Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Kategoriearchiv „Satire“

Ein völlig neuer Fetischismus

Dienstag, 14. April 2009

Die Werber im Auftrag von Knorr haben in ihrem Drang nach täglich ansteigender Vergewaltigung der Sprache eine völlig neuartige und bislang noch nirgends beschriebene Form des Fetischismus entdeckt und liefern auch gleich das passende Produkt hierzu, …

Knorr Suppenliebe - versch. Sorten

…die so genannte „Suppenliebe“.

Quelle des Scans: Postwurfmüll der Billigkette „Plus

Knickmatratze

Mittwoch, 18. März 2009

Wie war bei euch noch mal das Motto, das ihr in jeden eurer Reklamezettel reindruckt? So etwas wie „Qualität des Photoshop-Künstlers genau so weit unten wie der Preis“? Oder hieß es vielleicht „Wer uns kennt, hat das Maß für preisliche und körperliche Proportionen verloren“? Oder war es vielleicht doch etwas anderes? Es will mir nur einfach nichts anderes mehr einfallen, seit ich eure letzte Postwurfsendung gesehen habe, diese mit dem „gültig ab dem 23. März“, die ihr hier überall in Hannover in die Briefkästen gestopft habt. Da kann man auf Seite 5 in beinahe halbseitiger Größe die folgende Anpreisung einer Matratze bewundern…

Scan aus der Aldi-Werbung

…und sich eine Menge Fragen stellen. Zum Beispiel, wie dieser Grinsetyp da hinter der Grinseblondine diesen krassen Knick in seinen Körper gekriegt hat, ohne dabei an der rechten Seite aufzureißen und sein Gekröse über die Frau und die Matratze zu verteilen. Aber solche kleinen Missgeschicke passieren den Werbern schon einmal, wenn sie eifrig ein solches Druckwerk zusammenstellen und dabei die Bilder von den Modellen in Stücke schneiden und wieder neu zusammensetzen. Und damit auch ja der letzte Depp merkt, dass dieses Bild eine Montage ist – und zwar eine grottenschlechte – wird das halt einfach so hingepfuscht:

Man beachte den weißen Rand an der linken seite des Armes des Mannes

Was man da auf der rechten Seite des Armes des Mannes sieht, ist ein Beispiel für schlechtes Ausschneiden in Photoshop. Stümper! Ich habe schon bessere Arbeit von 12jährigen gesehen. Und das mit der hingepatschten Hand geht ja wohl gar nicht. Man kann nicht einfach so die Illusion einer Hand erzeugen, indem man ein paar Finger wie heimatlos zu einem Armstumpf legt. Dass irgendwie bei der Gesichtsbearbeitung des weiblichen Modelles sowohl die Hautfarbe als auch die Größe der Nase und des Mundes sichtbar daneben geraten sind, will ich gar nicht weiter erwähnen. Wir haben uns schließlich alle daran gewöhnt, dass jene werbenden Bildnisse von Menschen – nach denen übrigens viele Menschen da draußen ihr Schönheitsideal kalibrieren, dass sie sogar psychisch krank daran werden – dass diese Bildnisse so etwas wie das computergraphische Äquivalent zu Frankensteins Monster sind. Aber für Hände…

Eine völlig verkrüppelte Hand aus dem Aldi-Prospekt

…für Hände hat der unbekannte Photoshop-“Künstler“, der im Auftrage von Aldi diese Werbung gestaltet hat, überhaupt kein Händchen. :mrgreen:

Na, vielleicht lernt er es ja noch.

Seit ich dieses Blog führe, überfliege ich ja nicht nur die Spam, sondern auch die Werbung nach allerhand darin zu findendem Unfung. Das Bildmaterial ist eigentlich immer nachbearbeitet und weist zumindest bei den kleineren Bildern oft deutliche Artefakte schlechter Arbeit auf. Aber ich blogge in der Regel nicht auch noch darüber. Außer, es leuchtet mir riesengroß entgegen und der davon ausgelöste Juckreiz wird unwiderstehlich. Dann muss ich es einfach bloggen. Wenn euch das bei Aldi nicht gefällt, solltet ihr vielleicht einmal ein bisschen Qualitätssicherung machen, bevor ihr solche „Werke“ in die Briefkästen verklappen lasst.

Und der Mann von der PR sagte…

Mittwoch, 11. März 2009

…beim Überfliegen der Tickermeldungen so etwas wie: „Das ist ja geil! Da hat jemand in der Nähe von Stuttgart so ein richtiges Blutbad angerichtet. Mit unschuldigen, wahllos ausgewählten Opfern. In einer Schule, wo jeder auch an Kinder denkt. Das macht irre Angst. Die Leute werden heute googlen wie die Bekloppten. Das ist die Gelegenheit, eine Werbung in Google einzublenden, wenn jemand nach einem typischen Schlüsselbegriff sucht. So ein Blutbad ist gut für das Geschäft!“

Und er ging an die Tasten, loggte sich ein und schaltete flink tippend die Ads, mit nichts weiterem als dem heutigen Anstieg der page impressions im Kopf.

