksspam zu setzen, überfordert mein technisches Verständnis vollends. Dafür müsste ich ja das Spamskript verstehen, das ich benutze. Wenn ich mir Mühe geben und was lernen wollte, könnte ich ja gleich arbeiten gehen…

Ohne Gruß und verachtungsvoll
Dein Jobangebots-Spammer

Die Domain jobscout24de (punkt) com hat natürlich nichts mit einem Unternehmen ähnlichen Namens zu tun. Sie wurde erst vor einer Woche eingerichtet. Jeder kann sich lustige Domains registrieren, die teilweise Firmierungen oder Marken Anderer entsprechen, zum Beispiel google (strich) holidays (punkt) com. (Die ist in diesem Moment noch frei.) Natürlich bekommt man es dabei sehr schnell mit der Rechtsabteilung der jeweiligen Anderen zu tun. Einem Spammer, der das eh alles mit missbrauchten Identitäten macht und über Konten anderer Leute bezahlt – so einem sendet man doch gleich noch ein bisschen lieber eine „Bewerbung“ und eine Bankverbindung zu – sind derartige „Kleinigkeiten“ freilich gleichgültig. Die fiesen Anwaltsbriefe kommen ja zu jemanden anders in den Briefkasten…

Verdienen Sie Geld Sei glücklich

Samstag, 28. Juni 2014

Ein fröhlicher Spambetreff zwischen siezen und duzen, der mir schon beim Überflug die gewohnte Qualität des Textes verspricht, und in der Tat…

Es ist an der Reihe zu spielen. Willst du den Preis? Go here

…zieht der Spammer in seinem Kürzsttext alle Register der Sprache, um seine unfreiwilligen Leser zu einem Klick in sein Meisterwerk zu motivieren.

Schade nur, dass das dabei hervorgebrachte technische „Meisterwerk“ – eine Kaskade diverser JavaScript-, Flash- und Java-Versuche, einen Rechner zu übernehmen – bei einem vernünftig gesicherten¹ Browser gar nicht lauffähig ist. Aber da hat sich der Spammer wohl gesagt: Wer sich von irgendwelchen ominösen Gewinnmöglichkeiten zum Klick in eine Spam verleiten lässt, der weiß auch nichts von Browsersicherheit.

Und es steht zu befürchten, dass er damit recht hat.

¹Eine „vernünftige Sicherung“ besteht nicht aus Antivirus-Schlangenöl, das bei jeder halbwegs aktuellen Schadsoftware versagt, sondern aus dem Unterdrücken der Ausführung von JavaScript und einem funktionierenden Adblocker.

Dein Foto mit Sofia

Freitag, 27. Juni 2014

Die gleiche Spam gibt es im Moment auch mit einer Menge anderer Frauennamen, eine Auflistung würde hier nur erschöpfen.

Hallo,

Genau das ist mein Name!

Dein Foto mit Sofia ist jetzt online.

Aber ich kenne gar keine Sofia, und Fotos von mir gibt es (fast) nicht.

Sehe [sic!] es Dir hier an:

http://www.bild-mitdir.com/c983df9d786fc7774352276677a2b0db/

Der Klick führt nicht etwa auf ein Foto, sondern auf eine betrügerische Dating-Site, die sich im „Web of Trust“ inzwischen auch eine angemessene Reputation abgeholt hat. Leider kann ich aus Jugendschutzgründen keinen Screenshot der Seite bringen, weil vor lauter geschwarzbalkten Nippeln nicht mehr viel übrig bliebe. Das Wichtigste an dieser betrügerischen Website ist freilich die Möglichkeit, sich GRATIS anzumelden und sich KOSTENLOS anzumelden…

Detail der betrügerischen Dating-Website mit Anmeldemöglichkeit

…um dann gar nicht mehr so GRATIS und KOSTENLOS die mutmaßlich mechanisch generierten „Nachrichten“ zu lesen. Der zusätzliche Datenstriptease vor kriminellen Spammer, der mit gut durchblutetem Schwellkörper und Blutmangel im Gehirne durchgeführt werden soll, ist für diese Verbrecher viel wert.

Viele Grüße,
Dein Fototeam

Geht sterben mit eurer Dating-Abzocke!

Let me introduce myself

Dienstag, 24. Juni 2014

Hello, my name is Leopoldo Wagner, M. D., and I‘m your new family physician.

Wenn ein Spammer mein Arzt ist, wird der Tod zur Kur.

I want to recommend you online pharmacy with great amount of medicine and 70% discount.

