Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


@AtcharaArad, der Followerexperte

Samstag, 23. Juni 2018, 19:23 Uhr

Spammer's Hall of Shame

In die „Hall of Shame“ kommen nur die ganz Harten. Die mit dem Zwitscherdurchfall. Die, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder kotzen soll. Die richtigen Spezialexperten an der Social-Media-Front, die bei ihrem Geldmachwillen keine Gefangenen nehmen. Wenn du hier landen willst, Spammer, denn musst du dir schon Mühe bei deiner Müllproduktion geben…

Der Twitternutzer mit dem Handle @AtcharaArad hat eine ganz besondere Form der spammigen Twitternutzung. Er folgt nicht einfach irgendwelchen Leuten und hofft darauf, dass diese halbmechanisch zurückfolgen. Er wendet sich stattdessen an Menschen, die bestimmten Hashtags folgen, indem er zufällig ausgewählte Hashtags – Musikgenres, größere Städte, Ereignisse, Sportarten etc. – völlig kontextlos an seine tollen Spamfiepser anhängt, damit diese etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, als sie ohne diese trickreiche Idee bekämen… das wäre nämlich gar keine Aufmerksamkeit. Und es wäre doch wirklich nicht gut für sein Geschäft, wenn sie gar keine Aufmerksamkeit bekämen. Und deshalb werden eben Hashtags vollgespammt. Auch, wenn es sich dabei um eine Vorgehensweise handelt, bei der Darmwinde vergleichsweise intelligent wirken.

Mir ist dieser intellektuell völlig unbewaffnete Social-Media-Nutzer, der selbst für Hartz IV noch unterqualifiziert wäre, heute begegnet, als ich einen kurzen Blick in das Hashtag #Hannover warf, um einen schnellen Eindruck davon zu bekommen, was gerade so in der unterschätzten Stadt los ist. Sehr viele Twitter-Nutzer werden das gelegentlich machen. Dabei rollte auch der folgende Kommunikationsversuch von @AtcharaArad an mir vorbei:

Tweet von @AtcharaArad, 23. Juni 2018, 13:51 Uhr: 99 Ways To Get More FREE Twitter Followers | #house #hannover #like4like #oof #work http://bit.ly/2MijTPu

„Seltsam“, dachte ich mir, „ich habe noch nie dafür bezahlt, dass mir jemand auf Twitter folgt“. Natürlich sind Follower kostenlos. Außer bei denen, die sich Follower kaufen, um in ihrem Profil mit großen Zahlen einen Eindruck der Wichtigkeit zu erwecken und die sich mutmaßlich auch bei der Masturbation selbst einen Orgasmus vorspielen, aber das sind beinahe nur Journalisten, Politiker, Werber, Hochstapler und vergleichbares Geschmeiß. Unter richtigen Menschen geht es eben so, dass man sich entweder irgendwie interessant findet oder eben nicht.

Nachdem ich das gesehen habe, wollte ich wissen, was da so mit offener Spammethodik in meine Aufmerksamkeit gedrückt werden sollte:

$ lynx -mime_header http://bit.ly/2MijTPu | grep ^Location
Location: http://sellmesomething.co.uk/99-ways-to-get-more-free-twitter-followers/
$ _

Hmm… sell me something… es gibt doch tatsächlich Domains, die jedes Interesse im Keim ersticken können. Kein Wunder, dass diese Matschbirne da lieber mit einem URL-Kürzer verbirgt, wo es hingeht. Die schnell aufgeblasene Seite sieht so aus – und ja, das Bild mit dem Buchtitel ist wirklich so unscharf und artefaktreich, wie es im Screenshot aussieht:

Screenshot der durch Twitter-Spam verlinkten Website

Der Link geht zu Amazon, natürlich mit einer Affiliate-ID, damit der Spammer an jedem so angeleierten Buchkauf verdient. Denn davon und von vergleichbaren Spamgeschäften scheint er leben zu wollen.

Da stellt sich ja nur noch eine einzige Frage: Ob sich diese Lallbacke von Spammer wohl selbst das Buch gekauft hat, um daraus zu lernen, wie man sich rasendschnell eine kostenlose Armee von Twitter-Followern holt, schön aus der richtigen Zielgruppe und natürlich auch relevant, ohne einen Penny dafür auszugeben? Gleich mal einen Blick ins Profil werfen:

@AtcharaArad -- Tweets: 3246, Folge ich: 3, Follower: 7

:oops: Ohne weitere Worte. :mrgreen:

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

Ein Kommentar für @AtcharaArad, der Followerexperte

  1. Windfisch sagt:

    Hannover = unterschätzte Stadt, wie Recht du doch hast. Ich bin zwar selbst nicht so oft bei euch „unten“, aber die Stadt hat doch einiges zu bieten, wenn man nur weiß, was und wo.

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