Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Kategoriearchiv „Phishing“

Urgent Action Required

Samstag, 13. Dezember 2008

Na, lange keine Phishing-Spam mehr gehabt. Diesmal geht es allerdings nicht um irgendwelche Sparkassen oder Volksbanken, sondern um PayPal – das ist viel gefährlicher, da PayPal-Kunden es ja gewohnt sind, dass sie mit einer Mail angeschrieben werden. Die gefälschte Absenderadresse entspricht allerdings nicht so ganz der Erwartung, da servicepaypal.com niemals von PayPal verwendet wird. Im Moment hat ein Domain-Händler diese Domain.

Betreff: Update Your Billing Records – Urgent Action Required

Aber ganz dringend muss reagiert werden. Am besten, ohne dass man vorher nachdenkt. Denn das lieben solche Verbrecher.

Dear valued PayPal® Customer, […]

Wenn einer nicht nachdenkt, wird er vielleicht nicht einmal bemerken, dass dies die einzige Mail von PayPal ist, in der er nicht mit Namen angesprochen wird. Denn einen Namen können diese kriminellen Spammer – im Gegensatz zu Paypal – auch gar nicht kennen.

[…] Due to recent fraudulent transactions, we have issued the following security requirements.

Tja, wenn man schon ein Komma nach der Anrede setzt, denn sollte man mit einem Kleinbuchstaben fortsetzen. Solche Patzer erlauben sich eben nur Spammer, die ihren Strunz eher etwas schlampig in die Tasten hauen, PayPal schreibt bis in Kleinigkeiten hinein ziemlich fehlerfrei. Und noch viel wichtiger: PayPal schreibt deutsche Kunden auf Deutsch an.

Wer wird bei solchen Schwächen noch glauben, dass es die Leute von PayPal sind, die hier etwas von betrügerischen Transaktionen fabulieren, die zu Sicherheitsmaßnahmen führen, deren Durchführung dann auf die Kunden abgewälzt wird.

It has come to our attention that 98% of all fraudulent transactions are caused by members using stolen credit cards to purchase or sell non existant items. Thus we require our members to add a Debit/Check card to their billing records as part of our continuing commitment to protect your account and to reduce the instance of fraud on our website. Your Debit/Check card will only be used to identify you. If you could please take 5-10 minutes out of your online experience and renew your records you will not run into any future problems with the PayPal® service. However, failure to confirm your records will result in your account suspension.

Ich habe gar keine Kreditkarte. Ob mir PayPal jetzt wohl trotzdem das Konto sperrt? 😉

We are requesting this information to verify and protect your identity. Federal regulations require all financial institutions to obtain, verify, and record identification from all persons opening new accounts or obtaining ongoing payment services. This is in order to prevent the use of the U.S. banking system in terrorist and other illegal activity. For these reasons, PayPal® will utilize services provided by various credit reporting agencies to verify the information you submit to us.

Schon klar, ganz viel offiziell klingender Bullshit. Und mit einem Verweis auf Terrorismus kann man jeden Scheiß rechtfertigen, das haben diese verbrecherischen Spammer schon von der Politik gelernt.

Once you have updated your account records your pending PayPal® account transactions will not be interrupted and will continue as normal.

Das Beste daran: Wenn man diese Spam einfach ignoriert und löscht, denn geht auch alles ganz normal weiter. :mrgreen:

To update your billing records please proceed to our secure webform by clicking here.

Wer jetzt noch Zweifel daran hatte, dass es sich um eine Spam handelt, bekommt spätestens beim Blick auf die verlinkte Website völlige Klarheit über den wirklichen Charakter dieses dreisten Versuches. Denn diese Spammer haben es nötig, das Ziel des Links über tinyurl.com zu verbergen. So etwas macht PayPal und auch kein anderer Anbieter echter Dienstleistungen.

Allerdings hat TinyURL schon mitbekommen, dass der Dienst von Spammern missbraucht wird – der Link in der Mail funktioniert nicht mehr und führt auf eine kleine Meldung, dass hier ein Missbrauch vorliegt. Denn niemand hat ein Interesse daran, sich zum Komplizen solcher Verbrecher zu machen.

Thank you for your time,
PayPal® Billing Department.

Aber gerne doch. :mrgreen:

Please do not reply to this email. This mailbox is not monitored and you will not receive a response. For assistance, log in to your PayPal account and choose the Help link located in the top right corner of any PayPal page.

To receive email notifications in plain text instead of HTML, update your preferences here.

Und zum Abschluss noch zwei nicht mehr funktionierende Gelegenheiten, auf eine nachgemachte Login-Seite von PayPal in der Hand von kriminellen Spammern zu kommen, auf dass viele Konten übernommen werden können und die Spam-Mafia mal wieder so richtig Geld schaufelt. Spam hat eben immer auch den Chrakter von Schrotmunition.

PayPal Email ID PP247

Ja ja, mit so einer Zahl am Ende sieht das auch nicht überzeugender aus.

Musik im WMA-Format

Samstag, 26. Juli 2008

Dies ist eine dringende und in ihrer Schärfe hoffentlich unbegründete Warnung, die sorgfältig gelesen werden muss.

Die folgende Spam ist ausgerechnet im Forum von Jamendo aufgetaucht, als ob es dort in den über zehntausend zum Anhören und zum freien Download verfügbaren Alben in völlig DRM-freien Formaten nicht genug Musik gäbe:

Musik im WMA-Format … ausgezeichnete Seite
http://musica.zurera.net/
Es gibt Tausende von Künstlern und kostenlos zu hören …

Ich hoffe, Sie mögen es,
Grüße Miguel

Der Spamcharakter dieses „Hinweises“ wird also schon durch seinen wenig geeigneten Ort der Mitteilung deutlich, als weiteres Indiz kann die etwas unbeholfen und „babelfischig“ wirkende und dem dort üblichen Stil so gar nicht entsprechende sprachliche Form dienen. Es ist also relativ leicht, diese Spam auch als Spam zu erkennen und zu behandeln – leider befürchte ich, dass dies nicht jedem Leser gelingen wird.

