Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Unlesbare Pennystock-Spam

Samstag, 21. April 2007

Wirklich kaum noch zu lesen, dieser Anlagetipp…

Immer, wenn ich so einen „Anlagetipp“ in mein Postfach kriege, den ich kaum lesen kann – die Dinger sind im Moment eine Plage – frage ich mich, was eigentlich die „Zielgruppe“ dieser Spam sein soll. Die kontrastarme und unscharfe Schrift auf pastellbuntem Hintergrund ist doch bestenfalls für Aliens lesbar.

Aber die Spammer müssen wohl glauben, dass es da draußen Leute gibt, die mit großer Anstrengung diesen Text zu lesen und zu verstehen versuchen. Und die sich dann darüber freuen, dass sie einen richtigen „Insider-Tipp“ für den gewinnträchtigen Casinokapitalismus erhalten haben. Empfänger, die den in völlig ungenießbarer Form dargereichten Text auch noch für so seriös halten, dass sie sich darauf hin irgendwelche Pennystocks kaufen. Ein gutes Geschäft wäre das für die Spammer, die sicherlich von den auf diese Weise angestoßenen Kursanstiegen profitieren werden – sie scheinen also auch noch zu glauben, dass es eine nennenswerte Anzahl von Menschen unter den Empfängern gibt, die sich über so etwas gar keine Gedanken machen und trotzdem wie die Besengten an der Börse zocken. Kurz: Diese Spammer müssen davon ausgehen, dass ein nennenswerter Teil der Menschheit aus hirnlosen Idioten besteht.

Und das Schlimmste daran: Diese Spammer scheinen recht zu haben. Wenn es sich gar nicht lohnen würde, solche Spams zu verschicken; wenn ein sehr großer Anteil der Empfänger den unlesbaren Pixelhaufen nach einem kurzen Blick einfach löschen würde, ohne sich groß darum zu kümmern – ja, denn gäbe es diese Spams gar nicht mehr. Offenbar gibt es ganz schrecklich viele von diesen hirnlosen Idioten, und jemand wie ich muss sich deswegen jeden Tag mit hirnloser und idiotischer Spam abfinden.

Nachtrag – Wer diesen Strunz noch niemals bekommen hat und mir nicht glaubt: Das hier eingefügte Bild ist übrigens in recht hoher Qualität, die Grafik in den Spam-Mails sieht wirklich so aus und ist wirklich so „gut“ lesbar. Das ist keine Satire, das ist die tägliche Realsatire der Spam. Leider vergeht einem schnell das Lachen darüber, weil dieser Schrott wirklich eine lästige Plage ist, die viel Platz im virtuellen Postfach belegt.

Splogs, die Sammelblogs

Samstag, 21. April 2007

Ich sollte mich wirklich nicht über Splogger aufregen, fülle ich doch selbst dieses Blog mit anderer Menschen, nämlich der Spammer, Werk. Und da ich die Postings in meinem RSS-Feed fröhlich mit einem Hinweis auf die Quelle versehe und der Mutter aller Splogger gar nicht erst einen korrekten Feed ausliefere, können sie mir alle mal den Buckel runterrutschen.

Aber dennoch ists einer kurzen Erwähnung wert, was sich da gerade in den Spamfiltern verfängt. Diese ganzen Pingbacks und Trackbacks von irgendwelchen Blogs, die einfach ein paar Worte aus einem anderen Blog zitieren und mit einer anständigen Portion Werbung würzen. Wenn die Pingbacks und Trackbacks „durchkommen“, führen sie zu einer Rückverlinkung des Inhaltsdiebes und verbessern damit sein Ranking in den Suchmaschinen – da so ein Splogger auch mal gern hunderte bis tausende von Blogs für seine Werbeabsichten missbraucht, kann er im schlimmsten Fall eher gefunden werden als das originale Posting. Der Stil der Splogger ist inzwischen etwas kultivierter geworden, es werden nicht mehr ganze Artikel übernommen, aber der Stil zeigt auch immer noch genau genug, was für einen Charakter so ein Spammer hat.

Ich hätte natürlich gern die aktuellsten Beispiele verlinkt, um einmal zu demonstrieren, was ich meine. Allerdings sind diese Blogs oft außerordentlich kurzlebig und schon nach wenigen Tagen wieder verschwunden. Ob da nun am Rande der Texte anderer Menschen für „clothes“, „credits“ oder „movie rentals“ geworben wurde, stets ereilt diese Websites das gleiche Schicksal des spurlosen Verpuffens. Das könnte auch daran liegen, dass einige der dort angebotenen Geschäfte nicht so ganz koscher sind – welcher Hoster hat schon Lust, sich als Komplize eines Kriminellen verantworten zu müssen?

