Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Ihr Gerät ist anfällig für Hackerangriffe.

Sonntag, 15. März 2026, 13:55 Uhr

Kann man sich mal wieder gar nicht ausdenken, sowas:

Von: Sicherheitskontrolle <noreply@pcdyali-c24ca.firebaseapp.com>
An: gammelfleisch@tamagothi.de
Antwort an: no-reply@example.com

Ich kenne jedenfalls niemanden, der eine zunächst völlig kostenlose Domain bei firebaseapp.com verwendet. Schon gar nicht als Mailserver. Da könnte man ja gleich GMail nehmen, wenn es so egal ist. Vorteil: Das geht auch einfacher und ist schneller eingerichtet.

Und über die völlig sinnlose und technisch hoch inkompetente Antwortadresse bei example (punkt) org will ich mal gar nichts sagen. Das ist so idiotisch, dass ich dafür nicht einmal eine Regel in der Spamfilterung gemacht habe, weil ich Depperchen allen Ernstes glaubte, dass Spammer nicht so idiotisch sein würden und normalerweise eine Antwortadresse eintragen würden, auf der man ihnen antworten kann. So wie das jede Vorschussbetrügerbande hinbekommt.

Es gibt immer wieder Blödheiten in der Spam, die man irgendwann zum ersten Mal sieht. 😐️

Ich könnte auch erzählen, dass diese Spam in einer Text- und in einer HTML-Version daherkommt, und ein kurzer Blick in den Quelltext und ein bisschen Akrobatik an der Kommandozeile haben mir gezeigt…

$ xsel -bo | base64 -di
Google Verdächtig

Virus erkannt: Wir haben festgestellt, dass Ihr Gerät einem hohen  
Infektionsrisiko durch Viren ausgesetzt ist.

Ohne sofortige Maßnahmen könnten Ihre SIM-Karte, Daten, Fotos und Kontakte  
dauerhaft beschädigt werden.

Mehr erfahren

Virus entfernen: Klicken Sie unten für eine detaillierte Sicherheitsprüfung  
und weitere Anweisungen.

Sicherheitsprüfung
$ _

[Damit das funktioniert, muss man vorher den base64-codierten Teil kopieren. Das alte xsel wird heute von vielen Linux-Distributoren nicht mehr standardmäßig mitinstalliert und muss gegebenenfalls nachinstalliert werden. Es ist generell sehr praktisch, von der Kommandozeile eine „Pipe in die Zwischenablage“ machen zu können. Aber wer vor allem klickt, braucht es nicht. Und heute bestimmen die Klickis den Installationsumfang der Distributionen.]

…dass die Spammer im Textteil etwas gar nicht so Unwesentliches vergessen haben, nämlich den Link, auf den man klicki-klicki machen soll. Das Wichtigste zu vergessen, ist nicht gerade ein Zeichen für Kompetenz und geistige Fitness. Und eine Empfehlung für Durchblicker in der Computersicherheit ist es erst recht nicht.

Bei denen, die HTML-Mails darstellen lassen, gibt es hingegen genug Platz zum Klicken. Bei denen sieht es so aus:

Google Verdächtig

Virus erkannt: Wir haben festgestellt, dass Ihr Gerät einem hohen Infektionsrisiko durch Viren ausgesetzt ist.

Ohne sofortige Maßnahmen könnten Ihre SIM-Karte, Daten, Fotos und Kontakte dauerhaft beschädigt werden.

Mehr erfahren

Virus entfernen: Klicken Sie unten für eine detaillierte Sicherheitsprüfung und weitere Anweisungen.

Sicherheitsprüfung

Oh, wenn „meine Kontakte“ dauerhaft beschädigt werden, muss ich mir mal ganz schnell einen neuen Satz Kumpels holen, die den Schaden abkriegen. 😁️

Alle diese Links sind nicht direkt gesetzt, sondern führen über den Linkkürzer vom toten blauen Vogel 𝕏. Meine… ähm… „nicht so gute“ Meinung über 𝕏 hat sich heute doch ein bisschen aufgehellt, als ich gemerkt habe, dass diese Weiterleitung über eine Linkkürzung nahezu sofort nach meiner Meldung unterbunden wurde und jetzt nicht mehr funktioniert. Es ist immer wieder schön, wenn man es zwischendurch auch mal mit anderen Unternehmen als Google zu tun bekommt. Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, statt die Kosten und den Aufwand mit dem Missbrauch ihrer Dienste der ganzen Welt aufzulasten und dazu die gleiche asoziale Geste wie ein Spammer einzunehmen. 👍️

Vor dieser Sperre durch 𝕏…

Screenshot der betrügerischen Website

…hätte man eine gefälschte Website von McAfee gesehen, wo man „Total Protection“ mieten kann – vollumfänglicher Schutz: Was für ein gleichermaßen dummer wie alberner Name! –, um seinen Computer vor Schadsoftware zu schützen. Es ist eine „Staffelmiete“, die schon im zweiten Jahr um rd. 290 % steigt, und das ist nur der Teil, der noch relativ offen eingeräumt wird. Natürlich hat diese Website kein Impressum, das Logo von McAfee reicht ja. Der Mensch, der da einen persönlich nachteiligen Vertrag abschließt, muss ja nicht so genau wissen, mit wem er den Vertrag geschlossen hat. Natürlich hat diese Website auch keine allgemeinen Geschäftsbedingungen und trotz der erforderlichen Angabe von personalisierten Daten keine Datenschutzerklärung. Warum auch? Sie wird ja von kriminellen Spammern betrieben. Denen gibt man dann auch die ganzen Daten inklusive Kreditkartendaten, um zu bezahlen, und sie geben einem dafür „vollumfänglichen Schutz“ durch Software, die man vom Kriminellen gekauft hat und die mit McAfee im schlimmsten Fall nichts zu tun hat, sondern nur die Firmierung durch den kriminellen Dreck zieht. Oder etwas klarer gesagt: Man spielt sich Schadsoftware auf bis zu zehn Geräte und bezahlt für dieses „Privileg“ auch noch Geld. Ich finde es übrigens faszinierend, dass es Leute zu geben scheint, die für so ein technoquacksalberisches Schlangenöl erheblich mehr Geld als für ihr Betrübssystem bezahlen. Die kaufen bestimmt auch Stroh aus der hl. Krippe, wenn seine Zauberkraft den Computer schützt. Guck nur, da klebt noch hl. Scheiße dran. Wenn Menschen glauben wollen, ist es leider zu spät für jede Sachlichkeit. Und das gilt bei jedem Thema. Auch in der so genannten „Politik“.

Zum Glück ist diese Spam so unfassbar schlecht gemacht, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass jemand darauf reinfällt.

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