Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


® wurde gestoppt

Mittwoch, 6. Dezember 2017, 17:49 Uhr

Wer ist das? Und was habe ich damit zu tun? Diese etwas obskure Mail ging auf der Gammelfleisch-Adresse für unseriöse Geschäftsvorschläge ein; diese ist die einzige Mailadresse im Impressum, die ein Harvester problemlos auslesen kann. Vermutlich wird jede irgendwo im Web auffindbare Mailadresse mit diesem Müll zugespammt.

Jetzt aber erst einmal ein Screenshot des „wunderhübschen“ HTML-Layouts der Schrottmail:

Screenshot der Darstellung dieser Mail im Thunderbird

Detail aus der Spam: Fünf Sterne, unter denen Nr. 1 steht, darunter ein nachgemachter Teilen-Button von FacebookEs ist doch gleichermaßen erfreulich wie erbäulich, wenn völlig namenlose und mir unbekannte Leute mit Facebook-Klickeknöpfchen und fünf Sternen über der Nummer Eins, die mir illegale und asoziale Spam in mein Postfach machen, schlaflose Nächte wegen meiner Computersicherheit zu haben scheinen. Vor allem, wenn man daran denkt, dass die größte vermeidbare Gefahr für die Computersicherheit ein Klick in eine Spam ist. Die Kombination von dummdürftigem Inhalt mit dem Streben nach Design ist immer wieder für einen Lacher gut.

Der wichtigste Grund für das HTML-Layout der Spam ist freilich ein anderer. Vom Leser im Regelfall unbemerkt wird von der (über einen bei Kriminellen sehr beliebten Dienstleister aus dem sonnigen Panama anonym betriebenen) Domain preparedsecurity (punkt) com ein unsichtbares, kleines Bild eingebettet, ein so genannter Webbug. Dieser „funkt“ über eine eindeutige ID an die Absender zurück, dass die Spam unter der Empfängeradresse angekommen ist und sogar angeschaut wurde, so dass bei der so heimlich bloßgelegten Adresse in Zukunft so richtig durchgespammt werden kann.

Mein Tipp gegen diesen regelmäßig angewandten Trick der Spammer (und der Werber): Einen Mailclient verwenden, der standardmäßig niemals externe Inhalte selbsttätig nachlädt. Ich empfehle den auch für „normale Menschen“ sehr einfach einzurichtenden und zu benutzenden Thunderbird. Wer hingegen seine E-Mail im Webbrowser macht, weil es so „bequem“ ist oder weil er Angst davor hat, sich eine richtige Software zu installieren, hat keine Chance, sich gegen diese Form der überrumpelnden Überwachung durch Kriminelle zu verteidigen. Tatsächlich ist eine richtige Mailsoftware auch wesentlich bequemer als die Nutzung eines Webmailers, vor allem, wenn man mehrere Mailadressen verwendet – was angesichts der Spamfluten eine gute Idee ist.

So, nun zum Text:

Hacker attackieren deutsche Webseiten

Diese Hacker aber auch immer, die mit ihren Äxten auf Webseiten losgehen!

Nehmen ich mal nur ein Beispiel. Hier auf Unser täglich Spam gab es in den letzten 12 Stunden zehn Versuche, sich mit ungültigen Zugangsdaten anzumelden. Es war für die Angreifer nicht besonders schwierig, meinen Login-Namen herauszubekommen, und für das Passwort werden dann einfach Wörterbücher genommen, die häufige und beliebte Passwörter durchprobieren. Skripten, mit denen man das automatisieren kann, sind leicht zu finden, und jeder verpickelte und adipöse Nachwuchscracker auf dem Pisspott kann diese Skripten benutzen. Dieses Wörterbuch-Verfahren für Passwortcracks führt erschreckend häufig zum Erfolg. Deshalb verwendet man ja auch niemals ein Passwort, das jemand anders erraten könnte. Wer nicht genau weiß, worauf es bei der Wahl eines Passwortes ankommt, kann hier schnell und einfach die Sicherheit seines Passwortes überprüfen lassen.

Ja, in der Tat: Hacker hacken. Das ist nichts Neues und bedarf nicht des brüllenden Alarmtones (und schon gar nicht der Spam), das ist Alltag. Gefällt mir auch nicht immer. Ist aber so. Es besteht also aller Grund zur Vorsicht im Datenverkehr!

