Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Tagesarchiv für den 11. April 2010

Job offer in Germany

Sonntag, 11. April 2010

Das Problem der Arbeitslosigkeit scheint sich ja doch überraschend gelöst zu haben – und deshalb werden schon alle möglichen Mittel angewendet, um Leute für gewisse Jobs zu werben, sogar die millionenfache Massenmail mit gefälschtem Absender. Vielleicht sollten die Spammer aber noch lernen, dass „Job offer in Germany“ in german „Arbeitsangebot in Deutschland“ hieße. Oder ist das ein Intelligenztest für die Bewerber, müssen diese doch über „mittlere Englischkenntnisse“ verfügen? Ach, ich greife vorweg…

Guten Tag!

Wie üblich für eine kriminelle Spam: Keine persönliche Anrede. Ist ja auch schwierig, wenn man den Empfänger nicht kennt und seinen Text an ein Millionenpublikum richten muss.

Sie haben schon immer von einem Job von Zuhause aus getraumt? Sie sind organisiert und sind in der Lage selbststandig zu arbeiten?

Aber immerhin, der Stil passt! Ein paar Allgemeinplätze, in denen sich jeder wiederfinden kann. Ich kann zum Beispiel den Abwasch machen, damit er sich nicht monatelang zu gammelnden Haufen stapelt. Also bin ich organisiert und in der Lage, selbstständig zu arbeiten. Wie fast jeder. Nur selbstständig denken sollten die Opfer dieser Anwerbung frischer Hilfsbetrüger und Hilfsgeldwäscher besser nicht können, denn sonst fallen sie darauf nicht herein. :mrgreen:

Ein internationales Unternehmen, das mit Versand und Poststeuerung in Europa betraut ist, sucht im Moment Verstarkung fur die Postbotenabteilung. Bei dem Unternehmen werden nicht nur technische Innovationen sondern auch moderne Leitungs- und Lagerhaltungsprinzipien angewendet. Demzufolge werden zum Teil die Prinzipien der Fremdvergabe und externen Arbeitsweise benutzt. In Deutschland werden auch einige Verstarkungskrafte fur die externe Arbeit gesucht.

Ein internationales Unternehmen, das interessanterweise trotz seiner internationalen Tätigkeit völlig ohne jede Firmierung daher kommt und auch nicht etwa eine Website für seine Vorstellung vorweisen kann, macht irgendwas in Post und Europa. Was dieses „Poststeuerung“ nun wirklich heißen soll, bleibt das sahnige Geheimnis der unfähigen Werber dieser Kriminellen, die sich so einen Bullshit ausgedacht haben. Der angebotene Job zumindest erweckt nicht den Eindruck großer Kompetenzansprüche, es handelt sich um einen „Postboten“. Damit der künftige „Postbote“ auch daran glaubt, dass es sich um ein tolles Angebot einer namenlosen, internationalen Unternehmung handelt, wird dahinter noch ein bisschen nichtssagender Bullshit geschrieben.

Wo die Unternehmen so namenlos, riesengroß und krachmodern sind, da wundert es auch nicht, dass sie auf diesen altmodischen Kram wie das Veröffentlichen einer Stellenanzeige und die Auswahl der geeignetsten Personen aus den Bewerbern verzichten und stattdessen einfach jeden nehmen, der nur eine Spam empfangen kann.

Und weiter? Was soll so ein „Postbote“ nun machen?

Hauptbesonderheiten: […]

*prust!* – nein, nicht abschweifen…

[…] Annahme, Verpacken, Einordnen und Briefen und Paketen bei der Post und Berichterstattung per Weboberflache unseres Unternehmens.

Ah, verstehe! Der „Postbote“ soll unter seinem Namen von der richtigen Post allerlei Briefe und Pakete empfangen und diese dann ebenfalls mit der richtigen Post weitersenden, damit sich auch richtige Postboten um die Post kümmern. Er soll sich dabei nicht ein einziges Mal die Frage stellen, warum man die Post denn nicht gleich direkt versendet. Und jedes Mal, wenn er das getan hat, soll er den Verbrechern – die dazu zwar eine Website zu haben scheinen, aber lieber doch keine Angaben zur Adresse ihrer Website machen wollen – kurz mitteilen, dass der Deal gelaufen ist. Damit diese Verbrecher wissen, dass ihr „Postbote“ noch aktiv ist und weitere Postsendungen an seine Adresse dirigieren können.

So landet die Post bei den Betrügern und die Kriminalpolizei beim „Postboten“ – und bis auf den dafür voll persönlich haftenden und juristisch verantwortlichen „Postboten“ und den ganzen Betrogenen sind fast alle damit zufrieden.

