Hier geht es nicht um eine Spam, sondern um einen Link auf einen im Kontext der Spam interessanten englischsprachigen Artikel bei The Register, der beschreibt, wie das Time Magazine der so genannten „künstlichen Intelligenz“ andere, spammige Inhalte ausliefert, um auf diese Weise Spamwerbung in die Chatbots zu bringen – sozusagen die Pest der SEO-Spam, aber jetzt auf andere Bots als die Indexer der Suchmaschinen gerichtet:
Das Time-Magazin verfügt über eine separate Version seiner Website mit Anzeigen, die nur eine KI sieht
Markeninhaber bezahlen bereits, um zu beeinflussen, was Chatbots über sie aussagenKI-Website-Crawler bekommen jetzt ihre ganz eigenen Anzeigen präsentiert, die normale Besucher niemals sehen, was der Chef eines Unternehmens offen als eine Strategie beschreibt, um zu beeinflussen, was Chatbots über Marken sagen. Wenn Sie Claude das nächste Mal fragen, über welche Bank sie ihre Geschäfte machen wollen, könnte die Antwort von diesem auf Bots ausgerichteten „Inhalt“ beeinflusst worden sein.
Bisher liegt uns nur ein dokumentiertes Beispiel vor. Es handelt sich um Time, das ausgewählten KI-Crawlern für KI bestimmte Anzeigen bereitstellt, wie der in Deutschland ansässige freiberufliche Softwareentwickler Vincent Schmalbach entdeckte. In einem Blogeintrag vom Mittwoch erläuterte Schmalbach detailliert, wie er gesponserte Inhalte fand, die in Markdown-Versionen einiger Time-Seiten eingebettet wurden, welche für KI-Crawler, aber nicht für gewöhnliche Browser bereitgestellt werden.
Nun, da wünsche ich auch weiterhin viel Spaß bei der Lebensberatung durch die Reklamelügen von Spammern… ähm… durch große Sprachmodelle in angelernten neuronalen Netzwerken, wisst schon, das, was Journalisten, Politiker und andere digitaltechnische Analphabeten durchgehend mit dem Reklamewort „künstliche Intelligenz“ bezeichnen. Das ist eine Stelle, bei der vermutlich kaum jemand mit einer solchen Überrumpelung durch Spammer und ihre Machenschaften gerechnet hätte. Und genau deshalb ist es auch besonders widerwärtig.
Für das Time-Magazin, das solche Machenschaften als bezahlte Dienstleistung anzubieten scheint, hoffe ich auf eine zeitnahe und schnelle Abwicklung durch einen Insolvenzverwalter. Der geistig-moralische Bankrott scheint schon vollumfänglich durchschritten zu sein.
Bei Golem gibt es einen deutschsprachigen Text:
Die Seiten tragen Tags des Adtech-Unternehmens Mobian. Darauf folgt ein ausführlicher FAQ-Bereich, der die Onlinebank Ally bewirbt. Die FAQ listet Markenaussagen und Antworten auf Fragen, die ein Nutzer einem Chatbot stellen könnte. Formuliert ist das Ganze so, dass es sich fast wörtlich wiedergeben lässt. Es handelt sich um eine Optimierung der Website für Generative KI-Suchen (GEO), mit dem negativen Beigeschmack, dass hier eben nicht der reguläre Inhalt KI-gerecht präsentiert wird, sondern Werbung.
Nicht jeder Crawler bekommt diese Seiten zu Gesicht. Googles regulärer Indexierungs-Bot erhält offenbar dieselbe Seite wie ein Mensch. Assistenten-Crawler wie Claudebot, OAI-Searchbot und Perplexitybot bekamen laut Schmalbach dagegen die gesponserten Markdown-Seiten ausgeliefert. Zwei weitere OpenAI-Bots lieferten bei seinen Tests nur Serverfehler
Das dürfte für viele Menschen sehr viel leichter verständlich sein.