Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Schlagwortarchiv „JavaScript“

Fax sendebericht

Montag, 23. Juni 2014

Klar, ein „sendebericht“, was denn sonst. Klingt ja auch viel hübscher als „Müll spam“. Und Wunder der Technik! Dieser Spammer kann nicht nur das Substantiv nicht groß schreiben, er kann auch HTML-Tabellen in einer HTML-formatierten Mail setzen und damit fast vergessen machen, was für ein komisches Datum doch dieser Tag mit der Bezeichnung 23/14 ist. Das kann nicht jeder:

Fax sendebericht
S-Nr. 73404451
Modus Standard
Datum/Uhrzeit 23/14 12:22
Fax-nr./Name +49 4731 9174 xxx
U.-Dauer 00:01:52
Seite(n) 2
Download

Diese E-Mail ist frei von Viren und Malware, denn der avast! Antivirus Schutz ist aktiv.

[Die angebliche Faxnummer habe ich unkenntlich gemacht.]

Letztere Zusicherung ist besonders nett, denn man weiß ja nie bei krimineller Spam, ob da nicht irgendeine Seuche dranhängt. Und vor allem ist sie so glaubwürdig! :mrgreen:

Was der Spammer allerdings möchte, ist, dass möglichst viele Empfänger auf den Link „Download“ klicken. Ich weiß nicht in jeder Einzelheit, was man sich auf den von diesen freundlichen Internetkriminellen gestalteten Websites noch alles so einfangen kann, aber die besondere Kunst, in der man durch eine Kaskade von verschiedenen Seiten geleitet wird, dokumentiere ich gern mit einem Schnippselchen des HTML-Quelltexts in Form eines Screenshots meines Editors¹:

Screenshot meines Editorfensters mit einer äußerst verdächtigen Weise, JavaScript zu benutzen

Wer kein Javascript lesen kann: Hier werden Variablen mit sehr kryptischen Namen jeweils mit Zeichenketten aus einem einzigen Zeichen belegt, und welches Zeichen verwendet wird, ist jeweils in einer Exklusiv-Oder-Verknüpfung der einzelnen Bits zweier Ganzzahlen gecodet. Aus den so belegten Variablen wird dann zusammengesetzt, wohin der Browser gehen soll – wenn man denn die Ausführung von Javascript gestattet².

Die so interessant verborgene Fahrt ins Blaue geht übrigens zur URL http (doppelpunkt) (doppelslash) ildragodeicomputer (punkt) com (slash) reserved (slash) fax (underline) 23 (strich) 06 (strich) 2014 (strich) TX6381A7481 (punkt) zip. Es handelt sich um ein ZIP-Archiv, in dem eine ausführbare Datei für Microsoft Windows liegt; eine Datei übrigens, die mit ihrem Piktogramm versucht, wie ein PDF auszusehen und damit den Spamempfänger irrezuführen – tja, und wer dieses von Verbrechern zugestellte Programm ausführt, der hat hinterher einen Computer anderer Leute auf dem Schreibtisch stehen. Das Antivirus-Programm nützt nichts, es handelt sich – wie immer bei solchen Innovationen in der Durchführung – um hochaktuelle Schadsoftware, die zurzeit von deutlich weniger als zehn Prozent der gängigen Antivirus-Programme erkannt wird. Der eingebaute Virenschutz im Gehirn hingegen, der solche Spam klar als Spam erkennt und einfach unbeklickt löscht, der schützt immer zu hundert Prozent. Oder, um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Antivirus-Programme sind Schlangenöl.

Aber zum Glück hat ja hoffentlich jeder gemerkt, dass diese Mail nicht von seinem Faxempfangsgerät kam…

¹Dass ich mir nicht gerade mit einem aufgeplusterten grafischen Browser anschaue, wohin die Reise geht, sondern mir zuvor den Quelltext lieber mit lynx abhole, um einen genauen Blick darauf zu werfen, liegt ganz einfach an meiner Paranoia, wann immer ich es mit den Machwerken von Leuten aus der organisierten Internet-Kriminalität zu tun habe. Wer nicht weiß, wie man sich schützen kann – und nein: ein Antivirus-Programm und eine so genannte personal firewall sind kein Schutz – sollte gar nicht erst darüber nachdenken, in eine Spam zu klicken! Das bisschen befriedigte Neugierde ist den möglichen Ärger nicht wert.

²Eine Website das Ausführen von Javascript zu gestatten, ist ein Privileg, mit dem man unbedingt geizen sollte. Beinahe alle ausbeutbaren Sicherheitslücken der letzten Jahre standen im Zusammenhang mit Javascript – und eine Website, die ohne Javascript nichts mitzuteilen hat, liefert mit Javascript im Regelfall auch nur entbehrlichen „Content“. Die Installation des Addons NoScript ist eine wichtige Sicherheitsmaßnahme, die ein großes Sicherheitsproblem an der Wurzel bekämpft.

Viagra gen für 1,00 EURO, erst nach Erhalt der Ware!

Sonntag, 27. April 2014

Verschreibungspflichtige Medikamente für fehlendes Rezept und billig billig billig!

Viagra gen fur 1,00 EURO, erst nach Erhalt der Ware!

