Was bitte? 🤭️
Von: Susanne Klatten Family Fund <lisa@porterpr.com>
Antwort an: susanneklattenfamilyfund1@gmail.com
An: Recipients <lisa@porterpr.com>
Wir kennen das. Ich spreche von der Dreieinigkeit des Vorschussbetrugs, wenn…
- …der Absender gefälscht ist;
- …als Antwortadresse eine kostenlos und anonym eingerichtete Mailadresse bei einem Freemailer eingetragen ist, und zwar beinahe immer bei GMail, weil Google kein Interesse an der Bekämpfung von Spam hat und damit solchen Trickbetrügern entgegenkommt; und
- …die Spam an ganz viele Empfänger gleichzeitig geht, die nicht als Empfänger eingetragen sind, sondern als Empfänger einer Blindkopie, die dann vom Mailserver versendet wird.
Es ist die fade Standardkost im Posteingang. Bei diesem einfach zu erkennenden Muster ist es aber zum Glück eine Kleinigkeit, den automatisch erzeugten Müll genau so automatisch wieder auszusortieren. Wie man so etwas in seiner Mailsoftware zusammenklicken kann, habe ich schon vor beinahe zwei Jahren mal recht ausführlich erklärt. Ich begrüße es übrigens, dass die Benutzerschnittstelle des Thunderbird gründlich überarbeitet werden soll, denn sie ist nicht gut. Aber ich befürchte, dass da am Ende eine Trivialisierung im modernen Stil herauskommen wird, die noch weniger Funktion für den Anwender auffindbar und zugänglich macht. In einem noch trägeren und fetteren Stück Software, versteht sich… 😐️
Die Spam ist dann auch erwartungsgemäß: Ich kriege Geld von irgendwelchen Geldsäcken, wenn ich nicht schon wieder in der Lotterie gewonnen habe. Nein, nicht nur ein paar hundert Øre, sondern ein paar Milliönchen. Natürlich ist eine derartige Mail nicht digital signiert, so dass man keine Möglichkeit hat, den Absender zu überprüfen und nicht weiß, ob die Mail auf dem Transport nicht verändert wurde. Es geht ja nur um ein paar Milliönchen. Und natürlich weiß der Absender nicht einmal, wie ich heiße. Wie denn auch? Die Spam geht schließlich an ein paar Millionen Empfänger, damit auch wirklich ein paar Naive dabei sind, denen die Betrügerbande dann Vorleistungen aus der Tasche ziehen kann. Es ist ja immer ein bisschen teuer im Puff, da braucht man schon ein gewisses Einkommen dadurch, dass man zwei Dutzend Opfern gleichzeitig das gleiche miese Theater vorspielt. 🎭️
Der Text ist „neu“, der Inhalt nicht. Und das liest sich so:
Der Susanne Klatten Family Fund investiert in ein breites Spektrum von Branchen, Kontinenten und Anlageklassen, […]
Eine Anrede ist nicht nötig. 👤️
Die Geldsackname Spezialstiftung hat ganz viel aus dem Geldsack gequollenes Geld und investiert es in jede Mailadresse, die nicht bei drei auf den Bäumen ist, und manchmal sogar in neue, aufstrebende Kontinente. 🤣️
Tja, da sind schon manchmal ein paar dadaistisch anmutende Artefakte drin, wenn man seine Texte mit einem neuronalen Netzwerk wie ChatGPT schreiben lässt. Der Spammer merkt es nicht. Der kann gar nicht so gut Deutsch, dass er das merken könnte. 🤖️
[…] darunter direktes Private Equity, Immobilien, alternative Energien, Finanzinstrumente und Start-ups der Grundstoffindustrie, die von der Familie zu Fundraising-/Investitionszwecken initiiert wurden.
Aber wenigstens kann das neuronale Netzwerk ChatGPT eines: Lange, geschwätzige Aufzählungen von dermaßen luftig-fluffiger Informationsdichte, dass man besser nicht beim Lesen dagegenkommt, denn sonst fällt es einfach in sich zusammen und lässt ein Nichts zurück. Ideal auch für die Dissertation des aufstrebenden Politikers in der Bundesrepublik Deutschland! 🕳️
Ich bin übrigens weder ein Unternehmen, noch ein Haus, noch eine alternative Energiequelle (leider habe ich noch keinen Weg gefunden, aus Dummheit Energie zu erzeugen, sonst würde ich die Welt mit dem Posteingang retten), noch ein Finanzinstrument noch baue ich grundlegende Rohstoffe unter großer Gift- und Dreckentfaltung ab. Und ein Kontinent bin ich auch nicht. 🥳️
Aus diesem Grund wurden Sie für eine Spende/Investition von 5,5 Millionen Euro ausgewählt, für Informationen wenden Sie sich an den Unternehmensvertreter über
Und deshalb bekomme ich 5,5 Megaøre. 🤣️
Dieser Satz endet nach „über“. Der Absender hat es nicht bemerkt. Obwohl danach eigentlich das für den gläubigen Empfänger Wichtigste käme: Ein Hinweis, wie er jetzt überhaupt erfahren kann, um was es geht und wie es weitergeht. Das steht natürlich nicht in der Spam¹. Er hat einfach reinkopiert und versteht die Sprache gar nicht richtig. Die Gedanken waren dabei im Puff, und er hat genussvoll an der Wodkaflasche genuckelt. Deshalb fiel es nicht einmal auf, dass der Satz nicht auf einem Punkt endete. „Fertig“ hat er gesagt, „die Mugus sind mehr Mühe nicht wert“. Wenn er sich Mühe geben wollte, könnte er ja gleich arbeiten gehen. 🛠️
Grüße
Susanne Klatten Familienfonds
Mit Grüßen aus dem Geldsack. 💰️
Entf! 🗑️
¹Schon in der Antwort wird jemand, der darauf reingefallen ist, darum gebeten, genug persönliche Daten für einen kriminellen Identitätsmissbrauch anzugeben. Und natürlich eine Telefonnummer, denn am Telefon sind die Betrüger besonders geübt. Alles nötig, damit man „an sein Geld kommt“. Erstaunlich oft vergessen die Betrügerbanden, für diese Datensammlung auch die IBAN zu erfragen, denn sie brauchen diese ja nicht. Die wollen ja nicht einfach überweisen.
