Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Trojanische App des Tages: MeetOne

Freitag, 3. August 2012, 14:39 Uhr

Dies ist kein Zitat aus einer Spam, sondern ein aktueller Hinweis, verbunden mit einem ganz kurzen offenen Brief an die Nutzer so genannter smart phones.

Bitte vor dem Weiterlesen wenigstens kurz überfliegen, was ich am 15. Februar dieses Jahres über Trojanische Apps schrieb. Es ist als Hintergrund zum Verständnis des folgenden offenen Briefes sehr hilfreich.

Danke.

Und jetzt bei Spiegel Online weiterlesen, was die App von MeetOne mit Daten gemacht hat, die weit in die Privatsphäre hineinragen:

[…] Seit Monaten klagen Nutzer über Meetone-Spam […]

Offenbar wurden die Adressbücher von iPhones, Android-Smartphones oder E-Mail-Dienstleistern registrierter Meetone-Kunden ausgelesen und für den Versand der unerwünschten und täuschenden Werbung genutzt. […]

[…] festgestellt, dass das Programm ohne Erlaubnis des Nutzers das gesamte Adressbuch an die Server des Anbieters verschickt

Werte Leser, Leserinnen; werte Mitmenschen!

Wenn ihr euch freiwillig und bewusst solche Trojanischen Apps auf euren mobilen persönlichen Computern installiert (auch die von Facebook, Twitter, Path, Foursquare, Instagram, Foodspotting, Yelp, Gowalla etc.) und damit irgendwelchen Unternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell einen derartigen Missbrauch ermöglicht, dann seid ihr selbst die Spam. Und ihr stinkt wie die Spam! Vom ekelsüßen Fäulnisduft, der aus euren Schädelinnenräumen strömt, wenn ihr damit weitermacht (was ich leider befürchten muss), will ich gar nicht erst reden…

Wenn ihr von den Vertreibern derartiger Apps getäuscht worden seid: Strafanzeigen zu derartigen Vorgehensweisen – zum Bespiel wegen eventueller Straftaten nach den §§202a-c und natürlich aller weiteren ermittelten Delikte – nimmt die nächste Staatsanwaltschaft entgegen. Und wie man Apps deinstalliert, wisst ihr hoffentlich!

Euer täglich Spam „genießender“

Nachtwächter
(Nach Diktat verreist)

Nachtrag 15.02 Uhr: Heise Security kann die Spam-Vorwürfe nach ersten Beobachtungen bestätigen. Tja, wozu sollte man auch sonst heimlich Daten an sich reißen. Eine legale und legitime Verwendung dafür gibt es nicht.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

6 Kommentare für Trojanische App des Tages: MeetOne

  1. Kisho sagt:

    Das schlimme an der ganzen Geschichte ist wohl die Tatsache, das MeetOne und Co rein gar nichts deswegen zu befürchten hat. Da wird es keine brauchbare Klagen geben und am Ende findet sich kein eh kein Schuldiger. Problem, wie immer mal, keine klaren Gesetze, müde Justiz und man hat in den Nutzungsbedingungen ja zugesagt (wird bestimmt irgendwo stehen „wir klauen dein Adressbuch“).

    Man da kommt mir das Mittagessen wieder hoch …

  2. Steffen sagt:

    Das schlimme daran ist: die Empörung, sofern sie unter den Nutzern überhaupt existiert, wird nicht lange Bestand haben. Ein paar Eingeständnisse des Anbieters hier, ein paar technische Änderungen dort, schon geht das Leben weiter. „Soziale“ Kontakte sind den nutzern schließlich wichtiger als der Schutz ihrer Daten. Wenn ich sehe, mit welcher erstaunlichen Großzügigkeit viele nutzer ihre virtuelle Stasiakte pflegen, kann ich sowas dann nur als Kinderkram betrachten. Unternehmen wie Facebook, Twitter oder eben diese Datingplattform sind nicht auf Adressbücher angewiesen um an Geld zu kommen, den Spam betreiben die Nutzer schon von ganz allein. Leider mit Erfolg. Ohne Twitter würde mir mittlerweile auch ein bisschen was fehlen, aber ich nutze den Dienst mangels Klugtelefon nur via PC oder Netbook. Die Sonne am Untergehen zu hindern wird also leichter sein, als an den Verstand unserer Mitmenschen zu apellieren. Alle sind sie gegen Überwachung, aber laufen wissentlich mit Wanzen durch die Gegend, auf die unser gutes altes MFS neidisch gewesen wäre. Bin ich nur zu alt oder zu blöd um das zu kapieren?

    • Ein paar Eingeständnisse des Anbieters hier, ein paar technische Änderungen dort

      Laut den Betreibern war das ja alles nur ein Versehen. Da hat halt niemand bemerkt, dass sich über ein Dreivierteljahr hinweg heimlich abgegriffene Daten in der Datenbank ansammeln. Und die Spam haben sie bestimmt auch nur versehentlich verschickt.

      Schwer zu fassen, dass das jemand glaubt. Jemand, der mir direkt gegenübersäße und mir mit einer derartigen Chuzpe käme, dürfte sich über eine Affekttat nicht wundern.

  3. Grenzel sagt:

    Tja, was soll man dazu sagen.
    Hier hat man mit einem „normalen Freundeskreis“ wohl einfach Pech gehabt. Denn ich kenne wenige Leute, bei denen ich darauf vertrauen würde, dass sie verantwortungsbewusst Apps installieren. Facebooknutzer mit meiner Email-Adresse im Adressbuch gibt es da schon deutlich häufiger. >.<

  4. Mazor sagt:

    Die Strafbarkeit darf bezweifelt werden, wenn man sich die Tatbestandsmerkmale ansieht (Zugangssicherung). Das dürfte zu einer sofortigen Einstellung des Verfahrens führen, zumal die meisten Anbieter wohl im Ausland ihren Firemsitz haben dürften.

    • Typischerweise ist der Zugriff auf ein Handy nicht ohne Eingabe eines Zahlencodes oder Fingern einer Geste mögich. Das ist eine Zugangssicherung. Und die App ist ein Trojaner, der dazu programmiert wurde, diese Zugangssicherung zu umgehen.

      Zur Einstellung könnte es dennoch kommen, wegen der üblichen Probleme mit Unternehmen im Ausland. Aber die offene Zusammenarbeit von ProSiebenSat.1 mit diesem [unflätiges Wort hier]-Laden würde dann zur Beihilfe zu einer Straftat und könnte nicht fortgesetzt werden – und das beschränkte wenigstens den weiteren Schaden.

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