Hey Spammer, das hast du schon im Betreff gesagt, und es wird auch nicht besser, wenn du es fett setzt und da einen Link in die Domain electio (punkt) net (punkt) ua draufmachst. Der Link führt übrigens nach einer Kaskade von „nur“ zwei Weiterleitungen auf die Website in der Domain www (punkt) pillsstore (punkt) org, die natürlich über einen Whois-Anonymisierer¹ aus dem schönen (und hoffentlich von den drohenden Kriegsgefahren verschonten) Kiew betrieben wird. Dort findet sich eine tolle „Apotheke“ ohne Impressum, in deren Angebot…

Screenshot der betrügerischen Website www (punkt) pillsstore (punkt) org

…man zwar im Moment keine Aspirin findet, aber dafür allerlei Pillen für den Pimmel.

Einmalige Aktion! Bei der Bestellung bis zum 01.05, bieten wir 20 Viagra gen. für den Preis von 20,00 Euro an. Die Lieferkosten (Lieferung aus Deutschland, per Einschreiben) sind innbegriffen und Sie können den Betrag erst nach Erhalt überweisen!

Die Aktion ist so einmalig wie diese Spam. Und der aus Deutschland liefernde „Apotheker“ ist so kriminell wie einer, der verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept verkauft. Immerhin werden diese spottbillig angebotenen pillz noch die Form, Farbe und Prägung der Tabletten haben, aber die viel interessantere Frage, was zum entmannten Henker da drin ist, kann nur ein Labor beantworten. Dementsprechend ist übrigens auch die automatische Bewertung durch LegitScript.

Die Lieferzeiten betragen 2 Werktage innerhalb Deutschlands und 4 WT für die Schweiz und Österreich.

Und wenn das mal das einzige ist, was da geliefert wird! Und wenn das überhaupt geliefert wird!

Die Website dieses vorgeblichen Pimmelpillen-Apothekers, der in seinem Angebot so tut, als würde er mir am liebsten noch etwas dazu schenken, wenn ich ihm nur seine Giftpillen wegesse, erweckt einen ganz anderen Verdacht.

Der HTML-Code dieser Website ist nicht gerade gut lesbar. Der größte Teil der Seite ist in eine einzige, sehr lange Zeile geschrieben, so dass es beim Anblick des Quelltextes erschwert ist, einen Eindruck von eventuellen Crack-Versuchen zu bekommen. Die eingebetteten Dateien mit JavaScript-Anweisungen, Bildern und Stylesheets haben zusätzlich sehr kryptische Namen bekommen, hier nur ein paar Beispiele dafür:

  • c2003e28d1d7fd8e87a88d6f1fd12523.css
  • 005b4e090954cbe6edbcc7d8585fe54f.js
  • uoczyc6puggkb2uu-llp.jpg
  • tk_xfl1jhgl0lapnpzv0.jpg

Solche Dateinamen vergibt natürlich niemand, der sein Projekt vielleicht noch einmal pflegen will – und er schreibt natürlich auch seinen Quelltext so, dass seine Struktur klar wird. (Wie man das macht, hängt natürlich vom Coder und eventuell von Vorgaben ab, aber eine einzige lange Zeile ist das, was niemand machen würde – nicht einmal aus Performance-Gründen, weil der Webserver zu jedem modernen Webbrowser eine gzip-komprimierte Version der Daten übertragen kann, die wesentlich besser als solche „Tricks“ ist.)

Spam macht mich immer skeptisch, denn Spam ist immer kriminell. Wenn die Spam mit solchen „Tricks“ einher geht und gleichzeitig vorgibt, sehr unglaubwürdig günstige Angebote zu machen, bin ich mir sicher, dass etwas richtig faul ist. Leider fehlt es mir gerade an den paar Stunden Zeit, um so durchgehend zu analysieren, wie es für ein abschließendes Urteil nötig wäre, aber der folgende Screenshot der eingebetteten Javascript-Datei aus meinem Editor gibt hoffentlich auch einem Unkundigen einen Eindruck davon, dass hier vor neugierigen Augen wie meinen verborgen werden soll, was für ein Programmcode da – für eine alles in allem schlichte Seite – in den Browser gemacht werden soll:

Screenshot des Editors, der die Javascript-Datei dieser Seite anzeigt

Das geht so 133 KiB lang weiter, die sich auf insgesamt vier Zeilen aufteilen. Wie schon weiter oben gesagt: So programmiert niemand, der nichts zu verbergen hat. Wer sich mal an dieser – teils übel verschachtelten – Sammlung von Funktionen mit mehreren integrierten evals versuchen möchte: Ich habe die komplette Datei bei Pastebin hochgeladen. Aber Vorsicht, das ist JavaScript von Kriminellen, und es stinkt zum Himmel…

Oder vielleicht etwas klarer gesagt: Wer diese Seite mit seinem Browser betrachtet und das Ausführen von JavaScript gestattet hat – ich kann ein Addon wie NoScript nur wärmstens empfehlen, denn es bietet bei derartigen Angriffen mehr Schutz als jedes Antivirusprogramm – der hat jetzt vermutlich, wenn der Browser oder ein vom Browser benutztes Plugin irgendwie angreifbar war, einen Computer anderer Leute auf dem Schreibtisch stehen. Und diese anderen Leute sind nicht nett. Und der Virenscanner kennt die Masche möglicherweise noch nicht.