Ich habe mir einmal den „Spaß“ gemacht, mit einem besonders gesicherten System auf den angegebenen Link zu klicken. Dort bekam ich die folgende Website präsentiert (für Originalgröße in das Bild klicken), die mir nicht nur zeigte, wie so ein Musikinstrument aussieht, sondern mich zudem in englischer Sprache dazu aufforderte, einen Benutzernamen und ein Passwort anzugeben – was sie aber verschwieg, ist ein einfacher Hinweis darauf, was ich nach meinem Login erhalten würde:

Die mit Spam beworbene Musiksite musica.zurera.net - von wegen freies Angebot...

Diese laut einer Forums-Spam „ausgezeichnete Seite“ hat also – anders als Jamendo – für die Nutzung eines auf der Eingangsseite gar nicht beschriebenen Dienstes eine Anmeldung zur Voraussetzung. Eine Anonymität dessen, was man dort tut, ist also – wiederum anders als bei Jamendo – nicht drin. Und darauf weist diese Seite auch noch einmal in fetter und roter Schrift hin:

Notice! This is a non public website. All actions are logged.

Ich soll also, bevor ich auch nur weiß, um was es sich hier wirklich handelt, beachten, dass dies eine „nicht öffentliche“ Website ist, was immer das auch heißen mag, steht die Eingangsseite dieser Site doch im recht öffentlichen Internet, ist dort jedem zugänglich und wird von Google indiziert – und zusätzlich auch noch mit Spam in Foren bekannt gemacht. Und um mich noch ein bisschen mehr einzuschüchtern, aber mir immer noch nicht zu sagen, was hier vorliegt, werde ich auch kurz darauf hingewiesen, dass meine gesamte Interaktion auf dieser Site protokolliert wird.

Fassen wir noch einmal zusammen. Die Spam eines gewiss anonym bleibenden Spammers behauptet…

  • … auf dieser Site gäbe es massenhaft Musik in einem mir nicht besonders sympathischen und außerhalb der Windows-Welt völlig unüblichen Dateiformat,
  • … es handele sich dabei um eine „ausgezeichnete Seite“,
  • … die Musik stamme von tausenden von Künstlern, und
  • … die Musik sei völlig kostenlos anzuhören.

Kurz gesagt: Eine solche Site bräuchte sich gewiss nicht im Internet zu verstecken, sie wäre ein wirklich tolles Angebot. Dies gälte selbst dann, wenn man auf den Genuss von neunzig Prozent dieser Künstler gut verzichten könnte.

Ein Besuch dieser Site zeigt mir hingegen…

  • … nicht ein einziges Wort darüber, was es dort geben könnte,
  • … ein völlig unverbindliches Bild von einem Musikinstrument,
  • … einen deutlich gemachten Hinweis, dass es keine öffentliche Site sei, und
  • … einen Text, dass ich in allem, was ich dort tun könnte, nicht anonym bleiben kann, ohne dass dies mit irgendeinem Kontext erläutert oder verständlich gemacht wird.

Dazu gibt es keinerlei Impressum, keine Mailadresse für einen Kontakt, keine Erklärung zum Datenschutz und nichts, was einem Interessierten Aufschluss über die wirkliche Natur des Angebotes dieser Website geben könnte. Eine echte Katze im Sack. Nicht einmal irgendwelche Metatags für die Suchmaschinen oder ein bisschen im HTML-Code versteckter Text, der dazu führen könnte, dass diese Site mit irgendeinem anderen Text als „login“, „secret“, „remember me“ und dem schon zitierten, roten Warnhinweis von einer Suchmaschine indiziert werden könnte. Im Grunde handelt es sich um eine Anmeldeseite ohne Inhalt.

Alle Hinweise, was es dort geben könnte, stammen aus einem Forenkommentar bei Jamendo, der auf dem ersten Blick als Spam erkennbar ist. Wer immer diese Site betreibt, aus welchen Gründen er es auch immer tut, er wird sich mit Leichtigkeit vom Text dieses Kommentares distanzieren können.

Ach doch, eines gibt es ja noch auf dieser „nicht öffentlichen“ Seite, und zwar einen Button mit dem verheißungsvollen Text „Signup“. Das ist zwar alles nicht öffentlich, aber dennoch soll sich jeder Mensch im Internet dafür registrieren können. Vorausgesetzt natürlich, er ist so doof und registriert sich für eine Katze im Sack.

Ich habe auf diesen Button mal einen frechen Klick gewagt, um die folgende Maske in einem Popup-Fenster präsentiert zu bekommen:

Registrierung

Auch zu dieser „Registrierung“ gibt es keinerlei weitere Hinweise. Man erfährt vor der Eingabe seiner paar Daten nichts. Nicht einmal, ob man sich mit der Wahl von Benutzername und Passwort wirklich anmelden kann, oder ob dieser Zugang erst freigeschaltet werden muss. Um so richtig klar zu machen, dass man sich hier vielleicht gar nicht recht registriert, sondern diese Daten einfach nur auf dem Server einer mit Spam beworbenen Site speichert, steht auf dem Button zum Absenden auch nicht so etwas wie „Signup“ oder „Register“, sondern einfach nur ein lakonisches „Save“.

Die einzige Information sind die Sternchen vor gewissen Feldern, die wohl andeuten sollen, dass es sich um Pflichtfelder handelt. Danach muss man zur Registrierung eines Zuganges zur Nutzung einer nicht-öffentlichen Katze im Sack die folgenden Dinge angeben:

  1. Einen echten, vollständigen Namen
  2. Ein frei gewählter Benutzername
  3. Ein frei gewähltes Passwort
  4. Eine Mailadresse

Wer das getan hat, der hat Betreibern einer durch Spam beworbenen Site die folgenden Informationen gegeben:

Eine Kombination von Realname und Mailadresse – mithilfe dieser Kombination ließen sich bestimmte Betrugsmails sehr viel überzeugender verfassen, da eine richtige Anrede des Empfängers möglich ist. Wer in einer Spam persönlich angesprochen wird, kann große Probleme haben, die Spam auch als solche zu erkennen – und würde sich deshalb wohl häufig so verhalten, wie es sich die Spammer nur wünschen können.

Eine Kombination von Benutzername und Passwortsehr viele Menschen, die verschiedene Dienste im Internet nutzen, verwenden überall das gleiche Passwort. Wenn ein solcher Benutzer hier seine „Standardanmeldung“ eingäbe, bräuchen die mutmaßlich böswilligen Empfänger dieser Information einfach nur populäre Dienste durchzuprobieren, um Profile bei MySpace, Facebook etc. in Spamschleudern für kriminelle Angebote zu verwandeln. Natürlich würde so etwas auch gewiss bei eBay ausprobiert, um auch dort die üblichen Betrügereien durchzuführen. Wenn die Ersteller dieser Site den von Jamendo kommenden Referer auswerten – das ist eine müde Fingerübung in Perl oder PHP, vom Aufwand her einfach lachhaft – werden sie zum Beispiel recht häufig auch gültige Zugangsdaten für Jamendo haben.

