Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Tagesarchiv für den 23. März 2015

Neue Nachricht

Montag, 23. März 2015

Oh, was für ein aussagekräftiger Betreff! Wenn es da nicht stände, würde ich gar nicht bemerken, dass eine neue Spam angekommen ist! :mrgreen:

Von: LEO Smartkey <service (at) leo (strich) smartkey (punkt) de>
An: Eine von mir niemals für Registrierungen oder irgendeine Kommunikation verwendete E-Mail-Adresse, die man aber dennoch mit einem Harvester einsammeln kann.

Damit sollte völlig klar sein, dass die folgende, wenn auch zugegebenermaßen gut gemachte Reklame-Mail nicht nur übliche Werbung, sondern illegale und asoziale Spam ist, die beim Empfänger den Verdacht nahelegen sollte, es mit betrügerischen „Geschäftemachern“ zu tun zu haben:

Screenshot der Spammail, wie sie im Mozilla Thunderbird dargestellt wird

Also niemals verblenden lassen, wenn eine Spam mal gut aussieht! (Das kommt ja selten genug vor.) Sie bleibt eine Spam. Sie wird nicht weniger illegal und nicht weniger asozial dadurch, dass sie von jemanden gestaltet wurde, der wenigstens etwas Geschmack hat. Übrigens ist auch die in der Spam verlinkte Website – von einem Klick in eine Spam kann man wegen der davon ausgehenden Gefahr für die Computersicherheit nur abraten! – durchaus gut gemacht und erweckt schnell einen Eindruck, der nicht zum illegalen Werbemittel der Spam passen will, wenn man einmal davon absieht…

KEYOS GmbH - LEO SMARTKEY - Copyright 2014 All rights reserved

…dass das proklamierte Copyright an dieser Website bei einer Klitsche mit dem hübschen Namen „All rights reserved“ liegt. :D

Die verwendete Domain ist seit dem 4. Oktober 2013 registriert, erweckt also keinen Verdacht zusätzlich zur illegalen Spamwerbung. Die bei der Registrierung gegenüber der DeNIC angegebenen Daten sehen plausibel aus, die Website ist bei 1&1 gehostet. Die E-Mail wurde über eine fest vergebene Business-IP-Adresse der Deutschen Telekom versendet. (Meine Abuse-Mail an die Telekom ist bereits draußen und wird dort bearbeitet.)

Es scheint also tatsächlich der Fall zu sein, dass hier eine echte „Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“ aus der Bundesrepublik Deutschland aus mir nicht näher bekannten Gründen zur Auffassung gelangt ist, dass mechanisch erzeugte, illegale Massenmail an mit Harvestern eingesammelte Mailadressen von Menschen, die niemals irgendein Einverständnis mit dieser Zumüllung erklärt haben, eine gute und billige Werbung sei. Ich kann dieser Unternehmung hierzu nur mit deutlich gereizter Stimme zurufen: Nein, das ist es nicht; es ist sogar eine dumme Scheißidee, die eure Reputation nachhaltig kaputtmachen wird! Ihr stellt euch in eine Reihe mit Pimmelpillen-Apothekern, Betrugscasinos und Vorschussbetrügern. Da wollt ihr nicht wirklich stehen!

Und jetzt zur Mail:

LEO SMARTKEY

Tja, wenn mans schon im Betreff nicht sagt, worum es geht, muss man es eben an anderer Stelle sagen.

Ab jetzt gibt es ein neues Zuhause für Deine Schlüssel, welches für Staunen und Begeisterung bei Dir und im Freundeskreis sorgen wird.

www.leo-smartkey.de

Nun, zumindest ich gehöre nicht zu den Leuten, die bei jeder Gelegenheit irgendein Dingens aus der Tasche holen, um damit andere Leute zu beeindrucken, weil ich das mit meiner Person und meinen Fähigkeiten nicht hinbekomme. Aber wie man an überteuerten Smartphones mit aufdringlichem Markenfetisch und anderen hochpreisigen gadgets sehen kann, scheint das verhungerte Selbstwertgefühl einiger meiner Mitmenschen ja durchaus eine Geschäftsgrundlage zu sein. :mrgreen:

Neben dem „Feature“, dass man damit Eindruck machen kann, zeigt sich für mich nur wenig Sinn in einem Produkt, dessen Benutzung zur Folge hat, dass man bei leeren Batterien vor verschlossener Tür steht. Das muss dieses „smart“ aus der Produktbezeichung sein, es scheint zu bedeuten, dass etwas formschön gegossener Kunststoff in einigen Fällen durchaus intelligenter als sein Käufer sein könnte.

Dein LEO Smartkey Team

Vor allem ist es sooooo „mein“… :D

You received this email as a client or subscriber of KEYOS GmbH
Click here to unsubscribe.

Och, auf einmal ist das Deutsch ausgegangen! Es war wohl ein bisschen zu mühsam, das Spamskript anzupassen, und hey, der Link ist doch drin, das reicht doch…

Aber dafür steht jetzt endlich ein „Click here“ in der Spam – ein Linktext, den kein denkender und fühlender Mensch jemals tippen würde, wenn er einem anderen denkenden und fühlenden Menschen etwas mitteilte. Das ist ein treffsicheres Merkmal zum automatischen Aussortieren der Kommunikationsversuche von Gestalten, deren Fehlen man gar nicht bemerken würde, wenn es sie nicht gäbe.