Deshalb klickt man ja auch nicht in eine Spam. (Außer, man weiß, wie man ein besonders gesichertes System dafür aufsetzt – und nein: eine „Personal Firewall“ und ein Antivirus-Programm sind keine besondere Sicherung, sondern die Standardkonfiguration, die von den Kriminellen selbstverständlich auch ausprobiert wird, denn sie leben davon, dass ihre Angriffe möglichst häufig funktionieren). Das bisschen befriedigte Neugierde ist keine hinreichende Entschädigung für den Ärger, den man hinterher damit haben kann.

Übrigens scheint auch das verwendete Stylesheet nicht ganz koscher zu sein. Auch hier habe ich gerade nicht die Zeit, mir das näher anzuschauen. Es enthält mehrere Grafiken als Data-URL (das ist eine durchaus legitime Technik, wenn sie auch nicht formell standardisiert ist). Eine dieser Grafiken ist ein Hintergrund mit einem GIF, das eine Höhe und Breite von 0 Pixeln hat, aber dafür erstaunlich viel Daten benötigt. Das erweckt den starken Eindruck, dass hier in bestimmten Browsern oder Bibliotheken ein Pufferüberlauf provoziert werden soll, um auf diese Weise Code auszuführen. Von daher könnte diese Seite sogar dann noch gefährlich sein, wenn man die Ausführung von JavaScript verbietet. 🙁

Und deshalb klickt man eben nicht in eine Spam… so einfach geht der Selbstschutz! Und sage niemand, dass man diese Müllmail nicht als Spam erkennen könne! 😉

Wir möchten Ihnen gute Ware unter einmaligen Bedingungen Liefern!

Scheinheiligsprechungen sind beim Vatikan zu beantragen! :mrgreen:

Mit freundlichen Grüßen.

+49692222xxxx
Web >>>

Mit Gruß von einer Telefonnummer.

Ach ja, diese Spam war übrigens auch HTML-formatiert und schaute, wenn man HTML-formatierte Mails anzeigen lässt, so aus:

Screenshot der HTML-formatierten E-Mail mit ihren eingebetteten Grafiken

Mit rübergeblasenem Judasküsschen vom kriminellen Cracker.

¹Weil ich in der letzten Zeit mehrfach gefragt wurde, ob das nicht immer ein schlechtes Zeichen ist: Nein, ist es nicht. Es kann für Privatpersonen vollkommen sinnvoll sein, ihre Anschrift, Telefonnummer und Mailadresse vor einer nicht immer wohlwollenden Öffentlichkeit über einen Whois-Anonymisierer zu verstecken – zum Beispiel zum Schutz vor Spam und fiesen, personalisierten Betrugsnummern. Aber bei gewerblichen Auftritten ist es in der Tat immer ein schlechtes Zeichen, weil hier kein Grund besteht. Die Anschrift der Unternehmung nebst diversen Kontaktmailadressen und Telefonnummern ist bereits an anderen Stellen und auf der Website frei zugänglich veröffentlicht. Eine gewerbliche Website, für deren Domain ein Whois-Anonymisierer verwendet wird, ist also immer als äußerst fragwürdig anzusehen.

Facebook: Abo&Addbörse<3

Freitag, 9. August 2013

Was es mit der Gruppe Abo&Addbörse<3 (und ähnlichem Bullshit) auf Facebook auf sich hat, die durch JavaScript-Schadsoftware so schnell wächst und ganz viele Leute dazu bringen will, vorsätzlich unverständlich formuliertes JavaScript im Browser auszuführenWARNUNG: Diese archivierte Seite der Spammer enthält eine nicht empfehlenswerte Anleitung und möglicherweise gefährlichen JavaScript-Quelltext, den man auf gar keinen Fall im Browser ausführen sollte – das lest bitte bei Mimikama weiter.

Ich kann generell nur davor warnen, den Code anderer Leute im Browser auszuführen – vor allem, wenn er auch für einen geübten Leser nur schwer verständlich ist. Egal, was für Versprechungen diese Leute machen. Die Vorstellung, dass es da draußen wirklich Menschen gibt, die für von Spammern versprochene 4.500 Abonnenten jeden Verstand abzuschalten scheinen und Dinge tun, die sie selbst nicht verstehen können und dass sie sich dabei mindestens selbst zu Spammern machen, die ihre „Freunde“ in eine Spam-Gruppe stecken, ist gruselig. Aber wenn der Account dann geownt ist, dann ist das Klagen laut…

Sparkasse Konto Nachrichten

Mittwoch, 29. Mai 2013

Ich hätte aber lieber die Sportnachrichten. :mrgreen:

Schlechtes Phishing

Angeblicher Absender dieser Mail ist onlinedat (at) sparkasse (punkt) de. Natürlich ist der Absender gefälscht und diese Mail kommt nicht von der Sparkasse. Die Sparkasse würde auch kaum ihre Kunden mit einer Mail anschreiben, die sie über einen in den USA gemieteten Server versendet.

Sehr geehrter Kunde,

Ja, manchmal bin ich Kunde. Zum Beispiel, wenn ich ein Brot kaufe.

Ihr Online-Banking-Konto wurde eingeschrankt

Huch! Und warum das? Und unter welchem Namen führe ich das Konto? Mit welcher Kontonummer? Bei welchem Kreditinstitut? Und seit wann heißt das Produkt dieses Kreditinstutes „Online-Banking-Konto“? Und warum gibt es keine Umlaute?

