Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


„Job 2.0″: Shop-Spammer

Donnerstag, 29. August 2013, 19:28 Uhr

Der „Jobmotor Internet“, wie ein typischer Vertreter der classe politique so gern vom Netze spricht, ist angelaufen, gibt unter monoton stotternden, mechanischen Regungen schwarz stinkende Schwaden von sich und bringt Menschen in eine tolle Arbeit als professioneller Spammer auf den Websites von Online-Shops:

Beruf Bewerter: Ein Unternehmen sucht Mitarbeiter, die in Onlineshops Spam-Bewertungen zu Produkten erzeugen. Dabei soll unter wechselnden Texten immer die volle Punkt- und Sterneanzahl eingeben werden.

Weiterlesen bei golem.de – Spam: Firma sucht kommerzielle Bewerter für Onlineshops

Kurz gesagt, was ich gar nicht oft genug wiederholen kann: Kein Ort im Internet, der eigentlich der Kommunikation von Menschen dient, ist frei von Spam. Was dort „kommuniziert“ wird, wo es auch um Geld geht, ist einseitig, verlogen und trägt das Potenzial in sich, gutgläubige und unvorsichtige Menschen zu schädigen. Dafür, dass der Spamcharakter solcher „Mitteilungen“ nicht sofort auffällt…

Dem Arbeitsvertrag ist ein Leitfaden beigefügt, der den angeheuerten „Bewertern“ nahelegt, sich gleich mehrere E-Mail-Adressen anzulegen und darauf zu achten, auf den verschiedenen Plattformen einen unterschiedlichen Satzbau zu verwenden. Weiter soll natürlich immer die volle Punkt- bzw. Sternezahl gegeben werden.

dafür sorgen die asozialen Unternehmungen schon, die Menschen für solche asoziale Spam bezahlen.

Ich empfinde es übrigens als unfassbar, dass ein „Arbeitsvertrag“, in dem so etwas wie „Wir bezahlen sie dafür, dass sie spammen, um andere Menschen mit Lügen irrezuführen“ drinsteht, in der BRD nicht sittenwidrig ist. Aber auf der anderen Seite wäre dann jedes „Geschäft“ mit jeder PR- und Werbeagentur sittenwidrig – und unser werter Gesetzgeber wird es sich doch nicht ausgerechnet mit der Brut versauen, die jetzt überall photoshop-retuschierte Gesichter mit Parteilogo drunter in den öffentlichen Blickraum stellt.

Spam ist eben eine mehr oder minder natürliche Fortsetzung dessen, was unter der Bezeichnung Werbung viel zu viel gesellschaftliches Ansehen genießt: Die gleichen Methoden, der gleiche Charakter, die gleichen Lügen, die gleiche Menschen- und Intelligenzverachtung.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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