Eine Kombination von Mailadresse und Passwort – auch hier gilt: Wenn jemand seine „Standardanmeldung“ eingäbe, hätten die Empfänger solcher Daten schon einmal eine gute Gelegenheit erhalten, das Mailkonto zum Spamversand zu nutzen. Aber das Missbrauchspotenzial wäre noch viel höher, denn diese Kombination ist zum Beispiel auch für die Identifikation gegenüber PayPal entscheidend, und damit ließe sich erheblicher finanzieller Schaden anrichten. Der einzige Aufwand, den die Empfänger solcher Daten hätten, wäre eine testweise Anmeldung mit diesen Daten bei PayPal.

Wer überall verschiedene Passwörter benutzt, wäre gegen eine solche, in dieser Form noch recht frische Form des Phishings natürlich gesichert, aber das tut nur eine Minderheit unter den heutigen Netznutzern. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei fast jeder Preisgabe von Daten hier irgendetwas missbrauchen ließe, wäre außerordentlich hoch, und sie lohnte die recht geringe Mühe, die diese recht obskuren Sitebetreiber in das technisch ziemlich grottige Design dieser Site gesteckt haben.

Und diesem ganzen, hier nicht einmal vollständig beschriebenen Missbrauchspotenzial steht eine Katze im Sack gegenüber. Ob diese nicht einmal sanft mauzende Katze ein solches Risiko wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Meine Entscheidung ist jedenfalls klar: Sie ist es nicht wert, und ich würde selbst dann die Finger von dieser Site lassen, wenn ich dem Verfasser eines Spameintrages in einem Forum Glauben geschenkt hätte.

Wenn es sich hier wirklich um eine neue Form des Phishing handelt – ich weiß es natürlich nicht genau, und es gibt auch noch kein passendes Wort dafür (vielleicht social phishing?) – ist die heute von mir erlebte Durchführung noch in einem frühen Stadium und wird für spätere Phishzüge wohl noch wesentlich verbessert. Zum Beispiel wäre die Anmeldeseite viel „überzeugender“, wenn sie ihren Aufrufer in seiner im Browser eingestellten Sprache begrüßt, und der technische Aufwand dafür wäre marginal, wenn nur die großen Sprachgemeinschaften berücksichtigt würden. Auch die gesamte Gestaltung einer solchen Site könnte wesentlich überzeugender gelingen, wenn man zwei oder drei Tage Arbeit hineinsteckte statt der zwei oder drei Stunden, die hier aufgewändet wurden.

Solche Angriffe auf Zugangsdaten wären ausgesprochen gefährlich und in der Anfangszeit gewiss sehr erfolgreich. Jeder wird sich in Zukunft davor schützen müssen, und das geht nicht mit Hilfe einer technischen Lösung, sondern nur durch Einsatz des Verstandes:

  1. Spam als solche erkennen! Niemals so verhalten, wie es der Spammer will. Jeder Klick in eine Spam ist hoch gefährlich. Niemand spielt mit Spam herum. Es handelt sich um ein Mittel, das von asozialen Kriminellen verwendet wird.
  2. Nie unüberlegt handeln! Auch im quasi lichtschnellen Internet muss immer die Zeit sein, nachzudenken, bevor man etwas tut. Kein gutes Angebot wird in fünf Minuten verschwinden, die vor einer Anmeldung nachgedacht werden.
  3. Für die umgehende Löschung solcher Spam in Foren sorgen! Diese Masche wird ihre Opfer finden. Es kann Monate dauern, bis die Information bei jedem angekommen ist.
  4. Niemals auf einer unbekannten Website Daten eingeben, die einen Zugang zu einem anderen Benutzerkonto bei irgendeinem Dienst im Internet ermöglichen! Überall ein anderes Passwort wählen! Wenn das nicht möglich ist: Zumindest ein anderes Passwort als bei Diensten wählen, die einen direkten finanziellen Betrug möglich machen! Das gilt für Auktionshäuser, virtuelle Banken wie PayPal und Diensten für die Online-Bestellung von Waren.

Wenn jemand diesen Text liest, der schon einmal bei einem ähnlichen Angebot angreifbare Daten preisgegeben hat: Sofort alle Passwörter ändern, die davon betroffen sind! Das gilt für Mailkonten, Profile in so genannten „sozialen Netzwerken“, PayPal-Konten, eBay, Zugänge zu eigenen Websites oder Blogs und die Anmeldedaten von Versandhäusern aller Art. Der Schaden durch den Missbrauch kann immens werden, und es geht auch schnell das Ergebnis großer eigener Mühen in einem Benutzerprofil verloren, das von Spammern und Kriminellen für ihre unappetitlichen Absichten missbraucht wird.

Jeder Mensch muss immer sein Gehirn eingeschaltet haben, wenn er sich im Internet bewegt.

Phishing bei MSN

Montag, 7. Juli 2008

Die Warnung des Tages:

Wer von Freunden über Instant-Messaging Nachrichten mit URLs bekommt, sollte in Zukunft noch vorsichtiger sein. Derzeit rollt eine Phishing-Lawine durch Microsofts MSN-Netz, bei der die Empfänger auf eine Seite gelockt werden, die ihre MSN-Zugangsdaten abfragt […]

Alles weitere gibt es bei Heise.

Für Phishing-Opfer

Freitag, 4. Juli 2008

Wer auf eine Phishing-Masche oder einen vergleichbaren Computerbetrug hereingefallen ist und sich dabei nicht vollkommen dumm angestellt hat, der hat nach einem aktuellen (allerdings noch nicht rechtskräftigen) Urteil des Amtsgerichtes Wiesloch gute Chancen, nicht auf seinem Schaden sitzen zu bleiben. Die Bank kann in vollem Umfang für den Schaden haftbar gemacht werden, wenn der Betrug über eine gefälschte Online-Überweisung oder manipuliertes Online-Banking erfolgte und der Bankkunde beim Betrieb seines Rechners „durchschnittlichen“ Anforderungen an die Sorgfalt Genüge tat.