Klicken Sie auf den folgenden Link, um alle blockierten Zugriff [sic!] wiederherzustellen.

Anmelden

Und ja nicht darüber wundern, dass der Link gar nicht zur Sparkasse geht! Und bloß nicht die Frage stellen, warum die Sperrung eines Kontos aufgehoben wird, wenn man „der Sparkasse“ lauter Dinge sagt…

Screenshot der Phishing-Seite

…die die Sparkasse schon längst weiß! Einfach einen notdürftig als „Kontoupdate“ verlarvten Datenstriptease machen und an die organisierte Kriminalität weiterleiten! Nicht darüber wundern, dass die zwar vom „Online-Banking-Konto“ sprechen, aber die Daten einer Kreditkarte haben wollen!

Au weia, Phisher, früher habt ihr euch aber auch mehr Mühe gegeben…

Customer Care Account Dept.
© sparkasse.de 2013 Alle Rechte vorbehalten.

Nein, der miese Phish ist nicht alles

Was in diesem Zitat übrigens untergeht: Damit ist die Mail noch lange nicht zu Ende. Der Spammer scheint nämlich der Meinung zu sein, dass eine HTML-Mail erst dann so richtig HTML wird, wenn da auch noch eine Menge aus normaler Lesersicht zunächst völlig unsichtbares JavaScript dranhängt, und so hat er sich entschlossen, die folgenden Skriptversuche zu machen:

Auszug aus dem Quelltext der Spam

Der im Screenshot sichtbare Bereich macht ungefähr ein Viertel des gesamten Codeumfangs aus.

Natürlich wird ein vernünftig konfigurierter Mailclient niemals JavaScript in einer E-Mail ausführen. Aber dieses kleine Beispiel aus der täglichen Spamhölle zeigt einmal mehr, warum man gar nicht vorsichtig genug sein kann, wenn man es mit Spam zu tun hat und warum man auch lächerliche Spam niemals unterschätzen darf. Hier sollen JavaScript-Fragmente von allen möglichen Stellen im Internet abgeholt und lokal ausgeführt werden. Es ist davon auszugehen – nein, ich habe mir das jetzt nicht in allen seinen blutigen Einzelheiten angeschaut – dass auf diesem Wege versucht wird, aktuelle Schadsoftware zu installieren.

Und deshalb benutzt man einen vernünftig konfigurierten Mailclient (ich empfehle „normalen“ Anwendern den Thunderbird, und zwar immer auf aktuellem Stand), bei dem in der Standardkonfiguration die Ausführung solcher Versuche vollkommen auszuschließen ist. Ich weiß gar nicht, mit welcher Software oder mit welchem Webmailer ein derartiger Angriff erfolgversprechend wäre. Aber es muss dermaßen unsichere Software geben, sonst gäbe es nämlich diese Spam nicht. Die Verbrecher sind, was solche Dinge betrifft, auf dem neuesten Stand. Sie leben davon.

Angesichts der Tatsache, dass das Phishing geradezu lächerlich schlecht ist, vermute ich sogar, dass eine im Hintergrund laufende Installation von Schadsoftware der eigentliche Zweck dieser Mail ist – und das Phishing eher eine Nebensache, gar nicht so wichtig für die Absender. Ein Empfänger mit verwundbarer Mailsoftware sieht diese Spam, schaut eine Sekunde drauf, lacht womöglich noch darüber, löscht sie und vergisst sie… und ist damit bereits infiziert.

Konto-Status

Donnerstag, 2. Mai 2013

Leer?

PayPal

Ach nein, die schon wieder. Heute sogar mit Link auf die richtige PayPal-Seite, weil das Phishing stattfindet, indem man den Anhang im Browser öffnet, ausfüllt und die Daten an Verbrecher sendet. Allerdings hat diesmal – anders als noch vor ein paar Wochen – auch der Deutschexperte der Phisher einen Blick auf den Text geworfen und den gröbsten Sprachmüll daraus entfernt.

Lieber PayPal Kunde,

Lieber Unbekannter,

Aufgrund der jüngsten betrügerischen Aktivitäten haben wir ein neues Online-Sicherheitssystem für den maximalen Schutz der persönliche Daten unserer Kunden gestartet.

wir nennen uns PayPal. Und wir haben eine technische Änderung durchgeführt. Wir haben jetzt ein neues Online-Sicherheitssystem, das funktioniert, indem man eine Mailadresse und ein Passwort eingibt – also genau so wie das alte.

Nach dieser Tatsache, wird Ihnen angeboten, ihr PayPal-Konto zu aktualisieren.

Und weil wir so eine große, unwälzende und vor allem fantastische technische Änderung gemacht haben, haben sie ein Problem und bekommen von uns das Angebot, etwas tun zu müssen. Tatsache ist, dass das eine der dümmsten „Begrüdungen“ ist, die mir als Phisher einfallen konnten. Oder sind sie schon einmal mit ihrem Personalausweis zur Sparkasse gegangen, weil dort eine interne Software angepasst wurde? :mrgreen:

Um Ihr PayPal-Konto zu aktualisieren, liegt Ihnen in Ihrer E-Mail Adresse ein Formular zur Verfügung.

Auch mein Deutschexperte weiß leider nicht, wie man in einigermaßen verständlichen und wohlklingendem Deutsch beschreibt, dass die Mail einen Anhang hat. Er ist halt genau so ein Experte wie ich und…

Bitte laden Sie das Formular aus, rufen Sie über Ihren Internet-Browser und folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm.

