Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Die Stadt Witten (NRW) versendete Abzockabos

Freitag, 31. Juli 2026, 11:32 Uhr

Dies ist keine Spam, sondern ein Link auf einen im Kontext der Spam interessanten Artikel bei Golem:

Stadt Witten
Elternbeitragsbescheide mit Werbung im QR-Code versandt

Statt eines Links zur Einrichtung eines SEPA-Mandats erhielten Wittener Eltern nach dem Scannen eines QR-Codes Werbung für ein Fitnessstudio

Ein QR-Code zum Scannen mit dem HandySo etwas kann natürlich immer und überall passieren, wenn man QR-Codes durch fragwürdige, aber erfreulich kostenlose Anbieter erzeugen lässt, die sich über mittransportierte, meist unseriös-grenzkriminelle Werbung im QR-Code finanzieren. Besser ist es, freie und quelloffene Software zu verwenden. Und selbst dann kann es auf gar keinen Fall schaden, wenn man mal schnell in einem Anfall von Sorgfalt prüft, wohin die Reise geht. Dafür braucht man ja nur mal kurz vor der Verwendung in der Druckvorlage sein Handy draufzuhalten, wenn man eines hat. Irgendwer in der Verwaltung hat sicherlich eines. In der Wittener Kommunalverwaltung war man leider mit diesen recht einfachen Anforderungen überfordert, obwohl alle dafür erforderlichen Hilfsmittel zur Verfügung standen. Tja, dann werden die Bewohner der Stadt, denen die Verwaltung eigentlich zu dienen hätte, mal eben schnell in eine Abofalle geschubst. Die Kosten, die sie an den Schulträger zu bezahlen hatten, kommen dann noch zur betrügerischen Irreführung hinzu. Mit Stadtwappen oder dem Logo der Stadt im Briefkopf, nehme ich an. Im Jahr 2026, wo wir diesen ganzen neumodischen Computerkram schon etwas länger als Bestandteil des Alltags ganz normaler Menschen ohne spezifische Macken haben, ist das nicht einfach nur traurig, sondern erbärmlich und dumm – und es erweckt sogar den Verdacht eines möglichen Vorsatzes. Bei einigen Opfern dieser grenzbetrügerischen Masche ganz gewiss.

QR-Codes für die Generation Handy sind immer gefährlich. Es ist vor dem Scannen nicht ersichtlich, wo die Reise hingehen soll. Angesichts des tiefen (und meiner Meinung nach: politisch explizit gewollten) digitalen Analphabetismus in der Bundesrepublik Deutschland sind sogar QR-Codes in offiziellen Sackpost-Briefen der Stadtverwaltung oder sogar noch übergeordneter Verwaltungsstrukturen gefährlich.

Meine Warnung gilt darüber hinaus auch für die „bequemen“ QR-Codes an Parkautomaten, die in der Stadt Hannover systematisch und großflächig mit anderen QR-Codes überklebt werden, die zu Betrügern gehen. Gerade jetzt, zum laufenden Maschseefest – das zieht immer Leute aus der Region an – ist es mal wieder eine Pest. Und die Überklebung ist nahezu unsichtbar. Die Schurken, die das machen, leben davon. Deshalb sind sie sorgfältig. In der Verwaltung hingegen… 😁️

Dass ich im Moment so schweigsam bin, was E-Mail-Spam betrifft, liegt daran, dass die E-Mail-Spam so dumm und monoton ist. Ich habe in dieser Woche nur Spams gehabt, die hier schon behandelt und betextet wurden.

10 Kommentare für Die Stadt Witten (NRW) versendete Abzockabos

  1. Michael P. sagt:

    Im Moment bekomme ich auch fast nur noch Spam der Rabattbande oder der Umfrage-Bande (vermutlich steckt die Rabattbande auch dahinter). Besonders eingeschossen haben sich letztere auf Doctolib (davon bekomme ich mehrere pro Tag) und versprechen ein kostenloses Erste-Hilfe-Set nach Beantworten von ein paar Fragen. Zur Abwechselung fast schon wohltuend ist dagegen eine E-Mail von „EDEKA – Prufungs Service“, der einen 250-Euro-Gutschein verspricht, mit Rückantwort an service@doloresbzimj.nuvastriy.info
    Ja, wer da denkt, das könnte Spam sein, der muss paranoid sein, so professionell, wie das wirkt. Hahaha.

    • J.R. sagt:

      Geht mir genauso. 99% sind Rabattbande und ihre Anhängsel (mutmaßlich Ex-PixelPro). Doctolib hatte ich auch ein paarmal, ansonsten immer irgendwas rund ums abnehmen. Das dümmste von denen war vor paar Tagen:

      RECEIPT CONFIRMED
      PAYMENT AUTHORIZED
      BALANCE RECORDED

      TRANSACTION LOGGED
      ACCOUNT UPDATED

      ACCOUNT SUCCESSFULLY CLEARED →
      FUNDS READY TO USE
      VERIFIED AND APPROVED

      Das war der Inhalt der Spam. In einer Wegwerf-VM habe ich den Link mal geöffnet und das ging auf die übliche „Ihr Cloud-Speicher ist voll“ Masche. Das war aber so doof, dass ich hoffe, dass niemand darauf reinfällt.