Obwohl sich in diesem Einzelfall 14 verschiedene Schadprogramme auf dem Computer des Bankkunden befanden, müsse die Bank für den entstandenen Schaden aufkommen, weil…

  1. keine Pflichtverletzung des Kunden bestehe, da er den Anforderungen an die Sorgfalt beim Absichern seines Rechners genügte. Denn von einem Kunden sei nur das zum Betrieb des Mediums erforderliche Wissen und damit eine irgendwie geartete Absicherung des Computers zu erwarten, während eine besonders ausgefeilte Form der Absicherung gegen solche kriminellen Angriffe gar nicht erforderlich ist.
  2. …das Online-Banking auch im Interesse der Bank liege (wegen der Kostensenkung auf Seiten des Bankhauses), die mit dem Kunden keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen vertraglich vereinbart hat.
  3. …die Bank grundsätzlich das Fälschungsrisiko bei einem Überweisungsauftrag trage.

Als „durchschnittliche“ Anforderung an die Sorgfalt wertete es das Gericht, dass der Kunde die Installation eines Antivirus-Programmes nachweisen konnte – wobei von Seiten des Gerichts sogar eingeräumt wurde, dass dieser Schritt die durchschnittliche Anforderung möglicherweise noch übertreffe. (Natürlich liegt die spezielle Auslegung dieser Anmerkung im Einzelfall beim jeweiligen Gericht.) Die Frage der regelmäßigen Aktualisierung der Signaturen des Antivirus-Programmes wurde in der Begründung des Urteiles völlig offen gelassen. Nicht verpflichtend sei es allerdings für den Kunden gewesen, eine Firewall zu installieren.

Kurz zusammengefasst: Wer sein Betriebssystem und seinen Browser auf dem neuesten Stand hält, die aktuellen Sicherheitsupdates einspielt (oder den entsprechenden Automatismus seines Systemes verwendet) und eine Software zum Schutz gegen Schadprogramme installiert hat, würde auf der Grundlage dieses Urteils einen Phishing-Schaden von seiner Bank stets erstattet bekommen.

Auf dem Hintergrund dieses Urteiles sollten viele Opfer gängiger Betrugsmaschen eine Chance haben, zumindest ihren finanziellen Schaden von der Bank erstattet zu bekommen – so dass „nur“ die weiteren Schäden durch die Preisgabe persönlicher Daten an organisierte Kriminelle bestehen bleiben. Alles weitere wird Ihnen der Anwalt ihres Vertrauens erzählen, wenn sie selbst zum Opfer geworden sind und Ihre Bank nicht zahlen will.

Das verstehe aber bitte niemand als Aufforderung zum völlig sorglosen Umgang mit dem Internet, denn…

  1. …es ist nicht klar, wie das blinde Vertrauen in eine Phishing-Mail, der Klick auf einen Link und die Preisgabe von vertraulichen Informationen auf einer gefälschten Seite im Internet von einem Gericht beurteilt würde. Vermutlich würde hier allerdings der Standpunkt eingenommen, dass zumindest eine Mitschuld des Opfers vorliege, wenn die URL im Browserfenster nicht geprüft wurde und wenn die ganze Vorgehensweise nicht gerade mit einer außerordentlichen und damit für das Opfer kaum durchschaubaren Perfidie durchgeführt wird.
  2. …neben dem finanziellen Schaden sind weitere Schäden möglich, wenn der eigene Rechner als Spamschleuder oder zum Austausch illegaler Inhalte verwendet wird und wenn persönliche Beziehungen für schwer kriminelle Zeitgenossen offen gelegt werden.
  3. …die so von der Bank erstatteten Schäden werden über kurz oder lang von der Bank wieder reingeholt, indem sie den zusätzlichen Kostenfaktor über Gebühren für ihre Leistungen und über gesteigerte Zinssätze für Darlehen auf die Gesamtheit ihrer Kunden abwälzen wird. Aus der Unvorsicht einiger Computernutzer wird damit ein Schaden für alle Menschen, die der Dienste einer Bank bedürfen. Und wer zählte nicht dazu?
  4. …in vielen Fällen wird eine eventuelle Regresspflicht der Bank und ihr Umfang erst in einem Rechtsstreit festgestellt werden, der auch mit einem persönlichen Kostenrisiko verbunden ist, das nicht jeder tragen kann oder will. Von daher ist es gut möglich, dass Banken in vielen Fällen eine für den betrogenen Kunden eher nachteilhafte außergerichtliche Einigung mit Übernahme eines Teilbetrages der Schadenssumme anbieten werden, um weitere Kosten aus der gegenwärtigen Rechtsauffassung zu vermeiden.

Es gilt also – trotz dieser scheinbar günstigen Rechtslage – es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, dass man seinen Computer den Verbrechern zur freien Nutzung übergibt. Das ist auch nicht schwierig. Die Grundregel ist sogar sehr einfach: Spam erkennen, Spam im Maileingang unbeachtet löschen, niemals auf einen Link in einer Spam klicken, niemals eine über Spam (auch Spamkommentare in Foren, Gästebüchern oder Weblogs) verlinkte Website ansurfen! Egal, wie attraktiv das Angebot dort auch aussehen mag. Egal, wie harmlos das Angebot dort auch aussehen mag. Egal, wie nützlich das Angebot dort auch aussehen mag. Jede Spam ist illegal und zudem asozial, mit Spammern wird man keinen Spaß haben und keine Geschäfte machen können. Aber man kommt schnell an einen ernsthaften und schmerzhaften Schaden.

Wer es schafft, Spam sicher zu erkennen und stets zu ignorieren, der kann kaum noch zum Opfer eines gängigen Betruges werden. Das ist – unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit am Computer – fast noch wichtiger als die Verwendung von Antiviren-Programmen, die mit ihren Erkennungen sowieso immer zwei bis drei Tage hinter den neuesten Entwicklungen der Verbrecher hinterherhinken. Keine auf dem Computer installierte Software kann den Verstand des Menschen vor dem Computer ersetzen, es handelt sich immer nur um eine Ergänzung.