…deshalb der Meinung, dass „ausladen“ der richtige Terminus für das Speichern eines Mailanhanges ist.

Hinweis: Das Formular muss in einem modernen Browser geöffnet werden, dassJavaScript aktiviert hat. (z.B. Internet Explorer, Mozilla Firefox).

Ich bin ja selbst so ein Spezialexperte. Deshalb habe ich das Wort „JavaScript“ mit dem Download-Link auf die Laufzeitumgebung für Java verlinkt. Das klingt so ähnlich, und ich habe mir leider nicht genug technisches Verständnis angeeignet, um eine im Browser laufende Skriptsprache von einer plattformunabhängigen Programmiersprache unterscheiden zu können. Das macht aber nichts, denn wer meiner holprig formulierten Spam Glauben schenkt, der weiß so etwas auch nicht.

Warum das mit dem JavaScript so wichtig ist? Na, weil ich lieber nicht direkt in das angehängte HTML-Formular reinschreibe, wo die eingegebenen Daten schließlich hingehen. Solche Betrugsseiten sind ja sonst in Windeseile bei jedem Spamfilter dieser Welt bekannt, und mein Betrugsversuch käme gar nicht mehr bei den Opfern an. Stattdessen drücke ich mich lieber ein bisschen indirekter aus:

Ausschnitt aus dem Anhang der Spam mit verborgener Zieladresse für das HTML-Formular

Wer das „dechiffriert“, stellt fest, dass die Daten nicht an PayPal gehen, sondern an die URL http (doppelpunkt) (doppelslash) familyaffair (punkt) co (punkt) za (slash) admin (slash) logout.php in der TLD Sambias. Da hat mein krimineller Kollege von den Crackern nebenan eine Sicherheitslücke ausgenutzt und diesen Server verwenden wir jetzt eben nach Herzenslust für unsere kriminellen Geschäftchen.

[Den Betreiber der Website habe ich eben mit einer Mail unterrichtet. Ich hoffe mal vorsichtig, dass der Mailserver dort nicht auch kompromittiert ist und dass nur eine Sicherheitslücke im dort verwendeten CMS für den Upload einer Datei ausgenutzt werden konnte.]

Nach Abschluss dieser Phase wird die Aktualisierung Ihres PayPal-Kontos normal funktionieren.

Nachdem sie sich nicht darüber gewundert haben, dass „PayPal“ lauter Daten von ihnen wissen will, die PayPal längst weiß und deshalb brav alle Daten zu Kriminellen übermittelt haben, wird ihr PayPal-Konto so gut funktionieren, wie es vorher auch funktioniert hat.

Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und danken Ihnen für Ihre Zeit.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte den Kundenservice.

Wir tun höflich und sind Phishing-Arschlöcher.

Mit freundlichen Grüßen,
PayPal-Team.

Mit mechanischem Lächeln
Dein Phishing-Dummspammer

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Natürlich wird für jede E-Mail ein Urheberrecht deklariert. Einfach, weil das so irre beeindruckend klingt. Und so professionell.

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Nein, PayPal hat mit der Mail nichts zu tun…

Dieses kleine Meisterwerk des Phishings ist eine Einsendung von I. M.-S., die es nicht nur mit Mails versteht, eine einfache Spamdose sehr glücklich zu machen. Danke nochmal.

Wichtige Meldung: Ihr Konto ist gefährdet

Mittwoch, 13. März 2013

„Gefährdete Konten“ klingt fast so wie „Vom Aussterben bedrohte Tierarten“. :mrgreen:

Der gefälschte Absender der Mail ist info (punkt) asc (at) ing (strich) diba (punkt) de, und natürlich kommt diese Mail nicht von der Bank, sondern von einem kriminellen Phisher.

Sehr geehrter Kunde

Wir haben vor kurzem erkannt das bei ihrem ING-DiBa Konto ein Problem aufgetreten ist.

Wir haben keine Ahnung, wie sie heißen und nennen sie einfach Kunde. Vielleicht heißen sie ja so. Vor kurzem haben wir bei ihrem Konto, das bedauerlicherweise genau so wenig eine Nummer hat wie unsere Empfänger einen Namen haben, ein Problem festgestellt, zu dem wir auch nichts nähreres sagen können. Und weil unsere buchhalterischen Probleme bei Problemen mit dem Konto immer von Herrn und Frau Kunde behoben werden müssen, wollen wir sie mechanisch freundlich darum bitten, uns jede Menge Daten zu geben, die ihre Bank doch schon längst kennt. Weil…

Da bei ING-DiBa Sicherheit groЯgeschrieben wird und wir ihr Konto vor unbefugter Nutzung schьtzen

…wir nicht einmal wissen, wie man „groß“ schreibt; keine Ahnung haben, wie man mit einer russischen Tastatur diese lustigen deutschen Sonderzeichen in eine HTML-formatierte Mail bekommt und auch gerade keinen Dreizehnjährigen mit guten Computerkenntnissen zu Hand haben, der uns mal erklärt, was eine HTML-Entity ist. Solche technischen Grundlagen interessieren uns auch nicht weiter, schließlich wollen wir nur spammen.

Und unser Deutschbeauftragter ist auch gerade ins Wodka-Koma gefallen:

wollen haben wir ihnen eine E –Mail geschickt bitte laden sie das darin enthaltende
Formular und melden sie sich erneut an um
fortfahren zu kцnnen.