Weiter braucht man nicht zu lesen. Die Absenderadresse ist gefälscht, und das auch noch sehr unglaubwürdig, denn eine mit Geld vollsteckende Stiftung eines Milliardärs verwendet ganz sicher einen eigenen Mailserver und keine kostenlos und anonym eingerichtete GMail-Adresse, wo Google die gesamte Korrespondenz mitlesen kann, weil die Mails unverschlüsselt sind und offen wie eine Postkarte durch das Internet befördert werden. Ja, die Mails könnten sogar auf dem Transportweg verändert werden, und es gibt für den Empfänger keine Möglichkeit, das zu bemerken, wenn die Mail nicht digital signiert wurde. Wenn es bei bestimmten Absendern öfter mal um ein paar Milliönchen geht, ist das keine abstrakte Möglichkeit, sondern ein konkreter Angriffspunkt. Gerade Bill Gates sollte sich „ein bisschen“ mit Datenverarbeitung auskennen. Die Antwortadresse ist eine kostenlos und anonym eingerichtete GMail-Adresse, wo… ach, ihr wisst schon! Und diese Spam geht an ganz viele Empfänger auf einmal, ist also ungefähr so „persönlich“ wie eine Postwurfsendung. 🚽️
Aber womit werden diese neuronalen Netzwerke eigentlich trainiert? Vermutlich vor allem mit Texten, die aus dem offenen Web mitgenommen werden. Zum Beispiel
Hallo, ich kenne dich zwar nicht und weiß nicht einmal, wie du heißt, aber ich habe beschlossen, dir zwei Megadollar zu schenken, weil du so eine schöne und vertrauenswürdige Mailadresse hast. Außerdem will ich dir einen Job als Wohltäter geben, wenn du das Geld hast, damit wir zusammen irgendwelchen Unbekannten Geld geben können. Und jetzt kontaktieren sie ihn! Wer das sein soll? Weiß ich auch nicht. Ich verstehe die Sprache, in der ich spamme, doch gar nicht, und einen Dolmetscher kann ich mir auch nicht leisten, weil ich meine Millionen immer an schöne und vertrauenswürdige Mailadressen verschenke. Sei dumm, glaub mir einfach, beantworte meine dümmliche Spam und lass dir noch mehr lustige Geschichten von gespendeten Millionen erzählen! Und halt schon mal ein bisschen Geld für die von dir zu zahlenden Vorleistungen bereit! 👛️
Ich habe hier 4,2 Megadollar zu verschenken. Deshalb habe ich ein paar Millionen Spams in das Internet gepustet (natürlich, ohne vorher die Dubletten aus den Mailadressen zu entfernen, so dass manche gleich mehrfach davon beglückt werden), und wir machen jetzt ein kleines E-Mail-Wettrennen. Die ersten fünf Leute, die mir antworten, kriegen das Geld. Also mach ganz hurtig mit deiner Antwort und denk gar nicht erst langsam, umständlich und anstrengend nach! Stell dir einfach vor, dass dir die Straßenbahn vor der Nase wegfährt und renn ohne zu gucken vors Auto, damit du sie noch kriegst! Das ist eine Art Gedächtnisrennen für meine Frau, die mich auch immer total auf Trab gehalten hat, bis sie dann an Krebs gestorben ist. Bitte beantworte diese Mail nicht durch einen Klick auf „Antworten“, wie das bei jedem normalen Menschen üblich ist, denn mein Absender ist natürlich gefälscht! Aber das mit dem Geld-Wettlauf im Posteingang, das stimmt, ganz großes Spammerehrenwort. Glaub mir einfach, dass das die Mailadresse meines Anwaltes ist, der seine berufliche E-Mail über eine anonym und kostenlos eingerichtete Freemail-Adresse von Microsoft macht. Und überhaupt, glaub mir einfach! Ich lebe davon, dass andere Leute mir einfach glauben! Immer schon das Geld vor Augen haben!
Leider war das Mailpapier alle, und deshalb konnte Kristinchen nichts weiteres zu ihrem Geld und zu ihrem sehr kurzlebigen Enkel schreiben. Aber das macht sie ganz sicher, wenn man antwortet, und wenn sie erstmal eine Telefonnummer ihrer Opfer hat, dann quasselt sie mit ihrer Bande das Gehirn so lange zu Brei, bis es ausgelöffelt werden kann. Aber bitte nicht an die Absenderadresse antworten, die ist nämlich gefälscht. Ansonsten ist natürlich alles ganz wahr und ehrlich, und das Geld existiert wirklich. Aber nein, eine ganz normale und preiswerte Überweisung oder einen Scheck in einem versicherten Brief wird es dennoch nicht geben, sondern man muss eine Vorleistung nach der anderen bezahlen, weil Kristinchen die absurdesten Geldtransfermethoden der Welt benutzt. Nein, man muss nicht unbedingt dumm sein, um das alles zu glauben, aber es ist sehr hilfreich. Vorschussbetrug ist neben Phishing eine der ältesten Betrugsformen im Internet, und eigentlich sollte jeder Mensch schon einmal davon gehört haben und nicht mehr darauf reinfallen. 🥱️