Our address: Wetzlarer Str. 86, 14482 Potsdam
Phone: (0800) 7627xxxx

Nun, liebe Meteoriten, nutzet eure Chance und fallet feurig und schwer auf Potsdam herab!

Diese E-Mail wurde von Avast Antivirus-Software auf Viren geprüft.
www.avast.com

Und dieser dumme Reklamespruch für das Antivirus-Schlangenöl von Avast ist neben „Click here“ ein weiteres Kriterium, um zielsicher unerwünschte Mail ins virtuelle Tönnchen zu befördern, denn er würde von keinem Menschen, der wirklich etwas mitzuteilen hat, in eine Mail geschrieben.

Warum nicht?

Nun, das hat folgende Gründe:

  1. Wer belästigt andere Menschen mit Werbung? Vor allem, wenn es nicht einmal Geld dafür gibt, dass man diese Werbung macht? Nur ein Vollidiot.
  2. Die Aussage im Werbespruch ist für den Empfänger vollkommen wertlos und möglicherweise sogar gefährlich. Jeder kriminelle Spammer kann diesen Spruch in seine Spam schreiben und eine aktuelle Kollektion von Schadsoftware anhängen. Schon eine – im Falle leichter Verständnisschwierigkeiten – fünfsekündige Benutzung eines handelsüblichen Gehirnes macht also die völlige Nutzlosigkeit einer solchen „Zusicherung“ klar. Wenn Menschen anfangen, zu derartigen zu Reklamezwecken mechanisch in die Mails gemachten „Zusicherungen“ Vertrauen zu entwickeln, ist dies sogar eine Unterstützung für den kriminellen Spammer mit Schadsoftware, der einfach den Spruch übernimmt. Eine Unternehmung, die diesen sinnlosen und potenziell gefährlichen Spruch automatisch unter jede Mail schreibt, macht damit nur klar, dass sie die Empfänger ihrer E-Mail verachtet, für dumm hält und zudem kein Problem damit hat, kriminellen Spammern zuzuarbeiten.
  3. Warum sollte jemand davon ausgehen, dass in einer erwünschten E-Mail eines bekannten Absenders Schadsoftware steckt? Der nichtssagende und potenziell gefährliche Avast-Reklamespruch ist eine Antwort auf eine Frage, die sich bei legitimer E-Mail niemals stellt, die sich jedoch bei halbseidener Reklame und offener Spam regelmäßig stellen sollte. Und genau das spiegelt sich auch in den E-Mails wider, in denen ich diesen Spruch regelmäßig sehe. Da wächst zusammen, was zusammen gehört, der über Spam vorangetragene Betrug findet einen Komplizen im Verkäufer wirkungslosen Schlangenöls.
  4. Natürlich weiß ich, dass in vielen Unternehmungen E-Mail auf dem E-Mail-Server nach Schadsoftware gescannt wird. Wenn dabei so ein reklamehafter und potenziell gefährlicher Spruch unter die E-Mail geschrieben wird, sagt die Unternehmung damit jedem einzelnen ihrer E-Mail-Empfänger: „Du bist es mir nicht wert, dass ich mir anschaue, wie ich von mir verwendete Software so konfiguriere, dass du nicht mit sinnlosen und potenziell gefährlichen Reklamesprüchen irgendwelcher Dritter unter meinen Mails belästigt wirst; der kleine Aufwand, den ich dafür deinetwegen hätte, ist mir zuviel Mühe“. Es mag masochistisch veranlagte Leute geben, die Unternehmungen mit einer derartigen „Kultur“ im Kundenkontakt ganz toll finden, ich gehöre da nicht zu und werde da auch niemals zugehören. Ich würde vielmehr jedem davon abraten, sich dieser Gruppe von Leuten anzuschließen.

Und deshalb landet bei mir jede Mail mit dem Avast-Spruch im Glibbersieb. Das hat sich in den vergangenen Monaten noch nicht ein einziges Mal als eine Fehlerkennung erwiesen, es handelte sich immer um E-Müll.

WE NEED YOU URGENTLY

Montag, 23. März 2015

Ganz dringend braucht ihr mal wieder ein paar neue Opfer zum Ausnehmen! Ist auch echt schlimm, dass das Geld vom Verprassen immer so schnell alle wird…

ExxonMobil House
Ermyn Way
Leatherhead
Surrey, KT22 8UX.
E-mail: williamhowell (at) mail2world (punkt) com

Wir merken uns: „Mitarbeiter“ von Exxon nehmen nicht etwa eine Mailadresse in der Domain von Exxon, sondern einen eher etwas obskur wirkenden Anbieter kostenloser und anonym zu registrierender E-Mail-Postfächer. Es gibt ja auch keinen einzigen Grund für einen Konzern dieser Größe, irgendwelche Geschäftsgeheimnisse zu wahren. :mrgreen:

Dear Sir/Madam

Wie üblich, wenn einem riesen Konzerne, die Vereinten Nationen, irgendwelche Prinzen aus Afrika oder mit Millionen Dollar vollgesogene Sterbende schreiben und in der Mail mit gewaltigen Bündeln von Banknoten wedeln, wissen sie nicht, wie sie den Empfänger der Spam ansprechen sollen. Das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, wenn sie nur mal kurz per E-Mail abkaspern wollen…

I am Mr. William R. Howell, representing the operation and corporate affairs in contract related matters of Exxon Mobil in London (http://www.exxonmobil.com). Exxon Mobil is one of the World Largest oil producing and Management Company with over 1.2 Trillion pounds Capital contract Investment.

…natürlich mit jeder Menge eingeschobenen substanzlosen Blah, der nichts mit dieser eigentlichen Sache zu tun hat, aber den für jeden Betrug so wichtigen Eindruck von Seriosität erwecken soll…

As a senior operational and corporate affairs representative of Exxon Mobil that handle contract related matters, I successfully over invoiced a contract few years back which is not known by anybody and, I need your full cooperation and partnership to re-profile this contract funds amounting to £94.06M British pounds to your name as the contractor that executed this contract in Asia few years.

…also… wenn sie mal kurz per E-Mail abkaspern wollen, dass sie dem Empfänger der Spam fast hundert Millionen britische Pfund anvertrauen wollen. Wir kennen das alle aus unserem Alltag, wenn wir einem beliebigen Menschen auf der Straße ansprechen, ihm eine 500-Euro-Note in die Hand drücken und ihn bitten, da mal kurz drauf aufzupassen, weil wir etwas zu erledigen haben – einfach nur, weil er so eine hübsche Mailadresse hat, der man vertrauen kann. Das ist uns auch allen selbst schon mal passiert, dass wir plötzlich mit den Banknoten irgendwelcher Unbekannter in der Hand auf der Straße standen. Es gibt ja auch nichts, was dagegen spräche. :mrgreen:

The fund will be paid to you through a Finance Company where it is presently deposited as soon as the filing and documentation process is concluded in your name because the contract was executed by Exxon Mobil United Kingdom in Asia.

Bedauerlicherweise weiß „Exxon“ noch nichts davon, wofür die Dienstleistungen eines Kreditinstitutes gut sind und erledigt diesen Pfennigkram deshalb nicht über eine Bank, sondern über ein obskures Verfahren. Deshalb muss der Mensch, der diesem „Exxon“ diese Geschichte abkauft, auch später noch so viel Geld über MoneyGram und Western Union zu völlig anonymen Empfängern senden, statt einfach eine wesentlich kostengünstigere Überweisung auf ein Bankkonto oder einen Scheck zum Einreichen zu erhalten. Natürlich ist dieses Geld im Namen des Empfängers hinterlegt, und das ist der Name, mit dem mich der extrawichtige Absender dieser betrügerischen Spam nicht ansprechen konnte. Deshalb, und nur deshalb…

Most importantly, you will be required to fill your data’s stated below to enable me arrange legal documents that will proof you as a sole contractor with EXXON MOBIL:

(1). Stand as the beneficiary / contractor with Exxon Mobil to receive the funds as I will present you before the firm with legal documents.

(2). Receive the funds into a business/personal bank account in your country.

(3). At the completion of this transaction, the sharing rates shall be 60% for me, 40% for you.

(4) Full Names;
(5) Contact Address:
(6) Direct Telephone No:
(7) Occupation:
(8) Age and Marital Status:
(9) Means of Identification:

…muss dem Menschen mit seiner ziemlich anonym eingerichteten Mailadresse auch erstmal mitgeteilt werden, wie man überhaupt heißt. Wäre ja auch mistig, wenn sich herausstellt, dass da ein ganz anderer Name auf dem Zettel steht. :mrgreen:

Note: Do not contact my office number or company email for security reasons. Get back to me as soon as possible For more details about the funds. Please E-mail: williamhowell (at) mail2world (punkt) com

Bitte auf gar keinen Fall eine überhaupt nicht genannte Telefonnummer anrufen, sondern einfach an die obskure Mailadresse schreiben! Dabei nicht darüber wundern, dass die Absenderadresse dieses Mülls ganz anders aussieht! Dieser Spammer kann das noch nicht so gut mit dem Fälschen des Absenders einer Spam, aber demnächst wird er das auch noch von einem dahergelaufenen zehnjährigen Nachwuchshacker lernen. Oder auch nicht, weil er zu sehr mit der nasalen Einnahme von weißem Pulver beschäftigt ist, als dass er noch Lust hätte, etwas zu lernen.

Best Regards.
Mr. William R. Howell,
Operation and Corporate Affairs Officer
ExxonMobil London.

Mit freundlichen Grüßen von einem Vorschussbetrüger, der es zwar geschafft hat, sich einen paar neue Textfragmente für den Beschiss auszudenken, der aber deshalb lange noch nicht intelligent oder auch nur talentiert wäre.