Für alle Blogleser ergibt sich daraus eine Reihe von Folgerungen:

  1. Wer einen kommerziell motivierten Link in einem Blogkommentar folgt und dort feil gebotenen Waren und Dienstleistungen erwirbt, unterstützt einen wenig kreativen Kriminellen, der wie ein Vampir von der Kreativität anderer Menschen lebt, um damit seine Geschäfte zu machen.
  2. Diese Geschäfte werden in der Regel nicht legal sein. Schon die Werbung mit Spam ist – auch dort, wo sie noch nicht als kriminell gilt – ein Zeichen von Halbwelt und Nähe zu verbrecherischen Strukturen.
  3. Wer sich trotzdem auf solche Geschäfte einlässt, darf sich nicht darüber wundern, wenn er den Schaden hat. Wenn ich davon höre, kommt mein Spott noch dazu.

Generell gilt übrigens, dass die Pest des Internet, die Spam, genau dann verschwinden wird, wenn niemand mehr so doof ist, darauf anzuspringen und irgendwelchen Kriminellen sein Geld zu geben.

Gaga Titten Spam

Freitag, 20. April 2007

Gaga Titten Kommentarspam

(URL im Screenshot von mir unkenntlich gemacht)

Was die Kommentarspammer sich doch immer „einfallen“ lassen, um doch noch durch die immer besseren Spamfilter zu flutschen. Hier haben wir ein echtes Beispiel von postmodernem Spam-Dadaismus vorliegen, bei dem ein paar Links mit eindeutigen Texten in vergammeltem Zeichensalat platziert wurden.

Das drängt doch zu einer Antwort.

Spam Hass Posting: Ergywm sploß auf Kommentarspam. Grmott linkt auf geisteskranke Werbung. Mmrrm gzywitt prohdell ohne Sexy Lady Spam. Warant gnyff fogel ohne wirksame Verhütung. Sparren nit om seks, besser billig tanken. Gritz fonka blurb blurb merkeln sie noch was, Skriglig Spämmer bring dich um!

Amok-Spam

Donnerstag, 19. April 2007

Amok scheint eine ganz große Mode geworden zu sein, da müssen doch auch unbedingt die Spammer auf den Zug aufspringen, der gegen eine Wand fährt. Das sagte sich auch der hier zitierte Zeitgenosse, der sich selbst im Absender „Web-Nachrichten Deutschlands“ nennt und seiner Mail den tristen Betreff „In Muenchen ist Trauer angekuendigt“ gab.

Klar, dass der auch eine „Nachricht“ anzubieten hat, und die klingt so:

Innerhalb von einer Stunde beging ein Asiater 6 brutale Morde und verschwand in der unbestimmten Richtung.

Dafür, dass das die „Web-Nachrichten Deutschlands“ sein wollen, liegen aber erhebliche Probleme mit der deutschen Grammatik vor. Das ist ja ein richtig kranklyrischer Stil, der hier mutmaßlich von einem Übelsetzungsprogramm ausgespuckt wurde. Der Asiater verschwand in der unbestimmten Richtung. 😆

Und es geht in diesem Stil weiter:

Der Moerder schlich sich in ein Wohnhaus ein und schlachtete all seine Bewohner inklusive 2 kleiner zehnjaehrigen Maedchen, die heimgegangen sind. Ermordet waren auch alle Haustiere. Die Polizei ist schockiert und macht nun alles Moegliche, um diesen Taeter so schnell wie moeglich finden zu koennen. Dank einiger Passanten gibt es nun eine kurze Beschreibung des Verbrechers. Es wurde eine Belohnung angekuendigt, wenn jemand etwas zu diesem Fall mitteilen kann. Naeheres dazu sowie ein Roboterbild unter [URL von mir entfernt]

Ich hätte mir so gern das „Roboterbild“ angeschaut, aber leider ist die kostenlose Website auf geocities genau so spurlos verschwunden wie der mordrennende „Asiater“. Im Gegensatz zu dieser metzenelnden Fantasiegestalt eines Spammers hat es die kleine Website mit dem „Roboterbild“ aber gewiss einmal gegeben, bevor sie von geocities entfernt wurde, weil man nicht von einem kriminellen Spammer missbrauchen lassen wollte. Sonst hätte ich bestimmt noch ein paar Worte über dieses tolle „Roboterbild“ geschrieben, das gewiss entweder für den Computer oder für den Geldbeutel sehr ungesund geworden wäre.