Gemeint ist hier der Anhang. Dieser ist eine HTML-Datei mit einem HTML-Formular, das seine Zieladresse hinter einem bisschen JavaScript versteckt, damit der rottige Domainname auch durch die Spamfilter flutscht. Natürlich ist es nicht die Domain der Bank, sondern silairazum (punkt) ru. Wegen dieses Tricks muss die HTML-Datei auch in einem Browser geöffnet werden, und aktiviertes JavaScript haben richtige Opfer sowieso.

Natürlich ist die Seite wie immer „liebevoll“ nachgebaut…

Screenshot der betrügerischen Seite aus dem Dateianhang

…also genau richtig, um Kunden von denjenigen Unternehmen zu überrumpeln, deren von Technik und Internetsicherheit völlig unbeleckte Kaufleute und sonstigen professionellen Lügner auf fälschbares Design setzen, aber auf fälschungssichere digital signierte E-Mail verzichten. Da freuen sich die Kunden dann auch, wenn sie stilecht zur Login-Seite eines Phishers die Warnung vor Phishing sehen können. 😈

Mit freundlichen GrьЯen
ING-DiBa Kundenbetreuung

Warum diese Mailanhänge?

Die Phishing-Spam mit angehängten HTML-Dateien ist zurzeit häufig. Früher wurde meist eine Mail mit einem Link verwendet, der dann zu einer nachgemachten Bankseite unter falscher Domain führte.

Der Grund, weshalb inzwischen Anhänge bevorzugt werden, ist die Sicherheitsfunktion der Browser. Alle heutigen Browser in ihren Werkseinstellungen überprüfen die Adresse einer Seite, bevor sie sie öffnen – und wenn diese Adresse in erkannten Spams verwendet wurde, warnen die Browser auffällig vor dem Phishing- und Betrugsvedacht. Für die Spammer bedeutet das: Selbst, wenn ausreichend viele Mails durch die Spamfilter hindurchkommen, schafft es diese zweite Sicherung nach der Spamfilterung, dass viele Empfänger gewarnt sind und nicht mehr ganz so leichtfertig Zugangsdaten in Formularen auf obskuren Domains eingeben.

Offenbar sorgt diese Sicherheitsmaßnahme für genügende „Gewinneinbrüche“ bei den Kriminellen, so dass sie andere Verfahren ausprobieren.

Der Anhang einer HTML-Datei ist aus Empfängersicht gegenüber dem Link allerdings absurd umständlich:

  1. Der Mailanhang muss lokal gespeichert werden.
  2. Dieser gespeicherte Anhang muss dann geöffnet werden.
  3. Dann erst können Zugangsdaten für einen angeblichen Login und weitere Daten, die der Bank längst bekannt sind (Anschrift, Geburtsdatum, etc.) eingegeben werden.

Dieses Verfahren sollte auch schlichteren Gemütern als vollständig unglaubwürdig auffallen, selbst wenn die Phishing-Spams einmal besser formuliert werden.

Grundsätzlich gilt: Banken versenden solche Mails nicht. Jede E-Mail einer Bank, in der die Empfänger dazu aufgefordert werden, Daten einzugeben, die der Bank längst bekannt sind, ist eine E-Mail von Betrügern. Und generell stinkt jeder Anhang in einer nicht digital signierten E-Mail, deren Absender beliebig gefälscht sein kann.

Konto-Status

Freitag, 8. März 2013

Natürlich kommt diese Mail nicht von PayPal, was sich beim Lesen auch schnell zeigt:

Lieber PayPal Kunde,

Du bist Kunde und ich weiß nicht, wie du heißst.

Aufgrund der jngsten betrgerischen Aktivit¦ten haben wir ein neues Online-Sicherheitssystem fr den maximalen Schutz der pers￶nliche Daten unserer Kunden gestartet.
Nach dieser Tatsache, wird Ihnen angeboten, ihr PayPal-Konto zu aktualisieren.

Ich schreibe Deutsch und weiß nicht, wie man diese komischen deutschen Vokale mit den Pünktchen drüber in eine HTML-formatierte Mail kriegt. Wenn ich das einfach nachlesen und verstehen würde, wäre das ja echte Mühe. Und wenn ich mir Mühe geben würde, könnte ich doch gleich arbeiten.

Um Ihr PayPal-Konto zu aktualisieren, liegt Ihnen in Ihrer E-Mail Adresse ein Formular zur Verfgung.
Bitte laden Sie das Formular aus, rufen Sie ber Ihren Internet-Browser und folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm.

Ich weiß auch nicht so ganz genau, wie man Dinge auf Deutsch formuliert. Deshalb liegt ein Formular zur Verfügung, das sie ausladen sollen. Das ist übrigens eine HTML-Datei von Kriminellen, die unbedingt erfordert, dass du JavaScript erlaubst. Da kannst du dann lauter lustige Angaben zu ihrem PayPal-Account und ihrer Kreditkarte machen, und die schickst du dann an mich. Das habe ich da natürlich nicht ganz so direkt in den HTML-Quelltext reingeschrieben, sondern ein bisschen verklausuliert, damit man auch gleich merkt, dass ich so richtig lichtscheues Gesindel bin:

Ausschnitt des versteckten, über JavaScript implementierten Submit-Buttons aus der angehängten HTML-Datei

Dein Browser macht aus dieser lustigen sedezimalen Zahlenfolge ein Starttag für ein HTML-Formular, das alle Daten an http (doppelpunkt) (doppelslash) media (punkt) cds (punkt) ed (punkt) cr (slash) images (slash) al (punkt) php sendet. Natürlich ist das nicht die PayPal-Homepage, schließlich bin ich ein widerwärtiger Krimineller, der vom Internetbetrug lebt und mal wieder ein paar Konten phishen will.