Und das Ergebnis sah so aus:

Google-Ad für die FAZ: Amoklauf in Winnenden

Und er sah, dass es gut war und freute sich über den erfolgreichen Tag und über seine erfolgreiche Haltung, bei jeder sich bietenden Gelegenheit sofort tatkräftig zur Stelle zu sein. Denn der Mann von der PR ist ein richtiger Erfolgsmensch. Einer, der völlig wertneutral auf das Ergebnis schaut. Sonst wäre er ja auch nicht der Mann von der PR geworden.

Wie es freilich der FAZ geht, die so einem Erfolgsmenschen Arbeit gibt, das bleibt offen.

Alles in diesem Text ist Satire, nur nicht der Screenshot vom Google-Ad für die FAZ. Der war heute wirklich in Google zu sehen, wenn man nur das Wort „Winnenden“ oder „Amok“ suchte. Ob es wohl ein Mordserfolg war? Vielen Dank für den Hinweis an C.

112, es brennt!

Montag, 15. Dezember 2008

Als ich beim Durchschauen der Spam den folgenden Betreff sah…

Betreff: Wish to add more fire ino your bedroom life?

…musste ich spontan an den Notruf der Feuerwehr denken. Dies gilt umso mehr, als dass der Inhalt der Mail bereits vollständig verbrannt war – es stand wirklich nichts drin. Schade, denn ich hätte so gern das Schlafzimmer in Brand gesetzt, um mich im Schlaf vom Feuer überraschen zu lassen. :mrgreen:

Ein Gruß aus dem Jahr 1970

Sonntag, 26. Oktober 2008

Im Moment scheinen einige Leute neu mit dem Spammen zu beginnen, die noch weniger Ahnung von den technischen Grundlagen der Internet-Mail haben als die ganzen etablierteren Spamdeppen. Das jedenfalls kann man bei der jüngsten Pest denken.

So erreichte mich vorgestern morgen eine Mail, datiert auf den 1. Januar 1970, 3:23 Uhr. Hoch erfreut bin ich über die Insider-Information, dass es im Jahre 1970 bereits Google-Mail gab, denn die gefälschte Absender-Adresse stammt von dort.

Ansonsten war man eher kurz angebunden und verzichtete auf weitergehende Informationen. Der gesamte Text der Mail macht durchaus den Eindruck, dass er direkt mit dem mail-Kommando (oder vielleicht vorformatiert mit dem legendären Editor ed) unter einem frühen Unix-System auf einer PDP-11 geschrieben sein könnte, obwohl es dieses Unix im Jahre 1970 noch gar nicht öffentlich gab.

Betreff: Salute

http://squcvizahy.net

Irgendwie kann ich nicht glauben, dass es sich wirklich um eine Mail aus dem Jahr 1970 handeln könnte – und der Spamfilter hier wurde auch sehr skeptisch. Aber vielleicht hat sich ja auch ein Zeitloch aufgetan oder ein antiker Mailserver wurde gestern neu gebootet und gibt jetzt Mails frei, die seit fast 40 Jahren in einer verklemmten Queue hingen. Erstaunlich nur, dass diese Mail dann bei mir ankommt, unter einer Mailadresse, die erst seit ca. 7 Jahren existiert. Immerhin würde die Erklärung des neu gebooteten Servers auch erklären, warum plötzlich so viel von dieser Mail bei mir ankommt, und zwar immer entweder mit einem kurzen Link, den ich nicht ausprobieren will, mit einem Bild diverser Medikamente von der Betrugsapotheke „Canadian Pharmacy“ oder mit einer Einladung in ein Online-Casino. Die Geschichte von Viagra muss offensichtlich neu geschrieben werden! :mrgreen:

Übrigens gehen die falsch datierten Mails auch heute weiter, und zwar dergestalt, dass sie in der Zeit voranrücken. Jedes neue Teil aus der Vergangenheit, dass sich an meinem Spamfilter vorbeidrängeln will wie ein Spermatozoon am Gummi des Präservativs trägt einen späteren Zeitstempel – und alle landeten sie recht sang- und klanglos im digitialen Nirvana, wenn ich nicht gelegentlich nach den Rechten schauen würde.

Die letzte derartige Mail ist angeblich vom 16. August 1976, 19:23 Uhr – Tendenz weiter steigend. Und ich kann den Verdacht nicht abschütteln, dass auf der anderen Seite völlige Stümper sitzen, die mit der Brechstange an den Spamfiltern vorbei wollen und deshalb ungesunde Hacks in Skripten machen, die sie überhaupt nicht mehr verstehen. Dabei haben die sich bestimmt gesagt, dass man in dieser einen Variable – nennen wir sie mal $timestamp – vielleicht etwas anderes als die aktuelle Unix-Zeit unterbringen könnte, vielleicht klappt es dann besser mit dem Spammen. Und so gingen sie flugs ans Werk und ersetzten die Zeile $timestamp = time(); durch die etwas andere Zeile ++$timestamp; und zählen seitdem fröhlich die Sekunden der Unix-Zeitrechnung hoch. Dem Erfolg ist es gewiss nicht förderlich.