Zu hoffen bleibt jetzt allerdings, dass die Banken das Thema „Phishing“ nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen, sondern im eigenen Interesse für eine umfassende und allgemein verständliche Aufklärung ihrer Kunden sorgen. Solche Bemühungen waren bislang leider nicht sichtbar, obwohl sie wohl so manchen Schaden verhindert hätten. Vielleicht wird es unter der neuen Rechtslage sogar einigen Banken endlich möglich, ihre Websites zum Online-Banking in einer Weise zu gestalten, die auch mit weniger angreifbaren Betriebssystemen und restriktiv konfigurierten Browsern verwendbar ist.

Capital One TowerNet

Mittwoch, 2. Juli 2008

So hieß der angebliche, gewerbliche Absender einer Mail, die mich als Kunden begrüßte. Allerdings handelt es sich hier „nur“ um die neueste Phishing-Welle, mehr nicht…

Dear Capital One TowerNET customer,

Security and confidentiality are at the heart of the Capital One. Your details (and your money) is protected by a number of technologies, including Secure Sockets Layer (SSL) encryption.

Na, denn ist ja alles in Ordnung. Wieso müsst ihr so etwas schreiben?

We would like to notify you that Capital One Commercial carries out customer details confirmation procedure that is compulsory for all Capital One Commercial customers. This procedure is attributed to a routine banking software update.

Und was hat es mit dem SSL zu tun, wenn ich mich anmelden soll? Nichts! Einfach nur ein bisschen Blah, um unerfahrene Netzuser dazu zu bringen, dass sie ihre Zugangsdaten an Verbrecher geben.

Please login to Capital One TowerNET using the link below and follow the instructions on the screen.

http://towernet7.capitalonebank.com[…]

Und ganz wichtig: Bloß den Link aus einer Mail nehmen, die zwar wahnsinnig viel von Sicherheit gefaselt hat, aber dafür nicht einmal digital signiert ist! Aber wer völlig unerfahren ist, glaubt das und klickt auf eine URL, die scheinbar die Domain der eigenen Bank ist. Aber nur scheinbar, denn diese Mail ist in HTML formatiert und der Link führt auf einen anderen Server. Dort bekommt man eine liebevoll nachgemachte Website zu sehen, die vorgibt, dass man sich bei seiner Bank anmelden könne. Kann man aber nicht. Stattdessen gibt man einen Satz Anmeldedaten an organisierte Kriminelle, die gewiss eine Verwendung dafür haben, die einem nicht gefallen kann.

Ich habe den überlangen Link in diesem Zitat gekürzt, der sicherlich recht überzeugend den typischen URLs dieses Bankhauses nachgestaltet war. Nur soviel: Er führte auf den Server web376.com…

Zahlensalat

Samstag, 1. März 2008

Natürlich gibt es auch schlechte Phishing-Versuche:

Dear CitiBusiness customer,

CitiBusiness new Scheduled Maintenance Program protects your data from unauthorized access. CitiBusiness Online Form is important addition to our scheduled maintenance program.

Please use the link below to access CitiBusiness Online Form:

CitiBusiness Online Form

Please do not reply to this auto-generated email. Follow instructions above.

Klar, dass man einer automatisch erzeugten Mail mit gefälschtem Absender besser nicht antworten sollte. Die „Citibank“, die es hier mal wieder nicht schafft, ihre Kunden mit Namen anzusprechen, „sie“ hat „ihre“ Server übrigens in Hongkong stehen und betreibt diese unter der doch etwas unerwarteten Domain losao.hk – ist das vielleicht das chinesische Wort für Betrüger?

Aber dieser hingestümperte Standardtext des versuchten Massenbetruges ist es ja gar nicht, was mich zum Bloggen über diese Spam reizt. Sondern es ist das, was auf diesen Standardtext folgt. Ich will den schmackhaften Salat aus kryptischen Angaben und sedezimal angegebenen Zahlen auch gern zum breiten Genuss in voller Länge wiedergeben:

4658: 0×4355, 0×9, 0×03858855, 0×8158, 0×92, 0×72351800, 0×57754503 V5Y, UP5, B5KT 0×467, 0×006, 0×99, 0×087, 0×0, 0×8590, 0×760, 0×9, 0×885, 0×86080986, 0×0, 0×5, 0×5080, 0×71849779 0199078393359163369847134953821053 V57C: 0×43591432, 0×817, 0×68958204 hex: 0×87, 0×39, 0×18, 0×11502228, 0×8565, 0×351, 0×2, 0×273 0×3399, 0×1536 B24: 0×0345 0×4207 revision: 0×5499, 0×52, 0×1

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349646078 0×8, 0×78 common: 0×939, 0×7, 0×5, 0×05, 0×49, 0×008, 0×1071, 0×299, 0×56051064 BXH2: 0×9177, 0×700, 0×931, 0×3878, 0×1910

Wird daraus jemand schlau? Auf mich wirkt es, als hätte sich das Skript zur Erzeugung von Spamprosa an einer sehr ungünstigen Stelle automatisch zusammengestellter Texte festgebissen, um jetzt in niemals endendem Fluss Diagnosemeldungen von Druckern und anderen Peripheriegeräten, wirre Zahlenlisten und ähnliche Daten zu stetig neuer Sinnlosigkeit zu kombinieren. Wenn es Absicht wäre, würde ich es fast schon für Kunst halten.

Aber auch damit schafft es der Dreck nicht, durch den Spamfilter zu gelangen…

Eine gefährliche, neue Phishing-Masche

Freitag, 29. Februar 2008

Heute einmal eine ganz besondere Warnung vor einer neuen Phishing-Masche, die für deutsche Nutzer des Internet in die bevorstehende Zukunft weist. Es lohnt sich, diesen Text ganz zu lesen; und dies gilt vor allem, wenn man seine Kontoführung über das Internet erledigt.

1. Die Mail

Ich bin doch immer wieder überrascht, bei wie vielen „Banken“ ich als „Kunde“ geführt bin, obwohl mir keine Bank mehr ein vollwertiges Konto geben würde. Selbst jenseits des Atlantiks habe ich angeblich meine Konten, wenn ich dem Phisher glauben darf, der mich unter gefälschter Absenderadresse und mit dem Betreff „important reminder: digital certificate issued <message id: b0531731us>“ mit einer HTML-formatierten Mail anschrieb.