Wer angesichts dieser Tätigkeit entmutigt ist und sich für überfordert hält, kann beruhigt sein, denn…

Das ist eine Tatigkeit mit stabilem Einkommen und flexiblen Arbeitszeiten, die keine Erfahrung in Logistik benotigt. Alles was Sie brauchen sind mittlere Englisch Kenntnisse, einen Internetanschluss und die Fahigkeit mit Briefen und leichten Paketen (bis 10 kg) umzugehen. Ihre Erfolgsgarantie ist Ihr Flei? und gutes Management. Die Kundschaft des Unternehmens besteht hauptsachlich aus Geschaftsleuten und Unternehmen, die gro?en Wert auf Zuverlassigkeit und erstklassigen Service legen.

…viel können muss man ja nicht. Na, wer würde sich das nicht zutrauen?! „Mittlere Englischkenntnisse“ hat ja jeder, denn „english isn’t an international language, bad english is“; ein Internetanschluss ist ja wohl vorhanden, wenn man eine Spam empfangen kann und mit Briefen und leichten Paketen wird wohl auch jeder umgehen können. Kurz gesagt: Die nehmen jeden, der nur eine Postanschrift hat, die dann von den Ermittlern der Kriminalpolizei gefunden wird. Und das ist auch der einzige Sinn hinter diesem „Job“.

Übrigens: Wer glaubt, dass irgendein Richter in diesem Land angesichts eines derartigen „Jobs“ von „Arglosigkeit“ ausgehen könnte, hat sich geschnitten – die Vorstrafe wegen Betrugs ist so gut wie sicher. Aber was solls…

Der Monatslohn betragt 1200 Euro.

…dafür kriegt man ja ein paar Euro Geld. Da hat man zwar nichts davon, weil man den entstandenen Schaden aus eigener Tasche ersetzen muss, aber immerhin! Ob man allerdings nach einem Monat immer noch dabei sein wird, ist angesichts einer sich beim Betrugsdezernat häufenden Menge von mehreren hundert Anzeigen gegen den „Postboten“ eher etwas fraglich.

Wenn Sie sich fur diese Stelle interessieren, bitte E-Mail an: johannesklaus @ ymail.com

Wer auf so einen „Job“ Lust hat, der wird sich auch nicht mehr darüber wundern, dass der Absender dieser Drecksmail ziemlich offen einräumt, dass er seine Drecksmails mit gefälschtem Absender versendet. Er wird es auch völlig normal finden, dass so ein internationales Unternehmen für seine Personalangelegenheiten Mailadressen bei kostenlosen Mailanbietern verwendet. Ja, wer so dumm ist, dass er sich daran nicht stört, der ist genau der Richtige für diesen „Job“.

Ihre Daten haben wir in der Datenbank fur Arbeitssuchende gefunden. Wir hoffen sehr, dass Sie unser Angebot interessant finden. Falls Sie keine Arbeitsangebote mehr bekommen wollen, beantworten Sie diesen Brief mit „meinen Namen bitte aus der Datenbank loschen“.

Ja ja, kommt alles aus einer total tollen „Datenbank“, in der die Mailadresse rumlungert. Vielleicht ist ja auch jemand so dumm und bestätigt den Empfang der Spam, indem er versucht, sich aus dieser „Datenbank“ löschen zu lassen. Die Spammer suchen immer nach Mailadressen von dummen Menschen, denen sie dann die Lebenszeit mit derartig dummen Angeboten rauben können. Aber bitte zum Beantworten nicht auf „Antworten“ im Mailprogramm klicken, der Absender ist ja gefälscht.

Und das mit den Umlauten, das lernt ihr auch noch, ihr unfähigen Spammer. Es ist nicht so schwer, wirklich nicht.

Kann es sie sein

Sonntag, 11. April 2010

Die Bilder, die für diesen Beschiss aus dem Internet geraubt werden, sehen aber auch immer entzückend ausAch! Die Bilder, die für diesen Beschiss von irgendwo aus dem Internet geraubt werden, sehen aber auch immer wieder entzückend aus. Wer eine hübsch aussehende Frau ist, sollte besser keine vorteilhaften Fotos von sich irgendwo in irgendwelche Profile stellen, denn sonst könnten sie von diesen Betrügern missbraucht und an ein paar Millionen Spamempfänger gesendet werden, auf dass es bei einer Handvoll Empfänger auch ja das Herz und den Geldbeutel öffnet. Der Hosenstall kann übrigens zubleiben, denn diese „Frauen“ existieren nicht und zum Treffen kommt es niemals, egal, wie viele Fahrkarten man bezahlt, wie viele Behandlungskosten für den kranken Opa man übernimmt, wie viele Bearbeitungsgebühren für Papiere man legt, wie viele Beamte man zu bestechen hilft und wofür man sonst noch sein Geld über Western Union und MoneyGram ins Ungewisse schickt…

Hallo!
Mich rufen Ekaterina, aber die freunde nennen mich einfach Katya. Ich will sie kennenlernen. Ich suche den wuerdigen, guten mann fuer die gegenwaertigen beziehungen. Und was sie suchen?

