„Im Betreff klar machen, um was es geht“ wäre übrigens auch mal toll. Das mit der Übertragung funktioniert ja, wie ich an meinen Pesteingang sehe.
Im Moment gibt es eine Menge „neuer“ Texte zur Einleitung eines Vorschussbetruges. Keine neuen Erzählungen, aber immerhin neue Texte mit teilweise lustigen neuen Details. Also „neu“ in dem Sinn, dass bisher verwendete Begriffe wie „Erbschaft“, „Lotteriegewinn“ oder „Spende“ vollständig vermieden werden. Das heutige Exemplar wurde über eine IP-Adresse aus Angola versendet und trotz seiner „neuen“ Formulierung vom rspamd so vernichtend klar als Spam erkannt, dass ich den Absendern dringend nahelege, sich nach einem zuverlässigeren Erwerb umzuschauen. Selbst mit dem chattenden angelernten neuronalen Netzwerk als Helfer beim Umformulieren kommt ihr durch keine Spamfilter mehr hindurch. Natürlich geht diese Spam…
Von: Mr. Kenneth Downing <noreply@sme.ao>
Antwort an: zenithsavngs@gmail.com
An: [leer]
…nicht an mich persönlich, sondern an ganz viele Empfänger gleichzeitig. Angekommen ist sie nicht etwa auf einer von mir genutzten Mailadresse, sondern auf einer mehr „technischen“ Mailadresse in der Domain tamagothi.de. Und genau so persönlich…
Sehr geehrte Damen und Herren,
…werde ich auch angesprochen. Wenn ich so dumm wäre, dass ich darauf antworte, würde meine Antwort nicht etwa an die Absenderadresse gehen, sondern an eine für solches Geschmeiß angenehm anonym und kostenlos eingerichtete Mailadresse beim dicksten Kumpel und Komplizen des Spammers und Betrügers, bei Googles GMail.
wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihre E-Mail-Adresse im Rahmen einer von der Abteilung für internationale Überweisungen der Zenith Savings Bank (UK) Ltd. durchgeführten Verlosung zufällig ausgewählt wurde.
Oh, jetzt werden die Banken schon zu Lotterieveranstaltern. Aus dem Studio vier des hessischen Rundfunks überträgt das deutsche Fernsehen die offizielle Ziehung der dieswöchigen Kontostände für die 36. Ausspielung. 😂️
Selten nur war eine Idee so lächerlich. Es gibt einen Unterschied zwischen Kreditinstituten und Glücksspielveranstaltern. Erstere versprechen Seriosität und Sicherheit, um einem das Geld abzunehmen, und letztere versprechen hohe Gewinne und sogar Reichtum, um einem das Geld abzunehmen. Deshalb stehen in einer Bank Kontoauszugdrucker, Terminals und Auszahlautomaten, die sich in definierter Weise verhalten, und im Casino stehen Slotmaschinen, die sich zufällig verhalten. Eine Bank, die mir eine Slotmaschine anbietet, würde vermutlich nicht nur ich ganz schnell wechseln. 🎰️
Mein Name ist Kenneth Downing; […]
Mein Name ist „Sehr geehrte Damen und Herren“, und eines von beidem stimmt sogar. Du kennst deinen eigenen Namen und schreibst ihn in deine Spam, aber von mir kennst du nur eine Mailadresse. Und was willst du jetzt von mir?
[…] ich bin der persönliche Finanzberater von Frances und Patrick Connolly, den Gewinnern des EuroMillions-Jackpots in Höhe von 115 Millionen Pfund. Frances und ihr Ehemann Patrick haben bereits erstaunliche 60 Millionen Pfund verschenkt. Dabei wurden 12,5 Millionen Pfund für wohltätige Spenden an ausgewählte Personen in Amerika, Europa, Asien und Afrika bereitgestellt. Ihr vorrangiges Ziel war es, Opfern von Finanzbetrug sowie Menschen, die ihre Existenzgrundlage verloren haben, zu helfen, ihr Leben neu aufzubauen und die Erholung von Unternehmen zu unterstützen.
Ah ja, richtig: Du willst mir Geld schenken. Weil ich so eine schöne Mailadresse habe und du ein Bänkster bist, der das Geld anderer Leute verwaltet. Und für diesen tollen Zweck hast du dir ausgerechnet eine Mailadresse ausgesucht, die ich in der normalen Kommunikation gar nicht verwende, die es aber in beinahe jeder Domain gibt. Du hast nicht einmal geschaut, ob es in dieser Domain vielleicht eine Website gibt, die ein Impressum hat. Es geht ja nur um 12,5 Megapfund der Bank of England, ganz viele kleine bunte Läppchen mit König Karl dem Dritten drauf. Da braucht es doch keine Sorgfalt! Tatsächlich hätte mein Name schon groß und unübersehbar im Titel gestanden.