Seien Sie bitte vorsichtig! Danke fuer ihre Aufmerksamkeit

Und wenn sie dem Amok-Spammer begegnen: Einfach draufhalten, je eher so einer gestoppt wird, desto besser! :mrgreen:

Resolution Center

Mittwoch, 18. April 2007

Als wenn es nicht genug PayPal-Phishing gäbe, ist heute noch ein besonders hilfloser Versuch mit dem Betreff „Resolution Center“ in meinem Postfach eingetrudelt:

Please visit the resolution center located here

https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_login-run_res

to verify your identity and avoid the blocking of your account

Die gefakte PayPal-Seite eines PhishersÜberflüssig zu erwähnen, dass es sich hier um eine HTML-Mail handelt und dass der Link nicht etwa zu der angegebenen URL, sondern auf den Server funlux.be führt. Von dort aus wird auf eine Seite auf dem Server 24.244.134.6 (nur mit IP-Adresse, die sich gewiss häufiger ändern wird) umgeleitet, wo man eine flott gespiegelte PayPal-Seite zu Gesicht bekommt. Ein Screenshot des Phishing-Versuches ist auf der linken Seite zu sehen, mit einem Klick sieht man den Betrug in seiner ganzen Pracht.

Wer hier seine Daten eingibt, hat verloren. Zunächst hat er den Verstand verloren, weil er überhaupt auf die Idee gekommen ist, auf eine derart dürftige Mail hin wie ein dressierter Hund auf einen Link zu klicken und die dargestellte Seite auch noch für echt zu halten. Und als nächstes wird er jede Menge Geld verlieren, wenn irgendwelche Kriminellen sein Konto plündern.

Hier kann man den Phishern Bankdaten gebenWie billig dieser Beschiss durchgeführt ist, zeigt sich jedem, der auf dieser angeblichen „PayPal-Seite“ ein paar Links klickt – alle Links führen wieder auf die Startseite. Die einzige Bedienungsmöglichkeit besteht in der Eingabe der Mailadresse und des Passwortes. Wer diese Phishing-Spam erhalten hat, sollte sich – genau wie ich – in aller Ruhe den Spaß machen, ein paar Phantasie-Mailadressen und -(S)passwörter einzugeben, um den Verbrechern das Leben etwas zu erschweren. Man erhält denn eine Möglichkeit zur „Bestätigung seiner Identität“, die so aussieht wie das Bildchen auf der linken Seite dieses Absatzes. (Für volle Größe einfach darauf klicken.) Dass die Identität mit Passwort und Mailadresse preisgegeben wurde, reicht diesen besonders gierigen Verbrechern nämlich noch nicht, sie wollen darüber hinaus auch noch die Daten der Kreditkarte einschließlich einer PIN haben.

Es scheinen jeden Tag ein paar Unerfahrene aufzustehen, die erst noch ihr Lehrgeld zahlen müssen. Nur deshalb „lohnt“ sich diese Art Verbrechen so sehr. Ich hoffe, dass einige Leser dieser Beschreibung etwas vorsichtiger werden. Es ist schon viel gewonnen, wenn jeder Mensch jeder Mail misstraut und nicht leichtfertig auf einen Link klickt, vor allem, wenn es um Geld geht. Dass man die Internet-Adressen einer Bank oder eines anderen wichtigen Dienstes immer von Hand eingibt, bewahrt einem vor den meisten plumpen Angriffen. (Aber noch nicht vor wirklich ausgefeilten Attacken.)

Gästebuch

Dienstag, 17. April 2007

Was ein Spammer von der Möglichkeit des Feedbacks in einem ungeschützten Gästebuch hält, kann man hier bei der Konditorei Kreipe anschauen. Auf dass auch wirklich jeder menschliche Austausch mit sinnloser und dummer Werbung vergällt werde.

Appetit auf die gewiss leckeren Erzeugnisse der Bäckerei macht es jedenfalls nicht. :mrgreen:

Blade-Master

Dienstag, 17. April 2007

Rasierklingen halten bis zu 4mal länger

Dieses Wunderkästchen aus dem Katalog „Die moderne Hausfrau“ ist ein hoch interessanter Magnetzauber, dessen Wirkungsweise auch gut beschrieben ist. Die Frage, für wie doof man von den Werbern inzwischen gehalten wird, beantwortet sich dabei wie von allein. Vor allem wird hier aus Magnetismus Geld gezaubert.