Denn das einzige, was ein Canadian-Pharmacy-Spammer will, ist: Mir Pillen andrehen, die wesentlich billiger als irgendwo anders sind. Trotzdem macht der damit Reibach. Was könnte es wohl sein, was dieser Halunke bei den Pillen weglässt? :mrgreen:

I haven’t believed till I checked it by myself. I‘m sending you my vCard, so you are able to find more info about me as well as link of mentioned pharmacy.

Das ist die Innovation dieser Spam. Es steht kein Link mehr drin, sondern stattdessen hängt eine VCard dran. Die enthält hier allerdings nicht nur Name, Mailadresse und eine bemerkenswerte dienstliche Anschrift…

Screenshot der Darstellung dieser VCard im Mozilla Thunderbird

…sondern auch die URL, unter der dieser „Arzt“ aus New York, USA seine Praxis eröffnet hat, in der TLD Russlands, versteht sich.

Immer wieder lustig, was sich Spammer ausdenken, um sich an die Spamfilter vorbeizumogeln. Allerdings ist kaum zu erwarten, dass diese Masche zu einem großen Erfolg führt, denn VCards werden zwar immer noch – im Gegensatz etwa zu wirksamer Ende-zu-Ende-Kryptografie – von jedem Mailclient direkt unterstützt, sind aber im Alltag so gut wie tot. Ich habe über ein Jahr lang keine mehr gesehen. (Obwohl sie ganz nützlich sind…) Sehr viele Empfänger dieses Sondermülls werden gar nichts damit anzufangen wissen.

Besser spät als nie

Dienstag, 24. Juni 2014

Am 20. Februar des vorigen Jahres, also vor 489 Tagen, ist mir das erste Mal eine angebliche Rechnung der Telekom Deutschland GmbH in den Spameingang geflossen, die sehr trügerisch aussah und mit einem Schadsoftware-Anhang kam.

Von daher begrüße ich es, dass die Telekom Deutschland GmbH auf ihrer T-Online-Seite ihre Kunden einmal mehr über diese Spams aufklärt und sie darauf hinweist, an welchen Merkmalen jeder erkennen kann, ob es sich um eine Spam handelt oder nicht. Das von der Telekom zum Schutz empfohlene „aktuelle Virenschutz-Programm“ hilft bei den per Spam zugestellten, im Regelfall sehr frischen Trojanern allerdings so gut wie gar nicht, wie ich hier mehrfach unter dem Schlagwort „Schadsoftware“ aufgezeigt habe (darunter auch ein ganz übles Beispiel) – um so wichtiger ist es, dass Kunden dazu befähigt werden, derartige Spams mit ihrem Hirn zu erkennen und zu löschen.

Ich wünsche der Telekom Deutschland GmbH gutes Gelingen bei der Aufklärung der eigenen Kunden¹! Wer Probleme hat, kriminelle Spams zu erkennen oder generell Angst vor den Betrügern hat, sollte sich das von der Telekom zur Verfügung gestellt kurze Dokument ausdrucken und öfter mal vorm Klicken einen Blick drauf werfen… vor allem, wenns um Geld geht oder wenn irgendwelche Dokumente in irgendwelchen Mailanhängen geöffnet werden sollen oder wenn irgendwelche Links geklickt werden sollen.

¹Und das war es auch schon mit guten Wünschen von mir an dieses Unternehmen…

@KarenJDillard

Montag, 23. Juni 2014

Der, die oder das¹ Twitter-Nutzer @KarenJDillard hat es ja gar nicht so mit dem Twittern. Er, sie oder es ist erst seit gut sieben Stunden dabei und hat in dieser Zeit nur ein einziges Fiepserchen von sich gegeben…

Profil-Seite des Twitter-Spammers @KarenJDillard

…das zudem auch noch ein ganz besonders tolles Hallo ist:

PayPal Money Adder 2014 Free Download (Direct Link): -- Der Link ist über den URL-Kürzer j.mp maskiert

Als Betrachter dieser tollen und vor allem unglaublich sozialen Äußerung von dem, der oder das Twitter-Nutzer habe ich zwei Dinge gelernt:

  1. Es gibt einen freien Download von einem nicht näher erklärtem Etwas, dessen Name „PayPal Money Adder“ behauptet, dass es Geld auf PayPal hinzufügt. (Fragt sich nur, auf wessen Konto…)
  2. Die Verwendung eines URL-Kürzers heißt jetzt „direkter Link“.