Ist ja nur so eine Vermutung. Aber genau so bescheuert sind die Spammer – und auch ziemlich genau so „kompetent“. Warum gehen diese Arschdenker nicht einfach verrecken?

Das ist übrigens ein guter Kontext, um einmal auf die Zeitumstellung hinzuweisen. Vor anderthalb Stunden wurde heute, am 26. Oktober 2008, die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Also nochmal: zurückstellen. Nicht falschrum machen. Es kann ja viel schief gehen, wenn man bei Zeitangaben den Sinn nicht richtig versteht – zum Beispiel könnte man das heutige Treffen der hannöverschen Blogger verpassen…

Schon gewusst?

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Schon gewusst? Käse mag es kühl und dunkel!

Dies gilt übrigens nicht nur für das beliebte Nahrungsmittel. Auch der ganze Käse, der in des Werbers Kopf jeden Tag heranreift und unser aller Welt durchseucht, bevorzugt ein Milleu, das von Kälte und Dunkelheit geprägt ist. Das Herz muss kalt sein, und der Verstand verfinstert, sonst kann keine Werbung im heutigen Sinne entstehen.

Quelle des Scans ist eine aktuelle Postwurfsendung von extra.

Baukasten 08/419

Montag, 13. Oktober 2008

Wer sich schon einmal gefragt hat, wie die Texte dieser ganzen Spam zum Vorschussbetrug entstehen: Die Spammer verwenden einen kleinen Baukasten. Exklusiv für „Unser täglich Spam“ wird hier die einfachste Form dieses Baukastens präsentiert.

[ ] Hallo!
[ ] Hi!
[ ] Mein Erlöser!

(Der Name und die zugehörige formelle Anrede wird weggelassen, da er dem Spammer in der Regel nicht bekannt ist.)

Es wird sie vielleicht überraschen, diesen Brief zu erhalten. Ich bin

[ ] Mr. X aus Y
[ ] Priester Z der Satan’s Fellowship
[ ] Frau X aus Y
[ ] Alfred E. Neumann

wohnhaft

[ ] in Afrika
[ ] den Niederländischen Antillen
[ ] hinterm Mond
[ ] hinter schwedischen Gardinen
[ ] rechts von Beteigeuze

und benötige dringend Ihre Hilfe bei einer größeren finanziellen Transaktion in Ihrem Land. Mein

[ ] Ehepartner
[ ] Kind
[ ] treuer Hund
[ ] Guru
[ ] Staatschef

ist vor wenigen Tagen durch

[ ] einen Autounfall
[ ] einen Amokläufer
[ ] ein Flugzeugunglück
[ ] einen Meteroiten
[ ] eine UFO-Attacke
[ ] göttliche Gerechtigkeit
[ ] moralische Skrupel

plötzlich verstorben und hat mir einen Betrag von

[ ] 800.000
[ ] 2.718.281
[ ] 3.141.593
[ ] 6.274.000

US-amerikanischen Dollars (USD) hinterlassen, an den ich leider nicht ohne Ihre Hilfe herankomme. Ich habe die Absicht, dieses Geld in Ihrem Land in

[ ] Heroinplantagen
[ ] Handyläden
[ ] Medienwirtschaft
[ ] Immobilien
[ ] die Rüstungsindustrie
[ ] das Religionsgeschäft
[ ] alles oben genannte

zu investieren und bedarf hierzu eines zuverlässigen Partners. Wenn Sie mir helfen, werde ich Ihnen vom oben genannten Betrag

[ ] 10
[ ] 15
[ ] 20
[ ] 23
[ ] 240

Prozent als kleine Anerkennung für Ihre Dienste zukommen lassen. Wenn Sie Interesse an unserer Kooperation haben, schreiben Sie mir bitte zurück, aber verwenden Sie bitte nicht die Antworten-Funktion in Ihrer Mailsoftware, da ich diese Mail nicht mit meiner normalen Adresse, sondern

[ ] aus einem Internet-Café
[ ] bei einem Freund
[ ] aus dem Gefängnis
[ ] am Computer meines Kindes
[ ] in geistiger Umnachtung

geschrieben habe. Senden Sie Ihre Antwort stattdessen an [hier die Adresse bei einem kostenlosen Mailanbieter eintragen], und wir klären die Einzelheiten dieser Transaktion. Ich bin wirklich auf

[ ] Ihre Hilfe
[ ] professionelle Hilfe

angewiesen und warte auf Ihre Antwort.

[ ] Mit warmem Gruß!
[ ] Mit freundlichen Grüßen!
[ ] Gott segne Sie!
[ ] Seien Sie so doof!

[Hier einen Fantasienamen einsetzen]

Achtung! Es ist dringend erforderlich, den mit diesem Baukasten erstellten Text von Google oder von Altavistas Babelfish erst in Suaheli, dann in Französisch und anschließend in die gewünschte Endsprache zu übersetzen, damit er auch überzeugend wirkt. Viel Spaß beim Betrug!

Es ist kaum noch auszuhalten, wie viel von diesem Schrott im Moment hier ankommt. Gibt es wirklich noch Leute, die darauf reinfallen?