Hallo Katya,

ich kann dich doch als Freund betrachten und Katya nennen, denn du schreibst mir ja immer wieder, und das auch noch auf allen meinen aktiven Mailadressen. Aber obwohl ich so oft von dir lese, bleibst du für mich ein großes Rätsel. Zum Beispiel wegen der deinen Mails angehängten Fotos, auf denen du jedesmal vollkommen anders aussiehst. Aber immerhin, du siehst jedesmal zum Anbeißen aus…

Ich habe mich entschieden, ihnen diesen brief, und es fuer mich den sehr aufregenden moment zu schreiben. Ich hoffe, dass sie mir antworten werden. Wenn, natuerlich, sie fuer die gegenwaertige bekanntschaft interessiert sind.

Auch frage ich mich immer, Katya, wie du denn eigentlich an meine Mailadresse gekommen bist, aber dabei nicht einmal weißt, wie ich heiße. Glaub mir, Katya, wenn du mich mit Namen ansprechen könntest, denn wäre die Chance viel größer, dass ich dir auch antworten würde. Aber so… weißst Du, Katya, das wirkt einfach ein bisschen… nuttenhaft. Aber ganz billig nuttenhaft. Sich da wie eine öffentliche Bedürfnisanstalt hinstellen und sein Angebot der „gegenwärtigen bekanntschaft“ vor einem Millionenpublikum zu offerieren und auf jede Ansprache zu verzichten. Mit Verlaub, Katya, aber wenn ich an einem guten Puff vorbeigehe, denn denken sich die Frauen dort wenigstens etwas aus, wenn sie mich ansprechen. Und überhaupt hat der Puff einen großen Vorteil, denn dort kriege ich wenigstens etwas für mein Geld. Von dir, Katya, und von allen deinen Freundinnen im Geiste, gibt es nur Lügen und triefende Briefe und – wenn einer erstmal angebissen hat – stetige Bettelei um immer mehr Geld und das Versprechen eines baldigen Treffens.

Ich wunsche, meine zweite haelfte zu finden, die leider ich noch ich nicht begegnet bin. Kann es sie sein?

Wieso sehe ich bei deiner Metapher und bei deinem hilflosen Fleischmarkt-Getue vor meinem inneren Auge auf einmal lauter Schweinehälften an Haken hängen? :mrgreen:

Ich hoffe sehr, dass sie mir antworten werden, und es wird ein anfang unserer beziehungen.

Ach, Katya, ich habe dir doch schon so oft in diesem Blog geantwortet, aber du liest es einfach nicht. Sonst würdest du vielleicht deinen Stil ein bisschen verbessern. Mit „unserer Beziehung“ kommt es so einfach nicht voran.

Mit diesem brief, ich schicke ihnen die fotografie. Ich hoffe, dass ich ihnen gefallen werde. Wenn sie mir antworten werden, werde ich mit dem vergnuegen ihnen groesser ueber mich erzaehlen. Wenn sie fragen haben, koennen sie mich fragen.

Wie üblich, Katya, hast du das Bild so ausgewählt, dass es wohl vielen Empfängern spontan gefallen wird. Aber eigentlich habe ich an dich nur noch eine Frage: Wie willst du eigentlich jemanden weis machen, dass du eine langfristige Beziehung zu ihm wünschst, wenn du nur seine Mailadresse hast und noch nicht einmal seinen Namen kennst, geschweige denn etwas über seine persönlichen Lebensumstände weißt? Findest du das nicht ein bisschen unglaubwürdig?

Ich werde auf ihre antwort warten. Ich hoffe, dass sie nicht zwingen werden, auf mich im laufe langer zeit zu warten.

Ich hoffe vor allem, dass du, Katya, im Laufe der nächsten Wochen einen besseren und weniger verwerflichen Broterwerb findest als die hilflose Betrugsnummer.

In der aufregung und der erwartung der antwort, Ekaterina!

P.S: Bitte antworten sie nur auf meine e-mail: katyakukolka (at) yahoo.de

P.S.: Bitte auf gar keinen Fall die Mail beantworten, indem man auf „Antworten“ in der Mailsoftware klickt, denn die Absenderadresse ist natürlich gefälscht. Eine ideale Grundlage für eine langdauernde und tragfähige Beziehung. :twisted:

Diese „Liebesbriefe“ werden zurzeit auch immer mieser…