Technische Anmerkung: In früheren Spams dieser Art wurden die Beträge meistens auch als Zahl ausgeschrieben, oft sogar mit zwei Nachkommastellen. Es gibt vermutlich keine Spamfilter mehr, durch die eine Mail eines nicht explizit gewhitelisteten Absenders hindurchkommt, wenn da sechs- oder siebenstellige Zahlen mit zwei Nachkommastellen und einer Währungsbezeichnung drinstehen. Warum nicht? Weil so etwas von Unbekannten immer Spam zur Einleitung eines Trickbetrugs ist. Ohne Ausnahme. Ein völlig fremder Mensch schreibt keine unverschlüsselte und nicht digital signierte E-Mail, in der es um 850.000,00 € geht. Das ist der Grund, weshalb die Betrüger hier das Wort „Millionen“ verwenden (und sogar wissen, dass man es im Gegensatz zu nummerisch kleineren Zahlwörtern groß schreibt, was auch eine Menge Muttersprachler nicht so genau wissen¹): Sie wollen die verwendeten Numerale klein halten, aber die Betrüge groß machen… ähm… „die Beträge“ meine ich natürlich. 😁️
Zu Ihrer Information finden Sie hier einen Zeitungsbericht über den EuroMillions-Jackpot-Gewinn von Frances und Patrick Connolly:
https://www.thesun.co.uk/news/13411570/won-115million-lottery-house-half-charity/
Zu mir findest du sogar ein Wikipedia-Lemma und musst nicht extra auf die britische Boulevardpresse mit Gossenniveau verlinken.
Mit Zustimmung der Zenith Savings Bank (UK) Ltd. wurde Ihre E-Mail-Adresse als potenzieller Empfänger ausgewählt. Es fallen keinerlei Vorabgebühren an. Die einzige Voraussetzung ist die Einholung der für die Überweisung erforderlichen Genehmigung gemäß den Vorschriften der Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche (Anti-Money Laundering Authority – AMLA).
Schade, dass nur meine Mailadresse potenziell Geld kriegt und nicht ich. Aber zum Ausgleich muss ich ja auch nichts bezahlen… bis auf die eine oder andere Bearbeitungsgebühr und die eine oder andere „notarielle“ Beurkundung. Das fängt mit wenig Geld (um die fünfzig Euro) an, und wird dann immer weiter gesteigert, denn die Betrüger wissen aus ihrer Berufserfahrung heraus genau, dass viele Menschen ihr Geld nicht abschreiben, sondern immer noch mehr Geld hinterherwerfen. Bitte alles Geld über anonymisierende Verfahren bezahlen, niemals mit Schecks oder Überweisungen! Denn die Betrüger mögen auch keine Handschellen und Gefängnisse. Die Millionen existieren nicht. Die sind Lüge.

Bild: Wikimedia Commons, Lizenz: Public Domain
Das Geld, das man als Vorleistung bezahlt, weil die Bank gerade ein bisschen Ebbe im Geldspeicher hat, ist futsch. Wenn ein Opfer ausgelutscht ist oder skeptisch wird, so dass nichts mehr zu holen ist, bricht der Kontakt plötzlich ab.
Vorschussbetrug ist eine der ältesten Betrugsmaschen im Internet, und er läuft immer noch. Es haben schon erwachsene Menschen hohe fünfstellige oder niedrige sechsstellige Beträge verloren. Die Bande ist gut eingespielt und am Telefon sehr überzeugend. Meistens werden viele Opfer gleichzeitig ausgenommen. Man kann ja nicht aus jedem zwanzigtausend Euro rausleiern, viele Dumme und Naive sind ja arm, und die Feten im Bordell und die dicken Autos sind immer so teuer…
Bitte bestätigen Sie den Erhalt dieser E-Mail und teilen Sie uns die folgenden Informationen mit, damit wir das weitere Verfahren einleiten können:
Vollständiger Name
Kontaktadresse
Telefon-/Faxnummer
Ich sags ja: Hier soll ein völlig unbekannter Mensch 12,5 M£ bekommen, weil er so eine „schöne“ Mailadresse hat.
Wir freuen uns auf Ihre zeitnahe Rückmeldung und darauf, Ihnen weiterhelfen zu können.
Ich freue mich auf deine Beerdigung, Spammer! Aber mit einer Verhaftung und einer Verurteilung zu mehreren Jahren Knast wegen gewerbsmäßigen Betrugs wäre ich auch erstmal zufrieden.
Mit freundlichen Grüßen
Kenneth Downing
Leiter der Abteilung für internationale Überweisungen
Zenith Savings Bank (UK) Ltd.
Winkewinke und löschen! 🗑️
¹Kardinalzahlen sind in der deutschen Grammatik Adjektive und werden deshalb klein geschrieben. Aber ab einer Million werden sie grundlos groß geschrieben. Ich habe in meinem Leben öfter Menschen, die hier nicht geboren wurden, meine wunderhübsche Muttersprache ein bisschen erklärt, damit sie leidlich fehlerfrei schreiben können, und dabei merkt man erst, wie völlig unlogisch und absurd unregelmäßig beinahe alles daran ist. Spätestens, wenn man jemanden mit spanischer Muttersprache erklären will, dass es im Deutschen beim Deklinieren – ein für Ausländer mit lateinstämmiger Muttersprache völlig fremdes, überkompliziertes und entmutigendes Konzept, das ihre Vorfahren nach dem Ende des Römischen Reiches schnell durch Verwendung von Partikeln wie „de“ und „a“ überwunden haben – einen Unterschied zwischen Zahlwörtern und Zählwörtern gibt. Gut, dass sie nicht Russisch lernen müssen! Aber trotzdem halte ich es weiterhin für das größte Versäumnis der jüngsten Rechtschreibreformen, dass diese Groß-Kleinschreibung im Deutschen nicht einfach abgeschafft und durch einen verständlichen Apparat ersetzt wurde.
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