Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Was das Problem mit den trojanischen Apps für „smart phones“ ist?

Donnerstag, 25. Oktober 2012, 19:12 Uhr

Dass viele über die App-Stores vertriebene und teils recht beliebte Smart-Phone-Apps in Wirklichkeit Schadsoftware sind, war mir schon einmal einen sehr ausführlichen Text wert. Natürlich hat mein Text in einem unbeachteten Nischenblog nichts an den Zuständen geändert, und die Menschen installieren sich weiterhin mit einer Haltung quicker Orwellness und vollkommener Gedankenlosigkeit die angebotenen Trojaner auf ihre persönlichen Taschencomputer.

Nun, das kann Folgen haben. Zum Beispiel ist es zurzeit möglich, für fünf US-Dollar eine Liste von einer Million Facebook-Accounts in einem bequem automatisierbar zu verarbeitenden Format zu erwerben, immer schön mit Mailadresse und der Internetadresse des Facebook-Profiles dazu. In sehr vielen Fällen lassen sich dem Facebook-Profil weitere Daten entnehmen. Zum Beispiel, welcher Name zu dieser Mailadresse gehört und welche Menschen zum sozialen Umfeld gehören. Mit diesem Wissen lässt sich sehr leicht ein gezielter Betrug aufbauen. Zum Beispiel ein längerer Mailwechsel, bei dem sich der Betrüger als einer dieser Kontakte ausgibt und echte namentliche Ansprache hinbekommt – viele Dinge, über die man dabei schreiben kann, stehen ja schon im Facebook-Profil. (Und die Absender-Mailadresse zu fälschen, ist sehr leicht.) So ein Mailwechsel könnte dann etwa in einer Mitteilung des Inhaltes „Ich sitze hier in Madrid fest, kein Geld, keine Karte und einen Haufen weiterer Probleme, kannst du mir mal bitte ganz schnell über Western Union fünfhundert Euro für den Rückflug und den anderen Mist rübersenden, ich gebe es dir gleich am nächsten Ersten zurück“ gipfeln. Wer würde da nicht hilfsbereit sein?!

Und das ist nur das Betrugsszenario, das mir angesichts einer solchen Datenbank zuerst einfällt. Es ist sehr viel mehr möglich, da man der scheinbaren Mail eines Bekannten mit Bezug auf ein paar Dinge, die man gemeinsam erlebt oder über die man schon kommuniziert hat, nun einmal eher vertraut als einer anonymen Spam. Die besondere „Kreativität“ der organisierten Kriminalität im Internet wird vermutlich schon sehr viel lukrativere Nutzungsformen für diese und ähnliche Datenbanken gefunden haben.

Und wo kommt eine solche Datenbank her? Sie wurde mit trojanischen Apps für smart phones eingesammelt:

Die Informationen in dieser Liste wurden mit unseren Facebook-Apps gesammelt. Sie bestehen nur aus aktiven Facebook-Nutzern, hauptsächlich aus den USA, Kanada, Großbritannien und Europa. Es sind auch Nutzer aus anderen Ländern dabei, aber auch diese sprechen nahezu ausnahmslos Englisch, weill alle von uns gelieferten Apps in engischer Sprache geschrieben wurden und so gestaltet wurden, dass man die Anleitung lesen muss, um sie benutzen zu können. Die Liste wird einmal im Monat überprüft, damit sie keine Liste voll ungültiger oder doppelter Mailadressen erhalten. Gleich, ob sie ein Produkt für Facebook oder Twitter, eines mit Bezug zu „social media“ oder irgendein allgemeines Produkt oder eine Dienstleistung anbieten, diese Liste eröffnet ihnen großartige Möglichkeiten.

Liebe Nutzer von Taschencomputern (denn das sind die smart phones in Wirklichkeit): Wenn es euch nicht schnell gelingt, die Programmierer tronjanischer Apps für eure Geräte zu ächten und ihnen maximales negatives Feedback zu geben, dann ist dieser Datenhandel nur der Anfang, und ihr werdet schon in den nächsten Monaten überzeugend vorgetragene Betrugsmaschen erleben, dass euch nur so die Ohren schrillen, wenn ihr erstmal so richtig von organisiert Kriminellen abgezogen wurdet.