Rasierklingen halten bis zu 4 x länger!

Bei jeder Rasur verbiegen sich die Klingen und schon bald brechen sie aus und „rupfen“.

Klar, das ist das größte Problem. Dass sich die Klingen verbiegen. Dass sie im feuchten Badezimmer-Milleu oberflächlich oxidieren und dadurch stumpf werden, führt nicht zum blutigen Rupfen in der Gesichtshaut. Was wäre ich doch bloß ohne die umfangreiche Aufklärung zum Thema der Rasur aus irgendwelchen Werbetexten?

Nicht so mit dem Blade Master! Denn sein patentiertes Magnetfeld zieht die teuren Klingen nach jedem Einsatz wieder gerade und stellt damit die „Schnittigkeit“ wieder her.

Das muss aber ein mächtig starkes Magnetfeld sein, wenn es vollbringt, was die innere Spannung des Metalls nicht bewerkstelligen soll. Ob man die unglaubliche Wirkung dieses Feldes wohl noch verbessern kann, wenn man eine Pyramide aus Kupfer über die Konstruktion stülpt?

Dazu die neue Klinge vor dem ersten Rasieren auf den Blade Master legen und nach jeder Rasur wieder darauf ablegen. Schon bleibt sie bis zu 4 x länger scharf.

Mal wieder ein schönes Zahlenspiel aus der Werbung, was sich eingängig anhört. Die Klinge bleibt bis zu 4mal länger scharf. Wenn sie dank dieser Vorrichtung doppelt so schnell stumpf würde, also minus 0,5mal länger scharf bliebe, denn würde diese Aussage mit dem Nichts sagenden Dehnwort „bis“ immer noch zutreffen. Jedes kürzer als 4mal so lange erfüllt die Zusicherung dieses tollen Werbetextes. Insbesondere ist die Zusicherung erfüllt, wenn die Klinge genau so lange scharf bleibt wie ohne den unglaublich starken Magneten, was nach meiner laienhaften Meinung das wahrscheinlichste Resultat der Anwendung ist.

Der Blade Master verbraucht sich nicht, wirkt also lebenslang.

Das hätte mich auch gewundert, wenn sich ein Permanent-Magnet verbraucht… :mrgreen:

Mit Geld-zurück-Garantie

Wann kann ich denn mein Geld zurück fordern? Wenn ich nachweisen kann, dass die Klingen 6mal so lange halten, weil dann die Zusicherung aus diesem Hirnpflug nicht erfüllt ist? Das brauchen die Anbieter eines solchen Produktes doch wirklich nicht zu befürchten.

Adressenänderungen EBay/PayPal

Montag, 16. April 2007

Heute muss der große Tag des Phishings sein. Zwei kriminelle Mails mit verdammt ähnlichem Anliegen. Sie sehen beide wie Phishing-Versuche aus, es handelt sich aber „nur“ ein Mal um klassisches Phishing, der zweite Versuch will den Rechner mit Schadsoftware übernehmen. Aber beide Attacken erwecken den Eindruck, dass sie ein paar Opfer finden könnten.

PayPal-Phishing

Ich fange mal mit dem schlecht gemachten Phishing an, nämlich mit der „hinzugefügten Adresse bei PayPal“.

You have added [… verlinkte Mailadresse von mir entfernt] as a new e-mail address for your PayPal account.

If you did not authorize this change or if you need assistance with your account, please Click Here [… Link auf „Click Here“ von mir entfernt] to contact PayPal customer service.

Thank you for using PayPal
The PayPal Team

Please do not reply to this e-mail. Mail sent to this address cannot be answered. For assistance, log in to your PayPal account and choose the „Help“ link in the header of any page.

Alarm! Von Geisterhand hat sich eine neue Mailadresse an das PayPal-Konto gehängt, das schafft genau jene Panik, die zu unvernünftigen Verhalten führt. Genau das, was ein Internet-Betrüger braucht.

Beide im Zitat entfernten Links gehen auf eine URL mit rumänischer Domain, so dass eigentlich jedem klar sein sollte, dass es sich nicht um PayPal handelt. Aber wer gerade von blankem Entsetzen gelähmt ist, bemerkt so etwas nicht unbedingt. Selbst die verlinkte Mailadresse öffnet die Website. Was den Empfänger dort erwartet, habe ich mir nicht angeschaut, aber es ist davon auszugehen, dass hier das Passwort abgegriffen werden soll, um das Konto bequem plündern zu können. Man kann sich mit einem Klick und ein paar dummen Eingaben leicht um mehrere tausend Euro schädigen lassen.

Es ist natürlich klar, dass jede Antwort bei einer Mail mit gefälschter Absenderadresse völlig sinnlos ist. Und dass in diesem Zusammenhang auf die Hilfetexte der PayPal-Site verwiesen wird, gibt dem kriminellen Versuch einen recht seriösen Anstrich.

Übrigens nutze ich auch manchmal (eher sehr selten) PayPal. Ich habe dafür eine ganz eigene Mailadresse, die ich ausschließlich für diesen einen Zweck nutze. Deshalb steht diese Mailadresse auch nicht auf den Adresslisten der Spammer, und bei mir kommt nicht gleich „Alarmstimmung“ auf, wenn ich solche Phishing-Mails an meine „Adresse für normale Kommunikation“ kriege. Diese simple Vorgehensweise kann ich jedem Menschen nur empfehlen, sie schont wirklich die Nerven. Leider geht einem die Spam trotzdem tierisch auf die Eier.

EBay-Schwindel

Nicht nur „PayPal“ will mir eine Änderung meiner Mailadresse mitteilen, auch EBay hält sich nicht zurück. Es gibt diese Mails (bei mir sind in den letzten 30 Minuten drei Stück eingetroffen) mit zwei verschiedenen Betreffzeilen, nämlich „Hinweis zu geanderter E-Mail-Adresse Ebay“ und „Ihre Ebay E-Mail wurde geandert“. Der Text ist aber in beiden Fällen identisch, auch der im Folgenden beschriebene Fehler in dieser kriminellen Spam ist identisch.

Ich halte diesen Angriffsversuch für recht gefährlich. Er richtet sich speziell gegen deutsche EBay-Nutzer. Die Mails kommen in fehlerfreiem Deutsch und enthalten korrekt gesetzte, erläuternde Links auf die EBay-Website, so dass man zunächst keinen Verdacht schöpft, wenn man nicht gerade gewisse Vorkehrungen getroffen hat. (Es empfiehlt sich generell, für empfindliche Dienste eine eigene Mailadresse zu haben, die niemals an anderer Stelle angegeben wird.) Die gefälschte Absenderadresse presse@ebay.de wirkt zwar etwas merkwürdig, aber das wird vielen Empfängern zunächst gar nicht auffallen, da sie mit ihrer beklemmenden und vernunftverhindernden Panik beschäftigt sind.

In den folgenden Zitaten wurden die Hervorhebungen aus der Mail übernommen. Die Spam enthält keine Links außer den zitierten Verweisen auf die EBay-Homepage.

eBay-Hinweis zu geänderter E-Mail-Adresse
Hallo sehr geehrter Ebay Mitglied,

Vielen Dank für Ihren Antrag auf Änderung Ihrer E-Mail-Adresse. Anleitungen zur Durchführung der Änderung wurden an Ihre neue E-Mail-Adresse gesendet.

Ein sehr geschickter Einstieg für eine kriminelle Mail. Der normale Nutzer wird gewiss hoch alarmiert sein und befürchten, dass sein Zugang „gehackt“ wurde; der Text, dass die Anleitungen an die „neue Adresse“ geschickt wurden, löst auf diesem Hintergrund das blanke Entsetzen aus. Da versteht ein fürchterliches Arschloch von Verbrecher wirklich etwas von Psychologie.

Dabei hat jedes stümperhaft programmierte Webforum Mechanismen, die einen Wechsel der Mailadresse gar nicht so leicht machen – dafür muss nämlich die alte Mailadresse und das Passwort bekannt sein. Ich weiß nicht genau, wie EBay vorgeht, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass einfach mit sofortiger Wirkung alles über die neue Adresse gehen wird, während die alte Mailadresse so einen lakonischen Hinweis bekommt. Auch wird EBay eine viel persönlichere und bessere Anrede als „sehr geehrtes Ebay-Mitglied“ in seinen technischen Mails haben. Es besteht also kein Grund zur Beunruhigung, und schon gar kein Grund, der folgenden Aufforderung Folge zu leisten:

Wenn Sie diese Änderung nicht vorgenommen haben, fragen Sie bitte zuerst Familienmitglieder und andere Personen, die evtl. Zugang zu Ihrem Mitgliedskonto haben. Wenn Sie glauben, dass eine nicht autorisierte Person Ihre E-Mail-Adresse geändert hat dann führen Sie sofort Schritte aus die in dem beigelegtem Dokument beschrieben sind!

Vielen Dank,
eBay

Nun, jetzt zum oben schon angekündigten Fehler in dieser Spam: Das beigelegte Dokument existiert nicht, offenbar haben die kriminellen Spammer bei der Programmierung ihres Skriptes gepatzt. Dieser peinliche Fehler wird aber gewiss bald korrigiert sein, und dann wird es ein beigelegtes „Dokument“ geben. Dieses „Dokument“ wird den eigenen Rechner in einen Computer anderer Leute verwandeln, der zum Spammen, und für die Verbreitung illegaler Inhalte missbraucht und darüber hinaus vollkommen ausspioniert wird, um weitere Verbrechen begehen zu können.

Wie die genaue technische Durchführung des Angriffes sein wird, lässt sich wegen des dummen und peinlichen Fehlers der Cracker noch nicht absehen. Aber um was es in diesem Angriff geht, ist auch so klar. Dass hier sehr exklusiv der „deutsche Markt“ bearbeitet wird, ist allerdings eher ungewöhnlich.

Man kann es nicht oft genug sagen: Niemals einen Mailanhang öffnen, der überraschend von einem Fremden kommt, selbst wenn dieser Fremde vorgibt, eine Bank, ein Internet-Dienst oder sonstwas zu sein! Eine Mail mit falschem Absender zu versenden, schafft jeder achtjährige, in der Nase popelnde Nachwuchshacker. Und auch bei einem wirklichen Bekannten sollte man sehr vorsichtig sein, da sich Absenderadressen fälschen und Adressbücher ausspionieren lassen. Im Zweifelsfall anrufen und nachfragen, ob die Mail echt ist. Dieses bisschen Vorsicht kann einem den Tag retten.

Wie ich schon sagte, wirkt die gefälschte EBay-Mail sehr überzeugend. Sie enthält Verweise auf allgemeine Hinweise der EBay-Website:

Wenn Sie Fragen zu den eBays-Grundsätzen haben, lesen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Datenschutzerklärung:
http://pages.ebay.de/help/policies/privacy-policy.html

Allgemeine Geschäftsbedingungen:
http://pages.ebay.de/help/policies/user-agreement.html

Copyright 2006 eBay Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Die genannten Marken sind das Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber.
eBay und das eBay-Logo sind eingetragene Marken bzw. Marken von eBay Inc.

Wer sich von solchen, eher unbewusst wahr genommenen Kleinigkeiten blenden lässt und nicht in jeder Situation seinen Verstand benutzt, der wird Kriminellen auf dem Leim gehen und den Schaden davon haben.

Einen kleinen Fehler haben die Spam-Verbrecher hier aber doch gemacht. Sie haben auf das Urheberrecht für das EBay-Logo verwiesen, das in der Mail gar nicht verwendet wird. Hier zeigt sich die allzu stümperhafte Verwendung der Zwischenablage, um schnell einen guten Betrugstext aus der EBay-Website zu machen. Auch der folgende Hinweis, dass man diese Mail nicht beantworten sollte, dürfte aus einer Original-Mail von EBay kopiert worden sein:

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser E-Mail um eine vom System versendete Mitteilung handelt. Eine Antwort auf diese E-Mail über die Antwortfunktion Ihres Mail Programms ist daher nicht möglich. Bei Fragen an unseren Kundenservice klicken Sie bitte auf den folgenden Link oder kopieren Sie ihn in Ihren Browser:
http://pages.ebay.de/help/basics/select-support.html

Kurz: Es ist eine sehr gefährliche Attacke, gezielt ausgeführt auf Rechner im deutschen Sprachraum. Dass bei der ersten Welle wegen der Unfähigkeit der Spammer kein Anhang dabei war, ist wahrscheinlich ein großer Glücksfall.

Abschließende Bemerkungen

Ich habe nicht viel Gutes über EBay und PayPal zu sagen, aber kriminelle Spammer sind das nicht. Ganz im Gegenteil, diese Unternehmen sind momentan selbst Opfer von kriminellen Spammern, da ihre Namen und Marken mit solchen Aktionen in den Dreck gezogen und durch die Spam beschädigt werden. Darüber sollte sich jeder klar sein, der irgendwie von den aktuellen Angriffen betroffen oder auch nur genervt ist. Diesen Spammern sind die wirtschaftlichen Folgen ihres kriminellen Handelns völlig egal; sie könnten jeden beliebten Namen, jedes erfolgreiche Warenzeichen, jede bekannte Firmierung für ihre Zwecke missbrauchen.