Diese Meldung in der Netzeitung sollte jeden warnen, der das Thema Spam immer noch auf die leichte Schulter nimmt:
Die Zahl der Internet-Nutzer, deren Konten mit geklauten Passwörtern geplündert worden seien […] sei im vergangenen Jahr bundesweit um 23 Prozent gestiegen […] Insgesamt seien in 3250 Fällen 13 Millionen Euro von Konten der Opfer gestohlen worden.
Für das einzelne Opfer dieses groß angelegten und mafiös organiserten Betruges ist das ein oft erheblicher Verlust. Die durchschnittliche Schadensumme der Betroffenen liegt nach diesen Zahlen bei immerhin 4000 Euro. Nur wenige Menschen können es sich leisten, mal eben viertausend Euro für Nichts wegzuwerfen, und selbst wer sich das leisten könnte, wird es dennoch nicht wollen.
Nicht alle Opfer des gegenwärtigen Phishings sind so dumm, dass sie eine gefälschte Mail ihrer Bank für echt halten und daraufhin ihre TAN auf den Websites von Betrügern eingeben. Es gibt diese naiven Dummköpfe zwar immer noch, aber die meisten Opfer des Phishings werden heute mit hohem technischem Aufwand überrumpelt:
In den meisten Fällen schickten Betrüger per E-Mail einen sogenannten Trojaner – ein Schadprogramm, das die Daten heimlich ausspäht und weitergibt. Anderer Schadprogramme leiteten die Nutzer beim Online-Banking im Hintergrund auf gefälschte Seiten weiter.
Recht häufig werden die Trojaner übrigens installiert, wenn man auf Links in Spam-Mails klickt und so präparierte Seiten aufruft, die Sicherheitslöcher der gängigen Browser ausnutzen. Die Installation der Software geschieht unauffällig und im Hintergrund, und danach hat man seinen für teures Geld gekauften Rechner in einen Computer verwandelt, der von der Spam-Mafia kontrolliert und ferngesteuert wird. Es ist zwar richtig, wenn die in der Netzeitung zitierte Agenturmeldung folgendes empfiehlt…
Laut Bitkom ist es daher wichtig, die jeweils neuesten Schutzmethoden zu verwenden. Dazu zählt der Schutz des Computers mit einer aktuellen Anti-Viren-Software. Wichtig ist zudem eine gesunde Skepsis beim Empfang von E-Mails […]
…aber die wichtigsten Regeln im Mailverkehr (und auch bei der Benutzung so genannter „Web 2.0″-Dienste) sind noch viel einfacher zu beherzigen und sehr viel wichtiger als das blinde Vertrauen in irgendwelche Programme gegen Viren. Hier in aller Kürze der dreifache Imperativ des gegenwärtigen Internets:
- NIEMALS auf einen Link in einer Spam klicken!
- NIEMALS den Anhang einer Spam öffnen!
- NIEMALS glauben, dass der Absender einer Mail stimmt!
Der letzte Punkt wird in Zukunft von immer größerer Wichtigkeit sein. Es ist leicht, einen Absender zu fälschen, alle Spam-Mails kommen mit gefälschtem Absender. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis viele Spams scheinbar von regelmäßigen Kontakten kommen. Wer eine Mail von einem Bekannten erhält, die in irgendeiner Weise untypisch und damit verdächtig ist (falsche Sprache, ungewohnte inhaltliche Schwächen, veränderter Stil, seltsame Ausdrucksweise), sollte vor dem Klick auf einen Link oder vor dem Öffnen eines Anhanges lieber einmal anrufen und nachfragen, ob diese Mail auch wirklich von ihm kommt. Dieses bisschen Prävention kann schnell tausende von Euro und viel Ärger mit einen von Kriminellen übernommenen Rechner sparen.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Spam-Mafia dazu übergehen wird, ihren Opfern die Trojaner der nächsten Generation unterzujubeln. Diese Programme werden nicht nur unbemerkt im Hintergrund Passwörter sammeln und die Aktionen beim Online-Banking manipulieren, sondern sich auch verbreiten, indem sie sich selbst an alle Mail-Kontakte des Opfers weitersenden. Dabei können durchaus Mailtexte aus Textfragmenten bisheriger Mails zusammengesetzt werden, so dass die automatische Erkennung durch Spamfilter sehr schwierig wird. Hier ist dann der Mensch gefragt, der immer noch deutlich intelligenter als ein dummer Computer sein sollte und diese Intelligenz eben für die Erkennung von Spam und Angriffsversuchen nutzen muss.
Wer aber glaubt, dass er zusätzlich einen wirksamen technischen Schutz gegen die kriminellen Anliegen der Spam- und Phishing-Mafia benötigt, der sollte sich nicht allein auf Virenscanner verlassen, die nur die technische Anfälligkeit des verwendeten Systemes ausbügeln. Der beste technische Schutz ist es immer noch, für die täglichen Sitzungen im Internet ein Betriebssystem und eine Arbeitsumgebung zu verwenden, die sich als relativ resistent gegen solche Angriffe erweisen – und natürlich, dieses System auch immer auf einem aktuellen Stand zu halten. Ich kann hier nur Linux empfehlen, das nichts kostet, frei ist und dem Anwender wieder den Computer zurückgibt. Das eventuelle Umlernen auf das neue System zahlt sich später hundertfach in gesparter Zeit aus, die man nicht in einen zickig gewordenen Rechner investieren muss.
Wenn ein Verzicht auf Microsoft Windows, diesem Betriebssystem mit der betrüblichen Sicherheitsgeschichte, aber gar nicht möglich ist, denn sollte doch wenigstens nicht die Standardumgebung von Microsoft verwendet werden, auf die viele Angriffsversuche wegen der großen Verbreitung dieser Umgebung und der relativen Leichtigkeit solcher Angriffe abzielen. Es gibt gute und kostenlose Alternativen zum fatalen Dreigespann Microsoft Internet Explorer, Microsoft Outlook und Microsoft Office. Wer sich mit aktuell gehaltenen Versionen von Firefox, Thunderbird und Open Office in seine täglichen Computersitzungen begibt, wer nicht standardmäßig und ohne besondere Notwendigkeit mit Administratorrechten arbeitet, und wer zusätzlich sein Gehirn benutzt und nicht wie ein dressierter Affe auf alles klickt, was sich irgendwie anklicken lässt, der ist auch mit Windows relativ sicher im Internet unterwegs. Der Virenscanner ist dennoch dringend empfohlen, und natürlich müssen die Signaturdateien regelmäßig aktuell gehalten werden. Windows bleibt immer noch ein System, das vor allem für kriminelle Angreifer viele Schlupflöcher bietet.
Die Zitate in diesem Text wurden dem oben verlinkten Artikel in der Netzeitung entnommen.