Dear Bank of America Direct User:

Klar, bei der angeblichen „Bank of America“ ist man zwar imstande, eine kryptisch anmutende „Message ID“ in den Betreff aufzunehmen, aber dafür gelingt es dort offenbar nicht, einen Kunden einfach bei seinem Namen anzusprechen. Auch für so eine Kleinigkeit wie eine Kontonummer oder eine Kundennummer hat es nicht hingereicht. Schließlich ist unpersönliches, technokratisches Auftreten der letzte Schrei im Kundendienst. :mrgreen:

Our records indicate that a new digital certificate has been issued to your Bank of America Direct user ID.

Und wo wir schon bei technokratisch sind… hier wird nicht etwa persönlich angesprochen, sondern mit der Aktenlage begründet. Vor allem, weil man mit diesen unpersönlichen Formulierungen am besten verbergen kann, dass man auf Seiten der Kriminellen gar nicht weiß, wie der Empfänger der Mail angesprochen werden sollte. Dass die Benutzer-ID, für die hier angeblich ein neues „digitales Zertifikat“ ausgegeben wurde, gar nicht näher benannt wird, fällt dabei dem dummen Gläubigen solchen Geschwafels wohl auch nicht weiter auf – sonst käme er noch auf die Idee, diese Nummer mit seinen Unterlagen zu vergleichen.

Digital certificates are computer-based records issued to individual user IDs that allow Bank of America Direct to validate your identity and protect your information from unauthorized access. In order to access Bank of America Direct, you must use a valid digital certificate.

So, jetzt erklären wir noch einmal kurz für Dumme, was es mit diesem angeblichen „digitalen Zertifikat“ auf sich hat. Schön irreführend natürlich, damit der Empfänger glaubt, er käme demnächst gar nicht mehr an sein Konto und damit auch nicht mehr an sein Geld ran. Außer natürlich, er installiert sich schnell dieses angebliche „digitale Zertifikat“ seiner „Bank“, die ja so „freundlich“ ist, ihn darauf hinzuweisen und auch gleich zu sagen, wie man das macht:

Installation Instructions
To install your newly-granted digital certificate, please access the Digital Certificate Pick-Up site at:

http://direct-certs.bankofamerica.com/ [… sehr lange URL von mir gekürzt]

Die in der Mail angegebene URL sieht ja auch noch koscher nach dem Server bankofamerica.com aus, so dass Mitmensch Empfänger gar nicht auf die Idee kommt, dass hier ein Problem liegen könnte. Mitmensch Empfänger weiß ja auch im Allgemeinen gar nicht, dass er eine HTML-formatierte Mail vorliegen hat, in der man zum Beispiel eine angegebene URL ganz einfach mit einem Link auf eine völlig andere URL ausstatten kann. Und der im Link angegebene voll qualifizierte Domainname sieht zwar hübsch ähnlich aus, damit Mitmensch Dummkopf es nicht gleich beim ersten Blick in die Adresszeile seines Browsers merkt, aber…

http://direct-certs.bankofamerica.com.losao8.es/ [… sehr lange URL von mir gekürzt]

…verweist doch in Wirklichkeit auf die Domain losao8.es, unter der es gewiss keinen Kundendienst eines großen, US-amerikanischen Bankhauses geben wird. Vielmehr wird es dort die Installation von Dingen geben, die kein Mensch auf seinem Computer haben will; und dies schon gar nicht, wenn er mit seinem Computer auch noch Online-Banking betreibt.

Auf eine Installation ist das zukünftige Opfer ja schon vorbereitet, da wird es sich gewiss freuen, dass alles so leicht und schnell geht und dass es wieder an sein Konto und sein Geld kommt. Da stört es ihm gewiss nicht…

Please have your Bank of America Direct login information readily available when completing this process.

…dass es den Verbrechern auch gleich noch die Zugangsdaten für sein Konto liefert. Und die Verbrecher freuen sich auch, denn dieser Phishzug wird sich wirklich lohnen.

So, jetzt zum Abschluss noch ein paar Zeilen für die verbesserte Glaubwürdigkeit des ganzen Unsinns in die Mail schreiben…

Should you have any questions regarding this process, please consult your Company Administrator or contact your regional customer support center for further assistance.

Sincerely,
Bank of America Direct Technical Care Center

NOTE: This is an automatically generated communication.

…und fertig ist eine außerordentlich gefährliche Phishing-Mail, die gewiss ihre Opfer finden wird.

2. Warum ich darauf hinweise

Natürlich besteht für die überwiegend deutschen Leser dieses Textes noch keine Gefahr, auf diesen Phishzug reinzufallen. Außer, sie haben wirklich ein Konto bei US-amerikanischen Banken und sind es gewohnt, dass die gesamte Kommunikation mit der Bank in englischer Sprache läuft. Dennoch halte ich diesen Betrugsversuch für sehr gefährlich und bin mir angesichts der international organisierten Spam- und Phishing-Mafia völlig sicher, dass es demnächst ähnliche Versuche in deutscher Sprache geben wird. (Dass die Spammer in letzter Zeit immer besseres Deutsch produzieren, macht eine solche Möglichkeit noch etwas gefährlicher.)

Es sind vor allem die folgenden drei Gründe, die bei mir alle Alarmglocken klingeln lassen:

  1. Das Thema „Phishing“ ist zurzeit aus den deutschen Medien verschwunden, und deshalb wird die angemessene, kritische Aufmerksamkeit vieler Internet-Nutzer nachlassen.
  2. Die im Text verwendete Masche ist neu und noch völlig unverbraucht. Ein normaler Internet-Nutzer, der nicht über tiefere Kenntnisse verfügt, könnte die im Text der Mail gegebene Begründung für plausibel halten und deshalb leicht darauf hereinfallen.
  3. Die schon in der Mail angekündigte Installation einer Software-Komponente auf dem Rechner des Opfers ermöglicht den Kriminellen eine völlig neue, sehr effektive Vorgehensweise bei ihrem Betrug. Die Manipulationen können über einen längeren Zeitraum hinweg vor einem Opfer verborgen werden. Dabei kann es zu einem erheblichen finanziellen Schaden beim Opfer kommen.

Zunächst einmal das Sachliche, wenn auch hier etwas unsachlich zusammengefasst. Das in der zitierten Mail zum Schwindel bemühte Gelaber von einem „digitalen Zertifikat“ ist gut gequirlte Scheiße. Es gibt zwar wirklich digitale Zertifikate, aber diese erfüllen eine völlig andere Funktion und müssen niemals wie eine Software installiert werden. (Ein Browser kann aber sehr wohl beim Besuch einer Website rückfragen, ob einem bestimmten Zertifikat vertraut werden soll.) Wer Näheres zu diesem Thema wissen möchte, kann sich in der Hilfe seines Browsers in aller Ruhe schlau lesen.

Ich lege wirklich jedem Menschen nahe, sich ein paar Kenntnisse über seinen Computer und die darauf verwendete Software selbst anzueignen; vor allem, wenn er über dieses Vehikel so empfindliche Aufgaben wie das Bewegen von Geld erledigen möchte. Solides Wissen ist der beste und durch nichts anderes zu ersetzende Schutz vor den meisten Formen des Internet-Betruges, Unsicherheit und Halbwissen sind hingegen oft eine große Erleichterung für kriminelle Angreifer – dies gilt ausdrücklich auch für das blinde Vertrauen auf eine dieser vielen Software-Lösungen, die Sicherheit versprechen. (Natürlich kann solche Software dennoch eine wichtige Ergänzung sein.)

Was macht diesen Angriff jetzt über alle Maßen gefährlich, worin besteht die qualitative Steigerung gegenüber vorherigen Ansätzen des Phishings?

Nun, es ist die zusätzliche Installation auf dem Rechner des Opfers.

Ich habe hier gerade kein besonders gesichertes System und weiß nicht, was dabei in welcher Weise installiert wird. Aber ich kann aus dem Text dieser Mail den folgenden Ablauf bei der Installation und der nachfolgenden Kontoführung vermuten:

  • Das Opfer sieht nach dem Klick in eine Spammail eine betrügerisch nachgemachte Website im Layout seiner Bank und meldet sich dort wie gewohnt an.
  • Es ist davon auszugehen, dass die Verbrecher auf dem von ihnen kontrollierten Server mit den gleichen Anmeldedaten den richtigen Server der Bank des Opfers kontaktieren und mit einem automatischen Verfahren bedienen. Die Verbrecher stellen sich also schon beim ersten Mal in die Mitte zwischen dem Opfer und seiner Bank. Deshalb können sie auch gleich die richtige TAN vom TAN-Block des Opfers anfordern, wenn das übliche Verfahren verwendet wird.
  • Die Verbrecher holen sich vom Server der Bank sämtliche Kontoinformationen des Opfers ab und speichern diese in einer Datenbank auf ihrem eigenen Server. Mit Hilfe dieser Daten wird dem Opfer in den nächsten Wochen und Monaten vorgespielt, es sei noch Herr über sein eigenes Konto.
  • Nebenbei bekommt das Opfer eine Software zum Download und zur automatischen Installation angeboten. Diese Software wird ein Trojaner sein, der alle Zugriffe auf dem Server der Bank auf die Website der Verbrecher umleitet, die nach der Installation jedes Mal in der Mitte zwischen dem Opfer und seiner Bank stehen. Wer einen Internet-Explorer verwendet, kann sich darüber „freuen“, dass die ganze Installation automatisch abläuft.
  • Das Opfer kann über seinen eigenen Rechner nicht mehr die richtige Website seiner Bank erreichen, bemerkt dies aber nicht. Der Servername der Bank wird zur IP-Adresse eines Servers der Verbrecher aufgelöst. Das Opfer glaubt, dass es seine normale Kontoführung erledigt, aber es arbeitet dabei auf einem Server schwer krimineller Betrüger.
  • Es ist für diese Verbrecher nun technisch eine Kleinigkeit und organisatorisch eine Programmierung nur mittlerer Komplexität, diese Situation so auszunutzen, dass dem Opfer in der nachgemachten Website der Bank alles so angezeigt wird, dass keinerlei Verdacht entsteht. Alle Buchungen erscheinen genau so, wie das Opfer sie gewollt hat. Unter diesen Umständen kann das Opfer gar keinen Verdacht schöpfen.
  • In dieser Situation räumen die Verbrecher dreist und in maximal möglichem Umfang ab, ohne dass das Opfer eine Chance hat, etwas davon zu bemerken – und sie haben dabei, da niemand einen Verdacht schöpft, alle Zeit der Welt, das gebuchte Geld zu barem Geld zu machen. (Denn das ist bei solchen Formen des Betruges immer das größte organisatorische Problem.)
  • Wenn endlich ein Kontoauszug postalisch zugestellt wird, wenn eine Mahnung der Bank ins Haus flattert, wenn der Geldautomat kein Geld mehr ausgibt, wenn die Kreditkarte eingezogen wird… ja, denn ist es recht spät geworden, und die Verbrecher sind mit ihrer Beute längst über alle Berge. Ob das Opfer etwas von seinem Geld wiedersehen wird, ist sehr fraglich; es ist davon auszugehen, dass die meisten Banken sich in ihren AGB gegen solche Fälle mangelnder Sorgfalt ihrer Kunden abgesichert haben. Dem Opfer bleibt nur noch die Möglichkeit einer Strafanzeige gegen eine international organisierte Mafia, die zwar routiniert von der Polizei aufgenommen wird, aber kaum zu einem Ermittlungserfolg führen wird. Und natürlich bleibt das Geld verschwunden und ein ordentlicher Haufen Schulden wird für die nächsten Jahre zu einer drückenden Last.

Ich hoffe, dass jetzt auch dem letzten klar geworden ist, warum es sich hier um eine neue kriminelle Qualität im Phishing handelt, die ich in den nächsten Wochen auch in deutscher Sprache erwarte.

3. Wie kann man sich vor Phishing schützen?

Die Grundregeln, wie man sich vor jeder Form des Phishing schützt, sind ganz einfach zu beherzigen. Eigentlich handelt es sich um „gesunden Menschenverstand“, der sich grob in die folgenden fünf Hinweise zusammenfassen lässt:

  1. Die erste und wichtigste Regel: Bevor man wegen einer Mail von einer Bank (oder von einem Versandhaus oder eines anderen Unternehmens, bei dem man Kunde ist) etwas tut, was man selbst nicht versteht, ruft man beim Kundendienst an. Und zwar immer unter der Telefonnummer, die in den schriftlichen Unterlagen steht, und niemals unter einer Nummer, die in der Mail steht. Das gleiche gilt bei Anrufen der Bank oder eines anderen Unternehmens, bei dem man Kunde ist – immer misstrauisch sein, wenn es um Geld geht.
  2. Phishing-Mails erkennen: Wer als Kunde einer Bank oder eines anderen Unternehmens eine Mail erhält, in der er nicht einmal mit seinem Namen angesprochen wird, der hat es mit Sicherheit mit einem Phishing-Versuch zu tun. Am besten ist es, in dieser Situation sofort Kontakt zur Bank aufzunehmen, damit andere Menschen vor diesem wahrscheinlich massenhaften Betrugsversuch gewarnt werden können. Leider sind viele deutsche Banken tendenziell etwas nachlässig in ihrer Verantwortung, ihre Kunden über laufende Angriffe zu informieren – das kann und wird sich jedoch ändern, wenn es immer wieder von Kunden eingefordert wird.
  3. Immer daran denken: Keine deutsche und wohl auch kaum eine ausländische Bank fordert mit Mails dazu auf, die Bank-Homepage zu besuchen und dort irgend etwas angeblich Erforderliches zu tun. Wenn dies doch einmal geschehen sollte, und man ist sich als Empfänger auch nur ein kleines bisschen unsicher (weil man zum Beispiel namentlich angesprochen wurde), denn sollte man immer noch einmal telefonisch bei der Bank nachfragen. Dieses bisschen Prävention kann tausende von Euros sparen und sehr die Nerven schonen.
  4. Vorsicht beim Klicken: Die Internet-Adresse seiner Bank gibt man immer von Hand ein! Ein Klick in eine Mail ist gefährlich, da er zu einer anderen Adresse führen kann, als man glaubt. Es ist aber auch sehr gefährlich, die Lesezeichen seines Browsers zu benutzen, da sich diese relativ leicht durch andere Programme verändern lassen – und irgendwann werden auch solche Wege von Kriminellen beschritten werden. Also nochmal: Die Internet-Adresse seiner Bank gibt man immer von Hand ein! Selbst das gibt noch keine umfassende Sicherheit, da die Namensauflösung manipuliert sein kann (wie ich es etwa als Folge des hier vorgestellten Phishing-Versuches vermute), aber es hilft gegen jene einfachen Angriffe, die komplexen Angriffen voraus gehen müssen.
  5. Spam ungelesen löschen: Niemals auch nur darüber nachdenken, auf einen Link in irgendeiner Spam zu klicken – egal, ob es sich um eine Spammail handelt, ob es ein Spamkommentar in einem Blog oder einem Gästebuch ist, ob es ICQ-Spam oder eine sonstige Form der Spam ist. Die meiste Schadsoftware nimmt heute über Spam ihren Weg auf die Computer. Wenn man den Kriminellen erst einmal den eigenen Rechner zur Verfügung gestellt hat, denn haben sie auch bei komplexen Manipulationen leichtes Spiel. Und das kann für den Betroffenen sehr teuer werden.

Mit Hilfe dieser sehr einfachen Hinweise sollte es jedem möglich sein, Schaden von sich selbst abzuwenden. Diese Hinweise haben zudem noch einen weiteren Vorteil: Sie kosten – im Gegensatz zu mancher in dieser Sache völlig wirkungslosen, aber teuer verkauften Software zum „Schutz“ des Computers – kein Geld, können aber viel Geld sparen helfen.

Es gibt noch einen weiterführenden Hinweis auf eine technische Verbesserung. Die Befolgung dieses Hinweises kostet ebenfalls kein Geld, ist aber mit einem kleinen Aufwand verbunden: Niemals einen unsicheren Browser oder einen unsicheren Mailclient verwenden! Besonders gefährlich ist der Internet-Explorer, doch auch ein Firefox oder ein Opera sollte – ebenso wie ein Thunderbird – immer auf dem neuesten Stand gehalten werden. So kann man das Mögliche dafür tun, dass der eigene Rechner nur das tut, was man selbst möchte, ohne dass man Kriminellen die Chance gibt, mit boshaft präparierten Inhalten Schaden anzurichten.

Volksbanken Raiffeisenbanken AG

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Mal wieder ein recht plumper Phishing-Versuch, der vorgibt, von der „Volksbanken Raiffeisenbanken AG“ zu kommen. Die Gestaltung ist durchaus stilsicher, und auch die Sprache hat inzwischen mal ein paar Lektionen in deutscher Grammatik inhaliert:

Betreff: Volksbanken Raiffeisenbanken AG: 07/10/2007

Sehr geehrter Kunde, sehr geehrte Kundin,

Ich bin kein Kunde bei einer Volksbank. Das wissen die Spammer nur nicht, die sprechen einfach jeden als Kunden an. Ein paar werden es schon sein, und einige davon sind vielleicht sogar so blöd und klicken.

Aber davon einmal abgesehen: Jedes Unternehmen würde in einer echten Mail die Kunden mit ihrem Namen ansprechen. Ob hingegen ein so aussageloser Betreff geschrieben würde, ist eine andere Frage. Was das Datum im Betreff zu suchen hat, obwohl es doch sowieso im Header der Mail steht, bleibt das besondere Geheimnis dieser Phisher.

Die Technische Abteilung der Volksbanken Raiffeisenbanken führt zur Zeit eine vorgesehene Software-Aktualisierung durch, um die Qualität des Online-Banking-Service zu verbessern.

Und was habe ich damit zu tun? Können die ihre Software nicht so pflegen, dass die Kunden es nicht merken? Das machen die doch sonst auch immer so?

Wir möchten Sie bitten, unten auf den Link zu klicken und Ihre Kundendaten zu bestätigen.

http://www.vr-networld#de/DEGCB/JPS/portal/Index.do

Was man dem „Link“ sofort ansieht, ist die Tatsache, dass er „ziemlich seltsam“ aussieht und eigentlich kaum funktionieren kann. Was man ihm nicht auf den ersten Blick ansieht, ist eine andere Tatsache: Es handelt sich um eine HTML-Mail, und der wie eine URL aussehen wollende Text verweist auf eine ganz andere URL der Domain vzlad.cn, die noch weniger an eine deutsche Bank erinnert. Dort wird man bestimmt eine gute Gelegenheit erhalten, ein paar geldwerte Daten an Verbrecher zu übermitteln.

Wir bitten Sie, eventuelle Unannehmlichkeiten zu entschuldigen, und danken Ihnen für Ihre Mithilfe.

Wir bitten Sie, die Abbuchung von einigen Tausend Euro durch mafiös organisierte Kriminelle zu entschuldigen und bedanken uns für Ihre Mithilfe.