Hinweis: Das Formular muss in einem modernen Browser ge￶ffnet werden, dass JavaScript aktiviert hat. (z.B. Internet Explorer, Mozilla Firefox)
Nach Abschluss dieser Phase wird die Aktualisierung Ihres PayPal-Kontos normal funktionieren.

In meinem hochhirnrissigen Text habe ich das Wort JavaScript mit der Downloadseite für Java verlinkt. Ich bin schließlich Verbrecher, kein Techniker, und deshalb muss ich solche Unterschiede nicht kennen.

Nach Abschluss deines Datenstriptease habe ich wieder ein Konto mehr.

Wir entschuldigen uns fr die Unannehmlichkeiten und danken Ihnen fr Ihre Zeit.
Fr weitere Informationen kontaktieren Sie bitte den Kundenservice.

Ich tue so, als wäre ich höflich, aber ich bin ein kriminelles Arschloch, das dir mit einer hingestümperten Spam das Geld aus der Tasche ziehen will und deine persönlichen Daten für kriminelle Geschäfte missbrauchen will, damit ich den Gewinn habe und du den Ärger. Für weitere Informationen geh einfach auf die PayPal-Website und lies dort die Informationen zum Thema Phishing! Der in diesem Kontext wichtigste Satz darin lautet übrigens: „Sie können sich darauf verlassen: Unsere E-Mails kommen immer ohne Anhang.“

Mit freundlichen Gr￟en,
PayPal-Team.

Copyright ᄅ 1999-2013 PayPal. Alle Rechte vorbehalten.

PayPal (Europe) S.¢ r.l.et Cie, S.C.A.
Soci←t← en Commandite par Actions
Registered office: 22-24 Boulevard Royal, L-2449 Luxemburg
RCS Luxemburg B 118 349
PayPal Email ID PP59

Mit mechanischen Grüßen von einem spammenden Idioten, der nicht einmal die HTML-Entitäten für die wichtigsten europäischen Sonderzeichen kennt, aber seinen Empfängern gegenüber so tut, als sei er ein großer Dienstleister im Web.

Your Transaction Report(s)

Freitag, 28. September 2012

Wie jetzt, ich habe doch gar keine Transaktion angestoßen…

Your Transaction Report(s) have been uploaded to the web site:

https://www.flexdirect.adp.com/client/login.aspx

Please note that your bank account will be debited within one banking business day for the amount(s) shown on the report(s).

Please do not respond or reply to this automated e-mail. If you have any questions or comments, please Contact your ADP Benefits Specialist.

Thank You,
ADP Benefit Services

Es ist leicht, diese Mail als Spam zu erkennen, denn sie verzichtet gegenüber einem angeblichen Kunden auf eine persönliche Anrede – kein Gewerbetreibender, dem etwas an seinen Kunden liegt, würde das tun.

Es handelt sich um eine HTML-Mail. Die Spammer haben offenbar versucht, einen anderen Eindruck zu erwecken, indem sie als Schriftart für den Text „Courier New“ setzten. Das ist aber sehr stümperhaft gemacht worden, wie sich deutlich am Fettdruck der unfreiwillig komischen Grußformel „Thank You“ und am abschließenden Link zeigt.

Der im Text angegebene URL ist mit einer ganz anderen Adresse verlinkt. Bei dieser wird zunächst einmal keine TLS-Verschlüsselung (https:) verwendet, und sie liegt auf einem völlig anderen Server in einem Verzeichnis, dessen Name schon andeutet, dass er automatisch generiert ist (DeTp3 würde ein Verzeichnis in einer echten Website nur selten genannt werden).

Die dort liegende Website bindet von zwei verschiedenen Adressen aus ebenso erkennbar automatisch benannten Unterverzeichnissen (uTNPT911 und 9x82urVs JavaScript-Dateien mit dem Namen js.js ein. Diese veranlassen eine identische Weiterleitung auf eine PHP-Datei auf dem Server mit der IP-Adresse 108.178.59.6.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Server, die hier für die Weiterleitungskaskade verwendet werden, von Crackern übernommen worden. Sie werden von einer Winzerei aus Massachusetts und einer Nonprofit-Organisation aus Costa Rica betrieben.

Was die PHP-Datei, die am Ende dieser Reise durch das Reich der Weiterleitungen liegt, zurückgibt, um den Browser damit zu belasten, konnte ich leider nicht so leicht herausbekommen. Das PHP-Skript existiert, aber es gibt im Standardfall nur einen HTTP-Status 502 (Bad Gateway) zurück, ohne eine Fehlermeldung auszugeben oder irgendetwas anders an den Browser zu senden. Ein Mensch würde eine weiße Seite sehen. Vermutlich ist die Ausgabe abhängig vom Referer, vom User-Agent des Browsers und vielleicht weiteren Eigenschaften der Anfrage (ich habe erfolglos einiges ausprobiert, denn ich bin immer neugierig, was die Kriminellen gerade so treiben…) – hier will sich also jemand verstecken.