Hört damit auf, euch derartige Trojaner zu installieren! Klärt andere über solche Gefahren auf! Ihr seid allesamt zumindest so weit erwachsen, dass ihr im geschäftsfähigen Alter seid; ich werde nicht weiter auf diese Entwicklungen hinweisen und mich darauf verlassen, dass ihr mit einem funktionsfähigen Gehirn ausgestattet seid. Was genau jetzt wegen eurer bescheuerten hippen Sorglosigkeit auf das Internet loszurollen beginnt, lässt die bisherigen, eher plumpen Betrügereien harmlos erscheinen. Und glaubt ja nicht, dass es da draußen keine Menschen gäbe, die sich nicht für einen „Stundenlohn“ von fünfzig Euro bereit fänden, mit dreißig bis vierzig Leuten, über die sie parallel bei Facebook recherchieren, gleichzeitig zu kommunizieren. Mir sind allein in einem Deutschland, in dem es zwar nicht allen gut geht, in dem aber nicht einmal jemand wie ich hungern muss, genug Menschen begegnet, die das sofort tun würden, wenn nur die Kasse stimmt und das Risiko des Erwischtwerdens bei null liegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Osteuropa viele Menschen mit guten Deutschkenntnissen gibt, die es für wesentlich weniger „Stundenlohn“ machen würden, halte ich für sehr groß, zumal man bei dieser Form des Verbrechens zurzeit kaum ermittelt werden kann, da die Polizeien weitgehend machtlos sind¹. Die Infrastruktur zum anonymisierenden Mailversand über Botnetze ist in der organisierten Kriminalität vorhanden.

Ihr seid alt genug, um ein Handy bedienen und eine App installieren zu können, also müsst ihr doch eine gewisse Grundreife haben! Würdet ihr einem anonymen Fremden euren Haustürschlüssel geben, und wäre es euch scheißegal, wie der in eurem Privatleben rumwühlt? Genau das macht ihr, wenn ihr eine trojanische App auf einem eurer persönlichen, für die menschliche Kommunikation genutzten Computer installiert.

Hört einfach damit auf!

Und sagt anderen, dass sie damit aufhören sollen und warum sie damit aufhören sollen! Oder wollt ihr von einem Bekannten angepflaumt werden, wo denn jetzt die achthundert Euro blieben, die er „euch“ kürzlich geliehen hat? Schon die Dummheit weniger kann zum Schaden für viele werden, und persönliche Gedankenlosigkeit im grundlegenden Datenschutz ist schädliche Verantwortungslosigkeit gegenüber sehr vielen mitbetroffenen Menschen. Natürlich kann eine trojanische App auf Mailkontakte, Adressbücher, Anrufhistorien und SMS-Kommunikation zugreifen, wenn sie installiert wurde und ihr mit flottem Wisch solche Rechte eingeräumt wurden. Das betrifft nicht mehr nur die, die in einer sträflichen Naivität glauben, dass sie nichts zu verbergen haben und dass sie nicht so leicht reinzulegen sind und die für diese etwas dumme Haltung vielleicht irgendwann ein bisschen „Lehrgeld“ zahlen. Das betrifft jeden. Wer Bekannte hat, die solche trojanischen Apps auf ihren Taschencomputern installieren, hätte es besser getroffen, wenn er einen Judas Iskariot in seinem Bekantenkreis hätte – denn dieser Jesusverkäufer hat es nicht aus hipper Verantwortungslosigkeit gemacht, sondern wenigstens noch einen angemessenen Preis für seinen Verrat genommen.

Und es ist kein kleines Problem, was da auf die Menschen zurollt.

Der Preis von lediglich fünf US-Dollar für eine derartige Datenbank von Facebook-Nutzern belegt vor allem, dass solche schon gefährlichen Sammlungen am dafür existierenden Markt keinen besonderen Wert haben – mutmaßlich, weil es bessere Datensammlungen gibt, die nur noch nicht so offen gehandelt werden, dass man es als nichtkrimineller Internetnutzer mitbekommt.

Denn mehr als diese auf dem ersten Blick beinahe harmlos erscheinenden Dinge lässt sich ohne Probleme sammeln.

Ende der Durchsage.

¹Die Machtlosigkeit der Polizeien bei solchen Kriminalitätsformen könnte nur durch eine dystopisch anmutende Totalüberwachung des Internet ein wenig relativiert werden, und selbst das hülfe nicht. Warum es allerdings legal sein soll, Menschen zur Installation von Schadsoftware auf persönlich genutzten mobilen Computern zu animieren, kann sich mir beim besten Willen nicht erschließen.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

Ein Kommentar für Was das Problem mit den trojanischen Apps für „smart phones“ ist?

  1. Alam sagt:

    Das Ding ist doch wirklich, dass noch zu wenige Leute ihre kleinen Rechner in der Tasche eben als vollwertige Rechner betrachten. Daher wird auf Firewalls und Virenscanner verzichtet und man wird von allen Seiten mit Spam und diversen Trackern zugekleistert.

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