Hier geht es nicht um eine Spam, sondern um eine wahrscheinlich leider legale Form der Reklame, mit der die Protzautoklitsche BMW – bekannt geworden durch das Abo für die eingebaute Sitzheizung – die Käufer ihrer teuren Autos belästigt [Archivversion]:
„BMW hält eine besondere Überraschung für seine Kundinnen und Kunden bereit‟, sagt der deutsche Autokonzern. Gemeint ist animierte Reklame für einen Kinofilm, die die Fahrzeuginsassen auf dessen großen Display vorgesetzt bekommen. „Diese festlichen Animationen sind weltweit in mehr als 70 Ländern für Fahrzeuge verfügbar, die mit der entsprechenden Sonderausstattung und dem BMW Operating System 7, 8, 8.5, 9 oder dem BMW Operating System X ausgestattet sind sowie ein Produktionsdatum nach Juli 2020 aufweisen.‟
Beim Anlassen solcher Fahrzeuge ist für einen Zeitraum von 15 Tagen, vom 27. Juli bis 10. August 2026, ein Werbebanner auf dem Display zu sehen. Wer es wagt, dieses anzutippen, löst laut Pressemitteilung „eine festliche Vollbildanimation im Control Display mit passend ausgewählter Hintergrundmusik und einer begleitenden Lichtshow des Ambient-Beleuchtungssystems‟ aus
Eine ganz besondere Überraschung! Und so festlich! 🤮️
Ich erspare mir mal weitere Anmerkungen dazu, denn BMW hat hier im Lande des vollumfänglichen Rechtsschutzes für beleidigte Leberwürste eine ziemlich große Rechtsabteilung. Stattdessen zitiere ich nur kurz das Wort, das bei Heise Online im Artikel steht…
[…] In-Car-Spam […]
…und das ich angesichts solcher Überrumpelungen völlig angemessen finde, selbstverständlich, ohne es mir deshalb gleich zueigen zu machen. Von einer derartig übergriffigen Unternehmung hochpreisige Autos zu kaufen, die dann irgendwann überraschend zu Vertriebsplattformen für die professionelle und manipulative Lüge der Reklame umgestaltet werden, halte ich übrigens nicht für eine gute Idee. Ganz im Gegenteil. Ich halte es für eine dumme Idee, für so eine Zumutung einen Preis in der Höhe des Jahresgehaltes eines gutverdienenden Menschen hinzublättern.
Wenn Menschen so etwas weiter kaufen, warte ich auf die Zeit, in der man erst drei Werbespots gucken muss – kameraüberwacht und von einer so genannten „künstlichen Inteligenz“ ausgewertet, um sicherzustellen, dass man auch wirklich hinschaut – bevor man den Motor starten kann. Außer man kauft das „Fahr-sofort-Abo“ für nur noch fünfzig Øre monatlich, bequem und bargeldlos per Bankeinzug. Das ist ja alles in seiner gnadenlosen Unverschämtheit noch ausbaufähig. Online-Werbung hat auch mal sehr harmlos mit ein paar passiven, verlinkten Bannern ohne umfassende Verdatung durch bösartigen Javascriptmissbrauch angefangen, und inzwischen ist sie eine Pest geworden… und ein ganz großes Geschäftsmodell; für den Journalismus und Social-Media-Unternehmen sogar das einzige Geschäftsmodell.
Grüße auch an VW, die durch vergleichbare Dreistheit glänzen und sich inzwischen darüber wundern, dass sich die am Markt vorbeiproduzierten Karren nicht mehr so gut verkaufen! Hol euch alle der Insolvenzverwalter! Geistig-intellektuell ist der Bankrott schon lange erreicht. Sonst würde man über so etwas gar nicht erst nachdenken.
Auf Arbeit will mein neues Auto beim Einschalten immer das Land wissen, um „webdienste zu aktivieren“ – ich verrat’s ihm aber nicht, sondern fahre erst zum nächsten Kunden…
Wenn eine große orange Straßenkehrmaschine im Vorbeifahren rechts die Seitenlinie verdeckt, soll ich plötzlich den „Fahrassistenzsensor reinigen“. Habe ich vor einem Drahtzaun geparkt, ist nachher Kollisionserkennung, Annäherungssensor und Spurerkennung „defekt“ und mir wird ein Weg zur nächsten Werkstatt angeboten (als ob die nur auf mich warten); nach dem nächsten Halt ist alles wieder in Ordnung ….. „Bluescreen“ gibt es auch manchmal, dann ist das „Armaturenbrett“ eine blau leuchtende Fläche, auf der zwar die Blinkeranzeige erscheint, aber nicht diese unwichtige Geschwindigkeit, Kilometerstand, Tankfüllung… Nein, ich will gar nicht wissen, was das für webdienste im Auto während der Fahrt sein sollen!!
Meine Fahrräder wissen gar nicht, was dieses „Internet“ ist. Das mit E-Unterstützung könnte sich per Bluetooth an eine „App“ anbinden, aber wozu? Ich stecke den Akku dran, wähle die Unterstützungsstufe aus und fahre. Bei dem anderen ist nur das Licht elektrisch. Und wenn ich mal irgendwelche „Smart“-Funktionen möchte, dann mache ich das selbst.
Auto habe und brauche ich nicht. Wenn es mal weiter sein muss, tut es die Bahn, die zwar (vermutlich gewollt) ziemlich unzuverlässig ist, aber im Nahverkehr immer noch halbwegs akzeptabel mit der richtigen Planung.