Auch ansonsten mag der, die oder das Twitter-Nutzer das „soziale“ an social media nicht so wirklich…

Detail des Profils des Twitter-Spammers @KarenJDillard: 1 Tweet, 1 Follower

…er, sie oder es folgt niemanden und hat es durch den bisherigen Auftritt zu genau einem Follower gebracht. Dieser eine Twitter-Nutzer – übrigens völlig Spam-unverdächtig – hat damit klar dokumentiert, dass er im Zweifelsfall jedem folgt, hauptsache die Zahlen im Profil sehen schön groß aus.

Wie bin ich aber auf @KarenJDillard aufmerksam geworden? Der, die oder das WohltäterIn könnte doch beliebig mit dem einen Tweet in der Bedeutungslosigkeit dümpeln, ohne mir jemals übern Weg zu laufen. Nun, @KarenJDillard hat eine tolle Idee gehabt, wie man ein bisschen auf sich aufmerksam machen kann und Klickvieh für den tollen Link auf einen obskuren und mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr ungesunden Download heranholt. Das macht @KarenJDillard nicht etwa, indem sie wie die früheren antisocial jerks in social media automatisiert folgt oder Direktnachrichten versendet – nein, das ist keine gute Strategie mehr und führt zu schnell zu Spammeldungen und anschließend dazu, dass Twitter den Account zumacht. Und so etwas ist ja eher kontraproduktiv, wenn man Leute betrügen will oder ihnen eine aktuelle Kollektion von Schadsoftware auf dem Computer installieren will.

Und deshalb geht @KarenJDillard ein bisschen anders vor. Er, sie oder es folgt nicht, sondern legt Listen an, denen er, sie oder es jede Menge Leute völlig wahllos hinzufügt. Zwei Listen sind es schon geworden…

Detail des Profils des Twitter-Spammers @KarenJDillard mit den beiden Listen namens 'paypal money'

Das Profilfoto, das vom Twitter-Spammer @KarenJDillard verwendet wird…und denen wurden in den letzten gut sieben Stunden stolze 3671 Leute hinzugefügt. Diese Listen haben zwar keinen besonders einfallsreichen Namen, aber dafür ist es auch beide Male der gleiche Name geworden: „paypal money“. Wer da hinzugefügt wird, sieht eine entsprechende Meldung in seinen Mitteilungen, nebst Link auf das tolle Twitter-Profil von @KarenJDillard und einer kleineren Version des tollen Fotos aus dem Profil, das von der, dem oder das Spammer gewiss nicht ausgewählt wurde, weil er, sie oder es zeigen wollte, dass er, sie oder es zu doof ist, es sich bequem zu machen, um ein Handy zu bedienen, sondern eher, weil da zur lasziven Haltung eine flutsche Titte im Begriffe ist, sich an die frische Luft zu befördern. Da es so gut wie sicher ist, dass dieses Bild von irgendwo aus dem Netz mitgenommen wurde, habe ich mal das Gesicht verpixelt. Oder glaubt jemand, das Spammer ausgerechnet für ein Foto den Schutz derjenigen Anonymität aufgeben würden, die sie vor dem Zugriff der Kriminalpolizei bewahren? Wo das Web voller geeigneter Bilder ist?

Mein Dank geht an bitly, die den j.mp-Link ganz schnell mit einer deutlichen Warnmeldung nebst Verweis auf Stop Badware unbrauchbar gemacht haben. Ursprünglich ging der Link in eine Facebook-Seite, aber Facebook hat den spammigen Account ebenfalls sehr schnell entfernt. Auch dafür einen herzlichen Dank von mir. Wenn das alles so gut läuft, kann die Spamschleuder ja ruhig noch ein bisschen bei Twitter bleiben, weil noch niemand so richtig skeptisch wird, wenn die Spam übers Hinzufügen zu einer Liste läuft. In der kurzen Zeit, in der ich diesen Text verfasst habe, ist die zweite Liste „paypal money“ übrigens von 968 Mitgliedern auf 1216 angewachsen. Es wäre wirklich hilfreich, wenn sich die Twitter-Nutzer mal weniger darauf konzentrieren würden, in konzertierten Aktionen die Spammeldefunktion dazu zu verwenden, unerwünschte Menschen und Meinungen wegzubeißen, und sie stattdessen für ihren eigentlichen Zweck verwendeten: Spammer zu melden, damit dieser von niemanden vermisste Twitter-Müll schnell wieder verschwindet und gar nicht erst ein gutes „Biotop“ für derartige Fäkalmaden entsteht.

¹Ein Mensch ist das vielleicht im biologischen Sinne, aber in keinem höheren Sinn des Wortes.