  2. P.C.User sagt:

    Bei mir gabs diese Woche einen, den ich noch nicht kannte, mit dem Titel „Staatliche Unterstützung“: „Guten MorgenSie wurden für den Erhalt eines staatlichen Förderprogramms ausgewählt. Bitte senden Sie uns eine E-Mail zur Bestätigung.Herr Richard Leo“ – (mir) unbekannter Absender, kein Empfänger, Antwortadresse bei outlook(punkt)com – hm, so ganz neu ist das Schema auch nicht. Immerhin, Umlaut und Übersetzung ganz brauchbar (Unterschrift mit Titel finde ich immer wieder amüsant); die Absatz-Enden hat vielleicht meine Darstellung als nur-Text im Mailprogramm geschluckt. Antworten werde ich natürlich nicht – sonst soll ich womöglich das „Förderprogramm“ mit Mitteln aus eigener Tasche abarbeiten… (Ó.o)

  3. P.C.User sagt:

    P.S. Hat es Sinn, so eine Antwortadresse bei outlook an m-soft zu melden, die zwar nicht spam versendet, aber auf Antworten lauert? Muß man dazu ein Konto bei denen haben?

    • orinoco sagt:

      Früher hätte ich gesagt: „Vergiss es!“ In so großen Firmen jemanden kompetentes zu erreichen ist praktisch unmöglich. Es könnte aber sein, dass sich das mit der „KI“ ändert. Diese könnte man mit solchen Informationen füttern und mit einer Mustererkennung könnte man gezielt gegen Spammer vorgehen. Aber das muss von der jeweiligen IT-Firma eben richtig implementiert werden. Das könnte einer Schritt hin zur FUSSP (Final and Ultimate Solution to the Spam Problem) sein, also zumindest, dass Spam nur noch ein Phänomen am Rande ist. Müsste ich mal mit einem LLM diskutieren.

  4. P.C.User sagt:

    „Es ist sehr gefährlich, jeden QR-Code zu scannen.“ – Das kommt darauf an, womit man scannt und was man danach tut: Wenn man ein Programm benutzt, das erbarmungslos gleich einen Browser mit dem Inhalt des Codes als Zieladresse startet, unterschreibe ich den Satz sofort.

    Andererseits empfinde ich es als das Gegenteil von „barrierefrei“, die Umwelt mit nicht-menschenlesbaren Mustern zu bepflastern; darum benutze ich ein Programm, das mir den Inhalt solcher Codes im Klartext anzeigt. Ist so ähnlich wie bei spam-eMails – wenn man nur den Namen des Absenders anzeigen läßt, fährt man schon auf Risiko; prüft man aber dessen eMail-Adresse, eventuell eingestellte Antwort-Adresse und wenn man gründlich sein will, die Kopfzeilen der Nachricht, erfährt man viel mehr und kann entsprechend reagieren. (Z.B. spam löschen, legitime Nachricht beantworten, legitime Webseite aufrufen, Betrugsseite ignorieren…)

    • Wenn man ein Programm benutzt, das erbarmungslos gleich einen Browser mit dem Inhalt des Codes als Zieladresse startet, unterschreibe ich den Satz sofort

      Es ist unglaublich, wie naiv selbst gebildete Menschen mit ihren Telefonen umgehen.

      • orinoco sagt:

        Auch Sie, junger Mann, werden noch feststellen, dass die meisten Menschen, die vordergründig intelligent und mit gesundem Menschenverstand daher kommen, in Wahrheit Vollidioten sind.
        — ein mir unbekannter Arzt, und auch nicht zu mir

      • J.R. sagt:

        Ich hatte das heute früh beim umsteigen. Ich wollte mir bei einer bekannten „Kaffeehauskette“ im Bahnhof einen „warmen Cocktail mit etwas Kaffee“ gönnen, aber die Bildschirme mit den Getränkekarten wechselten alle paar Sekunden und zeigten Werbung für irgendwelche Spezialgetränke. Man konnte gar nicht in Ruhe aussuchen, was man trinken wollte. Ich meckerte, dass es nicht wenigstens einen Bildschirm gibt, der ein stetiges Bild mit der Karte anzeigt – oder gar eine gute alte Papierkarte, da war die Antwort von der Verkäuferin: „Scan doch den QR-Code und guck auf der Homepage nach“…

        Ich glaube, wenn ich das nächste Mal diese Route fahren muss mit 1h Umstiegszeit, habe ich eine Thermoskanne im Gepäck.

        Kann mir keiner glaubhaft machen, dass Generation TikTok die Karte, die ca. 10 Sekunden angezeigt wird, in dieser Zeit erfassen kann. Da geht es wohl darum, dass die Leute impulsmäßig das kaufen, was da immer zwischendurch in der Slideshow durchrotiert. Aber ich sehe es so: man zeigt mir damit, dass ich nicht (mehr) Zielgruppe dieses Ladens bin, und ich bin damit fein.

  5. […] ist Mon­tag. Heu­te schon QR-Codes gescannt? – Apro­pos Tech­nik: Ein Unsym­path hat Gedicht­au­to­ma­ten erfun­den. Alles dar­an […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert