Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Rechnung Nr. 152259 vom 15.02.2016

Montag, 22. Februar 2016, 12:36 Uhr

Das ist die Pest des heutigen Tages. Die Ziffernfolge ist natürlich jedesmal eine andere. Dabei wird auch vor führenden Nullen nicht zurückgeschreckt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich weiß nicht, wie du bist, obwohl ich dir eine „Rechnung“ schicke.

in der Anlage erhalten Sie unsere Rechnung 152259 vom 15.02.2016 im MS-Office Word Format. Diese Reifen sind per DPD an Sie unterwegs.

Wenn du dir kein Microsoft Office gekauft hast oder kein Betriebssystem benutzt, auf dem Microsoft Office überhaupt lauffähig ist, kannst du meine „Rechnung“ nicht lesen und bekommst auch niemals eine andere „Rechnung“ von mir, mit der du etwas anfangen kannst. Bezahl dann einfach nichts! :mrgreen:

Bitte drucken Sie diesen Beleg für Ihre weitere Verwendung und für Ihre Unterlagen aus.

Diese „Rechnung“ ist ein „Beleg“. Wenn man ihn nicht ausdruckt, kann man ihn nicht verwenden und nicht archivieren.

Bitte beachten ! Dieser Beleg ist das Orginalexemplar !

Und der „Beleg“ ist sogar ein „Original“. Und wenn man ihn fünfmal ausdruckt, gibt es fünf „Originale“. Eine einfache Kopieroperation kann allerdings waldschonender neue Originale erzeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Gunther Schulz

ADVANCED COURIER

Freundlich wie die Pest
Dein Spammer

Kurzes Spamkompetenztraining – was bedeutet wohl die Kombination folgender Merkmale:

  1. Unpersönliche Anrede, obwohl mal beim Absender Kunde sein soll;
  2. Verzicht auf jegliche Information, worum es überhaupt geht, stattdessen gibt es eine Nummer;
  3. natürlich ist es eine Rechnung; und
  4. um überhaupt etwas zu erfahren, muss man einen Mailanhang öffnen, weil in der Mail kein Platz mehr war?

Richtig, es handelt sich um Schadsoftware von schäbigen Kriminellen im Anhang. Nach Öffnen des Word-Dokumentes – das übrigens wie eine „kaputte Datei“ aussieht¹ und laut Word-Metadaten nur aus neun Buchstaben besteht – und nach dem Zulassen von Makros steht ein Computer anderer Leute auf dem Schreibtisch.

In diesem Beispiel wird die Schadsoftware wieder einmal von der Mehrzahl der Antivirus-Programme nicht als Schadsoftware erkannt. Wer sich auf sein Antivirus-Programm verlassen hat, hat verloren. Wer die Spam sofort als Spam erkannt hat und gelöscht hat, hat gewonnen. Und wer niemals einen Mailanhang öffnet, außer, wenn die Zustellung vorher ausdrücklich vereinbart wurde, kann über E-Mail kaum an Schadsoftware kommen.

¹Ich weiß nicht, ob den Kriminellen hier ihr MIME-Encoding verunglückt ist oder ob eine Schwäche von Microsoft Word ausgenutzt wird.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

3 Kommentare für Rechnung Nr. 152259 vom 15.02.2016

  1. […] herzustellen. Obwohl sich diese Softwaregattung bei aktuellen Angriffen regelmäßig als vollkommen nutzlos erweist; ganz im Gegensatz zur Abschaltung von Möglichkeiten, die jedem Gestalter und jedem […]

  2. Maik Köppen sagt:

    Die PEST ist treffend formuliert!
    …zumal es uns in dieser Mail als vermeintlichen Absender getroffen hat.
    Leider öffnen noch unzählige Anwender derartige SPAM-Mails, was uns an der massigen Resonanz am Telefon bewiesen wurde.

    Im Zeitalter, wo jeder Datenstrom überwachbar ist stellt sich mir die dringende Frage, warum schützt uns und unsere Wirtschft keine Regierung vor der Datenpest insulaner Mailserver???

    Mit besten Grüßen an Redakteure und Leser dieser Seite.

    Maik

    • Im Zeitalter, wo jeder Datenstrom überwachbar ist […]

      Die Machenschaften der NSA wären mir auch gleich viel sympathischer (wenn auch nicht wirklich sympathisch), wenn deshalb öfter mal solche Spammer in den Knast gehen würden.

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