Demnächst sollen nach den jüngsten und gesellschaflich hochgefährlichen Fieberträumen unseres offensichtlich völlig durchgeknallten geschäftsführenden Herrn Bundesinnenministers de Maizière (CDU)¹ sogar Polizeien und Geheimdienste der Bundesrepublik Deutschland mit krimineller Methodik auf Computer anderer Menschen zugreifen – und die für diesen Zugriff ausbeutbaren Sicherheitlücken sollen von Geräteherstellern offen gelassen oder sogar eigens geschaffen werden. Wohin ein solches Agieren von Staaten letztlich führt, durften wir alle während des WannaCry-Erpressungstrojaners „bewundern“, der eine für die NSA offen gelassene Sicherheitslücke ausbeutete: Zu riesigen Problemen für arglose Computernutzer, zu riesigen wirtschaftlichen Schäden in etlichen Unternehmen und zu riesigem Reibach für die Organisierte Kriminalität. Polizeien und Geheimdienste, deren Agieren die Kriminalität fördert und die Betroffenen der Kriminalität noch schutzloser macht, haben jeglichen Sinn verloren und werden in ihrer gegen mich und die gesamte Bevölkerung gerichteten Gewalt von mir nur noch als Feinde betrachtet. Nein, nicht als Gegner. Als Feinde. Weil sie Feinde sind.

Reuters/dpa berichtet: Wir sprechen von einem Cyber-Angriff.
Der Angriff hat alle Bereiche unseres Geschäfts erfasst.

Aha, und der angeführte angebliche „Bericht“ von Reuters und der dpa kann in einer HTML-formatierten E-Mail nicht verlinkt werden? Woran das wohl liegen mag? Nicht, dass es sich hier um diese „Fake News“ handelt, von denen so oft geredet wird… :mrgreen:

==> Finde heraus, ob von Hackern bedroht ist

Sätze ohne Verb habe ich ja öfter, vor allem bei Spams aus dem slawischen Kulturraum, aber Sätze ohne Objekt… ;)

Der Link geht in die Domain preparedsecurity (punkt) com und führt nach zwei Umleitungen…

$ location-cascade "http://www.preparedsecurity.com/index.php/campaigns/ln529dg4wt01e/track-url/ka421kkr2r726/1b01a0f7f8b56270471a4f696be785fefa26c7d4"
     1	http://preparedsecurity.com/rdc.php?md=email&cp=Sicherheitscheck 15.0.1&ad=CtoA&adt=Textclick&em=ln529dg4wt01e
     2	https://www.webwaechter2018.com?owa_medium=email&owa_campaign=Sicherheitscheck 15.0.1&owa_source=newsletter&owa_ad=CtoA&owa_ad_type=Textclick&email_id=ln529dg4wt01e
$ _

…zur Website in der Domain webwaechter2018 (punkt) com, die ebenfalls…

$ whois -h whois.namecheap.com webwaechter2018.com | grep ^Registrant | sed 5q
Registrant Name: WhoisGuard Protected
Registrant Organization: WhoisGuard, Inc.
Registrant Street: P.O. Box 0823-03411 
Registrant City: Panama
Registrant State/Province: Panama
$ _

…über einen bei Kriminellen und Spammern sehr beliebten Dienstleister aus dem sonnigen Panama vollständig anonym betrieben wird. Ich will es mal so sagen: Wer sich unter diesen Umständen und von diesen Leuten wegen seiner Computersicherheit beraten lässt, handelt genau so „schlau“ wie jemand, der zum Schutz vor Einbrüchen den Wohnungsschlüssel einer Einbrecherbande in die Hand drückt.

Immerhin scheint man sich nicht gleich beim Besuch der Website etwas einzufangen. Aber nicht einmal darauf würde ich mich verlassen. Die Spam ist aktuell, und die Antivirus-Schlangenöle helfen nur gegen ältere Schädlinge, die bei den Herstellern der Antivirus-Programme schon bekannt sind. Es ist niemals eine gute Idee, in eine derartige E-Mail zu klicken.

Die lustige und wie bereits gesagt völlig anonym betriebene Website mit ihrer 128-Bit SSL Rundum-Verschlüsselung mit Krypto-Lock (kannste dir nicht selbst ausdenken, sowas!) sieht übrigens so aus:

Screenshot der durch Spam beworbenen Website

Wer dort die Adresse seiner Website eingibt, wird sicherlich allerhand Probleme angezeigt bekommen – ich war nur nicht gewillt, allzuviel Skripting zu erlauben, weil ich gerade keinen gut gesicherten Rechner zur Verfügung habe, und deshalb weiß ich nicht, was meinen leichtgläubigen Mitmenschen präsentiert wird.

