Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Ihre Homepage auf Seite 1

Mittwoch, 30. Januar 2008, 04:42 Uhr

Sehr geehrter Kunde, als SEO-Vertriebspartner informieren wir Sie:

Ach, so nennt man die Suchmaschinen-Spammer heute. Setzen tausende von Links auf Trashseiten, spammen Blogs und Gästebücher voll und hoffen darauf, dass die Ranking-Algorithmen sich niemals weiter entwickeln, auf dass auch wirklich jeder nur noch das Ergebnis von dummer Reklame findet.

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Klar, auf Seite Eins. Ihre Homepage. Egal, was drin steht. Fragt sich nur, welche Homepages wohl auf den Seiten 2-9999 stehen werden, wenn alles auf Seite 1 steht.

Ach Moment, da war doch noch etwas. Stimmt ja, um eine Seite in einer Suchmaschine zu sehen, muss man vorher einen Suchbegriff eingeben. Klar, da kenne ich auch ein tolles Verfahren, wie man für bestimmte Suchbegriffe garantiert auf Seite 1 einer Suchmaschine kommt, und ich verrate den tollen Trick sogar für null Euro: Einfach ein paar Wörter verwenden, die kein anderer Mensch verwendet. Zum Beispiel das Wort „Gnirrtsch“, das nun ganz gewiss dieses kleine Blog auf Seite 1 in Google bringen wird, nachdem Google hier mal wieder vorbei geschaut hat. Damit werde ich von jedem gefunden, der nach „Gnirrtsch“ sucht. Und das tun schließlich viele…

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Klar, ich klicke auch gerade in einer kriminellen Spam herum. Vor allem, wenn mir der Spammer besonders unseriöse Angebote (nämlich das Spammen von Suchdiensten) macht und dafür auch noch 99 Euronen sehen will.

Wissenswertes:
> 70% aller Waren und Dienstleistungen werden bereits im Internet gesucht
> um erfolgreich zu sein muss Ihre Homepage in den Suchmaschinen ganz vorne sein
> wir bieten absolut professionellste Optimierung mit Garantie
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> jeden Tag mehr als 1.000 Platzierungen auf Seite 1 unserer Kunden

Und nach dem Spamtext jetzt das wirklich Wissenswerte:

92 Prozent der bei mir ankommenden Mails und 91 Prozent der Kommentare in meinen Blogs sind Spam. Jeder, der von dieser Pest des Internet betroffen ist, wird sich durch nichts so wenig zu einem Geschäft beeinflussen lassen wie durch eine Spam, und er wird alles gegen Spam tun. Das hat inzwischen auch auf Google zurückgewirkt, die wohl wichtigste derzeitige Suchmaschine, denn dort reagiert man allergisch auf irgendwelche Linkfarmen, mit denen Google zugespammt werden soll. Das haben erst vor ein paar Wochen auch ein paar „ganz Große“ erfahren, die bezahlte Links in ihre Seite gesetzt haben und dafür mit einem Verlust ihres bisherigen, hervorragenden Rankings bei Google abgestraft wurden.

Um eine Homepage ganz weit nach vorne in den Suchergebnissen zu bringen, gibt es ein ganz einfaches, aber auch mühsames Rezept: Inhaltliche Qualität oder wenigstens Originalität, die zu anhaltendem Interesse bei anderen Internet-Nutzern führt. Dies führt zu echter Verlinkung, wiederkehrenden Besuchern und guter Platzierung bei Google. Von dieser grundlegenden Anforderung an eine erfolgreiche Website kann man sich weder dadurch freikaufen, dass man einem Spammer Geld in die Hand drückt, noch kann Qualität durch gekaufte Links von irgendwelchen Linknutten aufgewogen werden. Die durchschnittliche, lieblos hingeworfene Kommerzseite kann in der Regel nicht durch Qualität und schon gar nicht durch Originalität überzeugen, da hilft das ganze Gestrokel mit irgendwelchen „Optimierungen“ auch nicht weiter.

Die Verwendung von Superlativen ist ein deutliches Zeichen für Dummheit, vor allem, wenn die Superlative dumm sind. Wenn etwas „professionell“ ist, wird es gegen Geld getan. Wie eine Steigerung oder gar ein Superlativ davon aussieht, ist schwer vorstellbar. Vielleicht wird hier ja für Geld nichts gatan, und es geht nur noch ums Abzocken. Das würde auch zum Marketing für Spam durch Spammail passen.

Die Formulierung „Jeden Tag 1000 Platzierungen auf Seite 1 unserer Kunden“ wirft doch so Fragen auf. Ich kann auch locker 1000 Websites unterhalten, in denen ich auf der Startseite einen bezahlten Link setze, und ich kann das sogar bequem automatisieren, was gar nicht so mühsam ist. Ich kann sogar in professionellster Weise für solche Stümperei Geld kassieren. Wahrscheinlich würde ich es aber deutlich besser machen, indem ich auch ein paar Textauszüge aus der jeweiligen Website nehmen würde. Nur eines kann ich nicht: Versprechen, dass diese dummen Linkfarmen irgendetwas bringen.

Aber eines kann ich ganz gewiss jedem Menschen zusagen: Jeder Spammer macht illegale und asoziale Geschäfte. Wer mit einem Spammer ins Geschäft kommen will, der wird kein gutes Geschäft machen.

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

4 Kommentare für Ihre Homepage auf Seite 1

  1. littleandy sagt:

    Hm, schade, bei Google findet man unter „Gnirrtsch“ noch nichts. Vielleicht ändert sich das ja mit diesem Kommentar demnächst?

  2. Tja, so häufig schaut Google hier nicht vorbei, als dass das innerhalb einiger Stunden ginge. Dafür müsste ich wohl ein echter „A-Blogger“ sein…

    Aber ich werde Google mal helfen, indem ich diese Seite mit dem Linktext „Gnirrtsch“ verlinke. Es geht doch nichts über etwas fröhlichen Dada.

  3. littleandy sagt:

    Hey, heute sind’s schon drei Suchergebnisse! Aber (mecker): spam.weltretter steht nur auf Platz drei. Das hat dann wohl nicht geklappt…

  4. Aber es wird langsam, jetzt ist es schon Platz zwei. Nichts kann mehr den Erfolg dieses Begriffes aufhalten. Die erste Seite in den Suchergebnissen ist es allemal geworden. Eigentlich brauche ich jetzt nur noch ein Produkt… ;-)

    Ich hätte wirklich nicht aus dem Didi Dodo Dada Block verlinken sollen, der hat allemal ein höheres Ranking bei Google als dieses kleine Blog über Spam. Aber dafür bei weitem nicht so viele „Leser“.

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