Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Mittteilung Ihrer Sparkasse

Sonntag, 13. März 2022, 16:31 Uhr

Abt.: Geschlechtergerechtes Phishing 🎣️

Sehr geehrte*r Kunde*in,

Durch die neuen Änderungen des Bundes sind wir die Finanzdienstleister dazu aufgefordert worden in regelmäßigen Abständen Daten unserer Sparkassen-Kunden zu verifizieren.

Wir als Ihr Bankinstitut haben die Aufforderungen umgesetzt.

Mit dem Verfahren können unsere Kunden Ihre Daten für die Verifizierung ganz schnell abschließen.

Anschließend werden die von Ihnen übermittelten Daten an einen unserer Mitarbeiter der IT-Abteilung überreicht und genehmigt.

Die SAuthentifikation muss bis zum 31.03.2022 abgeschlossen werden. Wir bitten Sie daher diese Legitimation in geraumer Zeit zu beenden. Andernfalls werden elementare Funktionen Ihres Onilne-Bankings vorübergehend eingeschränkt.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit.

Ihr Ansprechpartner:

Unser 24h Service ist taglich für Sie da.

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Zur Bestätigung

Natürlich kommt diese Spam nicht von der Spamkasse, sondern ist eine Spam. Sie ist auch nicht weiter bemerkenswert und leicht erkennbar, weil sie den gleichen Bullshit enthält wie jede andere Phishing-Spam: Weder wird der Kunde namentlich angsprochen, noch wird klargemacht, auf welches Konto mit welcher Kontonummer sich diese Mail bezieht. Es ist also selbst für trübere Geister völlig offensichtlich, dass es sich um die Massenware eines Betrügers handelt. 💩️

Weshalb ich diese Spam erwähnenswert finde, ist die Anredeform „Sehr geehrte*r Kunde*in“. Es ist das erste Mal, dass ich eine Spam habe, deren Anredeform gegendert ist. Es ist schon ein bisschen erstaunlich, dass mir diese akademische First World Problem Solution höherer Töchter in einer Spam begegnet, aber ich vermute mal, dass dieser Spammer glaubt, dass er offizieller klinge, wenn er geschlechtertrennende Sprache¹ verwendet. 🤭️

Denn in persönlicher Kommunikation hat sich diese unschöne Form² nicht durchgesetzt. Sie taucht beinahe nur im Kunstdeutsch behördlicher Schriftstücke, in geisteswissenschaftlich-akademischen Übungen und Arbeiten, in denen sie oft erzwungen wird sowie in der Kommunikation jener Unternehmen auf, die nicht unbedingt Kund*innen haben wollen. 😲️

Und neuerdings auch in Spam. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. 😁️

Wenn das Schule macht, wird es demnächst zu einer gängigen Filterregel, um die Spam auf dem Mailserver auszusortieren. Ein großer Sieg für die geschlechtertrennende Sprache! 🏆️

¹Das Attribut „geschlechtertrennend“ für eine Schreibkonvention, die trennende Zeichen vor grammatischen Genusendungen setzt, erscheint mir allemal passender als das Attribut „geschlechtergerecht“.

²Liebe Mitlesys, die ihr meint, dass ich zu negativ klinge: Hin und wieder gendere ich auch, indem ich das neutrale Genus und die Endung -y verwende. Das hat den großen Vorteil, ohne Stimmritzenverschlusslaute sprechbar zu sein, nicht wie ein Fremdkörper im Schriftbild auszusehen und nicht den Eindruck völliger Verkrampftheit zu machen. Ich empfehle das auch euch zur Nachahmung, wenn ihr wenigstens so wirken wollt, als hättet ihr Heiterkeit und Sprachgefühl. Bei mir hat sich bis jetzt noch niemandy darüber beschwert.

Ein Kommentar für Mittteilung Ihrer Sparkasse

  1. Herr B. sagt:

    Die Verhunzung der deutschen Sprache wird dabei besonders deutlich durch den Umstand, dass einige Menschinnen sich tatsächlich darüber aufregen, dass durch die Männlein-und-Weiblein-Variante einige Personinnen ausgeschlossen werden, nämlich die „Non-Binären“, also die Weder-Noch, die Sowohl-als-Auch oder die Ich-Weiß-noch-nicht. Das ist das Gegenteil von Inklusion.

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