Verstecken vor wen? Nicht vor den Opfern, sondern vor allem vor Bots, die Webseiten automatisiert auf Schadcode durchsuchen, um in modernen Browsern eine deutliche Warnung vor dem Besuch einer derartigen Seite anzuzeigen. Denn das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ziel dieser ganzen Aktion sein: Dem Menschen, der in die Spam geklickt hat, eine hübsche Kollektion aktueller Schadsoftware unterzujubeln, wenn es irgendeine Lücke gibt, die das zulässt. Vor ein paar Monaten haben sich die Internet-Kriminellen weniger Mühe beim Verstecken gegeben, aber die Masche war die gleiche: Eine aufreizende Mail wegen einer Geldsache, ein Link, und wer darauf geklickt hat, bekam ein ernsthaftes Problem.

Und genau wie vor einigen Monaten gibt es gegen diese Form der Kriminalität einen wirksamen Schutz – und der besteht nicht im versprochenen Schutz einiger Schlangenölverkäufer aus der Antivirus-Industrie:

  1. Spam erkennen und löschen!
    In diesem Fall war es sehr einfach, die Spam zu erkennen, da es eine angebliche Benachrichtigung wegen eines geschäftlichen Vorganges ohne persönliche Ansprache war. Niemand würde seine Kunden so behandeln. Wann immer eine Spam erkannt ist, sollte sie sofort gelöscht werden. Der mögliche Schaden durch einen einzigen Klick ist das bisschen befriedigte Neugier nicht wert.
  2. Niemals von einer Mail in Panik versetzen lassen!
    Natürlich sind die Geschichten der Spammer so, dass sie Alarmstimmung auslösen, um möglichst viele Empfänger zu einer unvernünftigen Reaktion hinzureißen. In diesem Fall wurde etwa die Belastung eines Bankkontos mit einem unbekannten Betrag an die Wand gemalt. Das sollte niemals ein Grund sein, in einer Mail herumzuklicken. Im Zweifelsfall einfach die Website der Bank direkt im Browser aufrufen, sich anmelden und nachschauen, ob alles in Ordnung ist. Übrigens empfiehlt beinahe jede Bank in ihren Sicherheitshinweisen, dass man niemals die Bankwebsite aufruft, indem man in eine Mail klickt. Das hat einen guten Grund. Oder besser: Das hat mehrere Millionen gute Gründe pro Tag, die in vielen Mailpostfächern ankommen.
  3. Augen auf vor jedem Klick!
    Wenn sich der Mauszeiger über einem Link befindet, wird in der Statuszeile sichtbar, wohin dieser Link wirklich führt. Das ist nützlich. Wenn da eine Internetadresse in der Mail steht, und der Link führt auf eine andere Adresse, handelt es sich beinahe ausnahmslos um Betrugsversuche. Gute Mailsoftware wie etwa Mozilla Thunderbird weist auf derartige Versuche übrigens sehr deutlich hin, wenn man eine Mail betrachet. In jedem Fall sollten solche Überrumpelungs-Links ein Grund sein, die Mail zu löschen. Es gibt ein paar Unternehmen, die ihre per Mail versendeten Links über Tracking-Skripten laufen lassen, und deren Kommunikation kann man bei der Gelegenheit gleich mitlöschen. Wer sich bei der Methodik von Kriminellen bedient, um Erfolgsmessungen seiner Reklamemaßnahmen zu machen, darf sich nicht wundern, wenn die angemessene Ächtung der Kriminalität auch auf ihn fällt.
  4. Webbrowser sichern!
    Die Mehrzahl der Versuche, Rechner über präparierte Websites mit Schadsoftware zu missbrauchen, läuft über JavaScript. Es sollte niemals jeder beliebigen Website das Privileg eingeräumt werden, den Code irgendwelcher anonym bleibenden Zeitgenossen im Browser auszuführen. Wer JavaScript nicht völlig abschalten möchte, verwendet ein Browser-Addon wie NoScript, um dieses Privileg bewusst jenen Websites einzuräumen, denen man vertraut. Auch der hier kurz behandelte Crackversuch wäre an einem Addon wie NoScript (oder an abgeschalteten JavaScript) gescheitert. An einem „Antivirusprogramm“ hingegen vermutlich nicht, denn diese Softwaregattung hinkt der kriminellen Entwicklung immer einige Tage hinterher und verbreitet deshalb bei ihren Nutzern eine gefährliche Illusion von Sicherheit.

Aber der wichtigste Schutz vor der Internet-Kriminalität sitzt im Kopfe. Deshalb: Bei der Benutzung des Internet Gehirn einschalten!

Und der wichtigste Helfer der Internet-Kriminaltät ist das blinde Vertrauen in bequeme Sicherheit durch irgendwelche „Sicherheitsfeatures“ in gegenwärtiger Software oder irgendwelche „Antivirusprogramme“ und „Personal Firewalls“. Dies alles ist nur Ergänzung. Unter Betriebssystemen wie Microsoft Windows, die eine erhebliche Anfälligkeit für das Treiben der Cracker haben, vielleicht sogar eine wichtige Ergänzung – aber hier wäre ein weniger anfälliges Betriebssystem die bessere Wahl.