Unser täglich Spam

Aus dem Internet frisch auf den Tisch. Köstlich und aromatisch.


Tagesarchiv für den 5. Juli 2013

Informationen bezüglich Ihres PayPal-Kontos

Freitag, 5. Juli 2013

Endlich habe ich auch einmal eine Mail mit einer Klarnamen-Ansprache – und ich kann wegen der verwendeten Mailadresse ganz genau sagen, wo dieser Name herkommt: Er kommt aus dem Impressum einer Website. Die Mailadresse wird von mir an keiner anderen Stelle verwendet.

Die Daten für die Mails mit namentlicher Ansprache scheinen also wirklich aus diversen Quellen zusammengeführt zu werden. Eine Quelle sind dabei gesetzlich erzwungene Angaben auf Websites. Oder, um es mal etwas schärfer zu sagen: Die absurde, in der BRD geltende Impressumspflicht auch auf privaten Websites arbeitet direkt der organisierten Internet-Kriminalität zu. Ob sie darüber hinaus für irgendjemanden irgendeinen Vorteil hat? Außer vielleicht für Abmahnanwälte und sonstige Juratrolle, die nicht extra whois tippen müssen, um eine ladefähige Anschrift zu erhalten?

Ach! :(

Ich bitte zu beachten, wie gut diese Phishing-Mail formuliert wurde. Auch ihr Layout entspricht dem, was ein PayPal-Kunde gewohnt ist. Ich halte diese Spam für sehr gefährlich.

Sehr geehrter Herr Elias Schwerdtfeger,

In der Tat, so heiße ich!

im Rahmen unserer aktuellen Sicherheitsprüfungen haben wir bezüglich Ihres PayPal-Kontos einige Unstimmigkeiten entdeckt. Um alle Unstimmigkeiten zu klären, ist es nötig Sie als eindeutigen Inhaber zu ermitteln.

Moment mal, ihr könnt mich anmailen und ihr sprecht von „meinem Konto“, aber ihr haltet es für nötig, mich als „eindeutigen Inhaber“ zu ermitteln. Wegen irgendwelcher nicht einmal angedeuteter „Unstimmigkeiten“ Das klingt jetzt aber doof und wenig überzeugend. Man könnte auch von einer „Unstimmigkeit“ sprechen…

Wie geht es jetzt weiter?

Na, ist doch klar: Ich lösche den Müll. Aber nein, das kann ein Spammer mir doch nicht empfehlen

Bitte klicken Sie auf „Konfliktlösungen“. Dort ist ganz genau beschrieben, weshalb wir diese Prüfung durchführen und welche Informationen wir von Ihnen benötigen.

Konfliktlösungen

Wer auf den Link – der übrigens mit CSS im Stile einer Schaltfläche gestaltet wurde – klickt, landet nicht auf der PayPal-Website, sondern auf einer Site unter der Domain paypal (strich) konflikt45920 (punkt) net.

Die Phishing-Seite ist inzwischen vom Netz. Man hätte dort – genau wie bei früheren Versionen der Phishing-Masche – Gelegenheit erhalten, Kriminellen die Login-Daten zum PayPal-Konto und im zweiten Schritt alle für einen Betrug erforderlichen Kreditkartendaten zu geben. Die Frage, warum man Daten noch einmal eingeben soll, die PayPal schon längst bekannt sind, soll man sich dabei natürlich nicht stellen. Schon nach dem angeblichen „Login“ können die Verbrecher das PayPal-Konto beliebig missbrauchen.

Wer darauf reingefallen ist, sollte sofort sein Passwort ändern und sich mit PayPal in Verbindung setzen. Wer im folgenden Schritt Kreditkartendaten angegeben hat, sollte ebenfalls sofort Kontakt mit seiner kontoführenden Bank aufnehmen und seine Kreditkarte sperren lassen.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Mithilfe in dieser Angelegenheit.

Herzliche Grüße,
Ihr PayPal-Team

Das ausgesprochen patzig und formelhaft wirkende „vielen Dank“ in einem solchen Kontext ist die letzte Schwäche dieser Phishingmail.

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Nein, diese Spam kommt nicht von PayPal. Aber es ist eine verdammt gute Phishing-Mail, auf die viele arglosere Menschen hereinfallen können.

Übrigens: Würde PayPal (und jeder andere Dienstleister) dazu übergehen, alle seine Mails digital zu signieren, so dass jeder Empfänger in die Lage versetzt wäre, sich davon überzeugen zu können, dass Mails wirklich von PayPal kommen und inhaltlich unverändert sind; würde PayPal (und jeder andere Dienstleister) einen solchen Schritt mit Aufklärung und Unterstützung seiner Kunden in Sachen PGP begleiten, so dass nach kurzer Zeit wenigstens jeder Kunde von dieser Möglichkeit gehört hat… ja, dann würde dem Phishing ganz schnell das Wasser abgegraben, und niemand würde diese Form der Kriminalität vermissen, außer vielleicht drei Handvoll Verbrecher, die nur ihre Mutter liebhaben kann. Aber vermutlich ist PayPal (und jeder andere Dienstleister) mit dem Einsatz einer seit fünfzehn Jahren verfügbaren Technik überfordert und bedarf der kompetenten technischen Unterstützung, und vermutlich ist wegen der Wirtschaftskrise nicht das Geld dafür übrig, kompetente Fachleute für die Implementation einer kryptografischen Signatur der versendeten E-Mail zu bezahlen. Dass PayPal (und jedem anderen Dienstleister) die Kunden und ihre möglichen finanziellen Schäden scheißegal sind, möchte doch niemand annehmen, oder?

Das sähe ja wie Kundenverachtung aus… :mrgreen: