Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Tagesarchiv für den 23. August 2007

Vom Wühlen in der Krypta

Donnerstag, 23. August 2007

Manchmal kann man einem Menschen regelrecht dabei zuschauen, wie er in seiner Gehirnkrypta nach Infos kramt. Das ist der Fall, wenn er dabei spricht, als seien seine wirren Assoziationsketten etwas miteilenswertes. In der Regel entsteht dabei Gestammel.

Und manchmal kann man einem Spammer regelrecht dabei zuschauen, wie er mit unverstandenen technischen Möglichkeiten herumspielt. Das ist der Fall, wenn er seine stümperhaften Experimente auch gleich rausmailt, als seien die Ausflüsse seiner Entdeckungsreise in die Programmierung etwas mitteilenswertes. In der Regel entstehen dabei gewisse Fehler.

So auch das Super Euro Duper Vegas VIP Magic Jackpot Kasino Euro Cash Royal Casino, das jeden Tag aufs neue seinen verzweifelten Kampf gegen die Spamfilter kämpft, um vielleicht doch noch ein paar Deppen zu finden, die ihr sauer verdientes Geld gegen virtuelle Jetons eintauschen und sich anschließend darüber wundern, dass die tolle (und professionell gemachte) Website einfach verschwunden ist. Dieses „Casino“ verbraucht ungefähr 2 Domains am Tag, und jede Spamwelle kommt mit neuer URL in den virtuellen Briefkasten geflattert.

Aber im Moment tut sich etwas an den Texten, die von der Spammafia geschrieben werden. Man sucht neue Wege an den Spamfiltern vorbei und wiederholt dabei alte Fehler – es wäre ja auch zu intelligent, aus gemachten Fehlern etwas gelernt zu haben.

Die mutmaßlich russischen Absender der „Casino“-Werbung haben früher auch schon gewisse Probleme gehabt, die Umlaute richtig zu codieren, und diese Probleme tauchen jetzt wieder von neuen auf. Dabei haben die es doch schon einmal in zwei Monaten des Versandes fehlformatierter Texte gelernt, wie man das richtig macht. Jetzt demonstrieren sie ihre völlige Denkverweigerung durch die Reproduktion längst überwundener Fehler aus der Anfangszeit ihres Verbrechens:

Betreff: All das macht es zum besten Platz online zu spielen.

Spielen Sie in Europas bestem Online-Kasino, sie erhalten 400 € extra, wenn Sie sich anmelden!

FA(L(r die ersten vier Einzahlungen erhalten Sie jeweils bis zu 100 € VIP-Matchbonus. Das ist ein fantastisches Angebot von Europas fA(L(hrendem Anbieter!

Das Angebot ist wirklich toll, insbesondere, wenn Sie bedenken, was Euro VIP Kasino sonst noch zu bieten hat: – A(L(ber 100 Spiele, realistische Grafiken – die neueste und sicherste Software – professionelle Betreuer, die Ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit beratend zur Seite stehen.

Besuchen Sie Euro VIP Kasino, und erleben Sie den Unterschied.

http://vip-euro-casino.com/lang-de/ [Der Link auf dieser URL wurde von mir auf ein anderes Ziel gesetzt, um nicht auch noch einen Spammer zu verlinken.]

Ja ja, wenn man zum „fA(L(hrendem Anbieter“ in Europa werden will, denn sollte man doch wenigstens die in Europa üblichen Zeichencodierungen beherrschen, und nicht einfach im Header der Mail angeben, dass der Text in 7-bit-ASCII sein soll. Aber der „fA(L(hrende Anbieter“ legt eben keinen Wert auf solche Details, wenn er gierigen Deppen „400 € extra“ verspricht.

Ach ja, eines noch zum Abschluss: Wer glaubt, dass es ein einigermaßen seriöses und zuverlässiges Online-Casino nötig hat, mit millionenfach versendeter, illegaler und asozialer Spam zu werben, dem ist nicht mehr zu helfen. Und wer glaubt, dass die Teilnahme an diesen Glücksspielen legal ist, der hat sich auch geschnitten.

Spam-Anmeldungen in Foren

Donnerstag, 23. August 2007

Schier unerschöpflich ist die „Fantasie“ der Spammer, wenn es darum geht, Kanäle des zwischenmenschlichen Austausches mit dieser sehr einseitigen Form der Kommunikation zu fluten. Nicht nur die gute alte Internet-Mail und die moderneren Gästebücher auf Websites oder Blogkommentare sind von Spam betroffen, auch das Angebot eines Forums wird von den Spammern dankbar angenommen, um mit massenhaftem, überwiegend sinnlosen Blah den eigentlichen Zweck zu sabotieren.

Heute habe ich im relativ frisch aufgesetzen Forum der Whitedarkness zwei Registrierungen vorgefunden, die nicht den Eindruck erwecken, als ginge es diesen „Benutzern“ um den Austausch zu künstlerischen Themen. Nicht nur das, die sind sogar so doof, das sie den eigentlichen Zweck dieser Anmeldungen sofort klar machen:

  • Benutzername: CialisBestellen
  • Website: [… URL on mir entfernt]
  • Wohnort: CialisBestellen
  • Beruf: [… URL von mir entfernt] – Viagra kaufen, Cialis bestellen. Rezeptfrei – diskret – Original?edikamen?e
  • Interessen: [… URL von mir entfernt] – Viagra kaufen, Cialis bestellen. Rezeptfrei – diskret – Original?edikamen?e

Und weil es so „schön“ war, gleich nochmal, aber diesmal mit einem anderen Medikament für den Pimmel:

  • Benutzername: ApothekaXX
  • Website: [… URL von mir entfernt]
  • Wohnort: ApothekaXX
  • Beruf: [… URL von mir entfernt] Viagra kaufen, Cialis bestellen. Rezeptfrei – diskret – Originalmedikamente
  • Interessen: [… URL von mir entfernt] Viagra kaufen, Cialis bestellen. Rezeptfrei – diskret – Originalmedikamente

In beiden Fällen wurde eine Mailadresse der Domain mail.ru angegeben, und zwar eine so kryptische, dass man nicht glaubt, dass sich ein Mensch mit einer solchen Adresse rumschlagen möchte. Der arme postmaster dieser Domain – er muss sich gewiss mit Millionen sinnloser Mails zur Freischaltung von Forenaccounts an ungültige Adressen rumschlagen.

Natürlich habe ich diese beiden Benutzer umgehend gelöscht, aber es werden bestimmt nicht die letzten derartigen Versuche bleiben.

Zum Glück verfügt bbPress über ein Plugin für Akismet, das dort hoffentlich genau so zuverlässig wie in WordPress arbeitet. Kein Mensch hat die Lust und die Zeit, sich von Hand um die tägliche Spamseuche zu kümmern.

Bauernglück

Donnerstag, 23. August 2007

Bauernglück

Diese herzgekrönte Marke vor dem etwas naiv gezeichneten Höflein soll uns nicht etwa einen Urlaub auf dem Bauernhof schmackhaft machen. Nein, sie entstammt einer Postwurfsendung von Aldi, die zurzeit die realen Briefkästen belastet. Dort nimmt sie eine ganze Seite des Prospektes ein, und dort platziert, soll sie den Menschen sabbernden Appetit auf das Skandal-Lebensmittel Nummer Eins machen, auf Fleisch:

Sicherheit mit unserem Qualitätsfleischprogramm - Bauernglück

In der Tat, das zugeordnete Bild erinnert so wenig an die herzkalten Lebensbedinungungen für die Fleischzwecktiere in der Massentierhaltung und es erinnert auch nicht an monströse, mechanische Schlachthöfe voller todgeweihter Tieraugen, so dass man in diesem Anblick fast schon wieder vergessen kann, wie das Fleisch unter den Bedingungen des derzeitigen gesellschaftlichen Prozesses wirklich produziert wird. Was die Grafik – und damit den am stärksten affektiv wirksamen Bestandteil dieser Massenpest der Briefkästen – betrifft, haben sich die Werber also recht erfolgreich der ihnen gestellten Aufgabe entledigt.

Im gesamten Text dieses Druckwerken ist jedoch den Werbern ein anschauliches Beispiel dafür „gelungen“, wie man auf einer ganzen, aufwändig gestalteten Seite voller vorgeblicher „Kundeninformation“ mit sehr vielen Worten nichts sagen kann. Ja, tatsächlich, der gesamte Text enthält überhaupt keine für den Kunden relevante Information. Dafür enthält der Text jedoch viele Phrasen, die mit geringem Erfolg vorgeben, eine Information zu transportieren.

Eine solche Vorgehensweise ist für die „Informationen“ in der Printwerbung so typisch, dass ich sie an diesem sehr durchsichtigen Beispiel einmal näher betrachten möchte. Wer erst einmal einen Blick dafür bekommen hat, wird die schlichte Vorgehensweise in anderen „informativen“ Texten in der Werbung leicht wiedererkennen.

(Wenn etwas in einer Werbung wirklich informativ ist, wird es in aller Regel klein gedruckt, als müsse man sich dafür schämen und es gewissermaßen flüstern. Auch darin zeigt sich der wahre Charakter einer Werbung als Versuch, die Menschen aus der „Zielgruppe“ übern Tisch zu ziehen.)

QS - Ihr Prüfsystem für LebensmittelZunächst gibt es einen rot gedruckten Text, der ja durch die Signalwirkung dieser Farbe Wichtigkeit transportieren soll. Er soll näher erklären, was es mit diesem „QS – Ihr Prüfsystem für Lebensmittel“ nun eigentlich auf sich hat.

Das ist auch unbedingt erforderlich, erinnert doch das eigens für diese nicht mehr so frische Werbeidee entworfene Zeichen eher ans Recycling als an Produkte, die man sich mit Genuss in den Mund schiebt. Eine solche Assoziation ist zwar recht passend, wenn man kurz an die Gammelfleisch-Skandale denkt, die vor einiger Zeit zu einem medialen Sturm im Wasserglas geführt haben; sie ist aber überhaupt nicht verkaufsfördernd. Deshalb kommt dazu noch die folgende Erläuterung:

Nur nach QS-Kriterien produziertes Fleisch trägt das QS-Siegel. Achten Sie deshalb auf die mit dem Original QS-Prüfzeichen gekennzeichneten Produkte. - Mit Sicherheit Genuss!

Das übersetzt sich ganz einfach in die deutliche Sprache. Nur Fleisch, dass nach den von Aldi „QS-Kriterien“ genannten Vorgaben produziert wird, trägt auch das „QS-Siegel“, das sich die Werber von Aldi ausgedacht haben. Und deshalb sollen die Käufer auf das originale Aldi-Prüfzeichen achten, wenn es auf Produkte gedruckt wurde. Dort können die Kunden mit Sicherheit einen gewissen Genuss haben.

Bei solchem Text fragt sich der Denkende unwillkürlich, was denn nun diese ominösen QS-Kriterien sein sollen. Der Text gibt vor, darüber Aufschluss zu geben, und das sieht in einer kleinen Stichpunktliste denn so aus:

Die so genannten QS-Kriterien - Kriterium 1: Kontrollierte Futtermittel - Kriterium 2: Kontrollierte Landwirtschaft - Kriterium 3: Kontrollierte Schlachtung und Zerlegung - Kriterium 4: Kontrollierte Verarbeitung - Kriterium 5: Kontrollierter Handel

Wie man sieht, wird für diese „QS-Kriterien“ ganz viel „kontrolliert“. Aber die Tatsache, dass da etwas kontrolliert wird, ist an sich völlig aussagelos, wenn dabei verschwiegen wird, was genau kontrolliert wird und was bei diesen Kontrollen heraus kommt. Der Verweis auf die ominösen QS-Kriterien ohne weitere Information zu ihren Inhalten ist da wenig aufschlussreich. Kurz gesagt, in diesen fünf Punkten steht ein grafisch ansprechendes, mit vielen Worten aufgeblähtes Nichts.

Aber es gibt natürlich auch noch etwas Text.

Frisches Schweine- und Geflügelfleisch der Marke Bauernglück trägt das QS-Prüfzeichen...

Na, das ist doch schon etwas kleiner. Deshalb im Folgenden noch einmal zitiert, zum Nachlesen und Genießen. Und natürlich mit ein paar eingestreuten Anmerkungen und mit Fragen, die man an diesen Text stellen sollte.

Frisches Schweine- und Geflügelfleisch der Marke „Bauernglück“ trägt das QS-Prüfzeichen.

Das von Werbern im Auftrage von Aldi ersonnene „Prüfzeichen“ ist also vor allem eine Eigenschaft der Marke? Als solche dient sie also dazu, für die unter dieser Marke angebotenen Waren eine Qualität zu suggerieren?

Das Prüfzeichen wird ausschließlich für Lebensmittel erteilt, deren kontrollierte Herstellung den festen Kriterien aller Produktionsstufen entspricht.

Das von Werbern im Auftrage von Aldi ersonnene „Prüfzeichen“ sichert also zu, dass für den gesamten Prozess der Fleischproduktion kontrolliert wird, ob der Vorgang gewissen, nicht näher genannten und von Aldi ersonnenen „Kriterien“ entspricht? Die vielleicht auch so beschaffen sind, dass die Produzenten keine wirklichen Schwierigkeiten haben werden, diese „Kriterien“ einzuhalten?

Wenn dem so wäre – und so steht es ja im Text – denn wäre auch die Zusicherung gewisser, durchaus sinnvoller Standards für die Durchführung der Kontrollen nicht besonders informativ. Das hält die Werber aber nicht davon ab, mit solchen Zusicherungen eine Menge Platz auf dem Papier zu füllen.

1. Stufe: Betriebliche Eigenkontrolle: Alle an der Produktion und Vermarktung beteiligten Unternehen unterliegen einem innerbetrieblichen Eigenkontrollsystem nach QS-Vorschriften. -- 2. Stufe: Neutrale Kontrollen: Neutrale Prüfinstitute überprüfen, ob der jeweilige Betrieb die Vorgaben des QS-Systems einhält - 3. Stufe: Kontrolle der Kontrolle: Ein unabhängiges Prüfinstitue oder die QS Qualität und Sicherheit GmbH selbst überprüfen die Funktionsfähigkeit des gesamten Systems durch Auswertung von Prüfberichten und Stichprobenkontrollen.

Die wichtigste Information, nämlich, was die bei all diesen Kontrollen kontrollierten Kriterien eigentlich sind, sie fehlt völlig in dem wohl gestalteten Texten einer unbekannten Werbeagentur. Ich glaube, man darf mutmaßen, dass so auffälliges Schweigen in so vielen Worten etwas verdecken soll, was nach Meinung der Auftraggeber einer solchen Werbung besser verdeckt bleiben sollte. Ich glaube ferner, dass es für die Zielgruppe einer solchen Werbung sehr interessant wäre, zu wissen, was hinter diesem Schweigen versteckt werden soll. Aber dazu schweigt sich der Text aus, stattdessen übt er sich im Widerkäuen der wenigen, nichtssagenden Angaben:

Bei frischem Fleisch der Marke „Bauernglück“ erstreckt sich die kontrollierte Erzeugerkette nach den QS-Kriterien vom Futtermittel, über den Stall, die Schlachtung und Zerlegung über die Verarbeitung bis in die Ladentheke.

Siegel: geprüfte Qualität aus kontrollierter ProduktionWenn man keinen Inhalt für seinen Text hat, muss man eben seine paar dürftigen, aussagelosen Aussagen immer wieder wiederholen. So entsteht im sprachlichen Dampfhammer eines geübten Werbers der rein affektive Eindruck einer „geprüften Qualität“, auf die sich der Werber auch gleich selbst das Siegel gibt. Das fällt besonders leicht, da man ja eh schon mit grafischer Gestaltung druckt; es verursacht keine zusätzlichen Kosten. Und wer sich – wie die Zielgruppe dieser Werbung – keine Gedanken über die anderen Inhalte dieser Werbung macht, fällt gewiss auf solche pseudoseriösen Tricks eines Werbers rein.

Und darauf kommt es dem Werber an. Nur darauf.

Guten Appetit!