Wer diese Leute gar an seinen Server lässt, der bekommt vermutlich fast alles, wovor er geschützt werden soll:

Machen Sie Ihr Unternehmen sicher:
✔ Halten Sie Ihre Webseite immer erreichbar
✔ Schützen Sie sich vor Reputationschaden
✔ Wehren Sie böse Spam-Roboter Attacken ab
✔ Bleiben Sie mit Ihrer Webseite in der Google Suche

Wow, diese Spammer haben sogar ein Zeug, mit dem ich in der Google-Suche bleibe! Das ist ja… fast so gut wie die Zusage, dass ich mit meiner Lunge weiterhin Luft atme.

Am Rande bemerkt: Wer sich mit seiner Website am Webmaster-Programm von Google anmeldet (das kostet kein Geld, macht nur geringen Aufwand und schadet nicht), bekommt vor einer eventuellen Löschung aus dem Google-Index eine Warnmail, in der beschrieben ist, wieso es dazu kommt. Dafür bedarf es also nicht eines Bullshit-Spezialexperten, der von mir völlig unwidersprochen selbst zu der Auffassung gelangt ist, dass sich seine Dienste ohne illegale und asoziale Spam wohl nicht verkaufen lassen. Wieso Google Websites aus dem Index löscht? Häufig, weil eine Website von Verbrechern übernommen und in eine Schadsoftware-Schleuder umgebaut wurde. Da ist es gut, schnell gewarnt zu sein, um etwas dagegen unternehmen zu können. Wenn man hingegen diese freundlich spammenden Kriminellen als „Webwächter“ an seinem Server lässt, warnen sie ganz sicher nicht, wenn sie die Website in eine Schadsoftware-Schleuder umbauen und/oder sich ein paar Hintertüren für alle möglichen Formen des kriminellen Missbrauches der Server anderer Leute legen – von der Verbreitung illegaler Darstellungen des sexuellen Missbrauches von Kindern² über ganz gewöhnliche Betrugsgeschäfte bis hin zur ordinären, stinkenden Spam. Alle diese von einem selbst durch Zugangsgewährungen verursachten Nutzungen eines Servers durch Kriminelle führen nicht nur zum nachhaltigen Reputationsverlust und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden, sondern auch zur Bekanntschaft mit ermittelnden Untersuchungsgerichten und Staatsanwälten. Und zwar ganz sicher.

Freundliche Grüße,
Sabine Schiffer

Ihre Ansprechpartnerin
für die Sicherheit Ihrer Webseite

Nein, kriminelle Spammer sind keine Ansprechpartner.

Webwaechter2018
Mit uns schützen Sie Ihr Unternehmen
www.webwaechter2018.com

Wenn das der Schutz ist, will ich die Unsicherheit nicht mehr kennenlernen.

Wollen Sie sich weitere, wichtige Hinweise für die Sicherheit Ihrer Webseite entgehen lassen?
Ich verzichte auf die Zustellung wertvoller Informationen und trage mich hiermit aus.

Ihr könnt mich auch mal!

¹Angesichts des hier geltenden „Rechtes auf Vergessen im Internet“ geht der Link auf eine dauerhafte Archivversion der Pressemeldung.

²Ich nenne das ganz bewusst nicht „Kinderpornografie“, denn Pornografie wird von einwilligungsfähigen Menschen freiwillig (nämlich so freiwillig wie jeder andere Job auch) hergestellt. Es handelt sich hier um etwas Übleres als Pornografie, und dieser Unterschied sollte jedem Menschen klar sein, damit es nicht zu verharmlosenden und beinahe höhnischen Ausdrücken wie „Kinderpornografie“ kommt. Vor allem wäre viel gewonnen, wenn jedem Journalisten dieser Unterschied klar wäre.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

Ein Kommentar für ® wurde gestoppt

  1. emris sagt:

    Vielen Dank, für die Recherche!
    Hatte heute exakt so ein Spamteil in der ePost und habe dann gleich im Netz nach Aufklärung gesucht. … und hier gefunden!
    Nochmals: Vielen Dank!
    emris

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