Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Betreff: Ihre Mails

Samstag, 5. Mai 2007, 01:05 Uhr

Werter Herr Francis Burnett,

wegen des besonderen Charakters unserer Mailkontakte muss ich davon ausgehen, dass dies nicht ihr richtiger Name ist. Aber sie geben diesen Namen als Absender neben einer gefälschten Mailadresse an, und ich weiß mir nicht mit einer anderen Anrede zu behelfen, wenn ich mich mit einer kleinen Frage an Sie wenden will.

Gerne hätte ich den Kontakt zu Ihnen mit einer Mail gesucht. Das ist aber nicht ganz einfach, wenn ich keine Mailadresse von Ihnen habe. Deshalb suche ich Sie über diesen Weg zu erreichen.

Es geht natürlich um die Mails, die Sie im Moment so zahlreich an mich versenden. Allein in der bloßen Anzahl Ihrer Mails ist deutlich sichtbar, dass Sie mir unbedingt etwas mitteilen müssen. Allerdings bleibt völlig im Dunkel, was Ihre wirkliche Intention dabei ist, und das ist doch ein für beide Seiten unbefriedigender Zustand.

Alle diese Mails – und es sind wirklich zu viele, als dass ich sie zählen möchte – haben nämlich einen leeren Betreff und enthalten weder einen Text noch eine andere Form von Nachricht. Sie sind jungfräulich weißes, virtuelles Papier, und eigentlich wären sie eine wohltuende Abwechslung im sonst so aufregenden Internet der heutigen Zeit, wenn sie nicht durch ihre plumpe Häufigkeit die Geduld und die Nerven der Empfänger strapazierten.

Sie können sicher verstehen, dass mir Ihre rätselhaften Mitteilungen zu denken geben. Ich bin mir noch nicht darüber schlüssig geworden, welche Absichten Sie mit Ihren völlig leeren Nachrichten verfolgen, und deshalb kann ich nur versuchen, es zu erraten. Dies sind ein paar unreife Hypothesen, die im Zuge dieses Ratens entstanden – sie haben doch gewiss Verständnis dafür, dass ich bei so geringer Information weitab der Wirklichkeit liegen könnte:

  • Es könnte sich um ein dadaistisches Kunstprojekt handeln. Das Motto der Kunst lautet: Die Nachricht entsteht im Empfänger, auch aus dem Nichts.
  • Es könnte sich um die Tat eines Menschen handeln, der gerne spammen möchte, aber kein Produkt anzubieten hat. Deshalb versendet er Spam, zu der sich jeder selbst einen Inhalt denken kann. Eine völlig neue Form der Interaktivität in der Werbung.
  • Es könnte sich um einen Fehler in einem Spamskript handeln. Dieser technische Fehler kommt mit einem Gehirnfehler beim Spammer zusammen, so dass auf Seiten des Spammers völlig unbemerkt bleibt, dass der Massenversand scheitert.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich aufklären würden, wie nahe ich mit meinen Spekulationen an die Wirklichkeit Ihrer Absichten gekommen bin. Bitte verwenden Sie einfach die Kommentarfunktion dieses Blogs und sehen Sie von weiteren Mails ab, da ihr persönlicher Stil für mich nur schwierig zu deuten ist.

Unter Erbietung meiner vorzüglichsten Hochachtung verbleibe ich untertänigst als Ihr

Elias Schwerdtfeger
Nachtwächter

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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