Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Nеuе Νасһrісһt

Samstag, 11. Juli 2026, 10:15 Uhr

Ich schreibe ja oft: Der beste Schutz gegen Phishing ist es, dass man niemals in eine E-Mail klickt. Das muss ich jetzt ein wenig relativieren. Natürlich sollte man auch nicht einfach eine Telefonnummer aus einer E-Mail anrufen, um sich am Telefon von Trickbetrügern abziehen zu lassen.

Die folgende Spam mit dem Absender…

Von: Kraken <kundensicherheit@franulovictechs.com>

…wäre mir beinahe durch den Spamfilter geflutscht. Durch normal eingestellte Spamfilter wird sie häufig hindurchkommen. Das HTML-Layout werde ich hier nicht nachbilden, aber es ist gelungen.

Kraken Sicherheitsmitteilung

Guten Tag,

wir haben nach Ihrer letzten Kontoanmeldung einen Auszahlungsvorgang auf Ihrem Konto registriert. Wenn Sie diese Aktion selbst durchgeführt haben, besteht kein Handlungsbedarf — diese Nachricht dient lediglich Ihrer Information.

Haben Sie diesen Vorgang jedoch nicht veranlasst, wenden Sie sich bitte ohne Verzögerung an unser Sicherheitsteam. Je schneller wir reagieren, desto besser können wir Ihr Konto absichern.

Datum 10.07.2026
Uhrzeit 15:30:06 Uhr
IP-Adresse 103.112.60.0
Herkunftsort Polen
Endgerät Nicht erkanntes Android-Gerät

Waren das nicht Sie? Dann kontaktieren Sie unser Sicherheitsteam sofort, damit wir unberechtigte Zugriffe auf Ihr Konto blockieren können.

Ihr persönlicher Zugangscode

K-621254

Diesen Code bitte beim Anruf beim Support-Team bereithalten

Kraken Sicherheitshotline

+496994320███

Rund um die Uhr erreichbar, täglich 24 Stunden

Freundliche Grüße,
Ihr Kraken Sicherheitsteam

SicherheitsbereichKundendienstHilfebereich

Diese Nachricht wurde automatisch durch unser Sicherheitssystem erstellt.

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Zu dieser Spam nur drei Dinge:

  1. Ich habe kein Benutzerkonto bei „Kraken“.
  2. Ich habe kein Kryptogeld und keine spekulativen Schwindelzettel des gegenwärtigen Casinokapitalismus in irgendeiner Form. Ich lehne es ab, Wettzettel darauf zu kaufen, was der nächste Käufer wohl beim Weiterverkauf des selben Wettzettels bezahlen wird. Ich finde Spekulation genau so widerlich und asozial wie Verbrechen. Das gilt in besonderer Weise für das extrem energieverschwenderische und als Zahlungsmittel außerhalb krimineller Schattenwirtschaften völlig ungeeignete und deshalb auch als Zahlungsmittel im Alltag (einziger Anwendungsfall) gescheiterte Kryptogeld.
  3. Ich heiße nicht „Guten Tag“.

Dieser Müll wird also als Schrotmunition aufs Internet geschossen und kommt sogar bei mir an. Es ist Spam. Die Absender, eine Trickbetrügerbande, sagen sich: Unsere Spam wird schon ein paar Leute treffen, die ein Konto bei Kraken haben und in Alarmstimmung anrufen. Wer anruft, wird von einer gut eingespielten Bande von Trickbetrügern um sein Geld erleichtert, nachdem er Zugangsdaten am Telefon angegeben hat, um das angebliche Problem schnell zu beheben. Alles, was am Telefon erzählt wird, ist Lüge. Das Geld, das man bei „Kraken“ liegen hatte, ist weg. 💸️

Aber auch hier gilt: Wenn man nicht telefoniert, sondern die Website von Kraken über ein dafür angelegtes Lesezeichen im Webbrowser aufruft, sich dort wie gewohnt anmeldet und nach der Anmeldung keinen Hinweis auf das angebliche Sicherheitsproblem sieht, hat man einen dieser gefürchteten Cyberangriffe abgewehrt. So einfach geht das. Macht das, und macht niemals das, was in solchen Mails von euch gefordert wird. 🛡️

Und eines noch: Die Spam war natürlich nicht digital signiert. Sie kann von jedem Menschen und von jedem Bot aus dem Internet kommen. Sie kann auf dem gesamten Transportweg beliebig verändert werden, ohne dass der Empfänger eine Chance hat, diese Manipulation zu entdecken. Das gilt für jede E-Mail, die nicht digital signiert ist. Ich hoffe mal, dass ein Finanzdienstleister wie „Kraken“ seine E-Mails an Kunden digital signiert, zumal das beinahe keinen Aufwand macht. Oh, das machen die anderen auch nicht? Tja, dann ist es „Kraken“ eben egal, ob die Kunden dem Phishing und möglichen Manipulationen während des E-Mail-Transportes wehrlos ausgeliefert sind, solange nur das eigene Geschäftchen läuft. Für mich wäre das ein Grund, sofort von dort zu fliehen. Denn wo Geld ist, da sammeln sich die Diebe, und wo viel Geld ist, da treiben Diebe auch schon mal etwas Aufwand.

Dass „Kraken“ ein im Rechtsraum der BRD gesetzlich vorgeschriebenes E-Mail-Impressum in seine Mail schreiben lässt, gehört hoffentlich nicht zu den Dingen, auf die ich noch hoffen muss. In der Spam fehlt es.

Bitte nicht auf solche Spams reinfallen! Ich bin mir sicher, dass ich den von Betrügern gewünschten Medienbruch, dass man telefonieren soll, weil man eine Mitteilung im Internet erhalten hat, noch öfter sehen werde. Die meisten Menschen sind noch nicht darauf vorbereitet, selbst, wenn sie bei E-Mail vorsichtig geworden sind. Nicht zum Telefonieren drängeln lassen, weil in einer E-Mail irgendwelcher Unbekannten schwere Schäden an die Wand gemalt werden! Trickbetrügerbanden können einem Menschen so lange das Gehirn weichquasseln, bis sie es auslöffeln können. Sie leben davon. Immer erstmal die Website über ein Lesezeichen im Browser aufrufen und sich dort normal anmelden! Wenn es dann keinen Hinweis auf ein Problem gibt, kann man die Phishingspam einfach löschen. Das kann schnell sehr viel Geld und Ärger ersparen.

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