Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Angebot zur Zusammenarbeit

Dienstag, 8. Mai 2007, 19:25 Uhr

Na, das ist doch mal wieder „etwas anderes“. Da will jemand mit mir „zusammenarbeiten“, und meint allen Ernstes, mich mit einer kriminellen Spam dazu bewegen zu können:

Hallo und Guten Tag,

Einen wunderschönen guten Tag, werte Absenderin! (Ich verschweige ihren angegebenen Namen hier, er wird wohl auch kaum stimmen.)

Wenn sie mich schon unter der „klassichen“ webmaster-Mailadresse anschreiben, könnten sie doch eigentlich mal bei Denic nachschauen, wie ich heiße. Das ist sogar elegant automatisierbar. Oder – falls sie sich wirklich um die restriktiven Nutzungsbedingungen von Denic scheren – sie werden doch wenigstens einen kleinen Blick in das übersehbar verlinkte Impressum werfen können. Der zweite Weg ist vor allem deshalb Erfolg versprechend, weil das momentane Recht in der BRD die Angabe eines Impressums für eine Website erzwingt, den Sitebastlern zur Qual und den Spammern zur Freude. Beides sind gute und sehr einfache Wege, um so eine webmaster-Mailadresse mit einem Namen zu verbinden. Mit dieser kleinen Information hätten auch sie ihr gieriges Schreiben mit einer persönlichen Anrede versehen können. Und damit hätten auch ihre folgenden Einlassungen wesentlich überzeugender, fast schon ein bisschen seriös gewirkt; vielleicht hätten sie damit sogar bei manchem Empfänger ein kleines bisschen Interesse geweckt.

Ach, dazu ist ihr Spamskript zu blöd? Und eigene Arbeit wollen sie sich für ihre „Partner“ nicht machen? Das habe ich mir schon gedacht. :mrgreen:

Ich bin bei einer Internetrecherche auf Ihre Seite aufmerksam geworden tamagothi.de.

Wow, sie haben danach „recherchieren“ müssen. Ist das jetzt etwa ihre Bezeichnung für das folgende (nur einzeilige, aber hier etwas lesbarer formatierte) Shellskript zur Behandlung einer Datei mit spambaren Mailadressen?

cat spamadr.txt |
grep 'de$' |
sed 's/^.*@/webmaster@/' |
sort |
uniq >recherche.txt

Da finde ich „Recherche“ aber ein ziemlich hochtrabendes Wort für etwas, was jeder auf dem Pisspott sitzende fünfjährige Nachwuchshäcker „mal eben so“ zusammen hacken kann. :mrgreen:

Da ich auf der Suche nach Linkpartnern im deutschsprachigen Raum bin, möchte ich Ihnen einen Linktausch vorschlagen.

Wenn Sie generell interessiert sind, sagen Sie mir Bescheid und ich schicke Ihnen zusätzliche Informationen.

mit besten Grüßen

[… Name und Mailadresse von mir entfernt]

Nein, ich bin nicht und niemals an der Zusammenarbeit mit Spammern interessiert. Und ich werde mich nicht und niemals für irgendwelche Werbezwecke einspannen lassen. Um das zu bemerken, hätten sie die „recherchierte“ Website nur mal in aller Ruhe zu lesen brauchen.

Ach, so viel Mühe wollen sie sich gar nicht geben? Na, das habe ich mir doch gleich so gedacht. :D

Wie so ein Spammer auf die kranke Idee kommen könnte, dass ausgerechnet ein Link in einer meiner Sites im Internet eine Grundlage für gute Geschäfte werden könnte, das ist schon ein Rätsel.

Wahrscheinlich ist man einfach nicht mehr so wählerisch, wie die Links aussehen und wo sie herkommen, die den Google-Rank nach oben treiben. Es ist ja letztlich auch egal. Deshalb wird eben ein größerer Teil des wehrlosen Internet mit derartigen „Angeboten zur Zusammenarbeit“ bombadiert. Und man kann sich wohl darauf verlassen, dass es genug trafficgeile Deppen mit einer relativ unbedeutenden, persönlichen Homepage gibt, die sich nach jedem einzelnen Link sehnen. Egal, wo er herkommt. Ich gehöre da zwar nicht zu, aber ein paar wird es schon geben.

Einige hundert dieser Deppen reichen denn auch schon, damit diese tollwütige Werbekampagne „Erfolg“ zeitigt und die massenhaft verlinkte Website schön weit nach oben in den Google-Ergebnissen befördert – und dort andere Anbieter verdrängt. Die einzigen Kosten dieser wirksamen Werbekampagne waren die Kosten für den Versand einiger Spams – das sind ja keine hohen Kosten – und dafür gibt es als Gegenleistung eine größartige Verbesserung der Findbarkeit. Alles nur durch diesen EMüll, der preisgünstig erzeugt wurde und ihre Empfänger Zeit und Nerven kostet.

Als „Gegenleistung“ erhalten die Deppen dann wohl eine Seite innerhalb der verlinkten Site, wo sie hübsch in einer mutmaßlich sehr lang werdenden Liste „ihren“ Link finden könnten, wenn sie mal danach suchten. So eine ungleiche „Partnerschaft“ wird hier angeboten. Wie ich das finde, schreibe ich hier lieber nicht, es würde zu einer Inflation unflätiger Ausdrücke führen.

Ich werde jedenfalls auch in Zukunft nur verlinken, was mir persönlich bedeutsam und interessant erscheint. Werbung gehört nicht dazu, und kommerziell motivierte Angebote in aller Regel auch nicht. Wer wissen will, warum das so ist, kann ja regelmäßig dieses kleine Blog über den ganzen Wahnsinn der Werbung lesen.

Aber das ist ja noch nicht alles, was zu diesem Angebot zu sagen wäre. Diese Mail hat auch noch eine Fußzeile, um die Empfänger schön einzuschüchtern, damit sie bloß nicht über diesen dreisten Versuch schreiben. Diese Zeile liest sich so:

Diese Email enthält vertrauliche Informationen, die nur für die oben genannte Person, oder einen ihrer Bevollmächtigten bestimmt ist. Wenn Sie weder die angeschriebene Person noch eine Person sind, die diese E-mail an die angeschriebene Person weiterleiteten kann, teilen wir Ihnen hiermit mit, dass jede Offenlegung, Weitergabe, Verteilung oder Reproduktion dieser Nachricht verboten ist. Bitte informieren Sie den Absender dieser Mail schnellstmöglich, wenn diese Email zu Ihnen fehlgeleitet wurde und löschen Sie alle Kopien dieser Email.

Der Absender prüft alle verschickten und erhaltenen Emails.

Klar, ganz „vertraulich“, diese Informationen über eine versuchte Manipulation von Suchmaschinen aus der Spam. Und wenn ich die Welt davor warne oder auch nur in meinem Blog darüber erzähle, ist das auch noch „verboten“. Fehlt eigentlich nur noch der Breitband-Knüppel des Urheberrechts, um den „zukünftigen Geschäftspartner“ schon vor Beginn einer „Zusammenarbeit“ vollständig mundtot zu machen. Versuchen sie mal den Text: „Diese Mail ist urheberrechtlich geschützt, eine Kopie ohne Zustimmung des Autors ist genehmigungspflichtig“. :mrgreen:

Verklagt mich doch, Spammer! :evil:

Ich mag es so sehr, da muss ich gleich mal zum Facebook klicken...

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