So nannte sich der Idiot mit seinem angeflanschtem neuronalem Netzwerk, seinem fehlerfreien – oh, das ist selten, na, vibe coding? – Spamskript und seiner IP-Adresse aus dem großen, brummenden China, der heute morgen um 8:34 Uhr den folgenden, sicherlich von einem angelernten neuronalen Netzwerk generierten Text als Kommentar auf Unser täglich Spam veröffentlichen wollte, aber trotzdem immer noch an der Spamfilterung scheiterte:
This is a funny and critical take on spam and scam emails, especially those related to health and The Lions Den. The authors sarcasm and humor make it enjoyable, though the strong language might be a bit much for some.
Das klingt ja fast so intelligent wie eine Zusammenfassung aus einem angelernten neuronalen Netzwerk. Aber „Der Mensch als Marke, die Psyche ein Puff. Ganz gruselig.“ ist wohl für einige garantiert nicht menschliche Leser schon zu viel der Klarheit, das ist strong language. Drei Dinge sind es, die ein angelerntes neuronales Netzwerk überhaupt nicht reproduzieren oder erfassen kann: Lyrik, Humor und Geist.¹ Deshalb klingen die Texte aus den angelernten neuronalen Netzwerken ja auch immer so, wie sie klingen. Einen Menschen, der so kommuniziert, würde ich als Idioten ansehen. So einem Idioten hilft es dann auch nicht, wenn er mit viel angelesenem Wissen protzen kann, er bleibt ein Idiot, nur, dass er dann auch noch neurotisch wirkt. Davon kriege ich Fluchtimpulse. 🙀️
Nun, ich wills mal so sagen: Die verlinkte impressumslose Website…
…verspricht, dass man seine mit so genannter „künstlicher Intelligenz“ erzeugten Texte von Kennzeichen befreien kann, mit denen automatisch erkannt werden kann, dass die Texte aus einer so genannten „künstlichen Intelligenz“ kommen. Und natürlich mit Sofortergebnissen und nicht nur siebzig oder dreiundachtzig, sondern hundert Prozent kostenlos. Sozusagen als tiefe Gnade. Genau richtig für alle, die sich die Arbeit sparen wollen und einen schnell von einem stochastischen Papageienschwarm erzeugten Quatschtext als akademisches Papier in einem Fachmagazin veröffentlichen wollen. Ja, genau dieser Anwendungsfall eines wissenschaftlichen Betruges…

…steht ein bisschen weiter unten auf der Website allen Ernstes als Anwendungsbeispiel. Da weiß man dann auch, was die Zielgruppe ist: Menschen, die es überhaupt nicht mit Anstand und Redlichkeit haben und denen für ihr persönliches Vorwärtskommen alles andere egal ist, die aber auf der anderen Seite ein bisschen zu dumm sind, mal die man-page von tr zu lesen, wenn sie eingestreute unsichtbare Zeichen mit einem Computer entfernen wollen. Stattdessen benutzt diese Zielgruppe eine Suchmaschine und findet dank solcher SEO-Spam wie in diesem Kommentarversuch dann eine obskure Website, für deren Benutzung man nichts können und nichts bezahlen muss.
Ob das wohl eine Falle ist? Irgendeine Falle?
Nun, ich weiß es nicht. Die Umwandlung des Textes geschieht im Webbrowser mit einem Berg an kaum dechiffrierbarem Javascript, von dessen Analyse ich größtenteils abgesehen habe. Eines ist mir allerdings aufgefallen: Die Ausgabe des umgewandelten Textes wird künstlich stark verlangsamt, damit der Nutzer länger auf der spambeworbenen Seite bleibt. Es gibt keinen technischen Grund für diese Verlangsamung. Es werden ja keine komplizierten Rechenvorgänge auf riesigen Datenmengen durchgeführt, so wie etwa bei der Simulation eines neuronalen Netzwerkes. Es geht nur darum, den Nutzer – der wegen seines informationstechnischen Analphabetismus nicht abschätzen kann, dass eine Löschung von Zeichen in einem Text sehr schnell gehen müsste, obwohl er sicherlich schon mindestens einmal in seinem Leben in einer Textverarbeitung „Suchen und Ersetzen“ benutzt hat und daher wissen müsste, wie schnell das geht – möglichst lange auf dieser Website zu halten. Ich weiß nicht, was alles im Hintergrund ausgeführt wird. Ich weiß nicht, ob da „nur“ Kryptogeld gerendert wird oder ob da der Reihe nach alle möglichen Sicherheitslücken von Browser und Betriebssystem ausprobiert werden, um dem Nutzer eine aktuelle Kollektion frischer Schadsoftware aufzuspielen, wenn das möglich ist. Oder beides. Oder vielleicht noch etwas übleres.
Ich weiß nur, dass diese Website mit manipulativer Spam in den Suchmaschinen nach oben gebracht wird und zehn Meilen gegen den Wind nach einer üblen Nummer stinkt, von der ich nur dringend abraten kann. Mein „Opferbetriebssystem“ – ich habe für solche Experimente mit Websites von Kriminellen eine Installation in einer virtuellen Maschine – wurde jedenfalls bei einem kleinen Test mit einer rd. vier KiB großen Textdatei voll ausgelastet. Etwas hat da gearbeitet, aber nicht so, als würden ein paar Zeichen in einem nicht einmal besonders langen Text gelöscht, sondern eher so, als würde ein Fraktal berechnet. Und natürlich wurde die Ausgabe des „umgewandelten“ Textes stark verlangsamt, sie fühlte sich noch langsamer als ein Chat mit einem Chatbot mit so genannter „künstlicher Intelligenz“ an. Man soll dort lange bleiben.

Ob der Spammer wohl seinen eigenen Dienst benutzt, damit seine Spamkommentare nicht automatisch aussortiert werden können? Wenn ja, muss ich ihm leider, aber ohne jedes Bedauern meinerseits mitteilen, dass das nicht funktioniert hat. Gestern hat er mit der gleichen IP-Adresse aus China einen verblüffend ähnlichen und genau so „rhetorisch begabten Kommentar“ verfasst:
The article provides a humorous take on a sales email, highlighting the irony of the senders confidence in project management despite the errors in the date and ordinal numbers. Its a light-hearted reminder of how even professionals can make mistakes. PremierLeague
Diese Bande, die gerade SEO-Spam mit Zusammenfassungen aus angelernten neuronalen Netzwerken macht, ist also nicht nur auf ein kriminelles „Geschäft“ ausgerichtet. Die nehmen vermutlich das volle Programm mit.
Nun dann, aber dieser Versuch hats auch nicht bei mir durch die Spamfilterung geschafft. Das Spamskript ist ansonsten verblüffend gut und fehlerfrei, was ich wirklich selten habe. Aber einfache Muster, die ich in einer Spam regelmäßig sehe und in Mitteilungen denkender und fühlender Menschen so gut wie nie, die funktionieren immer noch. Ach ja, und natürlich irgendwelches Profisportzeug, egal wie die Liga auch heißt, denn da geht es in Spamkommentaren meist um Links auf betrügerische Buchmacher, und das ist neben Pornografie, Reichwerden, Abzockcasinos und Giftpillen nun einmal ein sehr beliebtes Thema in der Spam. Ich schreibe hier ja gar nicht über Sport… 😄️
Aber ich habe anfangs wirklich befürchtet, dass angelernte neuronale Netzwerke so gute Spam hinbekommen, dass ich die Kommentarfunktion abschalten muss. Das hat sich bis heute nicht erfüllt. Denen, die von Politikern, Journalisten und anderen digitalen Analphabeten „gebildet“ werden und deshalb die angelernten neuronalen Netzwerke immer mit dem in diesen Quellen vorgekauten Reklamewort „künstliche Intelligenz“ bezeichnen, sollte es ein Anreiz zum Nachdenken sein. Im Moment ist die künstliche Intelligenz sogar zum Spammen zu dumm.
¹Wer mir das nicht glaubt, kann ja mal den Chatbot seines Vertrauens darum bitten, den Text für ein dreistrophiges Lied zu einem beliebigen Thema zu schreiben. Solche Musik gibt es übrigens schon als erfolgreiches Geschäftsmodell. Die Texte sind unfassbar schlecht. Da kriegt man Sehnsucht nach „Scooter“.


Im Februar dieses Jahres gab es eine Menge Reichwerdspams, in denen die Rede davon war, dass angelernte neuronale Netzwerke – von Journalisten, Politikern und sonstigen digitalen Analphabeten durchgehend mit dem dümmlichen Reklamewort „künstliche Intelligenz“ bezeichnet – vollautomatisch Geld aus der Steckdose ziehen könnten. Zum Beispiel, ![Ein spezielles Kapsel gegen Erektionsstörungen bringt den größten Deal in der Geschichte der Höhle der Löwen -- Ein Bericht von Ella Schmitz | Mittwoch, März 26 2025 -- Der größte Deal in der Geschichte der "Höhle der Löwen" -- Es war ein historischer Moment in der Erfolgsshow "Die Höhle der Löwen": Alle sechs Investoren entschieden sich, gemeinsam in das Start-up zweier Schwestern zu investieren - ein Novum. Die Chemikerinnen vom MIT präsentierten ihre bahnbrechende Entwicklung gegen Erektionsstörungen: Vitalis Max-Kapseln. Mit über 2,5 Millionen Dollar Unterstützung und einem kompletten Rebranding bereiten sie nun den internationalen Markteintritt vor. -- Die revolutionäre Wirkung des Produkts basiert auf einer neuartigen RI-Technologie zur langfristigen Testosteronsteigerung. Vitalis Max-Kapseln ist der erste natürliche Wiederaufnahmehemmer, der Männern hilft, ihre Leistungsfähigkeit nachhaltig zu steigern - ganz ohne riskante Medikamente oder invasive Eingriffe. Das überzeugte die Löwen sofort. -- [Exklusiven Löwen-Rabatt sichern!]](https://spam.tamagothi.de/wp-content/uploads/2025/04/vitalismax-450.jpg)
Ich bin mir sehr sicher, dass diese Spamtexte aus einem angelernen neuronalen Netzwerk – von Journalisten, Politikern und anderen digitalen Analphabeten durchgehend mit dem Reklamewort „Künstliche Intelligenz“ bezeichnet – kommen. Mit einem Prompt wie „Anpreisung eines Mittels gegen Erektionsstörungen“ und dann geht es direkt und ungelesen in die Spam, man will ja nicht zu viel Zeit mit dem Beschiss zubringen oder gar das Gehirn beim Spammen benutzen. Egal, ob bei GitHub, auf Social Media oder in Spammails. Dass der dabei verwendete Markenname